Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Assistenzarzt in der Anästhesie: Essen, Konzentration und Kalorienbedarf.
mnordine
08.03.2018, 14:29
Hallo Leute
Ich habe eine Stelle als Assistenzarzt in der Anästhesie bekommen, und fange ich nächste Woche an!
Frage: Wie kann man seine Kalorienbedarf während die Arbeitszeit abdecken? Statt 3000 kcal Kohlenhydraten/Tag zu essen, würde ich lieber eher 50% Eiweiss und 50% Fett essen. Hat jemand Erfahrung damit? Isst ihr eine Menge Kalorien früh am Morgens? Wenn ja, was? Reicht dass aus?
Mein Problem ist, dass ich eine höhe Kalorienbedarf habe, und in der Anästhesie, man darf nicht leider in der OP-Salle essen. Um massiv Hungerattacken zu vermeiden, was kann man dagegen machen? Hat jemand Vorschläge diesbezüglich?
Und, was ist eure Meinung bezüglich Konzentration bzw. Kognition? Ich weiss das der Berufseinstieg richtig anstrengend ist, und ich will immer on Ball bleieben. Hat jemand Erfahrung mit irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel (z.b Alfa Brain von Onnit) für Konzentration bzw. kognitiv Leistung Steigerung?
Und als letzte Frage:
Sport, vor oder nach dem Arbeitszeit?
(Tut mir Leid für die Schreibfehler. Deustch ist leider nicht meine Muttersprache.)
Danke
Christoph S.
09.03.2018, 10:55
Anästhesie ist ein harter Job, das musst du dir immer klarmachen. Viele Leute in der Anästhesie legen sich morgens eine Magensonde und lassen kontinuierlich eine eigentlich für Patienten gedachte Trinknahrung laufen, um die Zeit zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen zu überstehen.
Kensington
09.03.2018, 11:31
Ich dachte, Anästhesie macht man, damit man immer Kuchen essen und Kaffe trinken kann, wenn andere arbeiten :P
Wurde mir zumindest immer gesagt als chirurgischer PJler :-))
CorpusCallosum
09.03.2018, 11:59
Mein Mann macht auch Anästhesie und er kommt auch nicht wirklich zum Essen, weil er nur dreimal für jeweils 10 Minuten ausgelöst wird. Er nimmt sich belegte Brötchen mit und ext sich einen Kaffee dabei.
Trotzdem hat er im 1. WBJ ordentlich zugelegt, weil er sich mit Essen vollstopft, sobald er nach Hause kommt.
Die Bedingungen sind also optimierungsbedürftig.
Kackbratze
09.03.2018, 12:00
Hattest Du diese Ernährungsgedanken auch schon vor dem Studium zum Abitur?
][truba][
09.03.2018, 13:59
Ich fang mal von hinten an.
Ob du deinen Sport vor oder nach der Arbeit ausübst, kann dir hier niemand sagen. Bist du eher der Morgenmensch oder der Nachtfalter? Je nachdem, ob du ein Problem damit hast (sehr) früh aufzustehen oder nicht, würde ich deinen Sport einplanen.
Nahrungsergänzungsmittel für bessere Konzentration? Na ich glaub, dass du das nicht brauchst. Viel Schlaf, viel Wasser und Konzentration. Am Anfang ist eh der Stress so hoch, dass du aufmerksam bleibst.
In der Anästhesie wird man doch im Normalfall (ich weiß, dass es dort auch Ausnahmen gibt) zur Pause ausgelöst. 3x10 Minuten ist knapp aber für deine Belange ja optimal. Selbst 1 x 30 Minuten ist ausreichend.
Wenn du 50% Protein und 50% Fett haben willst (Wozu eigentlich?) musst du eben deine Nahrungsmittel demnach auswählen (Nüsse, Eier, Fleisch, Fisch, Gemüse/Salat, Linsen etc. pp). Das kann hier ja keiner für dich machen. Bei wem die Ernährung diesen Stellenwert hat, der muss sich damit auch beschäftigen.
LasseReinböng
09.03.2018, 21:33
Morgens 2 Scheiben Vollkornbrot beschmiert/belegt mit guter Butter und einem leckeren Camembert und der Spatel gleitet in die Vallecula wie eine Eins, hihi.
3x10 Minuten Pause ist allerdings ein sonderbares Konzept...
