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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PJ nichts gelernt- Berufsstart



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Lava
08.09.2017, 07:35
Also ich weiß ja nicht, wo ihr PJ gemacht habt. Aber in 7 Jahren Studium mit 4 chirurgischen Famulaturen, PJ in insgesamt 5 verschiedenen chirurgischen Abteilungen und achteinhalb Berufsjahren in der Unfallchiurgie in 3 verschiedenen Kliniken hab ich nie auch nur soetwas Ähnliches erlebt, wie ihr es da beschreibt. Kein PJler, und ich habe sicher bisher dutzende erlebt, wurde jemals angeschrien oder abgebügelt, wenn er eine Frage hatte. Im Gegenteil, es wird immer begrüßt, wenn sich jemand interessiert zeigt.

Ist halt alles eine Frage der Wahrnehmung. Wenn ich alle Chirurgen für böse und gemein halte, sind sie eben auch böse und gemein. Was ihr da beschreibt, ist meiner Meinung nach ein völlig überzogenes, klischeehaftes Zerrbild der Realität. Aber wenn ihr es so sehen wollt und damit zufrieden seid, bitte.

Feuerblick
08.09.2017, 07:52
Naja, dass ich Chirurgen "so sehen wollte", wirst du von mir wohl nicht behaupten können. Du hast vielleicht einfach nette Abteilungen gehabt. Aber glaub mir, es geht SEHR anders. Ohne Klischee sondern mit Tatsachen. Nachdem ich ja durchaus nicht nur als PJ sondern auch als Assistentin in der Chirurgie war, denke ich, ich kann es durchaus beurteilen. In diesem Haus gab es wegen schlechter Behandlung der PJler tatsächlich zwei Semester nicht einen einzigen PJ... Insofern sei so gut und akzeptiere, dass es durchaus auch Vollidioten bei den Chirurgen gibt.

Lava
08.09.2017, 08:17
Aber man kann nicht behaupten, das sei die Regel. Ich würde eher behaupten, das ist die Ausnahme.

Feuerblick
08.09.2017, 08:20
Würde ich nicht behaupten... 50:50 würd ich sagen.

Kackbratze
08.09.2017, 09:09
Gefühlt liegen die Zahlen bei 32:68.

Bei uns ist die Behandlung je nach chir. Abteilung unterschiedlich, vom Einschleimen bei akutem Assistentenmagel über Missachtung auf Grund schlechter Sozialisation bis zu normaler Ausbildung ist alles dabei. In einem Haus.
Bei uns wollen di PJs nach dem Examen bleiben...scheint also nicht alles schlecht zu sein und die Ausbildung läuft.

Lizard
08.09.2017, 09:13
Kommt aufs Fach an ;)
In zunehmender Reihenfolge: Neurochirurgie->Allgemeinchirurgie->UCh->KiChi-> Herz-Thorax :D

Lava
08.09.2017, 10:09
Kommt aufs Fach an ;)
In zunehmender Reihenfolge: Neurochirurgie->Allgemeinchirurgie->UCh->KiChi-> Herz-Thorax :D

Gut zu schlecht oder schlecht zu gut?

Miss_H
08.09.2017, 13:32
“Wir verlangen nicht viel von euch. Macht die Blutentnahmen und steht im OP nicht im Weg.“
Ist aus 2017.
Habe selber eine extrem nette chirurgische Abteilung kennen gelernt. Bin aber auch extra nicht an die Uni gegangen.

konstantin
08.09.2017, 16:07
Naja, ich glaube aber nicht, dass es unter Chirurgen überproportional viele A*löcher gibt... Vielleicht merkt man's nur eher mal am eigenen Leib. Ich hab auch schon miese Stimmung im OP erlebt, aber dann eben auch berechtigerweise. Bin als Famulant mal zur Sau gemacht worden, weil ich auf der falschen Seite des Tuches stand und mich mit dem Anästhesisten über die Narkose unterhalten habe - und für sowas gibt's dann halt mal einen mächtigen Einlauf, wenn der Patient auf der andern Seite gerade unstillbar vor sich hinblutet oder sich der Operateur an einem besonders komplizierten oder wichtigen Operationsschritt aufhält.

