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Hallo, liebe Kollegen und Kolleginnen!
Ich habe letzte Woche im Dienst einen jungen Patienten mit Radius Fraktur. Der hat einen Plexus abgelehnt, daher bekam er eine VN. Da es länger dauern musste, hatte ich mich für den Tubus entschieden, er war nüchtern, Maskenbeatmung ging super mit Güdel, beim Intubieren habe ich alles sehen können, jedoch konnte ich den Knick nicht überwinden und letztendlich hat die OÄ den Patienten intubiert. Das war jetzt kein großes Ding, mit einer LM hätte es genauso gut geklappt, aber ich finde es so peinlich,weil ich eigentlich alles gut sehen konnte,also Cormack 1, und dann ging es auf einmal nicht
Ich bin seit fast einem Jahr in der Anästhesie, ist das normal????
Ja. Die Lernkurve bei Intubationen flacht zwar nach ein paar Monaten deutlich ab, aber wirklich waagerecht wird sie vermutlich erst nach Jahrzehnten...
Jukka666
25.11.2021, 15:06
Ich bin seit fast einem Jahr in der Anästhesie, ist das normal????
Hallo,
Ja, mach dir keine Gedanken, das ist normal!
Auch nach Jahrzehnten sollte man vor der Intubation immer Respekt haben und immer davon ausgehen, dass eine Intubation nicht funktioniert, das ist besser als umgekehrt.
In deinem Fall fallen mir spontan zwei Dinge ein, die dir vielleicht in Zukunft weiterhelfen:
1. Warum hast du dich überhaupt für einen Tubus entschieden? Keine Radius-Operation kann so lange dauern, dass man nicht dafür eine LMA hätte nehmen können. Es gibt keinen klar definierten Cut Off, wo man eine LMA nicht mehr hernehmen darf. Wenn man Anatomie, liegeDauer, PatientenFaktoren, Beatmungsparameter etc. berücksichtigt, kann eine LarynxMaske viele Stunden im Mund verbringen, ohne Schäden.
Ich habe auch schon Narkosen mit 8 Stunden LMA gesehen und betreut, da ist nichts passiert.
Mein Chef nimmt sogar für Bauchlagen, und laparoskopische Eingriffe LarynxMasken (zB Proseal mit Magensonde). Es gibt Studien, die da sehr positive Ergebnisse auch hinsichtlich des Aspirationsschutzes und der Drücke zeigen. Ich persönlich würde das zwar nicht machen, aber es gibt viele Kollegen die damit gut fahren.
2. hast du alles ausgeschöpft, um den Tubus korrekt zu platzieren? Also BURP, Schnüffel-Stellung bzw. jegliche Lagerungsveränderungen, FührungStab, HockeyStick-Biegung des Tubus etc. ?
Manchmal hilft es wenn man den Tubus wie ein „Z“ formt, d.h. am Cuff-Ende 90° Winkel und am proximalen Ende, wo du den Tubus in der Hand hältst auch noch mal 90°. So halte ich manchmal den Tubus und dann führt man die spitze ein, zieht den Führungsstab raus, und der Tubus nimmt seine ursprüngliche Form an.
Last But not least kann man auch einen weichen bougie beziehungsweise Intubationstab einführen und darüber dann den Tubus einfädeln.
Lange Rede kurzer Sinn, mach dir nichts draus, nicht erfolgreixh intubiert zu haben, wird dir im Leben noch sehr oft passieren, wichtig ist dass man immer einen Plan B hat, und sich nicht auf das Intubieren versteift, sondern die Oxygenierung als das wichtigste Ziel erachtet. Und natürlich frühzeitig Hilfe holen, wie du es gemacht hast.
:-)
Jukka666
25.11.2021, 15:16
Danke für eure Antworten! In diesem Zusammenhang bin ich neugierig wann ihr mit der Regionalanästhesie angefangen habt
Grüße
Periphere blöcke:
Also ich persönlich im 1. WBJ, aber nicht immer so wirklich mit Begeisterung. AxBlöcke ohne US, mit Stimulator transarteriell. Versagerquote ca 30%.
