Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : (Un)befristete Verträge?
Lakemond
24.01.2018, 18:02
Ich glaube in der Tat dass der politische Einwand sich eher gegen die 3-9 Monatsverträge gerichtet hat, die viele meiner Freunde, die irgendwie was "mit Medien" gemacht haben, Geistes/Gesellschaftswissenschaftler. Da wird sehr selten ein Vertrag über einen Jahr vergeben. Da wird es noch viel passieren müssen bis sich die Politik mit Arztverträgen sich beschäftigen wird.
Und wieso muss sich die Politik mit Arztverträgen beschäftigen? Können sich die Ärzte nicht selbst um eigene Sachen kümmern? Es würde doch reichen wenn alle Fachärzte sagen würde "mache ich nicht". Einen befristeten Vertrag in einem nichtüniversitären Krankenhaus unterschreiben? Da muss man echt blöd sein!
Erster Vertrag befristet bis zum FA. War Uni. Danach sollte eine weitere Befristung folgen zum Zwecke der WB Schmerz/Palliativ, danach Intensiv. Hat die Verwaltung aber beim ersten Versuch nach dem FA verbockt. Vertrag lief zum 30.11. aus, mündlich alles geklärt, Stellenzusage, etc... Nur der Vertrag kam nicht. Ich bin dann jeden Tag zum Postfach (mit Zeugen), aber er kam einfach nicht. Dann rief mich eine Woche vorher die Personalerin an und wollte von mir wissen, was ich denn zum Abschied haben möchte...
Habe ihr dann ganz ruhig erklärt, dass es seitens MAV, meinem Chef, Personalabteilung und GF Einigkeit über die Vertragsverlängerung gäbe und ich auf besagten Vertrag seit über einem Monat warte. Da war sie erstmal erschrocken und meinte dann: Upps, jetzt ist der Personalchef im Urlaub. Wir klären das.
Was soll ich sagen: Vertrag kam nicht. Ich habe weiter gearbeitet (war auch im Dienstplan so berücksichtigt), und der Vertrag kam am 6. Dezember, datiert mit dem 4. Dezember. Und natürlich befristet... :-wand
Ich habe den Vertrag natürlich nicht unterschrieben und denen geschrieben, dass ich davon ausgehe, dass ich nun einen unbefristeten Vertrag habe. Haben sie nicht eingesehen. Und ich habe den MB eingeschaltet. Die haben einen wunderbaren Brief geschrieben, den ich original so in die Personalabteilung gegeben habe...
Sie waren zwar anderer Auffassung, aber ich habe nie wieder was davon gehört. Allerdings habe ich selbst ein Jahr später gekündigt. Die Konfrontation fiel daher aus... ;-)
Edit: Danach nur noch unbefristete Verträge. 1. FA in überregionalem Traumazentrum / Versorger, danach OA in kleiner Klitsche, jetzt OA in etwas größerer Klitsche...
Im aktuellen Ärzteblatt ist auch ein Artikel zum Thema Befristung von WB-Verträgen, bzgl eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts.
Ich kannte das Urteil schon länger und wollte eigentlich mal was dazu schreiben, hier ist das DÄB mir zuvorgekommen.
Es geht in diesem Urteil m.E. auch nicht so sehr um die Befristung an sich, sondern die Klägerin hat keine Weiterbildungsinhalte vermittelt bekommen und sich mit der Anfechtung des Vertrages "revanchiert". Jetzt dürfte nämlich eine Abfindung drin sein.
Interessant ist auch, daß die "Nichtweiterbildung" offensichtlich von "oben" gedeckt wird, sonst hätte man nicht Revision eingelegt. Mit ein wenig googlen findet man die betreffende Klinik auch heraus...
http://www.bag-urteil.com/14-06-2017-7-azr-597-15/
Eigentlich schade, daß ein Thema, was so viele betrifft, ein halbes Jahr später mit einem Miniartikel und leicht irreführender Überschrift einfach so abgehandelt wird...
Vor allem die SPD. Als Grundlage ihres gesamten Wahlkampfes bedient man sich der Neiddebatte und der Idee wie man mehr umverteilen kann, als ob die da irgendwas für die steinreichen Ärzte tun würden...
