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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #56
    head & shoulders Avatar von tarumo
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    Man hat mir vorgeworfen, daß ich zwar in der Sache recht habe, aber zu "hart" formulieren würde und damit den Nachwuchs verschrecken. Dennoch können ein paar Sachen nicht so stehenbleiben.

    Zitat Zitat von GelbeKlamotten Beitrag anzeigen
    Die Diskussion hier ging im Wesentlichen darum, ob man dieses höchst unattraktive und nicht unterstützenswerte System doch noch zu seinen Gunsten nutzen kann, indem man gezielt den Vertrag bricht und die vereinbarte Vertragsstrafe zahlt.
    .
    Wie ich schon schrieb... eine Wette. Die 250.000 EUR Einsatz kann man aber auch besser nutzen, in dem man für ca. 100 000 EUR im Ausland studiert und für 150.000 EUR bekommt man in Varna oder Riga eine prima Bude gekauft. Danach ist man aber immer noch frei in der Wahl seines Fachs und des Arbeitsortes. Und zusätzlich Wohnungseigentümer... Das Geld bekäme man ja angeblich so ausgehändigt, weil die Banken gerne Ärzte fördern...
    Und zum Thema Rechtsschutzversicherung: genau zwei Szenarien sind nicht versichert, 1) Versicherung abschließen und dann so einen Vertrag und 2) Vertrag abschließen und dann eine Versicherung.
    Normalerweise wird eine gewisse Laufzeit verlangt. Das "Lockangebot" richtet sich primär an Abiturienten, und die Anzahl der 18jährigen, die schon seit einem Jahr eine Rechtsschutzversicherung besitzen, dürfte übersichtlich sein. Desweiteren ist das ja für alle Neuland und sehr wahrscheinlich werden diese Klagen wegen dem hohen Streitwert dann ausgeschlossen werden, Studienplatzklagen sind auch in den wenigsten Versicherungen mehr mit drin. Also gleich noch einen hohen fünfstelligen Betrag für Anwalt- und Gerichtskosten zurücklegen.
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    Kunde: "Ich benutze Windows... "
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  2. #57
    head & shoulders Avatar von tarumo
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    Zitat Zitat von GelbeKlamotten Beitrag anzeigen
    Da sind wir uns alle einig. Und der von dir vorgeschlagene Plan, 250.000 Euro per Kredit in so eine marode Praxis zu investieren, um die "auf links zu drehen", ist aberwitzig. Was soll das denn bringen? Wo sollen durch die Investition die großen Mehreinnahmen herkommen?
    Das sage nicht ich, sondern das ist eine Empfehlung der Banken (wenn man überhaupt soweit kommt). Und auch die KV empfiehlt, sich mit Privateinnahmen ein Standbein zu schaffen- das geht nur über Investitionen. Investieren wird man in jedem Fall müssen, denn in der "vakanten" Praxis dürfte schon alles zu Geld gemacht worden sein, was geht und bestenfalls nur noch "Elektroschrott" und "Sperrmüll" vorhanden sein. Um ab Tag 1 mitzuspielen, ist schon mal eine große Investition in eine KV-konforme EDV nötig. Von Geräten ganz zu schweigen.

    Zitat Zitat von GelbeKlamotten Beitrag anzeigen
    Du tust ja grade so, als würden die Banken bei Krediten um jeden Euro geizen. Das Gegenteil ist der Fall, das Kreditgeschäft ist für Banken nach wie vor sehr lukrativ und ein junger aufstrebender Facharzt ist ein sehr gern gesehener Kunde. Im Gegenteil wird man aufpassen müssen, sich nicht in viel zu lange Kreditlaufzeiten reinziehen zu lassen und ein ausreichendes Sondertilgungsrecht zu vereinbaren, denn für die Rückzahlung werden meist wenige Jahre ausreichen.
    Wieviel Kredite hast Du denn schon so abgeschlossen? Sagt Dir Basel-2 was? In jedem Fall ist ein Kredit mit 30% -50% oder mehr abzusichern, und die wenigsten werden nach dem Ende der WBA soviel auf der Kante haben. Lass Dir einfach sagen: Banken fördern keine neu niedergelassenen Ärzte mehr. Punkt. Und weil ich hier weder eine interne Bankstatistik zu verlinken habe und persönliche Anekdoten keine Beweiskraft haben: Es werden mittlerweile auch zugesagte (!) Kredite an Kliniken nicht mehr ausbezahlt, einfach weil die Bank den Daumen ob der Zukunftsaussichten senkt. Konkret betroffen ist eine süddeutsche Klinikkette, die sogar Studienplätze in Kooperation anbietet. Vielleicht sind sogar ein paar Mitleser hier betroffen.

    Wenn es anders wäre, bräuchte man auch nicht dieses ganze Zuschussgedöns und "Förderung", weil man sonst seine MA nicht bezahlen könnte. Mir ist auch nicht bekannt, daß es für die Eröffnung eines Supermarktes oder einer Tankstelle Fördergelder, Zuschusse für die Einrichtung und Teilübernahme der Lohnkosten durch staatliche Stellen gibt.
    Anruf bei der Hotline
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  3. #58
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    Ich bin baß erstaunt, wie GelbeKlamotten eine Strafzahlung von 250.000 Euro fast als Nebensächlichkeit wegwischt. Ich sehe das Problem zweistufig exakt wie tarumo:

    1) Erst mal geht es nicht um die Strafzahlung, sondern um die Verpflichtung, sich als Landarzt an einem komplett fremdbestimmten Ort niederzulassen *Dieser Zwang* ist das Ziel, und die zugehörigen Institutionen werden (schon um Nachahmer abzuschrecken) alles in ihrer Macht stehende tun, um dies durchzusetzen. Für Leute, die glauben, sich daraus freikaufen zu können, kann man sich eine Menge Repressalien ausdenken, die empfindliche Folgen haben und in jedem Fall die rosigen Verdienstaussichten, die du, GelbeKlamotten, vorrechnest, zunichte machen. Wer sagt denn z.B., dass jemand, der die Landarzt-Untertänigkeit abgelehnt hat, überhaupt noch irgendwo einen Kassensitz bekommt?

