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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neoliberal-Kapitalistischer Wahnsinn im Gesundheitssystem!



Roger1987
06.12.2017, 17:26
Hey Leute,

Besteht in absehbarer Zeit mal wieder die Möglichkeit, Medizin für den Menschen zu machen, statt für das Kapital?

Mal ganz ehrlich:
Habt ihr euch Gestern auch die aktuelle Folge der Politsatire-Sendung "Die Anstalt" im ZDF reingezogen???
Zwar ging es da primär um die Pflege im abmulanten Bereich, das System ist aber ja im Prinzip das Selbe und spielt auch z.B. in den Arbeitsaltag von mir als Stationsarzt, wenn ich zum 5.Mal im Monat die Omi mit Versorgungsproblem "behandeln" muss.

Allgemein gehen immer mehr Assistenzärzte, verständlicherweise, in Teilzeit, was den Ärztemangel insbesondere in strukturschwächeren Regionen noch verschärft.
Ich habe nun auch beschlossen auf eine 75%-Stelle zu gehen und mich politisch zu engagieren!

Was ist eure Meinung zur neoliberalen, kapitalistischen Umstrukturierung des Gesundheitssystems bzgl. voranschreitender Privatisierung mit Gewinnausschüttung (pervers!!!), Schuldenbremse der öffentlichen Haushalte (was die Situation zugunsten der Privatisierung in meinen Augen verstärken wird), zu geringer Ausbildungsquote (ein syrischer Freund arbeitet in einer Klinik, die inzwischen auf der Inneren keinen Muttersprachler mehr unter den Assis hat!) und zunehmender Aufpfropfung betriebswirtschaftlicher bzw. rechsdokumentarischer Vorschriften?

Ich für meinen Teil, fühle mich völlig entfremdet von meiner Arbeit!

Wie geht es euch und euren Kollegen?
Was sagen bei euch, insbesondere ältere Kollegen, über die Zustände früher?
Wie holen wir uns die menschliche Medizin zurück?
Könnt Ihr Literatur oder politische Initiativen empfehlen?

FRAGEN ÜBER FRAGEN!

tarumo
07.12.2017, 08:18
Könnt Ihr Literatur oder politische Initiativen empfehlen?

FRAGEN ÜBER FRAGEN!

Literatur: schau mal nach den Büchern von Renate Hartwig zum Thema
Initiativen: insgesamt eher hoffnungslos, da im deutschen Gesundheitswesen jeder für sich kämpft bzw. die Handelnden gegeneinander ausgespielt werden (Arzt vs Pflege, Ambulant gegen Stationär, AA gegeneinander usw.)
Was bleibt, ist ein Abstimmen mit den Füßen bzw. für jeden einzelnen eine Strategie (z.B. Zulassungsrückgabe, TZ etc.
Anregungen diesbezüglich kann man sich in geschlossenen Foren wie dem Hippokranet holen...
Politik: CAVE "false friends": es ist leider so, daß sämtliche etablierten Parteien den aktuellen Kurs seit Jahren mittragen (wo die "Alternative" diesbezüglich steht, weiß man nicht so recht) und ironischerweise die allerschlimmsten kapitalistischen Auswüchse durch Protagonisten aus der linken Ecke wie Lauterbach verursacht werden. Google mal nach "Lauterbach-Rede". Auch von Gewerkschaften wie ver.di und dem MB ist keine echte Hilfe zu erwarten, da deren Führungsetagen relativ unverblümt für die "Gegenseite" arbeiten und arbeiteten (folge der Spur des Geldes...). Gilt übrigens auch für die Institutionen wie KV und Ärztekammern. Blätter mal in meinen älteren Beiträgen.
Vernünftige Ausnahmen in der Politik sind leider nur kleine, regionale Erscheinungen (wie z.B. eine süddeutsche Wählervereinigung, mit einem bekannten TV-Richter). Da die aber regelmäßig kaum gewählt werden, muß man konstatieren, daß auch die Wahlschafe (Patienten) den Kurs mittragen.

DrSkywalker
07.12.2017, 09:18
Neoliberal und kapitalistisch sind zunächst mal Kampfbegriffe. Und das Gesundheitssystem ist immer noch sehr gut im internationalen Vergleich. Vor der "Effizienztrimmung" war das System leider auch nicht gut, es war verschwenderisch, langsam, träge, etc... Es musste was passieren. Es gab viel zu viele kleine Kliniken die schlecht waren und Omis 4 Wochen liegen haben kassen dass die Betten belegt waren. Auch nicht gut.