Schlimmer noch. Im aktuellen Gesetz, was Angriffe aus Rettungskräfte unter verschärfte Strafe stellt, sind Ärzte explizit ausgenommen (wer´s nicht glauben mag, ein Nebensatz im Vorwort Ärzteblatt Nr. 3, oder selbst recherchieren). Justizministerium ist in SPD-Hand, Hilfe vom Koalitionspartner. Also, wer auf Rambazamba aus ist, bitte dann gezielt den Notarzt attackieren, weil das eine mildere Strafe gibt. Am Hindukusch hat sich auch herumgesprochen, daß man am besten den gut markierten Arzt oder Sanitäter aus dem Trupp heraussschießt, weil der viel schlechter zu ersetzen ist als "Schütze-Arsch". Ein paar Seiten weiter hinten äußert die SPD-Gesundheitsministerin Niedersachsen sinngemäß, man wolle bei der Qualifikation von nicht-EU Ärzten nicht so genau hinsehen, weil es dann zu wenig Ärzte in ihrem Land geben würde.
Dem öffentlich-rechtlichen Ärzteblatt (und auch der MB-Zeitung) werfe ich vor, derartig wichtige Sachen (und auch das BAG-Urteil bzgl. WB-Verträgen im selben Heft) in Nebensätzen abzuhandeln, wo sie wohl oft überlesen werden, wohin gegen irgendwelche Ordensverleihungen schon mal eine halbe DIN-A 4 Seite eingeräumt wird...
Können wir jetzt bitte wieder zum Thema zurück kommen? Danke.
kartoffelbrei
27.01.2018, 10:41
Nur kurz, bevor es wieder zum Thema zurück geht:
„Auch wenn der Begriff nicht explizit im Gesetzentwurf zu finden ist, die härteren Strafen gelten auch bei Angriffen auf Notärzte. Sanitäter und Notärzte privater und öffentlicher Rettungsdienste seien unter dem Begriff Rettungskräfte zusammengefasst, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes mit Verweis auf Gesetzeskommentierungen.“
https://m.aerzteblatt.de/news/72985.htm
WackenDoc
27.01.2018, 11:08
Mein neuer Arbeitgeber wäre heilfroh, wenn ich dauerhaft bleiben wollen würde. Man hat mir schon die 3-jährige Facharztausbildung statt der 1-jährigen Fortbildung schmackhaft gemacht.
Ich find das Ergebnis der Umfrage, wenn auch statistisch nicht signifikant und auch nicht wirklich repräsentativ, irgendwie trotzdem interessant.
80% der Assis haben nen befristeten Vertrag, 50% der Fachärzte und 0% der Oberärzte.
Bei den Assis fände ich nun noch interessant wie lange die Befristung ist, meine erste Befristung war 5 Jahre, da hab ich gekündigt weil ich wo anders hin wollte. Die nächste Befristung war 2 Jahre, da bin ich gegangen, weil sie mir mit >80% Wahrscheinlichkeit nicht verlängert worden wäre. Sparen und so. Wurde mir aber zum Glück rechtzeitig von der Vorstandsebene mitgeteilt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird wenn die Zahlen nicht massiv besser werden. Und was kann ein Assistent schon für die Zahlen machen... Und der dritte Vertrag erst 4 Jahr, dann Verlängerung und nach dem Facharzt (halbautomatisch) unbefristet.
Das mit den 2 Jahren hat mich ein wenig geärgert. Aus mehreren Gründen: weils mir da gut gefallen hat und ich nicht gehen wollte. Weil die mich quasi gezwungen hatten zu gehen (auch gegen den Willen des Chefs). Weil 2 Jahre nicht besonders viel sind, das erste Jahr ist ja erst mal richtig Einarbeitung und gegenseitiges Kennenlernen in der Chirurgie. Weil die Weiterbildungsermächtigung mehr als 2 Jahre gewesen wären. Weil weil weil... 4 Jahre (nach dem Common Trunc) oder 5 Jahre als Berufsanfänger wiederum find ich ganz ok, vor allem wenn von vornherein gesagt wird "und dann die Verlängerung" und das auch glaubhaft ist.
Anders gesagt: Ich kann akzeptieren, dass der Arbeitgeber nach 4-5 Jahren bei einem Neuling einmalig die Chance bekommt bei einer Null den Vertrag zu beenden. Ansonsten will ich nicht ständig der Spielball der Verwaltungen sein. Die akzeptieren ja auch keine befristeten Verträge.
John Silver
27.01.2018, 17:02
1. Befristungen sind im Gesetz über die Befristung ärztlicher Verträge geregelt (ja, es gibt dafür ein eigenes Gesetz).
2. Eine Befristung des Vertrags mit einem Ereignis, z.B. Facharztprüfung, ist unzulässig, dazu gibt es höchstindtanzliches Urteil. Der Vertrag, der zu diesem Zeitpunkt gilt, muss seitens des Arbeitgebers nicht verlängert werden; der Vertrag kann aber nur zum festgelegten Zeitpunkt enden.
3. Der Vorstoss der SPD hat mit uns somit nichts zu tun.
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