Gerad als Student hatte ich oft das Gefühl, alles wär ganz entspannt und routiniert im OP. Und das ist es ja auch oft genug. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch um was geht, und bestimmte Eingriffe oder Schritte sind für NIEMANDEN, auch nicht für den erfahrensten Operateur, jemals echte Routine, sondern schlicht Stress pur. Dass da dem ein oder andern mal der Ar*** platzt und es Getobe gibt, ist doch nur menschlich... Sollte man dann auch nicht all zu persönlich nehmen. Ist es nämlich in den allermeisten Fällen überhaupt nicht.

konstantin
08.09.2017, 16:14
Da hast a bissl was nicht verstanden. Ein einweisender Arzt muss die Einweisung auch begründen. Wenn jeder niedergelassene jeden Pfurz in die Klinik schicken würde, wäre das ja sehr teuer fürs System. Also muss eine Einweisung begründet werden, im schlimmsten Fall könnte ein Regress drohen. Und was ist bei Bauchschmerzen einfacher als "V.a. Appendizitis" draufzuschreiben? Das begründet IMMER eine stationäre Einweisung. Er/sie hat halt den Verdacht gehabt auch wenn die Anamnese nicht passt. Und bei Verdacht müssen die im Krankenhaus die Patienten untersuchen.

"V.a. Appendizitis" und 2 Zeilen darunter "Z.n. Kolektomie"...? Das ist in meinen Augen keine valide Verdachtsdiagnose sondern grenzt an Kunstfehler.

John Silver
08.09.2017, 16:55
Ich weiß gar nicht so recht, was hier die Aussage sein soll. Es sind alles persönliche Erfahrungen, multipliziert mit persönlichen Präferenzen.
Ich habe zwei orthopädisch-unfallchirurgische Famulaturen gemacht, und die waren toll. Mein PJ in der Chirurgie war furchtbar. Besonders bescheiden war die Unfallchirurgie, wo ich fast nur Haken bei Hüften gehalten, nichts gelernt und Rückenschmerzen geerbt habe. Als sehr interessierter PJler, wohlgemerkt. Vorher wollte ich Unfallchirurg werden, hinterher echt nicht mehr. Das beweist aber letztlich gar nichts.
Ich erlebe massenweise Studenten, und ich habe die Beobachtung gemacht, dass sehr viele interessiert sind, gerne im OP mitmachen, und dafür mit vielen Erklärungen belohnt werden, auch wenn sie später HNO oder Derma machen wollen. Und dann gibt es die, die schon beim Wort "OP" eine Fresse ziehen; die werden ignoriert und ihnen wird nichts beigebracht. Ist ganz einfach.

Autolyse
08.09.2017, 20:32
[...]
Gerad als Student hatte ich oft das Gefühl, alles wär ganz entspannt und routiniert im OP. Und das ist es ja auch oft genug. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch um was geht, und bestimmte Eingriffe oder Schritte sind für NIEMANDEN, auch nicht für den erfahrensten Operateur, jemals echte Routine, sondern schlicht Stress pur. Dass da dem ein oder andern mal der Ar*** platzt und es Getobe gibt, ist doch nur menschlich... Sollte man dann auch nicht all zu persönlich nehmen. Ist es nämlich in den allermeisten Fällen überhaupt nicht.
Eher Charakterschwäche...Zumindest ich habe sowas bei Kardiologen nicht einmal erlebt, als sich der ACVB einfach nicht mit dem Draht intubieren ließ - beim Patienten unter Reanimation. Und im Gegensatz zur elektiven Galle ging es da wirklich um die Wurst.

Praia-do-Forte
09.09.2017, 07:45
Die ganze Diskussion erinnert mich wieder an die dollen Herz-OPs im PJ, bei denen ich mit ausgestrecktem Arm da stand,
den Rücken eines Operateurs im Gesicht, das Herz in der Hand,
nur unterbrochen von Gemecker wenn ich das Herz nicht in die richtige Richtung gedreht hab.....:-dance
Hab ganz viel gelernt..... ;-)

Bille11
09.09.2017, 08:17
"V.a. Appendizitis" und 2 Zeilen darunter "Z.n. Kolektomie"...? Das ist in meinen Augen keine valide Verdachtsdiagnose sondern grenzt an Kunstfehler.