LasseReinböng
09.03.2018, 21:40
Beim Lesen des Threadtitels musste ich unweigerlich an ein schon älteres Posting von Genosse Magertopfen denken, vielleicht hilfts:
http://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?76627-G%FCnstiges-und-gesundes-Mitagessen-im-Krankenhaus-stelle-mich-vor&p=1499834#post1499834
(ich lach mich schlapp !)
Vielleicht kann man ja Proteinpulver aus der Mukkibude da mit reinquirlen ?! Fehlt jetzt nur noch das Fett...
Edit: ich sehe gerade, daß Magertopfen tatsächlich Proteinpulver in seinen Brei gequirlt hat.
Rettungshase
09.03.2018, 21:59
Wieso denkst du, hast du einen erhöhten Kalorienbedarf?
Ich frühstücke nicht gern, weshalb ich auf den Vormittag verteilt einen Proteinshake trinke (idR welche aus dem Kühlregal). Den parke ich separat verpackt in der Einleitung. Ist hygienisch leider nicht ganz einwandfrei, aber so lassen sich auch Tage überbrücken, bei denen man bei einem 10h-HNO-Lappen sitzt und sich keine Auslösung bis halb 3 blicken lässt.
Mittags gibt es für mich immer einen eiweißreichen Joghurt; damit komme ich prima bis abends hin.
Während der Dienste habe ich immer noch Notfall-Naschis dabei, falls der Magen um halb 5 nachts mal böse grummelt und man akut Unterzucker hat (z.B. Mentos).
Nahrungsergänzungsmittel sind individuell. Da musst du schauen, ob du deine Ernährung derart ausgewogen gestalten kannst, dass du das dadurch abdeckst. Trotzdem kann man - besonders in den Wintermonaten - mal über Vitamin-D-Substitution nachdenken.
Falls du dich intensiver über gesunde Ernährung austauschen möchtest, ist der Thread "Gesund in den Sommer/durch den Winter - Der Abnehmthread" sicherlich ganz interessant (auch für Leute, die ihr Gewicht halten wollen).
Vielleicht willst du auch einfach mal deine Ernährung tracken. Dazu gibt es viele kostenlose Apps und du kannst abends schauen, ob du damit hingekommen bist und wieviel Protein du hattest.
Darüber hinaus denke ich, dass viel zu lesen am Anfang noch wichtiger ist als eine tiptop Ernährung ;)
[Ich nehme zugunsten des Posters jetzt mal an, dass es ernst gemeint ist^^]
Während der Dienste habe ich immer noch Notfall-Naschis dabei, falls der Magen um halb 5 nachts mal böse grummelt und man akut Unterzucker hat (z.B. Mentos).
Wieso bekommst du denn "akut Unterzucker"? Finde das echt seltsam, dass diese Aussage immer wieder von (in der Regel stoffwechselgesunden) Ärzten kommt. Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, auch mal ein paar Tage ohne Nahrung auszukommen. Ein Gesunder kommt nach ein paar Stunden (auch nicht nach 24) in der Regel nicht in den "Unterzucker". Da würde mich mal eine Messung (oder mehrere interessieren).
Rettungshase
10.03.2018, 00:20
Natürlich falle ich als stoffwechselgesunder Mensch nicht plötzlich mit einer Blutglucose von 24mg/dl komatös vom Stuhl, aber eine Messung von 56 hatte ich vor ein paar Jahren schon mal. Da kann mal schon mal zittrig, kaltschweißig, unkonzentriert und heißhungrig werden.
Ansonsten sprechen wir doch einfach der Exaktheit halber von Symptomen der physiologischen Gegenregulation bei im Vergleich zur individuellen Norm erniedrigter Serumglukose beim ansonsten Stoffwechselgesunden z.B. infolge unregelmäßiger Nahrungsaufnahme.
Ist jetzt nicht die beste Quelle, aber: https://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Unterzucker-ohne-Diabetes-Was-steckt-dahinter-221083.html
bei mir sinkt der BZ-Spiegel auch gerne mal ab und ich werde zittrig, schwitzig und grantelig. War letztens beim Betriebsarzt, hatte davor gegen 8 ein Vollkornporridge und Milchkaffee gefrühstückt und als mir dann um 9:30 Blut abgenommen wurde war der BZ<70mg/dl und mir ging's bestens. Kann mir gut vorstellen dass der teilweise noch tiefer sinkt und dann merke ich es auch.
