Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doch im falschen Fach?
WackenDoc
08.01.2017, 19:03
Irgendwie kommt es für mich rüber, dass du gar nicht wirklich weisst, was du willst und Derma womöglich auf der Wunschliste ganz oben steht, weil dir klar ist, dass du eh keine Stelle bekommst (Ist es echt so schlimm in Derma mit der Stellensuche?- Mal ne Frage an die anderen)
Die absolute Wunschstelle wirst du nie bekommen.
Irgendwie ist das alles auch etwas unschlüssig: Anästhesie ist nichts weil du lieber operieren willst- aber das absolute Wunschfach ist Derma, wo eher die kleineren Sachen operiert werden und das auch nur einen kleinen Teil der Arbeit ausmacht.
Mal davon abgesehen, dass nach einer Woche keiner gut Intubieren kann.
Allgemeinmedizin beschreibst du auch merkwürdig- einerseits zu langweilig, andererseits willst du dann die Komplexität irgendwie nicht. Andererseits wäre es durchaus mit der Familienplanung vereinbar.
Chirurgie macht dir eigentlich Spass, aber doch nicht wirklich und es ist mit der Familienplanung nicht vereinbar.
Wie wäre es mit Orthopädie- da gibt es die Möglichkeit der Niederlassung und es bietet eine Mischung aus konservativ und operativ.
Versuch´s doch mal umgekehrt: Was reizt dich an der Dermatologie. Vielleicht findet sich ein Fach das diese Eigenschaften auch hat.
Locutus001
09.01.2017, 00:53
Das schöne an Allgemeinmedizin ist ja, dass es sogar ein klitzekleinwenig operativ sein kann, wenn man es unbedingt will. Man kann ja seine eigenen Schwerpunkte auch irgendwie setzen. Mach ich lieber einen auf psychosomatisch? Akupunktur und alternative Medizin? Geriatrie? Eher ein bisschen Kardiologie als Schwerpunkt? Eher ein bisschen Orthopädie als Schwerpunkt? Nur so oberflächlich Wischwasch und Überweisungen? Selbstständig oder angestellt? (sogar ambulant oder stationär!) Oder Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastro oder Geriatrie ist bestimmt voll der Bringer. V.a. Facharzt für Geriatrie und dann in der Reha wo Du dann PEG-Anlagen, Schluckis, Endoskopie, Bronchoskopie, etc. machen kannst und die Arbeit ist familienfreundlicher als im Akuthaus... Nur der Weg dahin ist halt nicht so pralle...
Ich verstehe Dich GENAU! Weil es mir auch so geht. Ist alles irgendwie nicht so der Bringer und reißt mich alles auch nicht so vom Hocker... und das und das und das passt mir eigentlich auch überhaupt nicht daran... aber hey, irgendwas muss ich halt arbeiten, dann such ich mir eben das angenehmste raus. Denn ganz ehrlich, mir fehlt die absolute Leidenschaft für irgendein bestimmtes Fach, die einige andere antreibt. Ich denk mir halt "ist so okay...". Und bei anderen bin ich total neidisch, dass die eben NUR Gynäkologie machen wollen, weil es DAS Fach für die ist. Und die blühen darin auf, freuen sich einen ab und sehen das garnicht so richtig als Arbeit an. Aber ab einem gewissen Punkt ist es vielleicht besser zu akzeptieren, dass es DAS Fach für einen einfach nicht gibt. Oder noch nicht gibt. Ich weiß auch garnicht warum so viele hier schreiben "mit der Zeit wird es in jedem Fach immer das gleiche und dann ein bisschen langweilig", ich finde im Gegenteil, je länger man in einem Fach arbeitet, desto mehr Ahnung hat man und desto mehr macht es dann doch auch Spaß. Vielleicht musst Du halt einfach gut werden in dem Fach welches für dich von der Work-Life-Balance her gut ist und dann macht das auch Freude. Soll viele sehr glückliche Pathologen geben. Tolle Work-Life-Balance, darfst auch rumschnibbeln, bist aber auch ein bisschen schlauer als ein Chirurg. Ist doch auch top.
