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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Raus aus der Klinik, aber wie?



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Feuerblick
17.10.2017, 18:24
Erstens: Mach deinen Facharzt, wenn du sowieso schon fast durch bist. Es wäre echt dumm, diese Zeit jetzt quasi ohne Abschluss wegzuwerfen. Augen zu und durch!
Zweitens: Gutachterliche Tätigkeit findet zumindest beim MDK nicht nur hinter dem Schreibtisch statt. Da gibts viele Bereiche. U.a. auch Consulting-Tätigkeiten. Ja, okay, mega-kreativ ist das nicht, aber bitte welcher Beruf ist kreativ? Industrie? Auch nicht... Dafür gibts gutes Gehalt, regelmäßige Arbeitszeiten, Weihnachtsgeld... Aber nur mit Facharzt-Bezeichnung.
Drittens: Medizinjournalismus ist, wenn du nicht schon lange als freier Mitarbeiter bei Verlagen mitspielst, schwer zu bekommen. Auch als Facharzt wird man dich erstmal in ein mies bezahltes Volontariat stecken und danach ist das Einkommen auch nicht unbedingt das, was du als Arzt so gewohnt bist. Mal abgesehen davon kränkeln viele Verlage inzwischen...
Viertens: Wenn du das Gefühl hast, dass ein Patient verstirbt, nur weil du Feierabend machst, dann solltest du Arbeitseinstellung und dein Vorgehen mal überprüfen. Eigentlich sollte man das Akute und Dringende bis Feierabend weg haben und den Rest kann der Diensthabende machen...
Fünftens: Forschungsbereiche in der Industrie können ganz nett ausfallen. Dazu solltest du aber mindestens ein bisschen geforscht haben und Facharzt sein. Aber mach dich drauf gefasst, dass du auch in dieser Funktion bei Kongressen an den Ständen der Industrieausstellung stehen und allen Honoratioren Pfötchen schütteln musst... Ein 9to5-Job ist das aber auch nicht.
Sechstens: Auch im Consulting wirst du eher keine geregelten Arbeitszeiten und sicher auch keine 38.5-Stunden-Woche haben.

WackenDoc
17.10.2017, 18:46
Arbeitsmedizin ist eine gute Option- aber Obacht- vorher überlegen, ob du deine Weiterbildungszeiten für einen anderen Facharzt nutzt und die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin machst oder ob du die für den Facharzt für Arbeitsmedizin "aufsparst".

Atropin
17.10.2017, 20:13
Du könntest auch noch Public Health studieren. Ich kenne um Ecken jemand der damit international in einer großen Gesundheitsorganisation arbeitet und sehr erfolgreich und zufrieden ist. Ansonsten in die Politik vielleicht? Arbeitsmedizin entspricht aber auch einigen deiner Kriterien. Oder dich auf Prävention spezialisieren? Sport- und Ernährungsmedizin? Was für einen FA machst du denn gerade eigentlich?

Atropin
17.10.2017, 20:15
Oder Medizintechnik noch drauf setzen? Weiß nur nicht wie lange das dauert...

OhDaeSu
17.10.2017, 21:28
Unternehmensberatung höchstens als experienced hire, aber sehe die Chancen eher kritisch. Investmentbanking kann nur ein schlechter Witz von dir gewesen sein. Grundsätzlich gehst du meiner Meinung nach völlig weltfremd, fast schon naiv an die Thematik heran. Du schielst nach Jobs, um die nicht nur die Creme de la Creme der BWLer sondern auch noch eine Masse von Quereinsteigern konkurriert. Du willst Medizininformatik machen, hast aber keine Lust Coden zu lernen. Du denkst über Medizinjournalismus nach, willst aber 3k netto. Du willst in die Industrie, hast aber keine Lust auf Schreibtisch-Arbeit. Besitzt du denn aktuell überhaupt irgendeine Qualifikation außer der Approbation?

Jedenfalls, Herzlich willkommen in der Realität.

hebdo
17.10.2017, 22:20
Aus eigener und auch aus Erfahrung von Kollegen empfehle ich vor einem Wechsel in die Pharmabranche unbedingt den FA abzuschließen. Nach deinen Wünschen vom Threadbeginn könntest du bei einem Pharmaunternehmen glücklich werden. Der Job hat aber auch andere Nachteile.

Ähnliche Phasen hatte ich auch schon mehrfach. Alles :-kotz an, alles nervt. Ein Burnout kann sich auch so mal äußern. Abstand und Abteilungswechsel können da helfen.

anignu
17.10.2017, 22:22
Hätte nie gedacht dass ich OhDaeSu mal zustimmen muss, aber meine Gedanken waren sehr ähnlich.
Medizinjournalismus mit festem Netto-Einkommen von 3k als Neuling ohne Erfahrung/Kontakte/etc. -> wenn das geht mach ich das auch.
Medizininformatik: auch wenn man vielleicht nicht extrem coden können muss, man braucht sehr sehr viel Verständnis von Informatik. Ist weniger ein Medizin mit Grundkenntnissen Informatik als mehr ein Informatik mit Grundkenntnissen Medizin. Anders ausgedrückt ist Medizininformatik eher eine Zusatzbezeichnung für Informatiker.
"Berater" oder "Consulting": versuchs einfach. Reinkommen ohne Ahnung von irgendwas ist sicher möglich, aber die die ich kenne sind irgendwie Vollfreaks. Entweder Workaholics oder Leute mit rechnerisch 0,8er Abitur oder sonst auffällige Leute (insgesamt n=5 muss man fairerweise sagen). Diese Leute passen da aber auch irgendwie hin...