Klar, die Symptome gibt's - würde da dann versuchen, den BZ-Spiegel keine so großen Ausschläge machen zu lassen und keine Kohlenhydrate frühstücken. Aber da ist wohl jeder anders.
Aber klar, sonst kann das natürlich bei dem Job schon zum Problem werden. Manchmal finde ich es vor allem auch schwerig, genügend zu trinken. Für mich persönlich ist das das größere Problem. Einmal pro Woche arbeite ich 8-20 Uhr + 20 min Hin- und 20 min Heimfahrt. Essen tue ich da gar nichts, was auch nie zu Problemen geführt hat. Zwischendurch trinken ist ja in der Regel einfacher und schneller, aber manchmal kommt man trotzdem nicht richtig dazu. Da wird es dann schon grenzwertig.
McDreamy
10.03.2018, 15:42
Sagt mal, ist dieser Thread ernst gemeint? Essen ist ein Menschenrecht!
Auch als Anästhesist hat man ein Recht auf Nahrungsaufnahme. Manchmal find ich es echt erstaunlich, was sich die Leute alles gefallen lassen. Ich weiß nicht wie's bei auch zugeht, aber bei uns wird einem mal automatisch vom Zeitkonto 30 min täglich für die Mittagspause abgezogen... dann nehm ich mir die doch einfach verdammt!!
Bei uns ist es auch immer mal wieder knapp vom Personal, sodass es keine Mittags-Ablöse gibt. Aber ich als Anästhesist hab es doch in der Hand, dann wird der nächste Patient halt einfach erst bestellt, wenn ich gegessen habe... wenn ich nicht im Saal bin, dann steht der OP eben. Das ist doch nicht eure Schuld, wenn der Arbeitgeber es nicht auf die Reihe bekommt, dass seine Leute auf Mittag gehen können.
Manchmal muss man auch mal einfach die Obrigkeiten erziehen, sonst lernen dies nie! Bei uns traut sich da schon längst niemand mehr meckern (weder Chef noch OP-Management), das haben wir denen erfolgreich vermittelt, dass es einfach unser Recht ist, die Pause auch tatsächlich zu konsumieren!
Leute, stellt euch doch endlich mal auf die Hinterbeine!
Kackbratze
10.03.2018, 17:21
Ja, als Anästhesist ist das Leben so simpel. Pause, Auslösung, alles tutti. Und wenn ich nachts "Probleme" mit meinem BZ habe, dann nasche ich Mal eben schnell.
Total hartes Leben.
Ihr arbeitet mit Leuten zusammen, die nicht mal eben Pause machen können und wenn sie abtreten sofort von euch schief angeschaut werden, von wegen Arbeitsverweigerung und Dauer der Narkose und so.
Und mit solchen Threads wie diesen bestätigt ihr Vorurteile gegen einen Bereich einer Branche, die besser zusammenarbeiten sollte, sich aber primär um den eigenen BZ kümmert.
McDreamy
10.03.2018, 17:41
Was willst du mir damit sagen? Klar kümmer ich mich um meinen eigenen BZ, wenn ich das als Arzt nicht schaffe, sorry dann mach ich doch was grundlegend falsch im Leben! Selbstverständlich gehen bei uns auch die Chirurgen zum Mittagessen. Und wenns tatsächlich mal ein 12-Stünder oder länger gehen sollte, sagt niemand was, wenn die Chirurgen regelmäßig ihre Pause machen. Wenns kein Personal gibt, das einen ablösen könnte, dann geht bei uns schon mal das gesamte OP-Team Essen u. der Pat. schläft weiter. Kommt ja letztendlich auch dem Pat. zu Gute!
Aber ich nehm jetzt nicht an, dass du von Montag bis Freitag täglich ne Leber transplantierst, oder Bratze? Und wenn man zwischen 2 Gallen nicht mal Mittag machen kann als Chirurg, dann läuft was falsch bei euch in der Organisation.
Es ist halt auch irgendwie eine Frage der sozialen Kultur in nem Haus. Bei uns ist das Mittagessen heilig, und zwar für alle Disziplinen. Das war nicht immer so, aber das Personal hat sich letztendlich durchgesetzt. Und heute gilt es als vollkommen selbstverständlich, dass alle(!) zum Essen kommen.
LasseReinböng
10.03.2018, 19:00
Kinders ist das alles unerfreulich. Dürft ihr wenigstens mal aufs Töpfchen oder müsst ihr aufhalten ?
