Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gründe gegen Bewerbung als Assistentin in der Uniklinik!?
Und das mit den Vermietern habe ich noch nie erlebt, mich zieht es aber auch nicht nach Berlin, München oder Hamburg...
Ähm, nö. Süddeutsche Kleinstadt. Nächste Metropole >100km weg...Wo es per se schon wenig Wohnraum gibt, man aber um den mit zahlreichen Beamten und sehr gut verdienenden Angestellten aus Industrie und Handwerk konkurrieren muß. Wenn man ab und zu überregionale Zeitungen durchblättert, kann man über dieses Phänomen öfters lesen. Natürlich kann man auch seine Existenz in einem Wohnheim ohne eigene Küche und Bad fristen, oder in eine Gegend ziehen, wo ungenutze Gebäude en masse verfallen.
Feuerblick
23.12.2017, 12:32
Ich verstehs immer noch nicht. Ich kenne nach wie vor an mehreren Unikliniken in meinem Fach keinen einzigen Assistenten, der nicht nach zwei Jahren ohne Probleme, ohne Betteln und ohne Bangen eine Verlängerung bekommen hätte. KEINEN... an MEHREREN Unikliniken in einem Fach, in dem es zu meiner Zeit Uni-Stellen nicht gerade wie Sand am Meer gab und die Ausbildung an städtischen Häusern teilweise noch sehr begrenzt war.
Und Wohnraum war auch nie ein Problem. Die Arzt-Karte hat immer gezogen.
Der Ärztemangel schlägt auch auf die Unikliniken durch. Aus dem persönlichen Umfeld kenne ich auch keinen WBA, dessen WB-Vertrag nicht verlängert worden wäre. Dennoch: wieso gibt man den Leuten dann nicht einfach einen Vertrag für die ganze Weiterbildungszeit? Wenn man an der Uniklinik bleiben möchte, wird nämlich die wiederholte Befristung irgendwann ein Problem, so daß man irgendwann schon per Gesetz keine Verlängerung mehr bekommen kann. Zusätzlich bleibt ja immer noch die subtile Druckmöglichkeit, und man macht sich zum Spielball einer Verwaltung oder von Dritten (falls die betreffende Stelle DFG- oder anderweitig-drittmittelgefördert ist). Sollte man übrigens auch vorab klären.
Ob die "isch bin Aaaaazt" Karte bei einem Vermieter besser gezogen hätte als eine Entfristung- who knowns. Auf jedem Fall lebt es sich IMHO entspannter mit einem langlaufenden oder gar unbefristetem Vertrag. Genauso wenig weißt Du, ob derjenige, der einen kurzen Vertrag hat, nicht schlechtere Konditionen für einen Kredit bei der Bank bekommt als ein "Langläufer". Frag mal beim nächsten Mal "Deinen" Banker. Und berichte uns...
Wir drehen die Sache mal um: was spricht aus Arbeitnehmersicht (!) für einen kurz laufenden Vertrag, wenn die Konditionen ansonsten gleich sind? Mir fällt partout nichts ein.
Mittlerweile tauchen ja auch schon Stellenangebote auf, in denen nach erfolgreichem Facharztabschluss eine automatische Entfristung und die Option auf eine zeitnahe OA-Stelle zugesichert wird (ja, ich weiß, Papier ist geduldig). An einem UK müßte man im gleichen Zeitraum diverse Male um eine Verlängerung nachersuchen und bekäme dann trotzdem unter Verweis auf das Gesetz irgendwann den Stuhl vor die Tür gestellt. Banker und Immobilienfinanzierer wissen das natürlich.
Nunja tarumo, irgendwo muss man halt abwägen.
Auch wenn wir generell einen Ärztemangel haben gibt es doch sehr renommierte Unikliniken die viel zu bieten haben und auch mehr als genug Bewerber.
Wenn ein Chef 250+ Bewerbungen im Jahr bekommt hat er halt den Luxus sich die guten Leute auszusuchen. Im Gegenzug hat man als Assistent die Möglichkeit absolute Spitzenaustattung zu genießen, einen (möglicherweise) besseren Stellenschlüssel, die Weiterbildung kann man meistens in Mindestzeit abschließen weil die Fallzahlen gut zu schaffen sind und man hat die Möglichkeit an Dingen zu forschen die hochkarätig publiziert werden und auch wirklich eine Neuerung darstellen.
Da gibt es halt auch wieder verschiedene Typen Mensch. Wer Uni-Karriere machen will muss wohnlich flexibel sein, Lust zu forschen haben und bereit sein mehr zu arbeiten als anderswo. Natürlich gibt es Leute die sagen: Ich will meinen FA machen und dann entspannt bis in den Ruhestand arbeiten, eventuell auch Praxis.
Muss man sich halt überlegen welcher Typ man ist. Ich sehe mich eher als ersteren und mir macht die 2-Jahres Befristung am Anfang nichts aus. Siehs als verlängerte Probezeit - Die Chefs wollen sehen wie entwickelt sich der Assistent fachlich und wie siehts mit wissenschaftlicher Arbeit etc aus. Gerade bei einem Berufsanfänger kannst du das nach 6 Monaten ja kaum einschätzen.
Ich hatte auch ein Angebot sofort unbefristet anzufangen an einem kleineren Haus, hab mich aber klar dagegen entschieden weil ich halt Uniklinik und Maximalversorger will mit allem - positiven wie negativem - was dazu gehört!
