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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Analytisches Denken - welche Fachrichtung?



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davo
24.10.2017, 20:03
Mir ist klar, dass das scherzhaft gemeint war, aber nur so als Anmerkung: Ich hab, nachdem mich die Psychiatrie interessiert, auch darüber nachgedacht, ob Psychiatrie diese Kriterien erfüllen würde, und bin zu einem nein gelangt. Wichtig in der Psychiatrie ist IMHO eher, dass man Tonfall, Mimik, Wortwahl, Andeutungen, usw. gut wahrnehmen und interpretieren kann, dass man sich gut in den Patienten hineinversetzen kann, dass man den Patienten "motivieren" kann - aber wirklich "analytisch" ist die Tätigkeit IMHO großteils eher nicht.

Über Neuro habe ich ebenfalls nachgedacht, aber ich denke wie Lava auch eher, dass an den meisten Kliniken die Vielfalt recht gering ist. Im Studium ist Neuro zwar sehr schön analytisch, aber viele dieser Erkrankungen sind ja letztlich extrem selten... da ist mein bisheriger Eindruck (cave: 9. Semester :-)) :-p) doch, dass man als Internist viel öfter analytisch denken muss.

derPanda
24.10.2017, 20:57
Hallo Leute, vielen Dank erstmal für die vielen Antworten!

Ich muss zugeben, dass ich etwas verwirrt im Bezug auf Neuro nun bin, weil einige es für analytisch halten, andere nun wieder nicht.
Wahrscheinlich führt kein weg über eine eigene Erfahrung durch die Famulatur vorbei.

Danke für den Input. Zentren für seltene Erkrankungen oder Tropenmedizin stehen jetzt definitiv auch auf meiner Liste.
Noch weitere Vorschläge für Fachrichtungen mit denen ich mich mehr befassen sollte? :)

Mit analytisch meinte ich vor allem, dass man mehr grübeln und nachdenken muss.
Meine Angst ist einfach, dass ich irgendwann da sitze und jeder Gedanke praktisch schon hundert mal von mir genauso gedacht wurde.
Hoffe, dass es halbwegs klar ist, was ich meine.:-slap


Danke nochmal für eure Hilfe!

ehem-user-31012019-1024
24.10.2017, 21:05
Mit analytisch meinte ich vor allem, dass man mehr grübeln und nachdenken muss.

Und in welcher Fachrichtung muss man das, Deiner Meinung nach, nicht?

Mach doch einfach das, was Dir gefällt. Der Arztberuf ist keine Serie, die mindestens einmal wöchentlich im TV läuft.
Die Famulatur ist perfekt geeignet, um Deine Interessen herauszufinden.
Wenn Du auch noch Forschung machen möchtest, wäre eine Uniklinik zu empfehlen.

davo
24.10.2017, 21:08
Meine Angst ist einfach, dass ich irgendwann da sitze und jeder Gedanke praktisch schon hundert mal von mir genauso gedacht wurde.

Das ist in jedem Beruf so. Auch unter Ingenieuren oder Informatikern erdenkt nur eine sehr kleine Minderheit jemals etwas genuin neues.

Was ich an der Medizin im Vergleich zu den meisten anderen akademischen Berufen "ungewöhnlich" finde ist, dass man oft nie erfährt, was denn nun wirklich die Ursache (oder die Diagnose) ist. Gerade in der Inneren passiert das ja recht oft. Das kann Tüftler inspirieren, aber gleichzeitig u.U. auch frustrieren (v.a. den Perfektionisten).


Mit analytisch meinte ich vor allem, dass man mehr grübeln und nachdenken muss.

Wenn ich das so lese, denk ich primär an Innere.

Nessiemoo
25.10.2017, 06:05
Jede Fachrichtung wird irgendwannmal zu 90% Routine werden, nur passiert das bei manchen Fächern später...

Absolute Arrhythmie
25.10.2017, 07:33
Für eine ärztliche Tätigkeit an einem Zentrum für seltene Erkrankungen musst du dich aber auch für eine Facharztausbildung entscheiden. Ich arbeite als stud. Aushilfe an einem und wir arbeiten mit Fachärzten verschiedener Disziplinen zusammen. Entweder in Spezialsprechstunden der Subzentren (zB Neurologie, Gerinnungsmedizin, Rheumatologie...) oder aber direkt in der Koordination der Patienten. Da ist unser aktueller ärztlicher Leiter zB Allgemeinmediziner. Aber es besteht auch Bedarf an einem Neurologie und einem Humangenetiker...
Also einfach mal an einem ZSE bewerben ohne Facharzt ist nicht ;-)
Kannst mich bei Fragen gern kontaktieren.

roxolana
25.10.2017, 09:18
In der Inneren gibt es sicher oft Patienten, die "harte Nüsse" sind und wo man sich lange Gedanken drum machen kann, was sie eigentlich haben. Wenn du aber in der Realität deine 15 oder 30 (= Kollege krank) Patienten zu versorgen hast, dann freust du dich über jeden "einfachen" Fall, den du routinemäßig abarbeiten kannst... Ich vermute mal, in der Neuro ist es ähnlich. Analytische Arbeit und Fließbandarbeit a.k.a. stationäre Patientenversorgung schließen sich meiner Meinung nach weitestgehend aus.

John Silver
26.10.2017, 21:03
Ich kann mich nur wiederholen: Die Fragestellung ist unsinnig, und zeugt nur davon, das der Fragende nicht die leiseste Ahnung von echter klinischer Arbeit hat. Das Berufsleben besteht größtenteils aus relativer Routine, es ist nicht wie bei „Dr. House“. Es gibt keine Ärzte, die immer nur die spannenden Fälle bekommen, und die Routine schön auf die anderen Kollegen abwälzen können. Selbst Chefärzte müssen ihren Privatpatienten jeden Popel selbst aus der Nase ziehen. Man kann in keiner Fachrichtung der Routine komplett entfliehen, denn der „Dr. House“-Facharzt ist meines Wissens noch nicht geplant.
Die Angst davor, nur noch mit Routine beschäftigt zu sein und als Roboter zu enden, ist verständlich, zeugt aber auch von gewisser Überheblichkeit. Ein „einfacher“ Patient braucht die Hilfe des Arztes nicht weniger, als ein „interessanter“.
Insgesamt hängt es m.E. weniger von der Fachrichtung, als vielmehr von der Größe der Klinik und des Gesamtprofils ab, wieviele „interessante“ Patienten man sieht. In einem kleinen Haus sieht man solche Patienten sicher seltener, und wenn, dann werden sie meist zügig weiterverlegt.

davo
27.10.2017, 08:15
Ich finde das Anliegen des TE nicht so abwegig. Er hat auch nie gesagt, dass er der Routine "komplett entfliehen" oder diese "auf Kollegen abwälzen" will, das ist lediglich deine Interpretation.

Natürlich unterscheidet sich der Anteil an analytischem Denken ja nach Fach. Und natürlich unterscheidet sich auch der Anteil an Routinearbeit je nach Fach. Und je nach Klinik/Abteilung/Station. An meiner Uniklinik gibts z.B. eine Station auf der alle möglichen internistischen Bereiche abgedeckt werden (Endo, Gastro, etc.) Dort gibts schon viele "rätselhafte" Fälle. Schon ein "etwas" anderer Alltag als wenn man ein paar Stockwerke entfernt Echo- oder Herzkatheter-OA ist ;-)