PDK/SPA/CSE früher sogar, meine erste PDA im 1. oder 2. Monat meiner WB! Unter minutiöser Anleitung.
Aber SO RICHTIG, also mit Begeisterung erst im 4. WBJ nach einem Stellenwechsel und Besuch von ESRA-Workshops. Weil ich an der neuen Klinik mehr alleine arbeiten musste.
Ich war lange an einer Uniklinik, da spielten die pRA (aus logistischen Gründen) keine große Rolle bzw. waren den Fachärzten vorbehalten. So war lange die Lokalanästhesie vor der Wacharterie die Regionale, die ich am besten konnte ;-) Dafür durften wir früh alle neuroaxialen Verfahren machen.
Richtig gelernt habe ich pRA als OA im Dienst, v.a. obere / untere Extremität.
Ergo: die Zeitpunkte sind oft unterschiedlich und: es ist nie zu spät :-meinung
tragezwerg
26.11.2021, 04:55
Ich hab mit quasi allen Regionalverfahren in den ersten Wochen als Berufseinsteiger angefangen (mein damaliger Arbeitgeber machte in 4 der 8 Säle vorwiegend Regionalanästhesie, daher war das automatisch so.). Bei meinem aktuellen Arbeitgeber ist es auch eher ne Seltenheit, da lernen die Anfänger eigentlich nur PDKs, Plexusanästhesien kann kaum einer bis zum Facharzt.
Matzexc1
26.11.2021, 08:30
Beim ersten Arbeitgeber kamen Regionale fast nur in der Unfallchirurgie vor und da ich meist woanders war habe ich kaum was mitbekommen, auch hier galt aufgrund Zeit-/Personalmangel oft das die OÄ schnell den Block stechen.
Beim aktuellen machen wir meist nur AxPlex, dafür habe ich hier in 2 Monaten mehr Spinale gestochen als woanders in 17 Monaten
Vincenco
26.11.2021, 11:31
Bei meinem ersten Haus sehr früh. Viele orthopäische OPs die bevorzugt in Spa oder peripheren Blöcken gemacht wurden. Distale Ischiadicus, Axplex, ISK, prox. Ischiadicus und Femoralis Katheter. Gute Einarbeitung und hohe Akzeptanz von den Chirurgen.
In meinem jetzigen Haus dagegen das genaue Gegenteil. Die einzigen peripheren Blöcke die gemacht werden sind Axplex und ISK-Anlagen bei Schulter TEPs. Weil alle die Verfahren sehr selten machen dauerts natürlich immer länger iund die Versagensquote ist höher, dementsprechend auch die Akzeptanz der Chirurgen sehr niedrig, was dazu führt das es noch seltener gemacht wird. Ein Teufelskreis. Jetzt fangen sie an aus "medizinischen" Gründen periphere Verfahren abzulehnen und verlangen ausschließlich Vollnarkosen. " Radiusfrakturen brauchen seit neuestem bei uns Relaxierung, daher sind Axplexe nicht möglich, mit einer LAMA sind sie aber zufrieden. Haha" Femoralisblockaden und ISK bei Schulter TEPS werden wegen des EXTREM hohen TEP-Infektionsrisikos abgelehnt. Bis auf eine OÄ widerspricht auch niemand so richtig und unser Chef mag selber keine Regionalanästhesien weil er sie selber nicht kann. Als Assistenzarzt haste halt auch keine wirkliche Chance da was zu reißen. Da muss das von oben kommen.
Ich habe halt das Glück und habe in den ersten 2,5 Jahren hunderte Blockaden stechen dürfen im ersten Haus, deswegen fühl ich mich da einigermaßen sicher. Die jungen Kollegen die jetzt in meinem Haus anfangen tun mir aber schon leid.
LasseReinböng
26.11.2021, 19:48
Hallo, liebe Kollegen und Kolleginnen!
