Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharzt in der Schweiz
Dr.Neuro
25.11.2017, 15:57
Hallo,
ich bin Facharztin fur Neurologie und wurde gern nach meiner elternzeit ab Januar 2019 in der Schweiz arbeiten. Hat jemand Erfahrung als Facharzt/Facharztin in der Schweiz? Wo und wie kann man sich den Facharzt anerkennen lassen? Wie sind die Arbeitsbedingungen? Werden Fachazrte uberhaupt gesucht oder wird man eher direkt als Oberarzt angestellt?
Ich wurde mich uber jede Antwort freuen :-)
teletubs
25.11.2017, 19:49
Also Fachärzte wie in Deutschland gibt es so eigentlich nicht. In aller Regel bekommst du eine Oberarzt-Stelle.
Bei der MEBEKO (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/berufe-im-gesundheitswesen/anerkennungen-gesundheitsberufe/diplome-der-medizinalberufe-aus-staaten-der-eu-efta.html) kannst du dein Diplom anerkennen lassen.
Ich bin keine Neurologin, aber seit 10 Jahren in der Schweiz tätig. Ich war eigentlich immer zufrieden und bin jetzt aber in der Praxis.
Dr.Neuro
25.11.2017, 22:01
Super, vielen lieben Dank :)
War es schwer, dich in der Schweiz zu integrieren? Gibt es grosse Unterschiede im Krankenhausalltag im Vergleich zu Deutschland? Muss man dort auch als Facharzt Punkte sammeln bei Fortbildungen?
Vielen lieben Dank fur all die Infos :)
teletubs
26.11.2017, 09:10
Ja du musst für deinen FA Punkte sammeln. Keine Ahnung, wieviele es in der Neuro sind, in der Medizin sind es 50.
Habe nur ein Jahr in Deutschland gearbeitet und es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich bin damals vom Akutspital in eine Reha-Klinik, was wie Urlaub für mich war :-wow Aber in den Akutspitälern geht es dann wieder anders ab. Insgesamt wird aber schon geschaut, dass du pünktlich gehst, keine Überzeit ansammelst und regelmässig Fortbildung machst. Hier hast du als Assistenzarzt eine 46-h-Woche inkl. Dienste, die du in aller Regel kompensierst. Ich habe keine Ahnung, was man mittlerweile in Deutschland verdient, aber der Lohn ist hier zumindest den hohen Lebensbedingungen angepasst. Ich bin damals aber nicht wegen des Geldes hier hergegangen, sondern weil ich während meiner PJ-Zeit eine deutlich angenehmere Zeit hier hatte als in deutschen Kliniken. Und dann ist natürlich das Land mit seinen kurzen Wegen und Natur sehr verlockend.
Ich habe sowohl Freunde, die Schweizer sind, als auch welche, die deutsch sind. Aber je nach Region ist es fast normal, da in den Ballungsgebieten viele Leute aus den unterschiedlichsten Ländern zusammenkommen.
Dr.Neuro
26.11.2017, 10:34
Das hort sich ja alles super an :-top. Vielen Dank fur die vielen Infos :)
Tubs hat eigentlich alles gesagt... ich bin damals nach 10 Monaten arbeiten in D in die Schweiz gekommen. Mittlerweile bin ich mit einem Schweizer verheiratet und habe 2 kleine Doppelbürger in die Welt gesetzt ;-)
Dr.Neuro
26.11.2017, 17:21
Ja cool. Dann war die Schweiz die richtige Wahl fur dich:-dance. Ich hoffe fur uns auch...wir wollen ab 2019 dahin ziehen :-)
Wo soll es denn hingehen? Und warum?
teletubs
26.11.2017, 19:42
Wenn man einigermassen offen für alles ist, dann kann man hier sein Leben leben. Und wenn man Kinder hat, dann geht es noch viel schneller.
Dr.Neuro
27.11.2017, 11:31
@Eilika: in die Gegend von Luzern-Zug-Zurich. Ich habe mich noch nicht beworben, da ich fruehestens Januar 2019 anfangen kann. Zu der Frage Warum? Also Schweiz ist das schonste Land, wo ich je gewesen bin und ich wunsche mir, dass meine Tochter in so einem Land gross wird. Die Bezahlung ist naturlich auch ein wesentlicher Punkt, genauso wie die viel niedrigeren Steuern als in Deutschland, wo man praktisch die Halfte des Gehaltes an Steuern abgeben muss *gefaelltmirnicht*. Ausserdem hatte mein Mann(IT-Fachmann aus den USA) in den 5 Jahren, in denen wir in Deutschland leben bisher wenig Erfolg auf dem Arbeitsmarkt gehabt, ich hoffe in der Schweiz sieht dies anders aus :-)
Apropo Kinder: Wie sieht es denn in der Schweiz mit Kinderbetreuung aus(KITA, Kindergarten)? Bekommt man dort auch so schwer einen Platz wie in Deutschland? Und was kostet es dort?
In welcher Gegend wohnst du und was ist deine Fachrichtung? Bist du auch schon Facharztin und arbeitest du im Krankenhaus oder in einer Praxis?
Bin gerade am Handy, daher nur kurz. Kinderbetreuung ist teurer. Hier (Zürich) pro Tag und Kind etwa 100 bis 120 Franken, wenn man keine Subventionen hat. Unsere gehen 2 Tage pro Woche in die KiTa. Das wären ohne Subvention pro Kind und Monat um die 1300 Franken. Da wir aber beide nur 60% arbeiten und dementsprechend nicht so viel verdienen, zahlen wir aktuell nur 1200 Franken für 2 Kinder an 2 Tagen pro Woche.
