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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dauer der Antikoagulation bei paroxysmalen Vorhofflimmern



Sebastian04
05.08.2017, 15:52
Hey,

Wie lange muss ich jemanden antikoagulieren, der einen CHA2DS2VASc Score von 3 hat und der ein paroxysmales Vorhofflimmern hatte, welches entweder innerhalb von 48 Std. spontan konvertierte oder der innerhalb von 7 Tagen elektrisch kardiovertiert wurde? Nehmen wir an, dass seit dem in allen Kontrollen ein stabiler Sinusrhythmus dokumentiert wurde. Besteht trotz Sinusrhythmus eine Indikation zur -lebenslangen- Antikoagulation oder kann diese nach einem gewissen Zeitraum abgesetzt werden?

Vielleicht kennt jemand von euch die aktuelle Studienlage, die Leitlinie der DGK gibt m.E. jedenfalls hierzu nichts her (http://leitlinien.dgk.org/files/2016_Pocket-Leitlinie_Vorhofflimmern.pdf). Hat jemand gute Quellen?:-top:-lesen

Und btw. was wäre die richtige Diagnose für einen solchen Patienten? Gibt es ein "Zustand nach paroxysmalem VHF" oder müsste in den Diagnosenblock "Paroxysmales VHF" obwohl der Patient im Sinusrhythmus ist? (Meinetwegen mit Unterstrich "Z.n. Elektrokardioversion in SR")

Sebastian04
05.08.2017, 15:55
Und um die Frage auf die Spitze zu treiben: Wie lange muss jemand antikoaguliert werden, der eine erfolgreiche Katheterablation und/oder Pulmonalvenenisolation erhalten hat?

Evil
05.08.2017, 17:11
Steht doch in der Leitlinie:


Bei Schlaganfall-gefährdeten Patienten sollte die Antikoagulation nach Kardioversion langfristig fortgesetzt werden (gemäß den Empfehlungen zur Langzeit-Antikoagulation) ungeachtet der Kardioversionsmethode oder der scheinbaren Erhaltung des Sinusrhythmus. Bei Patienten ohne Schlaganfall-Risikofaktoren wird eine Antikoagulation für 4 Wochen nach Kardioversion empfohlen.

Sebastian04
05.08.2017, 19:53
Danke, das hatte ich nicht gesehen :-angel
Mit anderen Worten, einmal VHF gehabt -> lebenslange Antikoagulation (bei entsprechendem CHA2DS2-VASc Score)?

kartoffelbrei
07.08.2017, 01:11
Gilt das auch, wenn das VHF im Rahmen eines Intensivaufenthalts, z.B. bei Sepsis oder unter hohem Volumenentzug an der Dialyse, aufgetreten ist? Gefühlt ist das ja echt häufig...

Christoph_A
07.08.2017, 11:44
Wenn Du das Flimmern dezidiert infektbedingt oder aufgrund der Akutsituation (z.B. postoperativ bei Mehrhöhleneingriffen) bekommen hast, würde ich nicht dauerhaft antikoagulieren, wenn der ursächliche Focus weggefallen ist. Drei Monate Antikoagulation, wenn dann anschließend Langzeit EKG unauffällig ist, Antikoagulation beenden.

bremer
07.08.2017, 13:06
Und btw. was wäre die richtige Diagnose für einen solchen Patienten? Gibt es ein "Zustand nach paroxysmalem VHF" oder müsste in den Diagnosenblock "Paroxysmales VHF" obwohl der Patient im Sinusrhythmus ist? (Meinetwegen mit Unterstrich "Z.n. Elektrokardioversion in SR")

Die Diagnose wird lebenslang paroxysmales Vorhofflimmern lauten. Man kann halt nicht ausschließen, dass das Vorhofflimmern nicht irgendwann zurückkehrt. Daher auch die lebenslange Antikoagulation bei entsprechendem Score und fehlenden Kontraindikationen.

Nicht ganz eindeutig war in einer Fortbildung die Fallvorstellung von einer Patientin mit Event-Rekorder, in der nur für eine kurze Zeitspanne, weniger als einer Minute Vorhofflimmern detektier wurde. Die Mehrheit der Hausärzte befürwortete dennoch eine Antikoagulation. Die Kardiologen waren da zurückhaltender. Eine klare Empfehlung gibt es in solchen Fällen leider nicht.

Christoph_A
07.08.2017, 14:04
Paroxysmal heißt ja per se schon anfallsartig. Diese Diagnose bleibt auch nach Ablation bestehen. Würde in nem Arztbrief schreiben: Paroxysmales Vorhofflimmern, Z.n. Ablation am XX.XX.2017, aktuell: Sinusrhythmus, dann weiß jeder, wie es aussieht.