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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neulich beim Urologen ... die urologische Sitzgruppe



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][truba][
29.01.2022, 13:45
Ziemlich lahmer Haufen hier. Hier gibts doch ein paar Urologen im Forum?!

Was stört euch an eurer Ausbildung am meisten? Was würdet ihr euch wünschen ?

Neckar
30.01.2022, 08:05
[truba][;2224761']Ziemlich lahmer Haufen hier. Hier gibts doch ein paar Urologen im Forum?!

Was stört euch an eurer Ausbildung am meisten? Was würdet ihr euch wünschen ?

Es ist wahrscheinlich abteilungsabhänhig, aber ich wünschte mir eine strukturierte Weiterbildung mit fest geplanten Rotationen/Ziele und tatsächlich "Ehrgeiz". Ein bisschen wie in den USA. Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland für viele Chefs es egal ist wie gut ausgebildet die Ärzte in Weiterbildung sind, insbesonders wenn es um operative Tätigkeiten geht. Ich weiß dass nicht jeder will später operativ tätig sein, aber dieses "ich habe auch meine erste XYZ mit 35 gemacht" nervt ein bisschen.

][truba][
30.01.2022, 10:39
Ok, vielen Dank für deine Meinung.
Könntest du grob skizzieren wie du es dir zum Beispiel wünschen würdest?
1. Jahr Station um die Abläufe zu lernen, die postoperative Versorgung zu lernen etc.
2. Jahr 6 Monate Funktionsabteilung mit starrer/flexibler Zystoskopie, Urodynamik und Harnleiterschienung, 6 Monate Rettungsstelle
etc. pp?

Danach wird es schon wieder schwierig die tägliche Versorgung generell zu sichern. Müsste man also wieder zurück auf die Station.
Würde mich interessieren welche Ideen du zum Beispiel hast. Ich würde gern, wenn ich Facharzt bin, für alle Neulinge die danach anfangen so ein Konzept entwickeln. Vielleicht kannst du (und andere) mir ein paar Ideen liefern.

Vielen Dank

Neckar
30.01.2022, 11:13
Ich freue mich immer über solche Sachen zu plaudern.

Natürlich wird es immer abhängig vom Stellenschlüssel sein, jemand muss immer die Stationsarbeit erledigen usw. Aber ganz grob und unbedacht:
- im ersten Jahr Station und kleine ambulante Eingriffe (CC, hydrocele, DJ-Anlage/Wechsel, Uro-Röntgen usw.)
- im zweiten Jahr verschiedene Rotationen durch (falls vorhandenen) Ambulanzen und Mitbeteiligung in/Durchführung der Sprechstunden. OP technisch Blasensteilithotripsien, Orchiektomien und die o.g. Operationen.
- im dritten Jahr Einleitung in die Endourologie mit den ersten TURs und URS (gerne auch flexibel). Assistenz bei größeren Eingriffe (und ich weiß dass manche Häuser ein System haben wo z.b. 5x einen Schritt durchgeführt wird bis man weiter machen darf).
- im vierten Jahr Vertiefung der o.g. Sachen.
- im fünften Jahr wäre es mMn wünschenswert dass mind. Alle Eingriffe an äußere Genitalien + endourologische Eingriffe vollständig beherrscht sind. Bei größeren Eingriffe gerne auch die Durchführung von komplexeren Schritte (HR-Anastomose bei der Prostatektomie, neoblase und Darm-Anastomose Erstellung usw.).

Man könnte z.b. sagen dass jede Woche einen Assistent fest für die endourologische Eingriffe zuständig ist, ein anderen für die Assistenzen in große Operationen z.B..

Disclaimer: was ich oben schreibe ist wahrscheinlich Utopie pur.
Ich verstehe auch dass OP-Zeit Geld ist, und deswegen wird keine Abteilung 5 Stunden für eine radikale Prostatektomie opfern, sodass der fortgeschrittene Arzt in Weiterbildung üben darf.

Es ist auch so, dass man als Facharzt wenig Bock hat Stationsarbeit zu erledigen und es einfach abturft, weil es "auch so bei mir war". Aber ich finde, dass die chirurgische Weiterbildung in Deutschland sehr spät dran kommt, und dass dadurch ein "surgical capacity ceiling" ggf. Niedriger sein könnte.

