Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Treffpunkt für Anästhesisten
Glaube sowas lässt sich immer schwer vergleichen - dafür gibt es soviele verschiedene Faktoren die mit einfließen:
- Wie sieht die Betreuung durch die Oberärzte aus? Stehen die selber im eigenen Saal oder laufen sie von Saal zu Saal und schauen den Assistenten über die Schulter?
- Wie fit ist die Pflege?
- Wie ist die Zusammenarbeit mit den Chirurgen? Wenn der mir ansagt: "Ich drücke gleich auf die Cava - sagen Sie mir bescheid wenn der Druck weg ist" ist das was anderes, als wenn er einen Tunnelblick hat und sich ansonsten in Schweigen hüllt.
- Wie läuft die Einarbeitung? Welche Vorerfahrungen (PJ?) bringt ein Assistent mit?
Facharzt für Debulking halte ich für übetrieben - bei uns sind die wenigsten Säle mit Fachärzten besetzt. Assistent im 3. Monat ist aber sicher auch nicht erstrebenswert. Da ist man im Regeldienst bei uns in der Regel in nem Saal mit ASA 1/2 Patienten - im Dienst kann es aber durchaus passieren, dass man dann auch mal eine Zeit woanders steht...
Viel hängt auch davon ab, welche OPs häufig sind. Wenn es eine große Kinderchirurgie gibt, dann macht man als Assistent vielleicht schon im 1. Jahr Kindernarkosen - wenn es nur einen Beleg-HNOler gibt der alle zwei Wochen mal ein Kind operiert, dann macht der Chef die Narkose selbst und als Assistent steht man vielleicht nur daneben...
tragezwerg
03.01.2019, 07:18
Diese Thematik mit Supervision und Einteilung ist sehr unterschiedlich je nach Klinik.
Ich hab in meiner eigenen Weiterbildung da verschiedene Extreme erlebt (die teils dem Personalmangel, teils aber einfach fehlerhafter Organisation zuzuschreiben waren/sind). In der einen Klinik war der Whipple ne Facharztnarkose, in der anderen macht man das im 1. Jahr. Der einzige Bereich, der davon unberührt blieb waren an allen Kliniken Kinderanästhesien, da haben dann doch alle zuviel Angst dass der Anfänger Mist baut (und die Kindernarkosen sind eh meist ein Nadelöhr).
Rettungshase
03.01.2019, 10:13
Wir haben das Modell "Oberarzt auf dem Flur".
Ich hab auch im sechsten Monat Kindernarkosen gemacht. Das waren ASA 1-2 HNO-Kinder, bei denen der OA bei relevanten Phasen bei mir war und anschließend im 7m-Radius um mich herum geschwirrt ist.
Und weil wir personell gelegentlich etwas knapp sind, machen Assistenten im ersten Jahr auch die orthopädischen Bauchlagen oder mal eine anteriore Dese.
Das ist halt entsprechender Zusatz-Workload für die Aufsicht.
Autolyse
03.01.2019, 21:43
Interessant wie unterschiedlich es ist. In beiden Häusern in denen ich bislang gearbeitet habe waren die Wirbelsäulen - sowohl in Bauch- als auch Rückenlage mit HWS und auch langstreckigen Spondys - ganz normale Arbeitsplätze für den Erstjahresassistenten. Aber wahrscheinlich einfach, weil es häufig ist im Haus mit orthopädisch-unfallchirurgischem Schwerpunkt. Im jetzigen Haus - mit Facharztquote von 80% unter den Assistenten - sind alle großen urologischen und Baucheingriffe fast ausnahmslos (vor-)letztes Weiterbildungsjahr und Facharztaufgabe. Reine Facharztaufgabe sind die Außenarbeitsplätze.
agouti_lilac
04.01.2019, 09:35
Bei uns hiess die Ebene, auf der sich ACH, GCH, UCH etc. befinden, früher "Babystrich". :-D Könnte man aktuell wieder so nennen, bei totalem Überschuss an Anfängern und immer weniger Fachärzten. Die Altassistenten sind auf den ITSsen verschwunden.