Bzgl. mittelmäßige Bezahlung: ich finde mein Gehalt mit Diensten gar nicht mal so schlecht. Es ist ja immer so relativ. Meine Spezln Richtung Ingenieur oder Lehramt verdienen ungefähr so viel wie ich ohne Dienste. Und dann muss man halt Vor- und Nachteile gegeneinander aufwiegen: viele Dienste -> mehr Gehalt, unsicheres Arbeitsende abends -> Überstunden -> regelmäßig freie Tage nach Wunsch, Nachtdienste -> unter tags frei für viele Sachen.
Mich persönlich nerven die Dienste am Wochenende extrem. Das meiste andere finde ich gut an meinem Beruf (bis auf die maximale Bürokratie).

Und zum Thema "sarkastische schwarzmalerische Phase": hatte ich auch schon. Bei uns sind die Patienten teils auch schwer krank. Ein menschlicher und ehrlicher und fairer Umgang mit dem betroffenen Menschen und den Angehörigen gibt einem da aber auch oft wieder so viel Bestätigung im Beruf. Das haben andere Berufe nicht. Wenn zu viele Patienten sterben sollte man vielleicht wohin wechseln wo es bissl weniger sind. Aber auch in der Pädiatrie sind teils grausame Schicksale. Da würd ich nicht hin wollen.

Humangenetik wurde noch nicht genannt. Da könnte es bei einigermaßen Verdienst auch mal unkonventionelle Arbeitszeiten geben. Kann ich mir vorstellen. Hab aber ehrlich gesagt keine Ahnung. Aber man hat auch mit Menschen zu tun und es geht nicht nur ums Sterben.

Relaxometrie
17.10.2017, 22:34
Humangenetik wurde noch nicht genannt. Da könnte es bei einigermaßen Verdienst auch mal unkonventionelle Arbeitszeiten geben. Kann ich mir vorstellen. Hab aber ehrlich gesagt keine Ahnung. Aber man hat auch mit Menschen zu tun und es geht nicht nur ums Sterben.


Ich finde Studien aber generell ganz interessant, auch die ganze Genetik und Grundlagenforschung. Stellenanzeigen scheinen da aber Mangelware, jedenfalls finde ich kein oder schaue ich nur falsch?
Danke.



.....

anignu
17.10.2017, 23:02
Gut, dann wurde es für mich zu wenig explizit genannt.

Mano
17.10.2017, 23:19
Reduzier deine Arbeitszeit (nach dem Facharzt) auf 50% und mach in der restlichen Zeit irgendwas worauf du Lust hast (Bilder malen, Coaching nach fernöstlichen Theorien oder Opern komponieren). Ob du damit dann (nennenswert) Geld verdienst oder nicht, ist dann ja erstmal egal - selbst mit 50-60% solltest du als Facharzt auf ein vernünftiges Gehalt kommen.

Wenn du schreibst Lehre macht dir Spaß - was ist mit Krankenpflege-/ Berufs- oder Rettungsdienstschulen?

tiw28
18.10.2017, 16:53
Honorararzt kann man zur Zeit vergessen. Gibt unser Sozialversicherungsrecht kaum her.
Hmmmm.... wieso? Ich mache das sporadisch (neben einer Angestelltentätigkeit allerdings) und hatte bisher eigentlich (noch??) keine Probleme.

febee
18.10.2017, 21:25
Alles eine Frage der Einteilung. Man darf halt den Stift erst hinschmeißen, wenn kein Patient sondern nur der Arztbrief und die Kodierung bedroht sind.

Das ist der Satz des Tages (jedenfalls für mich!) :-)
So genial:-meinung

WackenDoc
19.10.2017, 04:48
@tiw: Nebenher geht das noch, aber eigentlich nur als Notarzt im Rettungsdienst- die sind die einzigen, die das neue Gesetz betrifft. Alle anderen sind grundsätzlich scheinselbständig. Ok, sind Notärzte auch, aber die sind inzwischen sozialversicherungsbefreit, wenn sie einen festen Job nebenher haben.