Ich gebe dir aber recht, dass es Entwicklungen gibt, die eigentlich einen Aufschrei provozieren müssten. Die Bevölkerung verschläft da in meinen Augen diese Entwicklung, welche schon seit Jahren in Gang gesetzt wurde und sich immer weiter beschleunigt.

Ich habe für persönlich Konsequenzen gezogen, raus aus der Klinik, Tätigkeit finden die sinnvoll ist, Spaß macht und gut bezahlt wird. Meinen Patienten helfen wo es geht aber sich persönlich nicht vom System zermürben lassen.

Außerdem habe ich Aktien der großen Gesundheitsanbieter schon vor langer Zeit gekauft und partizipiere so an der Entwicklung, auch wenn ich sie nicht in allen Teilen gut finde. Und jetzt beschimpfe mich dafür als neoliberaler Kapitalistensack (wenn du magst).

Lava
07.12.2017, 10:02
Ich habe für persönlich Konsequenzen gezogen, raus aus der Klinik, Tätigkeit finden die sinnvoll ist, Spaß macht und gut bezahlt wird. Meinen Patienten helfen wo es geht aber sich persönlich nicht vom System zermürben lassen.

Das ändert ja nichts an der Gesamtsituation. Ich kann es schon verstehen, dass man sich manchmal verzweifelt und ohnmächtig fühlt, wenn man nur der Spielball in einm unfairen System ist. Meiner Meinung nach sollte Medizin bzw. Entschedungen in der Medizin absolut nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun haben. Aber das wäre ein Idealzustand, den man wohl nicht erreicht kann.

Wird die erbrachte Leistung individuell abgerechnet, verführt das dazu, Leistungen zu erbringen, die nicht notwendig sind. Außerdem ist es aufwendig.
Wird die Liegedauer abgerechnet, verführt das zu unnötig langen Liegezeiten.
So gesehen scheint das DRG System schon das geringste Übel zu sein.
Man müsste nur dagegen vorgehen, dass sich Kliniken auf geldbringende Patienten spezialisieren und alles ablehnen können, was Miese bringt, und was dann an andere Kliniken, meist den großen, hängen bleibt.

tarumo
07.12.2017, 11:09
So gesehen scheint das DRG System schon das geringste Übel zu sein.
Man müsste nur dagegen vorgehen, dass sich Kliniken auf geldbringende Patienten spezialisieren und alles ablehnen können, was Miese bringt, und was dann an andere Kliniken, meist den großen, hängen bleibt.

Pauschalen (dazu zähle ich auch DRG) sind per se leistungsfeindlich und verführen dazu, daß der "Empfänger" zum einen minderwertige Leistungen erhält, weil nur so der Erbringer Profit macht, ferner führen sie zu ungebremster Nachfrage auf der anderen Seite. Sieht man ganz gut an jedem all-you-can-eat-Buffet, wo man auch keinen Kaviar vorfindet, umgekehrt sich aber manche umgehemmt vollschaufeln.

In der restlichen Wirtschaft und in den allermeisten Ländern der Welt auch im Gesundheitswesen funktioniert das so: Leistung wird nachgefragt, Rechnung geht an Empfänger, Empfänger oder seine Versicherung zahlt. Fertig. Die Rechung wird so kalkuliert, daß der Erbringer keine Miese macht, Empfänger kann eine fehlerhafte oder ungerechtfertigt hohe Rechung jederzeit überprüfen, anfechten oder gleich den Anbieter wechseln. Funktioniert in jeder Autowerkstatt. Das aktuelle Modell, daß eine Seite im intransparenten Sachleistungsnebel sich bereichern kann (oder Miese machen muss) und die andere Seite (PKV) das über überzogene Rechungen kompensieren muß, ist Mist.
Die sog. "Patientenquittung" ist fake, wie jeder weiß, der schon jemals eine gesehen hat. Das Modell, daß auch der GKV-Versicherte eine Rechung erhält und einreicht, existiert zwar, wird aber absichtlich "versteckt". Das ganze heißt "Kostenerstattung" und ist aus gesundheitspolitischen Gründen schlicht nicht erwünscht.
Übrigens wurde das im Gesundheitswesen herrschende Sachleistungssystem im Zusammenhang mit Asylbewerbern (d.h. Hausmeister kauft Essen, teilt das aus und behält Differenz) vor Jahren für verfassungswidrig erklärt und daraufhin die Geldzuteilung eingeführt (fällt uns heutzutage wieder auf die Füße, aber das ist eine andere Geschichte).
Bevor jetzt jemand mit Ethik kommt: ich habe noch nie gehört, daß in Ländern wie Österreich, Frankreich oder Schweiz arme Patienten vor der Praxis-oder Krankenhaustür versterben müssen, obwohl man dort eine Geldbörse zücken muß. Und selbstverständlich schreibt auch in Deutschland die "ethisch gute" Feuerwehr für jede einzelne "Dienstleistung" eine Rechung an den "Nachfrager" aus und bekommt nicht irgendeine Pauschale von einer "Löschkasse" oder so. Wäre letzteres der Fall, hätte sie vermutlich jeden Tag hunderte Einsätze für nachts um drei zu beseitigende Wespennester, Kfz-Starthilfe oder notfallmäßig eingefrorene Autoschlösser zu öffnen. Berechtigte Einsätze erstattet die Versicherung nach Prüfung, Mißbrauch nicht. Fertig. Eigentlich kann man das auch gleich in den Ambulanzthread reinkopieren.

