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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überstunden existieren laut Arbeitgeber nicht. Was tun?



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Hijadelaluna
04.02.2018, 17:03
In der Chirurgie in unserem Haus läuft es soweit ich es überschauen kann, ganz ok: wenn man im Rufdienst reingerufen wird und ich meine bis um 3 noch in der Klinik ist, darf man am nächsten Tag nicht kommen. Dadurch macht man halt Minusstunden, gefährdet aber niemanden.

Eine gute Freundin von mir hat letztes Jahr ihre erste Stelle an einer Uniklinik in einer chirurgischen Abteilung angefangen. Bei ihr werden Überstunden einfach nicht aufgeschrieben, regelhaft 2-4 Stunden, sie durfte nicht in den OP. Der Rufdienst wird lächerlich bezahlt und im Schnitt 1-2x/Nacht in Anspruch genommen- und der Chef fürs Sparen gelobt. Sie hat zum Glück die Stelle gewechselt..

Coxy-Baby
04.02.2018, 19:55
Was ist daran bitte „ok“? Tief nachts rumdödeln und dann noch Minusstunden sammeln?

Brutus
04.02.2018, 20:20
Minusstunden sammeln dafür, dass ich Nachts arbeiten musste? Hmmm. Ich glaube, da würde ich morgens ganz schlimme Kopfschmerzen bekommen...

Lava
05.02.2018, 08:29
Aber wie soll das denn sonst gehen? Du bist nunmal am nächsten Tag nicht da. Ist doch nach einen 24h Dienst so :-nix

anignu
05.02.2018, 10:10
Ist doch alles ein Spiel von rechte Tasche - linke Tasche. Man hat einen Einsatz in der Rufbereitschaft, der Einsatz wird nicht aufs Arbeitszeitkonto angerechnet sondern ausbezahlt. Damit macht man zwar Minusstunden hat aber mehr Geld...


Falsch.
Die Notfalldefinition des ArbZG ist nicht identisch mit der medizinischen.
Der Notfall ist ein ungewöhnliches, nicht vorhersehbares und vom Willen des Betroffenen unabhängiges Ereignis, das die Gefahr eines unverhältnismäßigen Schadens mit sich bringt.
Dein Beispiel ist weder ungewöhnlich noch nicht vorhersehbar. Damit ist im Krankenhausbetrieb immer zu rechnen und damit Vorsorge zu treffen.
Von mir aus. Dann liege ich falsch, das Gewerbeaufsichtsamt akzeptiert es trotzdem. Zumindest unser Gewerbeaufsichtsamt bei der letzten Überprüfung. Die haben die gleiche falsche Sichtweise wie ich.

Autolyse
05.02.2018, 16:00
Vollzugsdefizit...äh. Behördliches Ermessen. Mir liegt ein entsprechender Bußgeldbescheid vor. ;-)

Brutus
06.02.2018, 10:36
Aber wie soll das denn sonst gehen? Du bist nunmal am nächsten Tag nicht da. Ist doch nach einen 24h Dienst so :-nix

Ist doch alles ein Spiel von rechte Tasche - linke Tasche. Man hat einen Einsatz in der Rufbereitschaft, der Einsatz wird nicht aufs Arbeitszeitkonto angerechnet sondern ausbezahlt. Damit macht man zwar Minusstunden hat aber mehr Geld...
Jein. Das Problem ist, dass wir nur eine Pauschale für den Rufdienst bekommen. Die eigentlichen Stunden werden nicht extra vergütet. Dann wäre es ja kein Problem. Aber wenn ich die halbe Nacht im OP verbringe, um dann mit Minusstunden rauszugehen UND die Stunden nicht vergütet bekomme, dann tue ich mich schwer damit, dies gut zu finden... ;-)
Was übrigens gar nicht so schlecht ist, und vor allem höchstrichterlich abgesegnet: wenn man z.B. morgens um 4 Uhr gerufen wird, dann ist dies zwar in der Rufbereitschaft, aber da ich ja dann in die Regelarbeitszeit hinein arbeite, beginnt diese einfach um 4. Und damit kann ich dann Mittags nach Hause gehen, ohne dass da irgendwelche Abzüge gemacht werden. :-)

Muriel
06.02.2018, 10:55
Du bekommst doch nicht nur die Rufbereitschaftspauschale von dreifuffzich, Brutus. Reinkommen wird doch vergütet, sowie jeder Anruf schon. Was ist das denn sonst bitte für ein TV?

Brutus
06.02.2018, 11:34
Doch, wir bekommen nur eine Pauschale, die etwas höher ausfällt als die 12,5% RB. M.E. sind das 5,x Stunden, anstatt 3h.
Das war es dann. Egal wie lange wir im RD arbeiten. Oder wann. :-nix
Mir gefällt das wohl auch nicht. Aber dauert halt, eingefahrene Strukturen zu verändern...

FirebirdUSA
06.02.2018, 18:56
Welcher Tarifvertrag gilt denn bei euch?!

Hier gibt es die 12,5% plus tatsächliche Arbeitszeit (auf die nächste volle Stunde gerundet) zzgl aller Zuschläge

Lakemond
06.02.2018, 21:32
Im alten Haus hatten wir für RD eine Nebenabrede und es wurden 50% vom Stundenentgelt pro Stunde RD gezahlt, egal ob und wie oft man kommen musste (bei 4-5 RD im Monat musste man je nach Glück 2-6 Mal im Jahr kommen). Es war also ziemlich gut vergütet.

vle85
07.02.2018, 19:44
Also, mir scheint es fehlen ein paar Details:

Klinik: Uniklinikum im Osten
.
Abteilung: Ortho/Unfallchirurgie.