Auf den Ebenen gibt es auch einen Saaldienst-OA (selten erfahrener FA), der einem dann hilft. Habe mich selten verlassen gefühlt, kam aber doch schon mal vor. Whipple machen da auch Anfänger, aber dann mit Backup, auch bei der Einleitung (aber eher, damit es schneller geht).
Aussenkliniken mit (fast-)singulären Arbeitsplätzen wie MKG, Haut, Radio, Strahlentherapie, früher Psych,... sind auf Grund weit entfernter Hilfe nur mit FÄ bestückt.
Aber andere Kliniken, andere Sitten: ein Kollege, inzwischen FA, erzählte mir, dass in seiner PJ-Abteilung (eine Uni!) damals nur eine handvoll Leute einen thorakalen PDK legen konnten. Und dieses Wissen wollten diese Leute auch nicht weiter geben, so dass bei Schwierigkeiten munter eine Stunde lang im Rücken rumgestochert wurde, ohne Hilfe zu holen (oder holen zu können - ist ja kaum einer da, der's kann).
Ich habe aber auch das Gefühl, dass hauptsächlich Vitamin B und eine als hübsch empfundene Nase für eine bessere Weiterbildung sorgen (wird überall in der Arbeitswelt so sein). Aber zur Zeit wird zumindest in Grundzügen versucht, das zu strukturieren.
Aber andere Kliniken, andere Sitten: ein Kollege, inzwischen FA, erzählte mir, dass in seiner PJ-Abteilung (eine Uni!) damals nur eine handvoll Leute einen thorakalen PDK legen konnten.
Sowas ist der Grund, warum ich nicht an meinem PJ-Haus angefangen habe.
Wenn du da die Wahl hattest, nen Drittjahresassistenten beim Whipple auszubilden, oder den Facharzt hinzustellen, der keinerlei Supervision mehr braucht... tja, dann stand der Facharzt beim dritten Whipple diese Woche, und der Assistent hat die Revisionsbäuche von der Intensiv ausgesessen. Dafür konnte der Fluroberarzt halt mehr Kaffee trinken.
Ich habe auch mit zwei Assistentinnen gesprochen, unabhängig voneinander, mit zwei Jahren Zeitabstand, die beide jeweils kurz vor unserem Gespräch in der Gyn waren, die KEINE EINZIGE geburtshilfliche PDA gemacht haben, die KEINE EINZIGE Sectio betreut haben, und nur EINE von den beiden hat mal EINE SpA gemacht.
Zusätzlich findet periphere Regionalanästhesie da nur marginal statt, und wenn, dann nur durch zwei bestimmte OÄ, dafür sitzt man u.U. 18 Monate auf Intensiv, weil keine Leute nachkommen. Fiberoptische Intubationen macht man tendenziell auch frühestens als Letztjahresassistent.
Hier herrscht kein dramatischer Facharztmangel, aber es gibt halt definitiv zu wenige davon.
Also haben die OÄ einen gewissen Anreiz, den Assistenten was beizubringen.
Mit etwas Rotationsglück lernt man lumbale PDA und SpA im ersten Jahr, thorakale PDA im zweiten, periphere Regionalanästhesie findet auch regelhaft statt (und ist auch i.d.R. Assistententätigkeit), ich kenne zumindest eine Kollegin, die in ihrem ersten Weiterbildungsmonat zwei fiberoptische Intubationen gemacht hat...
Die Kreißsaaleinarbeitung ist halt ein gewisses Nadelöhr. Das man durch eine externe Rotation u.U. sehr geschmeidig umgehen kann. (Apropos, dafür muss ich mich auch schon mal anmelden. ;-) )
Rettungshase
20.01.2019, 15:18
Ist hier jemand associate member der ESA durch die DGAI?
Irgendwie fühlt sich da niemand angesprochen.