Rettungshase
11.03.2018, 13:13
Warum wird es jetzt hier so ausfallend?
Dieser Thread wurde speziell für anästhesiologische Belange eröffnet. Mach halt einen Thread auf mit dem Titel "Assistenzarzt/Facharzt/werauchimmer in einem operativen Fach: Essen, Konzentration und Kalorienbedarf".
Ansonsten soll der Chirurg natürlich nicht unkonzentriert und exsikkiert am Tisch stehen; wenn es dem Patientenwohl zu schaden droht, soll er halt abtreten.
Besser wäre es - je nach Eingriff - zu sagen: "Leute, wartet mit der Einleitung, der Chirurg muss jetzt dringend mal was essen." Unnötig lange Narkosen sind nämlich vor allem Körperverletzung und weniger allein Ärgernisse für den Anästhesisten; z.B. https://www.tagesspiegel.de/berlin/warten-unter-narkose-gefaehrdete-chirurg-seine-patienten-staatsanwaltschaft-ermittelt-im-behring-krankenhaus/442916.html
Bleibt der Preis für die vielzitierte teure OP-Minute und die Rüge des Oberarztes wegen zu langer Überleitungszeiten, aber das interessiert mich weniger als Patienten im Heilschlaf...
Ja, als Anästhesist ist das Leben so simpel. Pause, Auslösung, alles tutti. Und wenn ich nachts "Probleme" mit meinem BZ habe, dann nasche ich Mal eben schnell.
Total hartes Leben.
Ihr arbeitet mit Leuten zusammen, die nicht mal eben Pause machen können und wenn sie abtreten sofort von euch schief angeschaut werden, von wegen Arbeitsverweigerung und Dauer der Narkose und so.
Und mit solchen Threads wie diesen bestätigt ihr Vorurteile gegen einen Bereich einer Branche, die besser zusammenarbeiten sollte, sich aber primär um den eigenen BZ kümmert.
Ist dir das tatsächlich schon untergekommen ?
An meinen bisherigen Arbeitsplätzen wurde einem Chirurgen, der es "wagte", abzutreten/sich austauschen zu lassen, zumindest von der anderen Seite des Tuches her Respekt und Anerkennung gezollt. Kommt insgesamt aber extrem selten vor, was ich für sehr problematisch halte.
Ich selbst habe auch schon gehörige "klinisch relevante" Unterzuckerungen an mir selbst erlebt.
Wenn man morgens um 5 Uhr zu Hause das letzte Mal gegessen hat, und dann kommt bis 15 Uhr keiner zum Ablösen, weder für ne Pinkel - noch für ne Trink- geschweige denn Esspause und man ackert da mit einem instabilen Patienten, wo man alle hände voll zu tun hat und selten wenigstens hinsitzen kann, dann ist das schon grenzwertig.
Ist zum Glück nicht die Regel. Daher Respekt, was manche Chirurgen da täglich über sich ergehen lassen. Unabhängig davon ist das nicht "gesund" und Konzentration und Laune natürlich nicht zuträglich.
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Ja, als Anästhesist ist das Leben so simpel. Pause, Auslösung, alles tutti. Und wenn ich nachts "Probleme" mit meinem BZ habe, dann nasche ich Mal eben schnell.
Total hartes Leben.
Ihr arbeitet mit Leuten zusammen, die nicht mal eben Pause machen können und wenn sie abtreten sofort von euch schief angeschaut werden, von wegen Arbeitsverweigerung und Dauer der Narkose und so.
Und mit solchen Threads wie diesen bestätigt ihr Vorurteile gegen einen Bereich einer Branche, die besser zusammenarbeiten sollte, sich aber primär um den eigenen BZ kümmert.
Hachja, mal wieder ne sehr schöne Verallgemeinerung ^^.
Ich will jetzt auch gar keine Grundsatzdiskussion führen......nur dauern nicht alle OPs >12h und in den "OP-Pausen" fahren wir den Patienten in den AWR etc. und kümmern uns um die nächste Einleitung, während die schneidende Zunft in der Kantine rumlümmelt ;-)
Dennoch frage ich mich ernsthaft weshalb die meisten Chirurgen bei uns nach 4-6h (und voraussichtlich noch langer OP Dauer) nicht mal ne Pause machen.
Bei den meisten OPs bieten sich immer Gelegenheiten, mal abzutreten. Fände ich begrüßenswert. Ich denke, dass der Gegenwind eher aus den eigenen Reihen kommt.
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