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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anstellungsmöglichkeiten in einigen Jahren - Zukunftsprognosen



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CYP21B
24.09.2017, 22:16
Zeit verplempern tut man bei uns mit einer elektronischen Doku die aktuell nur noch verschlimmbessert wird. Da wäre es schon cool wenn es eine Art Stationssekretärin gibt die zb die Anordnungen der Visite anmeldet und man muss dann nur noch vidieren oä. Über Nadeln und BEs braucht man glaube ich nicht reden.
Bei uns verbringt man recht viel Zeit in Sprechstunden. Primär ist damit auch viel Zeit tot, aber ohne würde man die Verläufe im ambulanten Bereich gar nicht mitbekommen. Könnte vll etwas weniger sein, aber ganz wegfallen wäre nicht so sinnvoll.
Im Dienst geht viel Zeit für pseudoorganisatorischen Kram drauf, aber das fällt halt zu den unmöglichsten Zeiten an. Da kriege ich dann wohl kaum einen Pa?
Ich schließe mich der Mehrheit hier an. Entlastung brauche ich vor allem im Bereich Dokumentation und Organisation. Sprich bei allen Aufgaben die eben anfallen, sich keiner zuständig fühlt und die dann deswegen der Arzt machen muss weil sie sonst keiner macht.

chipirón
25.09.2017, 16:18
Für mich hört sich diese PA Sache auch nicht erstrebenswert an.
In unserer G-CH Abteilung macht jemand z.Zt. eine Ausbildung zum Gefässassistenten, und wird z.B. auch im OP eingesetzt. Chef erklärte vorher, dass dieser immer zusätzlich eingeteilt würde, also nicht als 1. Assistenz gedacht war. Realität: Die Station ist mal wieder schlecht besetzt --> im OP eingeteilter Assistenzarzt hilft mit auf Station--> Gefäßassistent assistiert den Bypass.

Ich klinge jetzt wahrscheinlich etwas verbittert, aber ich sehe es so, dass die ganze Scheixxe durch die wir uns jeden Tag quälen auf Station, Angehörigengespräche, Überstunden, 24h Dienste usw. nun mal unvermeidbar zum Arztberuf dazugehört, aber die "Belohnung" dafür ist nunmal, dass wir den besten Beruf der Welt haben und eben ausgebildet werden in Dingen, die anderen Menschen nie zugänglich sind, nämlich die medizinische Arbeit am Patienten mit Diagnostik und Therapie.
Diese "PA" Sache hört sich nach einem einfachen Weg an, uns dieses Privileg wegzunehmen, sozusagen "Arzt light" aber ohne den Stress und emotionale Belastung.
Dementsprechend sehe ich es so wie andere hier im Thread, ärztliche Aufgaben im eigentlichen Sinne zu delegieren, ist das Letzte.
Wenn man Assistenzarzt-Stellen einsparen möchte, kann man das einfach tun, indem man zusätzliches Pflege/Stationssekretär/Sozialdienstpersonal anstellt!

McDreamy
25.09.2017, 20:07
@chipiron: 150 % Zustimmung!

Ich werde auch nie verstehen, wie Ärzte (zb. Bremer) es sich tatsächlich schönreden können, wenn ärztliche Tätigkeiten delegiert werden sollen, während Doku, Orga, Tippen und vor allem Verantwortung aber schön beim Arzt bleiben sollen.
Die Entwicklung mit den PAs finde ich extrem bedenklich und die Ärzteschaft sollte hier wirklich geschlossen auftreten, damit das ganze nicht in die falsche Richtung läuft, spricht am Ende der Ärztemangel ganz schnell mit operierenden und schallenden PAs behoben wird, während die paar Assistenzärzte, die sich dann wieder um eine Stelle prügeln ihre Tage am PC verbringen dürfen.

ehem-user-31012019-1024
25.09.2017, 20:27
@chipiron: 150 % Zustimmung!