Feuerblick
09.01.2017, 05:48
Nee, Locutus, das täuscht. Am Anfang ist es Stress, dann (mit mehr Ahnung) macht es Spaß und nach ein paar Jahren wird es (insbesondere im niedergelassenen Bereich) zur Routine, die dann auch durchaus langweilig sein kann. Eben weil es immer das gleiche ist und man dich kaum noch überraschen kann. Ist ganz normal. Aber es ist halt auch nur ein Job wie jeder andere. Daher fallen ja diejenigen, die ihren Job als Berufung sehen, so oft enttäuscht auf die Nase.
Locutus001
09.01.2017, 08:58
Nee, Locutus, das täuscht. Am Anfang ist es Stress, dann (mit mehr Ahnung) macht es Spaß und nach ein paar Jahren wird es (insbesondere im niedergelassenen Bereich) zur Routine, die dann auch durchaus langweilig sein kann. Eben weil es immer das gleiche ist und man dich kaum noch überraschen kann. Ist ganz normal. Aber es ist halt auch nur ein Job wie jeder andere. Daher fallen ja diejenigen, die ihren Job als Berufung sehen, so oft enttäuscht auf die Nase.
Oha! Ich hoffe Du hast Unrecht! Zumindest bei meinem Vater war es so und ist ihm dann später auch nicht langweilig geworden. Ich bleib da erstmal optimistisch, alles andere hilft ja auch nicht wirklich. Reicht mir schon wenn ich meinen Job routiniert mit etwas Freude erledigen kann und nebenbei ne gute Work-Life-Balance habe. Muss jetzt nicht jede Woche am Wochenende zuhause sitzen und mir wünschen, dass hoffentlich wieder Montag ist und ich zur Arbeit darf ;-)
Feuerblick
09.01.2017, 09:51
Ich mochte mein Fach wirklich gerne, aber insbesondere die Routine in der Praxis hat irgendwann nur noch genervt, weil es immer wieder der gleiche Kram war. In der Klinik ging es etwas besser, aber auch da kam halt irgendwann auch die Routine mit nur wenigen Unterbrechungen. Aber so ist das halt in jedem Job...
Also diese Beiträge von wegen: "entscheide was du in 30 Jahren machen willst"... so seh ich das nicht!
Es ändert sich so viel im Leben, man kann nicht alles planen. Klar, wer eine Unikarriere anstrebt sollte genau das auch machen. Wer Professor werden will, sollte eine sinnvolle Dr-Arbeit machen etc. Aber für die "normalen" Menschen gilt doch: versucht einfach gut zu werden und schaut was passiert. Ich dachte, dass ich mir ein Fach rausgesucht hab in dem ich den Rest des Lebens in der Klinik verbringen werde. Dann hat sich ein Kollege von mir, ein paar Jahre älter, niedergelassen und genießt es. Ich dachte Vordergrunddienste sind grundsätzlich besch..., inzwischen bin ich der "größere" Vordergrund, hab gestern rekordmäßige null Patienten im Nachtdienst in der Notaufnahme gesehen weil ich mich eher so mit spannenden Patienten auf Intensiv beschäftigt hab und dann die gesamte Nacht entspannt durchgeschlafen. Es ändert sich ständig. Und das von Klinik zu Klinik und Fach zu Fach und wenn neue Kollegen kommen etc. Es muss einfach zum Leben grad passen.
Ich find es halt nur wichtig, dass man irgendwie vorankommt. Bei mir wirds jetzt dann ein Facharzt, ob ich das bis zum Ende des Lebens mach, weiß ich noch nicht. Mein Facharzt wird in manchen Kliniken alleine schon deshalb gebraucht, damit man für den Notfall jemanden hätte. Während man eigentlich völlig andere Dinge operiert. Wird man sehen.
krachbumente
09.01.2017, 18:44
Ganz Interessante Diskussion. Ich habe auch in der Ich/Ortho angefangen und bin nun in ein kleineres Fach gewechselt und auch noch unschlüssig ob das die wahre Entscheidung war.