Als Arzt verdient man übrigens was die Kaufkraft angeht nicht unbedingt mehr als in D. Mit Kindern zahlt man in der Schweiz eher drauf. Aber das ist ja nicht das einzige Argument ;-)
So, jetzt musste ich den Laptop eh nochmal anmachen...
Ich bin Internistin, habe den Facharzt 2014 gemacht. Arbeite aktuell im Krankenhaus als Spitalärztin, bin also in einer chirurgischen Klinik angestellt. Arbeite 60% (immer Mittwoch bis Freitag) ohne Dienste und ohne Wochenende. Dafür arbeitet mein Mann Schicht inklusive eben Nacht und Wochenende. Mein Sohn ist jetzt gerade 3 geworden, meine Tochter ist 8 Monate alt. Beim ersten Kind war ich 8 Monate daheim, beim zweiten jetzt 6 (Elternzeit gibt es in der Schweiz nicht).
Was man echt wissen muss, ist, dass Kinder in der Schweiz viel mehr als Privatsache angesehen werden. Die Unterstützungen sind also viel geringer als in Deutschland zum Beispiel. Also eben so Sachen wie Elternzeit, billige Kinderbetreuung und so, das wirst Du hier nicht finden. Dafür ist die Kinderbetreuung meiner Meinung nach qualitativ sehr gut. Bei uns in der KiTa kommen auf 12 Plätze (die Kinder unter 18 Monate zählen 1,5 fach - somit sind es meist nur 8 oder 9 Kinder) immer mindestens 3 Betreuer(innen) pro Tag. Oft sind sie sogar zu viert. Das Essen wird oft selbst gekocht, es gibt viel frisches Obst, sie gehen viel raus und so.
Wenn die Kinder 4 sind, kommen sie in den obligatorischen Kindergarten. Der ist dann gratis. Allerdings geht er auch nur 3 Stunden vormittags und im 1. Jahr einen Nachmittag (2 Stunden) und im 2. Jahr dann 2 Nachmittage. Die Zeit davor, über Mittag und danach muss man dann mit Hort oder so abdecken (der wieder kostet).
Vielleicht als kleiner Tipp: Ich war als Unterassistentin in Inselspital Bern in der Neuro. War echt toll! Sind auch einige deutsche Ärzte/innen dort oder auch Österreicher. Sehr, sehr gute Klinik, alle wahnsinnig kompetent, Umgang mit Patienten und der Pflege sehr höflich.
Dr.Neuro
28.11.2017, 13:06
Vielen Dank Eilika fur deine ausfuhrliche Antwort, habe mich sehr daruber gefreut :) Mein Mann und ich haben naturlich bereits sehr viel uber die Schweiz und vor Allem jetzt auch uber Kinderbetreuung recherchiert...es ist aber immer besser Infos von Leuten zu erfahren, die bereits langer im Land leben und eigene Erfahrungen berichten konnen. Daher vielen vielen Dank:-winky
Dr.Neuro
28.11.2017, 13:09
Ja cool, danke fur den Tipp Shade :-)
Das Inselspital in Bern habe ich mir auch bereits angeschaut, die hatten vor Kurzem auch eine Stelenausschreibung fur Oberarztin in der Neurologie. Wo hast du danach gewechselt? Wie ist Bern als Stadt so? Hat es dir dort gefallen?
teletubs
28.11.2017, 20:37
Wir hier in Baselland zahlen für drei Tage gute 1400CHF. Kinder bis 18Monaten zahlen ein bisschen mehr, werden je nach Wohnort aber subventioniert. Wenn du dich rechtzeitig anmeldest, bekommst du in aller Regel ohne Probleme einen Platz. Ab 4 Jahren (Stichtag 31.7.) kommen sie dann in den obligatorischen Kindergarten, wie Eili schon geschrieben hat. Sie sind dann meistens von 8-12Uhr dort, danach muss man dann schauen, wer, wie, wo sie weiterbetreut. Man kann sie weiterhin in dem Kindergarten, wo sie vorher gehen lassen und sie werden dann dort weiterbetreut. Oder ihr organisiert das privat. Und eben es kostet dann, der obligatorische ist kostenlos. Der einzige Nachteil am obligatorischen ist, dass du an die Schulferien gebunden bist. Du darfst das Kind auch nicht einfach paar Tage rausnehmen, wenn du z.B. in die Ferien fahren willst etc.pp. Man ha drei "Freischüsse"...weiss aber nicht ob pro Halbjahr oder Jahr.
Wir waren (1xUmzug) und sind immer noch zufrieden mit der Kita. Die Zwerge gehen gerne hin. Mein Mann und ich sind Deutsche und reden mit den Kindern hochdeutsch...in der Kita lernen sie aber schwiiiitzerdüüüütsch und es ist manchmal zum Schiessen, wenn sie so hin&herswitched. Es gibt auch Kitas, wo die Kinder mehrsprachig betreut werden können.
Dann viel Erfolg beim Bewerben.
Dr.Neuro
29.11.2017, 18:06
Vielen vielen Dank :-)
Eine Frage noch: muss man fur die Anerkennung des Facharztdiploms tatsachlich zwischen 800 und 1000 CHF bezahlen? Und muss ich meine Aprobation ebenfalls in der Schweiz anerkennen lassen? Also nochmal 800-1000CHF bezahlen?
Ich habe den schweizer Facharzt. Musste also nur die Approbation anerkennen lassen.
Dr.Neuro
29.11.2017, 20:24
Und wie teuer war die Anerkennung?
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