Ich werde auch nie verstehen, wie Ärzte (zb. Bremer) es sich tatsächlich schönreden können, wenn ärztliche Tätigkeiten delegiert werden sollen, während Doku, Orga, Tippen und vor allem Verantwortung aber schön beim Arzt bleiben sollen.
Die Entwicklung mit den PAs finde ich extrem bedenklich und die Ärzteschaft sollte hier wirklich geschlossen auftreten, damit das ganze nicht in die falsche Richtung läuft, spricht am Ende der Ärztemangel ganz schnell mit operierenden und schallenden PAs behoben wird, während die paar Assistenzärzte, die sich dann wieder um eine Stelle prügeln ihre Tage am PC verbringen dürfen.
Solange man solche Aufgaben kostenfrei PJlern und Famulanten aufs Auge drücken kann, wird Deine Befürchtung nicht eintreten.
Aufgaben wie bspw. EKG-Befundung, Sonographie, Voranamnese und körperliche Untersuchung zu delegieren wäre außerdem fahrlässig.

OhDaeSu
25.09.2017, 20:55
Aufgaben wie bspw. EKG-Befundung, Sonographie, Voranamnese und körperliche Untersuchung zu delegieren wäre außerdem fahrlässig.

Nein, wenn es zum regelhaften Einsatz speziell trainierter PAs in diesen Bereichen käme, wäre das Delegieren nach keiner mir bekannten Definition von vornherein als fahrlässig zu bewerten.

John Silver
25.09.2017, 21:49
Wie ich bereits ausgeführt habe, wäre die Delegation dieser Aufgaben schlicht dumm. Vielleicht nicht fahrlässig, aber dumm. Effizienz in allen Ehren, aber ein Krankenhaus ist keine Fabrik, und ein Patient ist kein Werkstück. Es geht nicht darum, einen Patienten im Fließbandverfahren möglichst billig abzufertigen, um einen möglichst hohen Ertrag zu bekommen. Also einem Arxxxloch von BWLer geht es genau darum, aber einem Arzt darf es nicht darum gehen, sonst ist es kein Arzt, sondern ein Arxxxloch von BWLer, nur mit Approbation und weißem Kittel. Wenn man einen Patienten wirklich gut behandeln möchte, muss man sich mit diesem Patienten wirklich eingehend beschäftigen. Das Erheben der Anamnese ist keine lästige Pflicht, die man auf billigere Arbeitskräfte abwälzen kann; gleiches gilt für die körperliche Untersuchung. Wenn man diese Dinge nicht macht, sondern sich auf Aussagen minderqualifizierter Mitarbeiter verlässt, die bestimmte Fragen stellen und bestimmte Handgriffe durchführen, ohne wirklich zu verstehen, warum sie es machen und welche Informationen dabei gewonnen werden, kennt man seine Patienten nicht, und macht nur Mist statt Medizin.
Wer den PA gut findet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass so ein PA nicht mal ein Arzt light ist, sondern eher eine Pflegekraft deluxe; eine solche Kraft kann und macht mehr, als eine normale Pflegekraft, aber der Umfang des zugrunde liegenden Wissens ist nicht wesentlich größer, und das tiefe Verständnis der zugrunde liegenden Zusammenhänge fehlt gänzlich.

OhDaeSu
26.09.2017, 17:52
Bin mir nicht sicher, ob ich der Adressat bin, aber ich habe mich ja bereits zweimal gegen Bremers Vorstellungen ausgesprochen.


Effizienz in allen Ehren, aber ein Krankenhaus ist keine Fabrik, und ein Patient ist kein Werkstück. Es geht nicht darum, einen Patienten im Fließbandverfahren möglichst billig abzufertigen, um einen möglichst hohen Ertrag zu bekommen. Also einem Arxxxloch von BWLer geht es genau darum, aber einem Arzt darf es nicht darum gehen, sonst ist es kein Arzt, sondern ein Arxxxloch von BWLer, nur mit Approbation und weißem Kittel.

Unter anderem habe ich angemerkt, dass der erste Schritt zur Effizienzsteigerung die Befreiuung von anspruchslosen Sekretärinnenarbeiten wäre und nicht das Delegieren ärztlicher Kernaufgaben. Worin ich nicht mit dir übereinstimme, ist dieses Arschloch-Geleier. Auch im Gesundheitssystem sind Ressourcen wie Zeit, Personal, Infrastruktur und eben auch Geld begrenzt. Mit den begrenzten Mitteln einen möglichst großen Effekt zu erzielen, ist das Ziel effizienten Arbeitens. Und das gehört für mich durchaus zur ärztlichen Profession. Das Ergebnis deiner Einstellung hingegen sind Krankenhäuser in den roten Zahlen, Ärzte, die neben der drängelnden Schwester Befunde mit zwei Fingern in den PC tippen und BWLer ohne jeden Plan als kaufmännische Leiter. Das Geld reicht nicht für alles, was medizinisch möglich ist, und es muss entschieden werden, wohin Geld fließt und wohin nicht. Entweder passiert das mit den Ärzten oder über ihren Kopf hinweg. Das Gesundheitssystem gehört mMn entweder verstaatlicht oder dereguliert. Wenn Häuser mit PAs bessere oder gleiche Erfolgsquoten bei niedrigeren Kosten vorweisen können, werden sie sich durchsetzen. Wenn nicht, dann nicht. Ich käme mit beiden Möglichkeiten zurecht.

