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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : M und M Konferenz



eva-bei-medilearn
30.05.2018, 07:00
Hallo zusammen, hat jemand schon Mal an einen Fall in einer M + M Konferenz vorgestellt? Was muss man da genau machen, worauf kommt es an? Wo genau ist der Unterschied zu einem "Fallbericht". Danke!

Coxy-Baby
30.05.2018, 07:03
Es gibt dazu von der BÄK ein Hinweisheft, hast du das schon gelesen?

eva-bei-medilearn
30.05.2018, 07:38
Nein, ich suche Mal danach...aber es wäre schön, wenn jemand mal seine Erfahrungen aus erster Quelle berichten würde. ;-)

Rettungshase
31.05.2018, 20:55
Der Leitfaden der BÄK erklärt es im Wesentlichen sehr umfassend. Zur Abgrenzung von Fallbericht zur M&M:

Die Umschreibung eines Fallberichts als "anekdotische Evidenz" finde ich sehr passend. Ein Fall, der z.B. einen besonders interessanten, ungewöhnlichen oder spannenden Verlauf hatte oder bei dem man mit ungewöhnlichen Therapieansätzen gearbeitet hat.

Eine M&M-Konferenz hingegen hat als Grundlage einen (oder mehrere) Fehler in der Behandlungskette, der mit einem negativen Ergebnis für den Patienten (längerer Krankenhausaufenthalt, Tod...) assoziiert ist. wiki umschreibt es eigentlich ganz gut: "The objectives of a well-run M&M conference are to identify adverse outcomes associated with medical error, to modify behavior and judgment based on previous experiences, and to prevent repetition of errors leading to complications" [frei nach Campbell (1988); Artikel: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2498614/pdf/annrcse01553-0031.pdf]

Brutus
31.05.2018, 23:09
Hallo zusammen, hat jemand schon Mal an einen Fall in einer M + M Konferenz vorgestellt? Was muss man da genau machen, worauf kommt es an? Wo genau ist der Unterschied zu einem "Fallbericht". Danke!
Es sind halt alle an dem Verlauf beteiligte Personen / Fachdisziplinen eingeladen, an der M&M Konferenz teilzunehmen.
Beispiel: ein multimorbider Patient kommt in die ZNA mit seit mehreren Tagen bestehenden Schmerzen im Abdomen. Der Internist nimmt den Patienten aufgrund des desolaten AZ mit völlig derangierter BGA auf die Intensivstation auf und bittet um ein chirurgisches Konsil. Der Chirurg sieht den Patienten und entscheidet sich aufgrund des Gesamtzustands des Patienten gegen eine OP bei V.a. ischämischem Darm mit infauster Prognose. Der Internist sieht sich nun allein mit dem Patienten, den er nicht retten kann und der schlussendlich am nächsten Tag verstirbt. Problem: Internist meint, dass der Patient durch eine OP hätte überleben können, und kommt mit der Entscheidung so nicht klar. Chirurg hat seine Sicht und die Indikation GEGEN die OP nicht klar formuliert. Dadurch entsteht eben ein Missverständnis, das im Rahmen der M&M Konferenz geklärt wird. Hier hat nun jeder die Gelegenheit seine Sicht der Dinge darzustellen und für die anderen plausibel zu machen. Ziel ist, dass für zukünftige Fälle ein gegenseitiges Verständnis entwickelt wird, bzw. die Kommunikation verbessert wird.

Rettungshase
01.06.2018, 00:10
@eva: Sollst du selbst eine M&M vorbereiten?

Brutus
01.06.2018, 00:37
Hmmm. Sollte eine M&M nicht von einem Moderator moderiert werden? Und die Teilnehmer schildern dann ihre Sicht der Dinge und diskutieren im Anschluß darüber? Was will man denn da vorbereiten, mal abgesehen von der Fallschilderung? Und den Fragen, die sich daraus ergeben?

Rettungshase
01.06.2018, 23:40
Naja... irgendwer muss doch den Fall vorstellen und in Zusammenhang mit relevanter Literatur/Leitlinien setzen (und mantramäßig daran erinnern, dass es nicht um Schuldzuweisen geht).
http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/QS/M_Mk.pdf S. 32.

Bei uns sitzen oft auch die entsprechenden Eminenzen mit im Raum mit eigenen Interessenschwerpunkten und daraus resultierenden potentiellen Reibungspunkten.

Eilika
02.06.2018, 13:04
Wir haben einfach jeden Freitag im Morgen Rapport M&M... einfach kurz den Fall schildern und wird drüber diskutiert. Das sind dann mal nur 2 Fälle und auch mal 10.

Brutus
02.06.2018, 15:50
Naja... irgendwer muss doch den Fall vorstellen und in Zusammenhang mit relevanter Literatur/Leitlinien setzen (und mantramäßig daran erinnern, dass es nicht um Schuldzuweisen geht).
Eben genau deswegen sollte der Moderator den Fall kennen und grob schildern. Danach dann die Beteiligten aus ihrer Sicht. Sonst gibt es nur ein Hauen und Stechen! ;-)


Bei uns sitzen oft auch die entsprechenden Eminenzen mit im Raum mit eigenen Interessenschwerpunkten und daraus resultierenden potentiellen Reibungspunkten.
Eben deshalb!

Eilika
02.06.2018, 16:19
Aber wenn da jede Komplikationen und jeder Todesfall so abgehandelt wird, dann geht das ja ewig...

Rettungshase
02.06.2018, 16:28
Bei uns gibt es die M&Ms leider nur sporadisch.
Die Schilderung aus der Sicht von XY findet im Voraus statt, sodass der Fall vom Moderator möglichst objektiv vorgestellt wird.

Eilika
02.06.2018, 20:16
Bei uns wird da JEDE Revision, Rehospitalisation, behandlungsbedürftige Infektion und natürlich jeder Todesfall bequatscht...

eva-bei-medilearn
10.06.2018, 15:58
Danke :)):-top