Ich habe letzte Woche im Dienst einen jungen Patienten mit Radius Fraktur. Der hat einen Plexus abgelehnt, daher bekam er eine VN. Da es länger dauern musste, hatte ich mich für den Tubus entschieden, er war nüchtern, Maskenbeatmung ging super mit Güdel, beim Intubieren habe ich alles sehen können, jedoch konnte ich den Knick nicht überwinden und letztendlich hat die OÄ den Patienten intubiert. Das war jetzt kein großes Ding, mit einer LM hätte es genauso gut geklappt, aber ich finde es so peinlich,weil ich eigentlich alles gut sehen konnte,also Cormack 1, und dann ging es auf einmal nicht
Ich bin seit fast einem Jahr in der Anästhesie, ist das normal????
Ja...ist blöd wenn man den Patienten trotz C+L 1 nicht konventionell intubiert kriegt aber passiert leider...man kommt sich da auch nach zig Jahren Anästhesie wie ein Anfänger vor...wabbelige Tuben, lange Hälse... und schon fühlt man sich wieder wie ein Anfänger...
Andere Lagerung des Kopfes, Cook- Stab und kleinerer ID des Tubus können da z.B. helfen.
Erdbeermond
27.11.2021, 10:08
Bei uns am Haus machen wir viel RA, Assistenten eigentlich auch von Anfang an - mein Chef mag die aber auch und ich hab super motivierte Oberärzte dafür. ISK, Ax.Plex., PECS, Fascia-Iliaca-Block, NFK, DIC, Fussblock, Lumbale und thorakale PDK und SPA machen wir alles im ersten Jahr. Wir haben aber auch ne große UCH und dazu noch ne Handchirurgie
Nika_149
28.11.2021, 14:48
Hallo liebe Kollegen! Ich hoffe, ich darf hier zwischendrin meine Frage stellen:
ich möchte mich gerne in der Anästhesie bewerben, entweder an der TU oder an der LMU.
Würde mich über Erfahrungsberichte freuen, was v.a. die Unterschiede, Vor/Nachteile der jeweiligen Kliniken angeht.
Auch bzgl. Forschung, wie viel Zeit MUSS man investieren, wo wird darauf evtl. mehr Wert gelegt? Gibt es auch Erfahrungen zur Zusatzweiterbildung Notarzt?
Vielen Dank schonmal
Whatisgoingon
29.11.2021, 19:31
Hallo, Kollegen und Kolleginnen! Es tut mir leid, dass ich ein komplett anderes Thema anspreche, aber ich habe morgen zum ersten Mal HÜFT TEP in SPA. Würdet ihr zu diesem Ziel ein hyper-oder isobares Lokalanästhetikum nehmen? Ist bei Seitenlage während des Eingriffs das hyperbare zu bevorzugen?
Dankr im Voraus und GLG!
Vincenco
29.11.2021, 22:15
Wir haben da immer isobares genommen. Aber nie in Seitenlage, haben die Hüften da alle auf dem Rücken gemacht
tragezwerg
30.11.2021, 07:06
Hüft-TEP hab ich bisher nur mit isobarem LA gemacht. Hyperbares eigentlich nur bei Sattelblöcken, das aufrecht sitzen nach Anlage klappt da ja ganz gut. Gerade wenn man nach Anlage der Spinalen sowas wie ne Seitenlage machen muss (zur korrekten Verteilung bei Verwendung von hyperbarem LA) scheitert das ja oft an der Compliance des Patienten (OP-Tisch unbequem oder zu schmal, Schmerzen, etc.)
In meinem ehemaligen Haus haben wir alles mit hyperbarem LA gemacht. Ging gut. Gerade bei SPA, die man in Seitenlage gestochen hat.
Hüft-TEP hab ich bisher nur mit isobarem LA gemacht. Hyperbares eigentlich nur bei Sattelblöcken, das aufrecht sitzen nach Anlage klappt da ja ganz gut. Gerade wenn man nach Anlage der Spinalen sowas wie ne Seitenlage machen muss (zur korrekten Verteilung bei Verwendung von hyperbarem LA) scheitert das ja oft an der Compliance des Patienten (OP-Tisch unbequem oder zu schmal, Schmerzen, etc.)