Feuerblick
23.12.2017, 14:44
Ich fand die jeweils befristeten Verträge (nach FA-Prüfung wurde das Ganze ein unbefristeter FA-Vertrag) sehr gut, weil ich sowieso nicht an einer Klinik kleben bleiben wollte und so keinen Ärger mit irgendwelchen Kündigungsfristen hatte. Nach wie vor sehe ich einfach keinen Nachteil. Verlängerung war ja quasi garantiert und nach FA wurde es unbefristet. Alles kein Problem. Da hätten andere Faktoren meine Beschäftigungsdauer an der Uni deutlich mehr begrenzt.
Kredite habe ich nie gebraucht und werde ich auch voraussichtlich nicht brauchen, daher kann ich dir zu den Konditionen nichts sagen, aber das können andere hier ganz sicher.
Nunja tarumo, irgendwo muss man halt abwägen.
Auch wenn wir generell einen Ärztemangel haben gibt es doch sehr renommierte Unikliniken die viel zu bieten haben und auch mehr als genug Bewerber.
Ich hatte auch ein Angebot sofort unbefristet anzufangen an einem kleineren Haus, hab mich aber klar dagegen entschieden weil ich halt Uniklinik und Maximalversorger will mit allem - positiven wie negativem - was dazu gehört!
Na ja, Du bist im 1. WBJ und an einer Uniklinik, es erwartet auch niemand, daß Du Dein eigenen Laden schlechtredest. Abgesehen davon, daß man auch anderswo Maximalversorgung oder Submaximalversorgung betreiben kann und zumindest die Bewerber mit universitärem Hintergrund, die ich kennenlernen durfte, nur ein - vorsichtig formuliert- eingeschränktes Arbeitsspektrum hatten- die anderen Sachen, die Du schreibst, sind eine IMHO eher eine Chimäre. Ich kann aus persönlichem Einblick berichten, daß zumindest in meiner Fachrichtung fast gar keine oder nur minderqualifizierte Bewerbungen bei den Chefs vorliegen, daß, sobald mehr als 3,4 Leute gleichzeitig kündigen, die Patientenversorgung kollabiert und teilweise der Prozentsatz an Gastärzten (über deren Problematik wir an anderer Stelle diskutiert hatten) mehr ist als gut usw... Das ganze auch an "Exzellenz"- und "Eliteuniversitäten". Daß die Charite (!) selbst in einem vermeintlich so nachgefragten Fach wie Pädiatrie und einer beliebten Stadt wie Berlin selbst simple acht (!) Stellen nicht nachbesetzt bekommt und daher die Notfallversorgung einschränken muß, hatte ich an anderer Stelle verlinkt. Eine andere Alma Mater muß nach wie vor Patienten wegen "Ärztemangel" abweisen, weil nicht nur Assistenzarztstellen und Oberarztstellen, sondern sogar Chefarztstellen über ein Jahr vakant blieben und noch immer sind (das ganze übrigens unter großer Beachtung der Lokalpresse). Eine Habilitation anzustreben, ist sicher ein Argument, geht aber auch mit einem Vertrag über 60 Monate. Und wenn Du die Möglichkeit zu "hochkarätiger" Forschung hast, wieso nicht. Ich bin regelmäßig auf internationalen Kongressen meines Fachgebietes, und es fällt mir auf, daß aus Deutschland eigentlich immer nur die Chefs der UKs auftauchen, während aus anderen Ländern auch Weiterbildungassistenten regelmäßig und in großer Anzahl präsent sind und auch als "main speaker" fungieren. "Meine" Alma mater hat als erste Amtshandlung nach dem Lehrstuhlinhaberwechsel gleich mal die Fortbildungstage und das Budget dafür rigoros zusammengestrichen- sicher wegen der "exzellenten" Weiterbildungsmöglichkeiten. Mich betraf es zum Glück nicht mehr. Oder bin ich wirklich immer der einzige, der sowas erlebt? Ich schlage vor, ich hole den Thread in 60 Monaten nochmal hoch und dann sehen wir weiter. Übrigens, seinen Untergebenen den Eindruck zu vermitteln, man wäre aus 250 Bewerbern ausgewählt worden und damit sowas wie Elite (und habe somit auch die Klappe zu halten) ist ein uralter Trick der Personalführung.
Von den Leuten, die ich kenne (aber laut Feuerblick kenne ich vmtl. wieder nur die falschen Leute) sind relativ viele vor der Habil per "Nasenfaktor" vom Cheffe aussortiert worden, (kann man auch im Thread zur Herz- Thorax- Chirugie gut nachlesen), und einer Weiterbeschäftigung als FA/OA stand dann das WissZeitVG im Weg. Resultat war dann oft eine Stellensuche bzw. sogar Bundeslandwechsel zu einer kritischen Zeit (Heirat/Familienplanung usw.). Auf dem freien Bewerbermarkt waren dann einige wegen dem Alter bzw. teilweise eingeschränkter Berufserfahrung im Hintertreffen. Muß aber nicht so sein. Ich persönlich will wirklich keinen davon abhalten, aber man sollte sich halt im Sinne der TE auch über das "Kleingedruckte" im Klaren sein, und da gehört die Kenntnis über WissZeitVG und Drittmittelstellen halt dazu.
So, und nun wünsche ich allen Frohe Weihnachten.
@tarumo
Von welchem Fachgebiet sprichst du denn? Was "normales" oder sowas extrem spezielles wie Herz-Thorax-Chirurgie?
Vier verschiedene Fächer inkl. meinem eigenen. Alles Fächer der Grundversorgung wie Innere, Gyn, etc. und keinesfalls "exotisches" mit "Unizwang" wie Rechtsmedizin, Humangenetik oder Herz-Thorax-Chirurgie.
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