Roger1987
07.12.2017, 12:40
Literatur: schau mal nach den Büchern von Renate Hartwig zum Thema
Initiativen: insgesamt eher hoffnungslos, da im deutschen Gesundheitswesen jeder für sich kämpft bzw. die Handelnden gegeneinander ausgespielt werden (Arzt vs Pflege, Ambulant gegen Stationär, AA gegeneinander usw.)
Was bleibt, ist ein Abstimmen mit den Füßen bzw. für jeden einzelnen eine Strategie (z.B. Zulassungsrückgabe, TZ etc.
Anregungen diesbezüglich kann man sich in geschlossenen Foren wie dem Hippokranet holen...
Politik: CAVE "false friends": es ist leider so, daß sämtliche etablierten Parteien den aktuellen Kurs seit Jahren mittragen (wo die "Alternative" diesbezüglich steht, weiß man nicht so recht) und ironischerweise die allerschlimmsten kapitalistischen Auswüchse durch Protagonisten aus der linken Ecke wie Lauterbach verursacht werden. Google mal nach "Lauterbach-Rede". Auch von Gewerkschaften wie ver.di und dem MB ist keine echte Hilfe zu erwarten, da deren Führungsetagen relativ unverblümt für die "Gegenseite" arbeiten und arbeiteten (folge der Spur des Geldes...). Gilt übrigens auch für die Institutionen wie KV und Ärztekammern. Blätter mal in meinen älteren Beiträgen.
Vernünftige Ausnahmen in der Politik sind leider nur kleine, regionale Erscheinungen (wie z.B. eine süddeutsche Wählervereinigung, mit einem bekannten TV-Richter). Da die aber regelmäßig kaum gewählt werden, muß man konstatieren, daß auch die Wahlschafe (Patienten) den Kurs mittragen.

Danke für die Literaturempfehlung!
Ja, mir fallen, zurzeit, leider auch keine anderen Möglichkeiten, als das "Abstimmen mit den Füßen" ein. Dies könnte aber dazu führen, dass ein Umdenken auch auf höheren Ebenen stattfindet. Den Glauben hab ich bei den Helferkomplexen und der Obrigkeitshörigkeit im Gesundheitswesen allerdings schon fast abgeschrieben. Aber irgendwann muss sich die Realität Ihren weg bahnen.
Finde auch insgesamt schlimm, wie du auch angemerkt hast, dass jeder gegen jeden kämpft.
Was die Pflege angeht, scheint auch der Anteil an Personal nicht mehr mit ausländischen Kräften gedeckt werden zu können, sodass hier, zumindest bei der Personalfrage, auch politisch ein Umdenken stattfinden könnte.

Über die SPD muss man, seit der Agenda 2010, eigentlich nicht mehr viel Worte verlieren. Außer Mindestlohn ist da für mich nix mit Links!
Meinte mit politischem Engagement auch eher von der Basis aus ;)
Werde mir mal bei Gelegenheit deine früheren Beiträge zu Gemüte führen.

Roger1987
07.12.2017, 13:04
Neoliberal und kapitalistisch sind zunächst mal Kampfbegriffe. Und das Gesundheitssystem ist immer noch sehr gut im internationalen Vergleich. Vor der "Effizienztrimmung" war das System leider auch nicht gut, es war verschwenderisch, langsam, träge, etc... Es musste was passieren. Es gab viel zu viele kleine Kliniken die schlecht waren und Omis 4 Wochen liegen haben kassen dass die Betten belegt waren. Auch nicht gut.

Ich gebe dir aber recht, dass es Entwicklungen gibt, die eigentlich einen Aufschrei provozieren müssten. Die Bevölkerung verschläft da in meinen Augen diese Entwicklung, welche schon seit Jahren in Gang gesetzt wurde und sich immer weiter beschleunigt.