anignu
26.09.2017, 21:09
Das Ergebnis deiner Einstellung hingegen sind Krankenhäuser in den roten Zahlen, Ärzte, die neben der drängelnden Schwester Befunde mit zwei Fingern in den PC tippen und BWLer ohne jeden Plan als kaufmännische Leiter. Das Geld reicht nicht für alles, was medizinisch möglich ist, und es muss entschieden werden, wohin Geld fließt und wohin nicht. Entweder passiert das mit den Ärzten oder über ihren Kopf hinweg. Das Gesundheitssystem gehört mMn entweder verstaatlicht oder dereguliert. Wenn Häuser mit PAs bessere oder gleiche Erfolgsquoten bei niedrigeren Kosten vorweisen können, werden sie sich durchsetzen. Wenn nicht, dann nicht. Ich käme mit beiden Möglichkeiten zurecht.
Die Krankenhäuser sind in den roten Zahlen weil es die Politik so will. Nicht weil die Ärzte so schlecht wirtschaften / schlecht sind.

Begründung: die Berechnung der DRGs erfolgt auf Basis der durchschnittlichen Kosten die für eine entsprechende Fallgruppe in bestimmten Krankenhäusern anfallen (Kalkulationskrankenhäuser). Ein Krankenhaus bekommt also den Durchschnitt der Kosten gezahlt. Jetzt gibt es 2 besondere Faktoren: private Krankenhäuser haben andere Tarifverträge mit niedrigerem Lohn vor allem im Bereich der Pflege und einige der privaten Häuser sparen sich Dinge wie die Notaufnahme. Vor allem letzteres ist natürlich extrem lukrativ, denn man spart sich ja nicht nur die Notaufnahme sondern zusätzlich extreme Kapazitäten im Bereich OP (weniger Notfalloperationen) und auf Station (weniger Ärzte nachts). Wenn man zusätzlich noch ein Haus ist, das eher mit elektiven Operationen und wenig Notfällen überhaupt arbeitet, dann ist viel mehr planbar, weniger Chaos und Umstürze im OP-Plan etc.
Und zack, schon macht man statt ner Million Verlust plötzlich ne Million Gewinn...
Und diese Million Gewinn (oder weniger Kosten) die solch ein Krankenhaus macht geht dann wieder in die Berechnung des Durchschnitts rein. Alleine rein rechnerisch muss für ein Haus das 1mio Gewinn macht ein anderes Haus 1mio Miese machen oder 2 andere Häuser ne halbe mio Miese. Nur durch dieses Durchschnittskosten-Berechnungs-Feature.

Der BWLler will das aber nicht sehen. Ein Arxxx ist daher derjenige, der aus den Mitarbeitern krampfhaft mehr rauspressen will als quasi möglich ist, statt sich einzugestehen, dass die Struktur schuld ist. Beispiel unser Vorstand. Auf eine Beschwerde dass wir zu viele Wochenenddienste machen müssen (während einer Kündigungswelle waren es einfach mal ALLE Wochenenden eines Monats) war sein Kommentar: "Ich erwarte schon, dass man sich als Arzt auch in seinem Beruf und das auch am Wochenende engagiert". Bäm. Ich war einfach nur sprachlos. Ein BWLler der nicht mal die leiseste Ahnung davon hat was es heißt 4 Wochenenden im Monat zu arbeiten bringt so einen Satz. Was willst da sagen?

Verstaatlichen oder deregulieren find ich jetzt beides nicht die sinnvollsten Lösungsansätze, auch wenn ich zugeben muss dass ich noch keine bessere hab. Irgendwie wird das System seit Jahren Richtung Wand gefahren und es wird immer spannender wann der Aufprall kommt. Auch wenn ich glaube dass er nie kommt und nur das Gefühl, dass der Aufprall bald kommen müsse, stärker wird.