Täglich eingeforderte Arbeitszeit: 06:30 - 16:30
(06:30 in Umkleide, Visite dann um 06:45. 16:30 Ende der letzen Besprechung)

Vom Chef gibt es das Dekret, dass Überstunden nicht dokumentiert werden.

Sie werden auch nicht ausgezahlt oder frei gestellt.

Überstunden existieren in dieser Abteilung nicht.


Aussage aus dem Marburger Bund: "Nach Ablauf der regulären Arbeitszeit den Griffel fallen lassen und gehen". Hat die Abteilung clever vorgesorgt, nach Ablauf der Arbeitszeit steckt man in der Besprechung.


Re-"dann steht man halt mal ne Stunde länger im OP". Den OP hat die betreffende Person bis jetzt nicht von innen gesehen. Dafür die Station alleine bedienen dürfen. Nach einem vollen Tag "Einarbeitung".

Opt-Out wurde nicht unterschrieben, was Druck von oben nach sich zog.

Lakemond
07.02.2018, 21:55
Und warum gehen nicht alle vor der Nachmittagsbesprechung? Ihr arbeitet also 9,5x5=47,5 Stunden pro Woche???

Feuerblick
08.02.2018, 04:31
Ich wollte grad sagen: Geplante Besprechungen, die Überstunden generieren, die man dann nicht aufschreiben darf (klar, könnte das Amt doof finden...)... da lässt man VOR der Besprechung den Griffel fallen und geht. Besprechungen müssen in der Arbeitszeit stattfinden. Alles andere geht gar nicht.

Lava
08.02.2018, 08:27
Uniklinik halt... da wird sich das nicht ändern. Akzeptieren oder gehen.

Turkelton
08.02.2018, 09:00
Uniklinik halt... da wird sich das nicht ändern. Akzeptieren oder gehen.
Ja, ist leider so. Irgendwie glauben viele, für die Gnade an einer Universitätsklinik arbeiten zu dürfen kann man Tarifvertrag und Arbeitszeitgesetz als nett gemeinte Empfehlung sehen aber macht lieber das, was der Chef sagt.

Irgendwie unglaublich, dass es noch so viele Lemminge unter uns Ärzten gibt.

Deshalb wird es schwierig werden, klar kann einem mit Dienst nach Vorschrift und AZG keiner nen Strick drehen, aber wenn man unter den Kollegen nicht genügend Mitstreiter findet (und das ist aus o.g. Gründen wenig wahrscheinlich) sodass die Abläufe in der Abteilung ernsthaft in Gefahr geraten, wird man halt zum Stationsdepp abgestuft, wenn die Strukturen richtig gut eingefahren sind gibt's Mobbing der Kollegen gratis mit dazu.

freak1
08.02.2018, 09:08
Ja, ist leider so. Irgendwie glauben viele, für die Gnade an einer Universitätsklinik arbeiten zu dürfen kann man Tarifvertrag und Arbeitszeitgesetz als nett gemeinte Empfehlung sehen aber macht lieber das, was der Chef sagt.

Irgendwie unglaublich, dass es noch so viele Lemminge unter uns Ärzten gibt.

Es gibt halt auch unter den Ärzten immer noch einige die sich sehr für wissenschaftliches Arbeiten und Forschung interessieren, eventuell auch Interesse an einer Uni Karriere haben.

In dem Fall hast du eigentlich keine wirkliche Alternative zur Uniklinik, je nach Forschungsbereich und Fach der dich interessiert bist du vielleicht auch auf einige wenige bestimmte Unikliniken beschränkt.

Dann heißt es Friss oder Stirb, wenn du da als einziger mit der Einstellung auffällst und der Chef dich deswegen nicht mehr fördern will landest du nicht auf Veröffentlichungen und das war's.

Wenn du nur den Dr. med. und den Facharzt anstrebst und sonst nix, musst du dir UK natürlich nicht antun.

Homunculus815
08.02.2018, 17:51
Kurzes Offtopic, sorry.
@vle85 - ich würde dir gern zum Thema eine PN schicken, du hast das aber leider deaktiviert. Würd mich freuen, wenn du private Nachrichten aktivieren würdest in den Einstellungen :)

vle85
08.02.2018, 18:27
So, nächste Frage:
Aussage aus der Oberarzt-Etage: "Das mit dem Versicherungsschutz ist quatsch, natürlich ist man auch während der [forcierten, undokumentierten, unbezahlten und ungesetzlichen] Überstunden immer versichert durch die Klinik. Eine private Haftpflicht braucht natürlich auch keiner und bei Wegeunfällen würde sicherlich der [die unbezahlten Überstunden einfordernde, und auch sonst personalfeindlich eingestellte] Chefarzt erklären, man sei nur so spät unterwegs wegen "außerplanmäßigen betrieblichen Gründen".
Ist sowas tragbar, und vor allem wie realistisch ist so eine Aussage? Wenn der Chef sich schon einen Dreck um geltendes Recht schert, warum sollte er dann in anderen Dingen hinter einem stehen?

Feuerblick
08.02.2018, 18:45
Vergiss es! Solche Chefs stehen nur hinter einem, um einem in den Hintern zu treten.

Und außerdem haben Chefärzte in aller Regel von geltendem Recht wenig Ahnung und wollen auch keine Ahnung haben.