Ich habe für persönlich Konsequenzen gezogen, raus aus der Klinik, Tätigkeit finden die sinnvoll ist, Spaß macht und gut bezahlt wird. Meinen Patienten helfen wo es geht aber sich persönlich nicht vom System zermürben lassen.

Außerdem habe ich Aktien der großen Gesundheitsanbieter schon vor langer Zeit gekauft und partizipiere so an der Entwicklung, auch wenn ich sie nicht in allen Teilen gut finde. Und jetzt beschimpfe mich dafür als neoliberaler Kapitalistensack (wenn du magst).

Und was willst du mir damit sagen? Vielleicht will ich ja kämpfen ;)
Außerdem wüste ich nicht, wie man das derzeitige Wirtschaftssystem nennen soll? Und jetzt sag bitte nicht soziale Marktwirtschaft.
Schön das du direkt mit "internationaler Vergleich" relativierst. Es geht ja auch nicht darum auf das Ausland zu schauen, wenn die es fertig bringen, noch schlechter zu sein.
Die Kosten sind jedenfalls durch die "Reformen" nicht wirklich reduziert worden, soweit ich informiert bin, oder hast du andere Quellen?

Welche alternative Tätigkeit hast du gefunden? Spricht ja auch eher dafür, dass einiges für dich untragbar war.

Ich käme niemals auf die Idee, einen Einzelnen für solche Entwicklungen verantwortlich zu machen.
Ich finde es nur pervers, ein Gesundheitssystem aus Solidarbeiträgen zu finanzieren und dem wohlhabenden Teil, der sich Aktien leisten kann, einen Teil wieder zurück zu erstatten und Kapitaleignern wie den Maschmeyers dieser Welt zu öffnen.
Ganz abgesehen davon bin ich überzeugt, gewisse Aufgaben gehören in staatliche (nicht gewinnorientierte) Hand und nicht privatisiert und den sog. "Märkten" überantwortet.
Also nichts für Ungut!

Roger1987
07.12.2017, 13:08
@tarumo

was würdest du also tun?
Nur noch Privatversicherungen oder doch die Bürgerversicherung mit anderem Abrechnungssystem?
Oder ganz was anderes^^?

tarumo
07.12.2017, 13:58
Eine privatrechtliche Pflicht-Versicherung für jeden mit Kontrahierungszwang und das von Geburt an. Arme und Arbeitslose werden vom Staat unterstützt. Funktioniert in vielen Ländern sehr gut. Und ansonsten kann der Patient seine Verträge gestalten wie er will. In Deutschland gibt es mehr Autos als Einwohner, offensichtlich hat die Mehrheit kein Problem damit, eine Pflicht-Versicherung über hohe Summen abzuschließen und zu gestalten (gerade das GKV-Modell, man begebe sich im Schadensfall komplett in die Hände der Versicherung, ohne Kontrolle der Schadensregulation, ist im KFZ-Sektor sehr unpopulär).
Anyway, GKV ist eben keine "Versicherung", sondern eine "Kasse" mit Umlageverfahren, wo man keine Police abschließt, sondern eine Mitgliedschaft (und wie in einem Buchclub nicht zu entscheiden hat, was man dafür bekommt). Die zweite öffentlich-rechtliche Organisation, die DRV, die auch auf dem Umlageverfahren basiert, hat genau die gleichen systemimmanenten Probleme ( demnächst 38% Nettorente bei 70 Jahren Eintrittsalter- alle anderen haben Pech gehabt). In Österreich gibt es fast 70% bei niedrigerem Eintrittsalter. Deutschland ist irgendwann mal in seiner Entwicklung falsch abgebogen- aber es wird eher der Papst evangelisch, als daß die Politik das ernsthaft ändert. Wenn man den Vergleich DRV/GKV zieht, dann müßten wir sogar 150 verschiedene DRV mit ihrem Verwaltungswasserkopf haben, die alle die gleiche Minirente zahlen. Im übrigen werden Ärzte nicht dafür ausgebildet und bezahlt, soziale und versicherungsrechtliche Probleme zu lösen, weswegen die Diskussion hier nicht zielführend ist. Bitte die Probleme dort lassen, wo sie hingehören, nämlich in die Politik. Es gibt ja den Spruch "you ill- I work - you pay" und das "Pay" sollte in einem angeblich so reichen Land doch kein Problem sein. Nur muß man auf das "pay" bestehen, sonst ändert sich nichts.

tarumo
07.12.2017, 14:12
@tarumo

was würdest du also tun?
Nur noch Privatversicherungen oder doch die Bürgerversicherung mit anderem Abrechnungssystem?
Oder ganz was anderes^^?