husthust
19.10.2017, 10:19
Du könntest sonst auch in einem Gesundheitsamt arbeiten und dir sicherlich zumindest einen Teil deiner bisherigen klinischen Erfahrung für den Facharzt im öffentlichen Gesundheitswesen anrechnen lassen.
Ich habe mal in einem Gesundheitsamt famuliert, da fallen natürlich auch viele sture Routinearbeiten an, aber an für sich gibt es mehrere Abteilungen sodass der Arbeitsalltag durchaus abwechslungsreich ist und man öfter mal unterwegs ist (wobei Leichenschauen, Einschulungs- und Einstellungsuntersuchungen etc. natürlich auch immer nach demselben Schema verlaufen, nur dass man sie halt nicht jeden Tag den ganzen Tag lang macht).
Mein Eindruck war, dass die meisten Ärzte die im Amt arbeiteten, keine Lust mehr auf den stressigen Klinikalltag hatte und das niedrigere Gehalt (angeblich ca. 1000 netto weniger als in der Klinik, kann aber durch Gutachten etc. aufgebessert werden) gerne in Kauf nahmen für die viele Freizeit die man hat, da Überstunden selten bis nie anfallen (im Gegenteil, Freitags war das Amt meistens schon nach dem Mittagessen wie leer gefegt...) und man natürlich auch keine Dienste machen muss. Außerdem haben die meisten Gesundheitsämter Probleme genug Ärzte zu finden, sodass man (vor allem mit klinischer Berufserfahrung) wohl sehr schnell in höhere Leitungspositionen aufsteigen kann wenn man ernsthaftes Interesse daran hat.
Was die Kreativität angeht, ist ein Amt von der Atmosphäre her nicht unbedingt ein sehr "inspirierender" Ort (aber ganz ehrlich, in welchem Beruf kann man denn schon wirklich kreativ sein? ich denke selbst professionelle Künstler, Musiker, Produzenten etc. stehen unter großem Druck Geld zu verdienen und müssen sich deshalb stark an der Nachfrage orientieren um erfolgreich zu sein), allerdings gibt es durchaus Wege kreativ zu werden, da das Amt ja auch einen Schnittpunkt Zwischen Gesundheitswesen, Gesellschaft und Politik darstellt und in dem einen Monat in dem ich da war, gab es auch ein paar öffentliche Veranstaltungen.
Mit schweren Schicksalen wird man zwar auch manchmal konfrontiert, allerdings aus einer anderen Sichtweise als in der Klinik. Im sozial-psychiatrischen Dienst zB. unterstützt man das Gericht bei Entscheidungen über gesetzliche Unterbringung, Betreuung, Wohnsituation etc, man macht viele Hausbesuche und kann manchmal durch nicht-medizinische, soziale Maßnahmen tatsächlich erreichen, dass einem Menschen geholfen wird, weil bei vielen chronisch Kranken (psychiatrisch aber auch anderweitig) ja die Lebensumstände oft erschwerend hinzukommen.
Im Gegensatz zu einem Arzt der in der Klinik tätig ist, hat man im Gesundheitsamt zumindest theoretisch mehr Möglichkeiten Probleme die man in der der Bevölkerung sieht auf öffentlicher und politischer Ebene anzugehen, wofür es natürlich eigene Anstrengung (und Kreativität ;) ) erfordert, allerdings ist es durch die niedrigere Arbeitsbelastung auch realistischer sich hier tatsächlich neben dem normalen Arbeitsalltag noch zu engagieren und entsprechende Anstrengungen werden normalerweise gerne gesehen und unterstützt, zumindest war das mein Eindruck den ich in der kurzen Zeit bekommen habe, allerdings muss ich ehrlich zugeben dass die Atmosphäre generell ziemlich langweilig war.

Ansonsten aufregendere Alternativen: ein paar Jahre als Schiffsarzt, bei Ärzte ohne Grenze oder im australischen Outback arbeiten? :-nix

Dr.Oetker
20.10.2017, 09:40
Danke für Eure aufmunternden Wort, ja ich schleppe mich mal weiterhin zur Arbeit und hoffe dass ich das mit dem Facharzt auf die Reihe bekomme, dann schaue ich anschließend mal weiter. Was man hat hat man, das stimmt natürlich. Erstmal Skiurlaub nächsten Monat, vielleicht ist es dann ja wieder entspannter :-)
Humangenetik werde ich mir auch nochmal anschauen. Keine Ahnung wie leicht man da rein kommt.

Feuerblick
20.10.2017, 09:51
Ich hatte so eine Phase mal mitten in der FA-Ausbildung...noch weit entfernt von der Prüfung. Damals habe ich mit einem Menschen telefoniert, der im gleichen Bereich FA war und nun Chef eines Unternehmens, in dem ich gerne gearbeitet hätte. Der sagte zu mir: Tun Sie sich selbst einen Gefallen und ziehen Sie den Facharzt durch. Notfalls an einem anderen Haus. Mit Facharzt stehen Ihre Chancen für die allermeisten patientenfernen Berufe sehr viel besser.“.
Womit er recht hatte...

Coxy-Baby
20.10.2017, 10:01
Hat man bei Humangenetik nicht genauso Patientenkontakt?

Solara
20.10.2017, 10:10
Wie lange ist es denn noch bis zum Facharzt?

Dr.Oetker
20.10.2017, 10:18
Ach nen Jahr oder etwas mehr, je nachdem ob ich das Programm bis dahin durch bekomme.
Ich gucke nebenbei mal nach Alternativen, bewerben kann man sich ja schonmal, so oder so.

Solara
20.10.2017, 10:34
Fremdjahr irgendwo, was für deinen FA anrechenbar ist? Abteilungs-/Klinikwechsel?