McDreamy
10.01.2017, 19:18
Alle haben wahrscheinlich ein bisschen Recht. Anästhesie kam seit dem Wochenpraktikum nicht mehr in Frage, weil ich immer auf der anderen Seite stehen wollte und intubieren sich für mich ungefähr angefühlt hat, wie das Wechseln von Traktorreifen
Ähäm - *RÄUSPER*
Wenn Intubieren sich anfühlt wie Traktorreifen wechseln, wie meinst du denn, dass sich das Operieren anfühlt?
Ich will dir ehrlich nicht zu nahe treten, aber ich denke du steckst da gerade in diesem klassischen "Generation-Y-Konflikt" drin, von dem ich immer gedacht hätte, er sei nur ein Medien-Klischee. Du willst am liebsten alles und sofort - zu deinen Bedingungen. Aber da draußen wartet niemand auf dich.
Lehn dich mal ´n bisschen zurück und atme tief durch. Berufswahl ist nicht wie RussischRoulette - wenn du mal das Falsche wählst, bist du nicht gleicht tod! Wenn in der Derma grad keine Stelle frei ist, fang erst mal mit irgendwas anderem an, das dir später für (fast jeden) FA angerechnet wird - z.b. Innere? Die Basics der Inneren wirst du auch als Dermatologe drauf haben müssen! Oder z.b. Chirurgie wenns denn was mit Messerschleifen zu tun haben soll - diese Skills wirst du auch beim Operieren als Dermatologe brauchen. Meistens ändern sich die Perspektiven ganz gewaltig, wenn man erstmal im Job ist. Wenns denn danach immer noch Derma sein soll, mach mal eine interne Hospitation auf der Derma (ist ja meistens unproblematisch, wenn man im selben Haus arbeitet und schon ein paar Leute kennt - da schaut man dann einfach mal 1 Monat bei denen vorbei!). Denn meiner Erfahrung nach ist die allerbeste Entscheidungshilfe wenns um einen Beruf geht noch immer die tatsächliche Tätigkeit darin!!
Dann frag dich mal ganz ehrlich - warum eigentlich Derma? Was versprichst du dir von dem Fach? Und decken sich deine Vorstellungen auch mit der tatsächlichen Arbeitsrealität (um das herauszufinden - siehe oben).
Das perfekte Fach gibt es nicht, aber es gibt vielleicht noch einige andere Fächer, die deinen Anforderungen entsprechen, und nicht das geringste mit Derma zu tun haben...
Aja und: Anästhesie ist so viel mehr als nur intubieren... Als PJler kriegt man das häufig gar nicht mit, weil Anästhesie leider nicht so "öffentlichkeitswirksam" ist wie z.b. die Chirurgie. Bei den Chirurgen kann man zusehen, Bei der Anästhesie kriegt man die Action häufig gar nicht mit. Das Fach bietet viel Abwechslung und kann bis ins hohe Facharzt-Alter anspruchsvoll sein (was auch nicht immer zu den Vorteilen gezählt wird ;-) ). Aja, und nicht zuletzt auch Work-Life-Balnace-kompatibel. So, und nun wieder Ende der Werbe-Einschaltung...
Ist doch völlig egal, wieviele Frauen es in einem Fach gibt. Du hast als Frau dann vermutlich sogar den Vorteil, dass man dich eher einstellen will, weil das eine gute Außenwirkung hat. Auch bei einer Praxis wäre das sicher eher ein Vorteil als ein Nachteil. Wenn dich UCH fasziniert, dann mach UCH. Dort hast du den direkten therapeutischen Effekt, dort hast du keine Langeweile. Du musst halt damit leben können, dich sechs Jahre lang durchzubeißen und wenig Planbarkeit zu haben.
Wenn Planbarkeit für dich unentbehrlich ist, dann mach Anästhesiologie, KJP, Labormedizin, Nuklearmedizin, Pathologie, Physikalische Medizin, Psychiatrie, Psychosomatische Medizin, oder evtl. Hämatologie/Onkologie oder Rheumatologie... In der Hämatologie/Onkologie erlebt man viele therapeutische Erfolge. Aber eben auch viele Fälle ohne Erfolg, die einem persönlich sehr nahe gehen können.