Kackbratze
26.09.2017, 23:00
Verstaatlichen oder deregulieren find ich jetzt beides nicht die sinnvollsten Lösungsansätze, auch wenn ich zugeben muss dass ich noch keine bessere hab. Irgendwie wird das System seit Jahren Richtung Wand gefahren und es wird immer spannender wann der Aufprall kommt. Auch wenn ich glaube dass er nie kommt und nur das Gefühl, dass der Aufprall bald kommen müsse, stärker wird.

Deregulierung sind die USA vor Obamacare, Verstaatlichung ist das alte finnische Gesundheitssystem oder die NHS.
Beide bringen Gesundheit nur gegen Bargeld. Bei dem einem System als Grundlage, bei dem anderen System zur besseren Versorgung.
Es gibt kein perfektes Gesundheitssystem, ausser alle Ärzte und das Pflegepersonal arbeiten für lau. Aber dann will das keiner mehr machen.
Dieser Altruismus auf dessen Rücken das gesamte System basiert implodiert doch seitdem es das DRG-System gibt. Seitdem gibt es kein "wir kümmern uns und wenn es einen Tag länger dauert ist das eben so"-Prinzip mehr. Ein nicht-gewinnbringendes System ohne sichere Preisstruktur dem "freien" Markt zu unterwerfen...naja. Es ist halt scheixxe.

bremer
26.09.2017, 23:08
John Silver muss mit sich selbst reden, denn ich fühle mich ebensowenig angesprochen, nachdem ich zum wiederholten Male betont habe, dass ich Anamnese und körperliche Untersuchung nicht delegieren würde. Die Diskussion ist sowieso etwas entglitten, da ich ursprünglich darauf hingewiesen habe, dass ich statt dem technischen Fortschritt eher die Berufsgruppe des physician assistant als größere Konkurrenz auf dem ärztlichen Markt sehe. Nachdem dann im typischen arroganten "ich habe Medizin studiert, ich kann mehr als anderen"-Stil darauf gepocht wurde, interessante ärztliche Aufgaben wie ein goldenes Ei zu verteidigen und unter keinen Umständen an weniger qualifizierte Fachkräfte, (also alle Menschen, die kein Medizin studiert haben (ähm...ok) abzugeben. Somit wurde die komplette Berufsgruppe in Frage gestellt.
Ich fand diese Auffassung nicht nur herablassend sondern auch heuchlerisch, da man sich im PJ genau darüber beschwert, nur die Scheiss Arbeit erledigen zu müssen, gleichzeitig solch ein Verhalten selbst an den Tag legen würde.
Dass ein PA, sofern er sich auf eine konkrete bestimmte ärztliche Kompetenz spezialisiert hat, immer noch in genau diesen Bereich weniger kompetent wäre als ein Arzt, nur weil ihm 2 Jahre Medizinstudium fehlt, halte ich nicht nur für schlichtweg unsinnig.
Die Gefahr, dass darunter die Ausbildung leiden würde, sehe ich nun überhaupt nicht. Dafür sind immer noch die Oberärzte zuständig. Im Gegenteil: Wenn man einen pa unter sich hat, kann man nervige Tätigkeiten ja durchaus delegieren bzw. schon mal vorbereiten lassen, um dann mehr Zeit in Untersuchungen zu investieren, in die man sich einarbeiten möchte.
Dass man aber im Vorhinein einen pa als besseren Stationssekretär ansieht, halte ich trotzdem nicht für richtig, denn dann können die sich die teure Ausbildung an den Fachhochschulen sparen.
Auch Pleura-, Aszites und Knochenmarkspunktionen sind handwerklichen Tätigkeiten, für die man kein wissenschaftliches Studium braucht und durchaus von einem ausgebildeten pa durchgeführt werden kann. Interpretation, Einordnung in den klinischen Kontext, überhaupt erst die Indikationsstellung, die muss ein Arzt machen, das stelle ich gar nicht in Frage. Insofern scheint mir der Reflex der meisten hier, solch ein System von vornherein zu verurteilen, eher irrationalen Ängsten Neuerungen gegenüber geschuldet.