Zuletzt muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich bereit wäre länger zu arbeiten/zu bleiben, wenn man mit der Zeit klinisch sinnvolle Tätigkeiten ausüben dürfte. Und ich meine nicht briefschreiben oder viggos anlegen.

][truba][
30.01.2022, 12:38
Hey Neckar, vielen Dank für deinen Input. Sieht nach einem ziemlich guten Gerüst aus wie ich finde.
Natürlich insgesamt alles schwer umzusetzen aber darin erkenne ich eine gute Struktur.

In welchem Jahr bist du und was durftest du bisher davon so machen?
Natürlich wird (und soll ja auch niemand) eine 5h Prostatektomie machen aber wenn die LAE mal 15 Minuten länger dauert weil der Assistent seine Seite machen darf, wird es nun auch nicht den Tag springen. Usus ist ja eher, dass der Assistent gar nix machen darf.

Neckar
30.01.2022, 13:02
Ich bin im 4. WBJ und dürfte bis jetzt für deutsche Verhältnisse glaube ich relativ viel machen (TUR-B, TUR-Ps, flex. URS, kleinere Eingriffe).
Bei größeren Operationen leider wenig. Meine Mentalität war immer "machen bis mir jemand die Instrumente aus der Hand nimmt", aber es hat mich immer genervt, dass wir so wenig strukturierte Ausbildung hatten. Sogar wenn es um "chirurgische Kunst" geht...
Bezüglich chirurgische Fertigkeiten, empfehle ich jeden diese Webseite zu checken (keine Affiliation leider /s): https://sites.uw.edu/uwgensurgtechskills/

Ich liebe es in der Urologie zu arbeiten, und versuche immer das beste aus meine Chancen zu machen. Allerdings sehe ich die Facharztprüfung am Ende des Tunnels und frage mich ob ich tatsächlich in der Lage bin "Facharzt für Urologie" zu sein. Ich glaube, dass es ähnlich bei jedem ist, aber es hätte wirklich besser sein können.

][truba][
03.03.2022, 21:23
Könnt ihr mir mal sagen, ob bei euch Mitomycin postoperativ installiert wird auch wenn in der Mibi ein Keim nachgewiesen ist ?

*milkakuh*
04.03.2022, 10:51
Bei uns gibt es eigentlich nur zwei Kontraindikationen für Mitomycin: Blutung und Perforation. Bei Infekt fangen wir vor der TUR schon mit einer Antibiose an. Falls diese nicht resistenzgerecht war, wird bei einem fetten Infekt die OP verschoben oder (selten) intraoperativ mit einer i.v.-Antibiose begonnen. Wie ist es bei euch?

Hoppla-Daisy
04.03.2022, 18:31
TUR nur mit sauberer Urinkultur oder bei Keimnachweis (>10.000 KBE/ml) vorher mind zwei Tage vor dem Eingriff Einleitung einer testgerechten Antibiose. Auch bei sauberer Urinkultur gibt es prophylaktisch 2 g Ceftriaxon als Single-Shot intraoperativ.

Mitomycin Frühinstillation hat bei uns auch nur zwei Kontraindikationen: Perforation, blutiger Urin.

][truba][
04.03.2022, 21:08
i.v. Antibiose resistenzgerecht im OP mit anschließender Fortführung.
Mito bisher allerdings nicht bei Infekt.
Finde ich nicht richtig und hätte ebenso nur eure Kontraindikationen angeführt. Suche Veröffentlichungen dazu. Hat da jemand was? Gestaltet sich nicht so leicht habe ich das Gefühl.

Avocadotoast
12.07.2022, 16:21
Hallo liebe Urolog*innen,
aktuell befinde ich mich schon im 3. PJ-Tertial und möchte bald erste Bewerbungen schreiben.
Dass es die Uro werden soll, habe ich erst recht spät entschieden, und meine Vorerfahrungen beschränken sich leider auf nur eine Famulatur und eine 2wöchige Rotation während des PJs.
Ein bisschen nervös macht mich das schon, daher meine Frage: Was muss eine Berufsanfängerin eurer Meinung nach können? Habt ihr irgendwelche Tipps?
Vielen Dank euch :)

][truba][
12.07.2022, 16:33
Hey Avocadotoast,

ehrlich gesagt erwartet man generell von Anfängern relativ wenig. Ich erwarte lediglich, dass die Kollegen sich dann einlesen und interessiert sind. Die ersten Erfahrungen in den praktischen Dingen kriegt man dem jungen Kollegen dann schnell beigebracht. Hatte aber auch schon Kollegen, da hat man auch noch 7-8 Monaten wenig Fortschritt gesehen bezüglich der Basics. Das ist dann immer etwas schade.