Bin schon länger DGAI-Mitglied und wollte jetzt auch zur ESA. Die DGAI schreibt nur, dass sie den Antrag Mitte November weitergeleitet hat, bei der ESA hat mir bislang niemand eine Antwort (auf mehrere Mails) zukommen lassen, was mit meinem Mitgliedsantrag ist. Hattet ihr ähnliche Probleme?
Sebastian1
20.01.2019, 18:42
Ja, ist mir irgendwann vor Jahren mitgeteilt worden (ohne Antrag), dass ich jetzt associate member bin. Gibt halt zugriff auf die Euroanaesthesia...
Geht mir ähnlich. Ich warte schon seit einem Dreiviertel Jahr auf eine Reaktion.
Ich bin jetzt ein halbes Jahr in der Anästhesie und mir gefällt es (immer noch) sehr gut. Das einzige was mir aber schon irgendwie zu schaffen macht ist die Respektlosigkeit die mir zuweilen als Anästhesist entgegengebracht wird. Ich habe das Gefühl, dass Anästhesisten für die meisten chirurgischen Kollegen (und tlw. auch OTAs) nur lästige Diener sind, die wohl irgendwie da sein müssen, ohne die es eigentlich aber alles viel schneller und besser ginge. Vor allem die tiefgründige Überzeugung mit der das einige "Kollegen" jenseits des Tuches zum Ausdruck bringen macht mich zuweilen sprachlos. Und wütend!
tragezwerg
03.02.2019, 12:37
Ich bin jetzt ein halbes Jahr in der Anästhesie und mir gefällt es (immer noch) sehr gut. Das einzige was mir aber schon irgendwie zu schaffen macht ist die Respektlosigkeit die mir zuweilen als Anästhesist entgegengebracht wird. Ich habe das Gefühl, dass Anästhesisten für die meisten chirurgischen Kollegen (und tlw. auch OTAs) nur lästige Diener sind, die wohl irgendwie da sein müssen, ohne die es eigentlich aber alles viel schneller und besser ginge. Vor allem die tiefgründige Überzeugung mit der das einige "Kollegen" jenseits des Tuches zum Ausdruck bringen macht mich zuweilen sprachlos. Und wütend!
Früher hat mich das auch genervt. Mittlerweile gebe ich subtil, aber deutlich zu verstehen, was ich von so einem Umgang miteinander denke. Meistens benehmen sie sich dann. (Manchmal musste ich auch schon sehr direkt sein, z.B. bei dem einen chirurgischen Oberarzt, der immer über die Einleitungsdauer meckert. "Ich habe extra für Sie so lange gebraucht, damit Sie nicht so mühselig nach einem Grund zum Meckern suchen müssen!")
Aber in den ersten Jahren hätte ich mich das niemals getraut.
Meist fährt man aber ohnehin mit dem Grundsatz "Lächeln und winken und 'Arschloch!' denken" am besten ;-)
Ich suche ein Buch zum Einstieg ins Thema Regionalanästhesie, kann mir da jemand was empfehlen?
Armbruster, Eichholz, Notheisen: "Ultraschall in der Anästhesiologie"
Finde ich so als "Einstieg" und Überblick ziemlich nett.
Rettungshase
05.02.2019, 18:53
Die App "AnSo", kostet leider so um die 4,50€, finde ich aber supergut.
Die App des RKU Ulm ist ganz gut für den Einstieg und um kurz nochmal in der Klinik die Technik zu wiederholen. Und sie ist kostenlos. (Auch der AFS Kurs in Ulm ist sehr zu empfehlen.)
Moorhühnchen
07.02.2019, 19:13
Wie wird es denn bei Euch in der Abteilung gehandhabt, bzw. wie praktiziert ihr es selber:
in unserer Abteilung kam heute eine Rundmail der BDA/DGAI-Geschäftsstelle bezüglich eines Kurzchecks vor Konnektion eines Patienten an das Beatmungsgerät.