Als Arzt würde ich sogar die Bürgerversicherung begrüßen- das aktuelle System würde mit einem Schlag zusammenbrechen, weil die Möglichkeit zur Quersubventionierung für viele Praxen und KH wegfällt. Es wäre also Schlangestehen vor einer staatlichen Ambulanz angesagt, wo unterbezahlte Ärzte Dienst nach Vorschift machen. Anspruchsdenken entfällt, und wer überhaupt zum Arzt vorgelassen werden will, muß sich was einfallen lassen (in der DDR Trabbiersatzteile oder Westgeld, in Zukunft dann Bitcoins oder das neueste Smartphone). Oder für teures Geld gleich in eine Rhön/Heliosambulanz etc... (die werden dann ein Monopol haben und hoffentlich was an die Ärzte durchreichen, z.B. als Wahlleistung für eine deutschsprachige Visite etc..). Also alles total sozial und gerecht. Gibt es übrigens aktuell auch in Europa, heißt NHS (allerdings kostet er nichts, so daß man sich vom zurückgelegten Geld durchaus privat zusatzversichern kann) und der hat knallharte Listen, z.B. bei welchen Krankheiten kein Anspruch auf Arztkontakt oder Medikamente besteht. Übrigens war auch sicher nicht gemeint, mit Bürgerversicherung die Kassen zusammenzulegen (würde ich ja auch sehr begrüßen). Wir hätten dann also nicht nur eine, sondern 150 Bürgerversicherungen mit ihren Verwaltungen (alleine die DAK hat mehr Mitarbeiter als die ganze französische Gesundheitsverwaltung) mit per Gesetz identischen und minimalistischen Leistungen, wo dann auch noch die "bessere" Konkurrenz entfallen wäre- viel Spaß damit...

Roger1987
07.12.2017, 23:14
Sehe gerade, das deutsche Gesundheitssystem ist, im internationalen Vergleich, noch hinter Griechenland auf Platz 20.

Nunja, ich bin überhaupt nicht für eine kapitalgedeckte Gesundheitsversorgung. Eben aufgrund des Abflusses von öffentlichen Geldern zu Kapitalseignern (vor allem bei weiterhin Privatisierung des Klinikbetriebes) in einem solidarischen System. Aber auch Marktmechanismen bzw. Wettbewerb fallen ja durch den G-BA weitestgehend raus.
Der Wasserkopf mit der Verwaltung ist natürlich ein großes Problem und müsste über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, abgebaut werden. Wichtig wäre aber vor allem mal das Abschaffen der 2.Klassenmedizin, in der die 1.Klasse überversorgt und die 2.Klasse unterversorgt ist. Ob dies nun über ein steuerfinanziertes schwedisches Model oder die Bürgerversicherung erreicht wird, wäre natürlich noch zu diskutieren.
Auch die Umstellung von ärztlichem Unternehmertum, zu Mitarbeitern im öffentlichen Dienst, wäre zu überdenken.

Kackbratze
07.12.2017, 23:29
Der Wasserkopf mit der Verwaltung ist natürlich ein großes Problem und müsste über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, abgebaut werden. Wichtig wäre aber vor allem mal das Abschaffen der 2.Klassenmedizin, in der die 1.Klasse überversorgt und die 2.Klasse unterversorgt ist.

2 Klassenmedizin findest Du in Amerika und in jedem Land, in dem man einen Arzt bar bezahlen darf. In den anderen Ländern findest Du Sozialmedizin, die dafür sorgt, dass die Leute mit Geld in ein Land fahren, in dem sie ihren Arzt bar bezahlen dürfen.

Wie die Spekulationsabgabe und Steuerschlupflöcher etwas, was man mal für den gesamten Erdball überdenken sollte.
Die aktuelle Medizin mit dem zwingenden Ziel der Rendite ist der falsche Weg, allerdings wird das durch die Politik gefördert, also bist Du dem insoweit ausgeliefert, dass Du mitmachen musst oder die Branche wechselst.
Ein Streik wird durch die Presse, die übrigens auch Rendite erarbeitet, als unterlassene Hilfeleistung angesehen. Und Politiker werden einen Teufel tun und sich vor dich stellen.

Ich persönlich bin ein Anhänger der gesicherten Grundversorgung, unabhängig vom Kapital, also Steuerfinanziert, welche alles Weitere in die Hände des Individuums legt. Aber mit liberalen Einstellungen wird man gleich als Turbokapitalist, etc. verunglimpft von denen, die dem Menschen das freie Denken aberkennen. Selber denken tut am Anfang weh, aber es zwingt einen, sich dem Nanny-Staat zu entziehen. Oder eben nicht, wenn man nicht denken will.