Nimm dir für den Anfang ein Basicbuch, damit du einen gewissen Überblick über die gängigsten Erkrankungen hast. Ansonsten kann man das "Urologielehrbuch" gut gebrauchen. Ist auch nicht sehr teuer und da steht wirklich alles drin was man brauch (wenn man sich recht sicher ist, dass es Uro werden soll).

VG

Neckar
19.07.2022, 23:02
Die Facharztprüfung/Facharztreife wird immer näher, und wenn ich mein Logbuch anschaue, fehlen mir noch ein paar Sachen. Ich wollte fragen, wie es bei euch aussieht mit den Prozeduren, wie viel bescheinigt wird/würde und wie die Realität tatsächlich war.

In BaWü werden zB 100 ESWLs (WBO 2006) benötigt. In meiner Umgebung gibts mehrere urologische Abteilungen mit voller Weiterbildungsermächtigung, aber ohne ESWL Geräte. Wird das einfach blind unterschrieben? Wie war es bei euch?

LG und vielen Dank im Voraus.

][truba][
20.07.2022, 04:26
Moin,

ich habe meine OPs inzwischen (dank meiner zweiten Stelle) alle zusammen und darüber hinaus.
ESWL Geräte gibts in Berlin auch nur noch wenige. Bei mir wurde einiges über Hospitationen erledigt (z.B. Onkologie für 300 Chemozyklen oder Spermatogramme (die auch kaum jemand in der Klinik macht).

In meinem ersten Haus wurden die Unterschriften auch des öfteren mal großzügiger Ausgelegt bei fehlenden OP Zahlen.

Neckar
21.07.2022, 07:43
Vielen Dank für die Antwort Truba. Ärgerlich wie unnötig mühsam das Ganze ist. Aber gut.

Ganz andere Frage, wie sehen eure Pläne aus nach dem Facharzt? Tendiert ihr meistens Richtung Praxis oder im Krankenhaus zu bleiben? Und wieso?

Praxis ist schon sehr anziehend. Du hast mehrere Gestaltungsmöglichkeiten, geregelte Arbeitszeit, und verdienst mehr. Aber ich habe wirklich nicht so Bock jeden Tag Sprechstunde durchzuführen. Und vielleicht irre ich mich, aber Belegarzt zu sein ist aktuell nicht mehr so rentabel.

][truba][
21.07.2022, 09:21
Ich möchte ziemlich sicher erst einmal in der Klinik bleiben. Ich operiere ziemlich gern und möchte mich auf endourologische Eingriffe spezialisieren. Bin mir nicht ganz sicher wie lange das noch so bleibt, die Bedingungen in der Klinik kennen wir alle, aber aktuell ist das mein Plan.

Praxis finde ich auch ok. Ich kümmere mich schon gern um Patienten um den Überblick bei ihnen zu behalten etc. Gerade wenn man sieht wie es in manchen Praxen läuft. Aber ohne OP und hauptsächlich allein arbeiten kann ich mir aktuell nicht vorstellen.

Hoppla-Daisy
21.07.2022, 18:56
[truba][;2238235']Ich möchte ziemlich sicher erst einmal in der Klinik bleiben. Ich operiere ziemlich gern und möchte mich auf endourologische Eingriffe spezialisieren. Bin mir nicht ganz sicher wie lange das noch so bleibt, die Bedingungen in der Klinik kennen wir alle, aber aktuell ist das mein Plan.

Praxis finde ich auch ok. Ich kümmere mich schon gern um Patienten um den Überblick bei ihnen zu behalten etc. Gerade wenn man sieht wie es in manchen Praxen läuft. Aber ohne OP und hauptsächlich allein arbeiten kann ich mir aktuell nicht vorstellen.
Weswegen ich auch noch immer in der Klinik bin. Praxis wär nix für mich.