Die wirtschaftliche Situationen von Krankenhäuser ist wieder eine vollkommen andere Frage, da würde ich jetzt die Einstellung von mehr pas auch nicht unbedingt als Effizienzsteigerungsmaßnahme Nummer 1 erklären. Leider sind wirtschaftliche Zusammenhänge etwas komplizierter, wie dummerweise so vieles im Leben, um es mit einem einfachen "Die Politik hat schuld" zu erklären.
Verstaatlichungen sind übrigens eine gute Methode, etwas noch weniger effizient zu machen.

Was für den einzelnen Patienten am besten wäre, ist auch noch einmal eine andere Betrachtung und stimmt nicht unbedingt damit überein, was am besten für die Gemeinschaft wäre.

ehem-user-31012019-1024
26.09.2017, 23:32
Nachdem dann im typischen arroganten "ich habe Medizin studiert, ich kann mehr als anderen"-Stil darauf gepocht wurde, interessante ärztliche Aufgaben wie ein goldenes Ei zu verteidigen und unter keinen Umständen an weniger qualifizierte Fachkräfte, (also alle Menschen, die kein Medizin studiert haben (ähm...ok) abzugeben.
Es geht hier um die MEDIZIN. Natürlich ist der Mediziner deutlich qualifizierter als ein PA (B.Sc.) an einer FH. Tut mir leid.:-nix

Dass ein PA, sofern er sich auf eine konkrete bestimmte ärztliche Kompetenz spezialisiert hat, immer noch in genau diesen Bereich weniger kompetent wäre als ein Arzt, nur weil ihm 2 Jahre Medizinstudium fehlt, halte ich nicht nur für schlichtweg unsinnig.
Noch einmal: 6 Jahre Medizinstudium auf Staatsexamen + 5 Jahre Facharzt versus 3 Jahre Bachelor.

John Silver
27.09.2017, 05:13
@bremer: Jetzt interessiert mich, wie lange Du im Klinikbetrieb dabei bist, und was genau Du machst. Alles, was Du sagst, deutet darauf hin, dass Du davon nämlich nicht allzuviel Ahnung hast.

Kackbratze
27.09.2017, 05:42
"Insofern scheint mir der Reflex der meisten hier, solch ein System von vornherein zu verurteilen, eher irrationalen Ängsten Neuerungen gegenüber geschuldet."

Jetzt wo Du es sagst kommen mir meine 2,5 Jahre Zusammenarbeit mit einem Gefässassistenten, wie ich sie bereits beschrieben habe, total irrational vor. Warum schreibe ich bloss sowas?

Und als Oberarzt verantwortlich für die Ausbildung zu sein während die medizinischen Tätigkeiten von pa "vorbereitet" werden. Nur zur Info: eine Krankenschwester kann eine Punktion auch vorbereiten. Und fehlende Patientenkenntnisse kann ich als OA auch nicht mehr ausbügeln. Wenn der Patient und somit die Indikation nicht mehr bekannt sind....super. Dann ist also erstmal der PA als bessere Krankenschwester unterwegs, danach wird ein Routineeingriff im vorbeigehen von einem Assistenten gemacht, nachdem ein pa beim Schall den Aszites gesehen hat.
Bei der punctio sicca mit Verletzung des Dünndarmes stehe ich dann dabei und bin als OA verantwortlich für die Indikation (die ich nicht gesehen habe, da ich keine korrekten Schallbilder habe), die somit unnötige Punktion und die Komplikation.
Dann kann ich das Alles auch gleich selber machen und scheixx auf Ausbildung.

Evil
27.09.2017, 12:12
Nachdem dann im typischen arroganten "ich habe Medizin studiert, ich kann mehr als anderen"-Stil darauf gepocht wurde, interessante ärztliche Aufgaben wie ein goldenes Ei zu verteidigen und unter keinen Umständen an weniger qualifizierte Fachkräfte, (also alle Menschen, die kein Medizin studiert haben (ähm...ok) abzugeben. Somit wurde die komplette Berufsgruppe in Frage gestellt.
Nun erklär mir doch mal, warum ich überhaupt interessante ärztliche Tätigkeiten abgeben und statt dessen bürokratischen Kram erledigen soll? Für eine bessere Welt? Bin ich Mutter Theresa?
Dein Postulat ist, daß das Abläufe vereinfacht und effizienter macht. Dann erklär mir das nochmal genau, das sehe ich nämlich nicht.