Achwas.. da kommt die andere Bauchdiagnose 'V a (Briden)Ileus', wahlweise auch 'V a Verwachsungsbauch' :-))

crossie
09.09.2017, 08:50
Ich arbeite seit knapp fünf Jahren in der Chirurgie einer Uniklinik und bin grad in meinem chirurg. PJ-Tertial. Man kann es drehen und wenden wie man will: über die große Masse gesehen herrschen in der Chirurgie doch schon ganz andere Umgangsformen als z.B. in der Inneren. Während ich das ganze Innere Tertial vom ersten bis zum letzten Tag sehr ordentlich behandelt wurde (inkl. Abschiedsgeschenk) wurde ich während der ersten Chirurgiewoche locker schon fünf Mal für irgendwas angekackt wofür ich nicht wirklich was konnte (vorher nicht gezeigt, keine ordentliche Ansage gemacht,...). Das fängt schon beim Grüßen morgens an, ich wurde noch nie so oft einfach ignoriert und nicht zurück gegrüßt wie bei den Chirurgen. Die Kernaussage im PJ an die PJler ist: setzt Euch da in die Ecke, macht BEs und Viggos und noch allem Mist den wir Euch zurufen und haltet ansonsten die Klappe. Und ich bin ganz sicher weder uninteressiert noch unengagiert.
Eine PJlerin die bis letzte Woche bei den Chirurgen war und jetzt bei den Internisten sagte gestern zu mir: "Mein Gott, die sind da ja alle so nett!"
Ausnahmen gibts überall, in beide Richtungen aber die Grundtendenzen stimmen schon (leider).

WackenDoc
09.09.2017, 09:14
In meinem PJ hatten die Internisten zwar einen sozialadäquaten Umgangston, viel gelernt habe ich da trotzdem nicht. In der Chirurgie war es gemischt, aber es war doch erstaunlich, was für ein asoziales Gebahren Akademiker in einem Beruf mit Umgang mit Menschen an den Tag legen können. Wirklich gelernt habe ich in der Chirurgie auch nicht viel. Außer dass Hüft-TEPs besser als Knie-TEPs zu assistieren sind, auch wenn man bei den Knien mehr sehen kann. Bei den Hüft-TEPs muss man sich ja nur mit seinem Körpergewicht in den Haken hängen und hat genug Platz aufm Tritt und nicht den Ellenbogen des Operateurs im Gesicht. Und da man ja die Klinik dank importierter adipöser Engländer mit kaputten Gelenken am Laufen hielt, war natürlich auch keine Zeit, dass der PJler mal was selber machen darf, weil der ja länger braucht als der erfahrene Assistenzarzt.

Ah- und ich habe gelernt, dass Zucker in Wunde eine schöne grüne Pseudomonadenschicht macht.

bobo99
09.09.2017, 12:31
Am besten lernt man Chirurgie mit YouTube, da sieht man im Vergleich zum PJ den Situs und kriegt gleich noch sinnvolle Erklärungen.

tensun
09.09.2017, 12:39
Also ich kann mich da anschließen. Ich habe im PJ in der Unfallchirurgie Sachen erlebt wo ich echt nicht mehr wusste ob ich lachen oder weinen sollte.
Ist mir unklar warum es Menschen gab die dort freiwillig gearbeitet haben. Aber bitte... 4 Monate sind keine große Sache.

roxolana
09.09.2017, 14:14
Eine PJlerin die bis letzte Woche bei den Chirurgen war und jetzt bei den Internisten sagte gestern zu mir: "Mein Gott, die sind da ja alle so nett!"

Das geht mir jetzt allerdings auch so - obwohl meine Chirurgen nicht aggressiv drauf waren. Bei den Internisten fühle ich mich als Teil des Teams, bei den Chirurgen wurde ich geduldet. Und das lag nicht daran, dass ich keinen Bock auf OP hatte - im Gegenteil. Und auf Innere hatte ich, ehrlich gesagt, am wenigsten Lust. :-wow

FirebirdUSA
09.09.2017, 17:03
Muss jetzt mal eine Lanze für CH brechen: War das Tertial auf das ich am wenigsten Lust hatte. GCH war tatsächlich speziell, aber UCH und ACH waren sehr viel besser als ich erwartet hatte damals, Team sehr nett und auch bemüht einen etwas machen zu lassen. Klar Stunden lang bei einer tiefen anterioren Rektumresektion Haken halten war kein Traum aber hat halt dazu gehört und man hat tatsächlich einiges gezeigt bekommen.