Ich habe es so gelernt: Immer Gerätecheck W - ein paar manuelle Hübe, einmal übers Gerät gucken, feddisch. So geb ich das auch an unsere Praktikanten und PJ'ler weiter. Leider werden die dann von meinen Kollegen immer schräg angeschaut, nach dem Motto: "Findet er den Beatmungsmodus nicht oder was macht der da?". Nach dem Reinfahren in den Saal wird direkt die maschinelle Beatmung angeschmissen.
Wie macht ihr's? :-)
tragezwerg
07.02.2019, 20:47
Bei uns ist der Gerätecheck W durch den Anästhesisten vor der ersten Narkose im Saal und der Einleitung durchzuführen. Wir müssen das dann vor Beginn der Einleitung auf dem Narkoseprotokoll dokumentieren (unser Chef geht tatsächlich durch die Säle und kontrolliert das). Bei uns macht das also jeder ;-)
Ist aber auch echt gut so. Der Selbsttest vieler Narkosegeräte erkennt z.B. falsch konnektierte Schläuche nicht, man selbst merkt das aber beim W-Check direkt.
Rettungshase
07.02.2019, 22:13
@ tragezwerg : Schreibt ihr aufs Narkoseprotokoll: "Gerätecheck W ok"?
Wir haben so eine ähnliche Checkliste: https://files.newsnetz.ch/file_upload/45/64/50/70/box_58782405_textbig1_1_6626966473.JPG
Da muss das einsastzklare Gerät quasi auch mit Unterschrift quittiert werden. Finde ich auch richtig und wichtig ;)
Finde die Studie gerade nicht, aber ich hab letztes Jahr gelesen, dass die meisten beatmungsassoziierten Todesfälle bei Allgemeinanästhesie durch einen adäquaten Gerätecheck hätten verhindert werden können.
Der Check tut nicht weh, kostet nicht viel Zeit und gibt mir persönlich das Gefühl, dass ich ein einsatzklares Gerät vor mir habe (bzw. wenigstens eine gute Rückfallebene).
Außerdem muss man sich einfach mal überlegen, wer so alles Anästhesie-Unkundiges im OP-Bereich rumwuselt. Vielleicht hat die Putzfrau aus Versehen einen Schlauch diskonnektiert, als alle aus dem Saal verschwunden waren, falsch wieder angeschlossen und nichts gesagt. Oder der Praktikant wollte "noch mal schnell was gucken".
Hier dann auch noch mal der Verweis zum DGAI-Sonderdruck, in dem der von der DGAI empfohlene Geräte-Kurzcheck dargestellt wird: https://www.dgai.de/aktuelles/524-kurzcheck-des-anaesthesiegeraetes-10-sekunden-fuer-die-patientensicherheit-immer.html
s. Seite 75
Moorhühnchen
08.02.2019, 11:38
Bei uns ist der Gerätecheck W durch den Anästhesisten vor der ersten Narkose im Saal und der Einleitung durchzuführen. Wir müssen das dann vor Beginn der Einleitung auf dem Narkoseprotokoll dokumentieren (unser Chef geht tatsächlich durch die Säle und kontrolliert das). Bei uns macht das also jeder ;-)
Ist aber auch echt gut so. Der Selbsttest vieler Narkosegeräte erkennt z.B. falsch konnektierte Schläuche nicht, man selbst merkt das aber beim W-Check direkt.
Aber les ich das richtig, dass ihr das nur vor der ERSTEN Narkose macht?
^^ Also bei uns wird der tägliche Gerätecheck in allen Sälen + AWR morgens bei Dienstbeginn von der Pflege gemacht.
Sollte das nicht geschehen sein, ist ein fetter roter Balken mit "Nicht getestet" oben im Gerätedisplay zu sehen.
Alleine schon deshalb wird der Check dann nachgeholt. Nur im Notfall, wenn wirklich keine Zeit für den Check ist, wird ohne Gerätecheck gearbeitet.
Bei jedem Patienten wird bei uns auch nicht gecheckt. Ja, Patient an die Hand und gucken, ob Beatmung manuell geht und dann umschalten auf PCV, ja, das schon. Aber jedesmal Flowcheck und und und? Eher nicht.
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