Dass ein PA, sofern er sich auf eine konkrete bestimmte ärztliche Kompetenz spezialisiert hat, immer noch in genau diesen Bereich weniger kompetent wäre als ein Arzt, nur weil ihm 2 Jahre Medizinstudium fehlt, halte ich nicht nur für schlichtweg unsinnig.
Mit Verlaub, dann fehlt dir da Sachkenntnis. Es geht eben nicht nur um das motorisch-handwerkliche Durchführen einer Untersuchung oder eines Eingriffes, Indikationsstellung, Vor- und Nachbereitung gehören auch dazu. Und eben dafür braucht man mehr als einen Bachelor. Fragmentierst Du das, wird die Qualität leiden.


Die Gefahr, dass darunter die Ausbildung leiden würde, sehe ich nun überhaupt nicht. Dafür sind immer noch die Oberärzte zuständig. Im Gegenteil: Wenn man einen pa unter sich hat, kann man nervige Tätigkeiten ja durchaus delegieren bzw. schon mal vorbereiten lassen, um dann mehr Zeit in Untersuchungen zu investieren, in die man sich einarbeiten möchte.
Dass man aber im Vorhinein einen pa als besseren Stationssekretär ansieht, halte ich trotzdem nicht für richtig, denn dann können die sich die teure Ausbildung an den Fachhochschulen sparen.
Eben. Und damit hat sich der Sinn des Berufszweiges erledigt :-))


Auch Pleura-, Aszites und Knochenmarkspunktionen sind handwerklichen Tätigkeiten, für die man kein wissenschaftliches Studium braucht und durchaus von einem ausgebildeten pa durchgeführt werden kann. Interpretation, Einordnung in den klinischen Kontext, überhaupt erst die Indikationsstellung, die muss ein Arzt machen, das stelle ich gar nicht in Frage. Insofern scheint mir der Reflex der meisten hier, solch ein System von vornherein zu verurteilen, eher irrationalen Ängsten Neuerungen gegenüber geschuldet.
Nein, denn wie oben schon geschrieben, ist eine derartige Fragmentierung eher kontraproduktiv. Das mit den Ängsten ist eine Unterstellung Deinerseits.

chipirón
27.09.2017, 16:27
Auch Pleura-, Aszites und Knochenmarkspunktionen sind handwerklichen Tätigkeiten, für die man kein wissenschaftliches Studium braucht und durchaus von einem ausgebildeten pa durchgeführt werden kann. Interpretation, Einordnung in den klinischen Kontext, überhaupt erst die Indikationsstellung, die muss ein Arzt machen, das stelle ich gar nicht in Frage.


Also ich kann mich damit einfach nicht anfreunden: Der Arzt schaut sich den Patienten mit Aszites an, er kontrolliert das Labor (Gerinnung) klärt den Patienten auf, dann macht er Ultraschall, um zu schauen, ob eine Punktion gefahrlos möglich ist. Dann verlässt er den Raum und der PA punktiert es ab?
Es leidet die Routine des Arztes bei der Punktion, und im Falle einer Komplikation ist wer verantwortlich?
Das ist einfach nicht der richtige Ansatzpunkt, um Ärzte zu entlasten. Klar, wenn man am Tag 5 Aszites-Punktionen machen muss freut man sich darüber, wenn es einem der PA abnimmt. Aber doch nur, damit man mehr Zeit hat um sich um Papierkram (Reha-Anträge, Telefonate zur Befundanforderung...) zu kümmern. Wir nehmen dem Arzt also die Punktion weg und lassen ihm den Papierkram.
Routine bei solchen Dingen ist extrem wichtig, und wenn man es wirklich nicht mehr sehen kann, dann lernt man eben seinen jungen Stationskollegen ein, dann darf der die nächsten 6 Monate Aszites punktieren, und dann der nächste --> die Ausbildung leidet mit Sicherheit, wenn PA ärztliche Routineaufgaben erledigen.