Als ich Spinale gelernt habe, gab es in unserer Klinik für die SPA NUR hyperbares Carbostesin. Mittlerweile nehme ich fast nur noch isobares. Und da wir auch in der Urologie fast keine Sattelblöcke machen, vermisse ich das hyperbare auch überhaupt nicht...
Rettungshase
01.01.2022, 22:21
Hat jemand von euch mal einen Lernplan für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung erstellt und wäre gewillt, den mit mir zu teilen?
Ich bin so ein Prokrastinationsmensch; da empfände ich das als außerordentlich hilfreich.
agouti_lilac
01.01.2022, 23:03
Oh, sowas wäre toll! Ich weiß auch gar nicht, wo anfangen.
https://www.springermedizin.de/facharzt-training-anaesthesiologie/anaesthesiologie-vorbereitungskurs-facharztpruefung/16515970
Ich hatte damals nur die beiden Hefte von Springer, aber der Kurs ist bestimmt noch ausführlicher.
Zusätzlich habe ich dieses Buch noch komplett durchgearbeitet.
https://www.amazon.de/Praxis-Anästhesiologie-konkret-kompakt-leitlinienorientiert/dp/3662545675/ref=sr_1_13?crid=17MHNKHO82P7W&keywords=anästhesie&qid=1641132637&sprefix=Anäast%2Caps%2C83&sr=8-13
https://www.springermedizin.de/facharzt-training-anaesthesiologie/anaesthesiologie-vorbereitungskurs-facharztpruefung/16515970
Ich hatte damals nur die beiden Hefte von Springer, aber der Kurs ist bestimmt noch ausführlicher.
Zusätzlich habe ich dieses Buch noch komplett durchgearbeitet.
https://www.amazon.de/Praxis-Anästhesiologie-konkret-kompakt-leitlinienorientiert/dp/3662545675/ref=sr_1_13?crid=17MHNKHO82P7W&keywords=anästhesie&qid=1641132637&sprefix=Anäast%2Caps%2C83&sr=8-13
Diese beiden Hefte sind super! Da werden die großen Themengebiete der Anästhesie in kurzweiligen Fallbeispielen abgearbeitet. Wenn man alle Fälle durchgearbeitet hat, hat man einen groben Eindruck darüber, was man alles beherrschen sollte für die Prüfung. Damit kann man das Lernen sicher starten. Ich habe dann alle Lücken, die mir bewusst wurden und die nicht hinreichend durch die Erläuterungen in den Fallbeispielen gedeckt wurden, mit einem großen Lehrbuch versucht zu schließen.
Ich habe außerdem noch ein Lehrbuch für Geburtshilfliche Anästhesie (https://www.amazon.de/Die-geburtshilfliche-Anästhesie-Peter-Kranke/dp/3662543745) durchgearbeitet, einfach weil das in meinem alltäglichen Arbeiten eine geringe Rolle gespielt hat aber in der Prüfung gerne gefragt wird.
Eine weitere Lücke bei mir waren die vielfältigen Blockaden der Regionalanästhesie. Bei uns im Haus machen wir nur einen Bruchteil dessen, was man so machen kann, also habe ich mir ein grundlegendes Wissen über die sonst verfügbaren Methoden angelesen.
Gerne gefragt wird auch die Neugeborenenversorgung, den Algorithmus Neugeborenenreanimation sollte man also kennen.
Ich wurde in meiner Prüfung auch intensivmedizinische Themen (ARDS, antiinfektive Therapie einer Pneumonie) gefragt. Grundlegend sollte man sich also auch hier zumindest in die großen Themen einlesen.
Ich hatte damals auch ein Repetitorium besucht. Das war sehr angenehm und gut zum reinkommen ins Lernen. Ist aber natürlich kostenaufwändig und man muss Fortbildungstage/Urlaub dafür opfern.
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