Du musst dir halt klar werden, was du willst. Irgendwo wirst du vermutlich Abstriche machen müssen.
Ich würde an deiner Stelle mal überlegen, was es genau war, dass dir an UCH so gut gefallen hat, und was es genau war, was dir an Anästhesiologie nicht gefallen hat. Sobald man das weiß, kann man besser überlegen, welches Fach zu dir passen könnte. Aber Derma kannst du streichen, so wie du dein Gefühl dabei beschrieben hast.
Ja, es wäre interessant, wie die TE denkt, was sie reizt.
Bislang haben wir ja nur das negative erfahren.
Wenn ich allerdings nicht in der Klinik auf lange Sicht bleiben will, würde ich keinesfalls Anästhesie machen.
Dann doch eher Auge, Derma, Gyn, Päd, Allgemeinmedizin.
Und: faszinieren muss es auch nicht. Es ist ein Beruf, der einem halbwegs Spaß machen sollte (Derma bei mir also auf keinen Fall, die Welt zwischen Papeln und Pusteln ... ), sonst hält man das nicht aus.
LasseReinböng
10.01.2017, 23:59
Die Stellensituation in der Derma ist maximal schwierig. Derma gilt als ambulantes Fach, die meisten nichtuniversitären Hautabteilungen an deutschen Kliniken wurden in den letzten Jahrzehnten eingestampft, man kommt also an Unikliniken kaum vorbei, die Konkurrenz ist angesichts des Rufs eines Lifestyle-Fachs immens. Erfahrung in einer Praxis: Patienten im 5-Minuten-Takt abfertigen und den Patienten teils medizinisch fragwürdige IGel bzw. Kosmetik-Leistungen für Selbstzahler anbieten - da wird medizinisch betrachtet keine Höchstleistung betrieben, das Wissen die Chefs an den Unikliniken auch, insofern ist das auch kein signifikanter Bewerbungsvorteil.
Wenn man Derma wirklich will und gemäß Noten, Empfehlungen, Promotion oder Vitamin B nicht irgendwie herausragt, muß man sich wirklich bundesweit bewerben und darf nicht wählerisch sein.
LasseReinböng
11.01.2017, 00:00
Doppelpost
Vielleicht noch ein Aspekt: nach vielen Jahren der Tätigkeit ist so ziemlich für jedes Fach die Begeisterung rückläufig, es ist - auch im ambulanten Bereich- einfach immer dasselbe. Suche Dir also das aus, was Dir jetzt gefällt, und womit Du Dich dann vielleicht später niederlassen kannst. Wertschätzung wirst Du -auch und besonders im ambulanten Bereich- oft vergeblich suchen, zumindest in Deutschland. ( In Südamerika sieht das ganz anders aus, aber das hilft Dir wahrscheinlich auch nicht weiter...)
Ich wollte auch grad schreiben, dass man sich davon mal verabschieden muss, ständig überall die volle Erfüllung zu suchen ;-)
rindunica
14.01.2017, 14:03
Wenns Chiru sein muss, muss es unbedingt UCH sein? Gibt ja noch eine Menge anderer chirurgischer Richtungen, die auf Dauer vielleicht nicht so stressbelastet, dennoch anspruchsvoll, sind (rekonstruktive Chirurgie, viszerale, Kinderchirurgie, orthopädische Chirurgie...etc). Du bist grad auch zwischen zwei klimischen Extremen - Derma und UCH. Die Stellensituation in der Derma ist eben wie sie ist und wenn du mit dem Fach sowieso nicht allzu glücklich bist, sowieso keinen Job findest der ortsmäßig passt, dann hast du doch im Grunde die Entscheidung schon getroffen. Idealfach, auch anspruchsvoll, auch freizeitkompatibel, das wird schwierig. Außer du wirst Psychiater :-)) ;-) Selbst da vermisst du aber früher oder später die Somatik...:-P
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.