McDreamy
27.09.2017, 17:38
Auch Pleura-, Aszites und Knochenmarkspunktionen sind handwerklichen Tätigkeiten, für die man kein wissenschaftliches Studium braucht und durchaus von einem ausgebildeten pa durchgeführt werden kann. Interpretation, Einordnung in den klinischen Kontext, überhaupt erst die Indikationsstellung, die muss ein Arzt machen, das stelle ich gar nicht in Frage. Insofern scheint mir der Reflex der meisten hier, solch ein System von vornherein zu verurteilen, eher irrationalen Ängsten Neuerungen gegenüber geschuldet.



es ist vollkommen unerheblich, ob man für eine Pleurapunktion Medizin studiert haben muss. Jeder von uns weiß, dass man die einzelnen Schritte einer Appendektomie perfekt von einem dressierten Affen erledigen lassen könnte.

Aber wollen wir das?

Zum einen ist das schlecht für den Patienten, wenn ganz viele dressierte Affen irgend eine kleine Sache an ihm machen, die sie zwar gut können, aber nicht wissen, warum, wieso und wozu. Und der, der es wüsste, hat aber am Ende den Patienten gar nicht gesehen.... Wurde ja schon erwähnt, dass die Behandlung eines Patienten eben etwas anderes ist als die Reparatur eines Autos.

Zum anderen lebt man doch in den meisten Fächern genau für die paar handwerklichen Eingriffe, die man machen darf und die einem den ansonsten von überbordender Bürokratie bestimmten Alltag etwas versüßen...
Und da bin ich ganz bei Evil: Wir sind nicht Mutter Theresa. Wir haben uns im Regelfall 11 Jahre (6 Studium + 5 FA) den Arsch aufgerissen um eines Tages einer fachärztliche Tätigkeit nachzugehen, die mehr beinhaltet als Briefe schreiben und rumtelefonieren.



Dass man aber im Vorhinein einen pa als besseren Stationssekretär ansieht, halte ich trotzdem nicht für richtig, denn dann können die sich die teure Ausbildung an den Fachhochschulen sparen.


Ich bin auch nicht dafür, dass man PAs als StationssekretärInnen hält. Ich denke, den PA kann man sich komplett sparen und dafür eine Stationssekretärin anstellen. Denn die Ausbildung an den Medizinuniversitäten ist für SekretärInnenkram ja dann ebenfalls zu teuer, oder?

xyl15
27.09.2017, 20:11
Abgesehen von allen anderen Aspekten darf man auch die Sicht der Patienten mal nicht außer Acht lassen.
Gerade in einer -Uniklinik schwirren schon so viele Leute rum, dass es gerade für Ältere, die nicht mehr ganz so schnell sind, u.U. Hör-oder Sehstörungen haben, schwer ist, da durchzublicken.

Aber leider fällt dieser Aspekt wohl am ehesten hinten runter.

Christoph_A
28.09.2017, 08:48
Keiner braucht einen Schmalspurarzt mit Schmalspurstudium, dann kann man wirklich gleich nen dressierten Affen loslassen. Was man braucht, ist eine effektive Entlastung vom Verwaltungskram durch eine ausreichende Anzahl von Stationssekretärinnen und Codierassistenten sowie eine speziell ausgebildete Pflege, die dazu in der Lage ist, ähnlich dem Intensivpersonal, medizinische Handlungen des Tagesgeschäfts, imho Blutentnahmen, Nadeln/ZVKs/etc. legen, kleines 1*1 der Wundversorgung unter ärztlicher Supervision durchführen zu können.
Das Zauberwort heißt nicht noch mehr sinnentleerte Halbstudiengänge ohne irgendein akademisches Niveau sondern DUALES System, das hat Deutschland irgendwann mal zu dem gemacht, was es ist. Aber dem Nachlaufen hinter Bologna und der Glorifizierung angloamerikanischer Systeme geschuldet, wird darauf ja immer weniger Wert gelegt. Oder kurz gesagt: "Lieber ein gut AUSGEBILDETER Arztassistent als noch ein nutzloser HALBAKADEMIKER mehr.

Jule-Aline
28.09.2017, 10:48
Also ZVKs möchte ich noch selber legen dürfen .Sonst verlernt man das ja,ist sicherlich nicht so häufig wie BEs oder Viggos(zumindest im kleinen Haus).Ansonsten stimme ich dir zu.Der Schreib-und Codierkram ist das Nervigste.

Christoph_A
28.09.2017, 11:12
Naja, ein paar Leckerlis muß man so nem Arztassistenten schon geben und grade auf großen Intensivstation, wo 12-15 ZVKs rumliegen, wirst es nicht verlernen, wenn man nach dem einer Du, einer Ich Prinzip arbeitet.