    2) Selbst wenn man davon ausgeht, sich mit 250.000 Euro komplett ohne weitere negative Folgen freikaufen zu können, so sind auch die eine enorme *zusätzliche* Belastung. Natürlich lassen sich 250.000 Euro für manche (etablierte) Niedergelassene rasch als "Peanuts" innerhalb einiger Jahre ausgleichen. Aber das ist nicht die Regel, und Praxissitze mit derartigen Verdienstmöglichkeiten wären natürlich entsprechend teuer. 250.000 Euro sind erst mal eine enorme zusätzliche Belastung auf das drauf, was andere zu schultern haben. Die 250.000 Euro kommen zu einer Zeit, zu der man sowieso einen großen Geldbedarf hat, *obendrauf*. Kosten für eine Arztpraxis inkl. Kassensitz als größter Batzen. Kosten fürs Privatleben (ggf. inkl. Familie) noch obendrauf. Und das alles mit Anfang bis Mitte 30 (wenn nix dazwischen gekommen ist). Ich halte das ebenfalls für erheblich schwieriger zu finanzieren als GelbeKlamotten es sich vorstellt. Für mich als angestellten Facharzt, der seit 10 Jahren als Arzt arbeitet, würden 250.000 Euro haben oder nicht haben in meiner aktuellen finanziellen Situation einen riesigen Unterschied in der Lebensqualität ausmachen.
    Ich sehe in meinem Umfeld so viele ehemalige Studienkollegen in frischer Niederlassung, bei denen irgendwas nicht so läuft wie sie sich das vorher gedacht haben und die deshalb zusätzliche Lasten stemmen müssen, die sie nicht vorhergesehen haben, dass ich mir nur vorstellen kann, dass bei vielen von denen eine zusätzliche Schulden-Last von 250.000 Euro (so sie diese überhaupt finanziert bekommen hätten) das Ruder in Richtung Pleite lenken würde. Da gibts unvorhergesehenen Ärger mit dem Praxisvermieter, unvorhergesehenen Ärger mit dem Vorbesitzer der Praxis, Probleme mit dem Personal (schwere unvorhergesehene Erkrankung der langjährigen angestammten Praxisleitung, andere Ausfälle, Schwierigkeiten, Personal zu bekommen, Fehlentscheidungen bei der Personaleinstellung), bis hin zu von außen hinzukommenden Störfaktoren wie einer Entscheidung der Kommune, die vor der Praxis liegende Straße zu einer Fußgängerzone zu machen.
    Kredite für Praxis und einen Kassensitz sind nur deshalb so billig finanzierbar, weil die Bank davon ausgeht, dass sich der Kassensitz selbst bei Scheitern des Kreditnehmers (z.B. wegen Krankheit) zumindest zu einem großen Teil noch wieder zu Geld machen läßt. Die 250.000 Euro obendrauf lassen sich nicht zu Geld machen - das ist genau die Art Kredit, die man entweder ohne Sicherheiten überhaupt nicht bekommt oder aber sehr teuer bezahlen muß. Insgesamt ist dieses Problem aber untergeordnet, da ich wie tarumo gar nicht sicher finde, dass sich die 250.000 Euro überhaupt einfach als "zusätzliche Kosten" einplanen lassen, sondern man ganz andere Dinge (Repressalien, jahrelange Streitigkeiten mit ungewissem Ausgang, ungewisse Zukunft) fürchten muß.

    Darin, dass die dritte Möglichkeit, die zwangsweise Niederlassung an fremdbestimmtem Ort, sowieso eine desaströse Geschäftsentscheidung darstellen dürfte, sind wir uns anscheinend alle einig und Details dazu hat tarumo dargestellt, so dass ich darauf nicht näher eingehe.

    Ich persönlich finde das Medizin-Studium rein finanziell gesehen sowieso bei weitem nicht so eine rosige Entscheidung, wie viele andere das sehen. Auf die eh schon bestehenden Zwänge und Auslieferungssituation der Facharztausbildung nochmal weitere zusätzliche Zwänge wie den Landarztvertrag obendrauf zu setzen, macht es aus meiner Sicht gänzlich unattraktiv, selbst wenn man glaubt, irgendwann tatsächlich gern als Landarzt arbeiten zu wollen (was sich innerhalb von 10 Jahren auch gut ändern kann). Diesen Vertag über sich hängen zu haben, ist doch allein schon während des Studiums und der Facharztausbildung nochmal eine zusätzliche Last, die über einem schwebt. Niemals würde ich irgendwem raten, so etwas zu unterschreiben. Andere haben vorgerechnet, dass selbst ein Auslandsstudium - das ebenfalls Kosten und Risiken mit sich bringt - eine günstigere Alternative ist.
    Geändert von Pflaume (25.08.2019 um 10:56 Uhr)



  4. #59
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    Ich stimmt dir in den meisten Punkten vollkommen zu. 250.000 Euro (brutto!) sind sicherlich keine Nebensächlichkeit. 7 Jahre auf einen Medizin-Studienplatz warten sind aber eben auch keine Nebensächlichkeit. Beides halte ich für sehr unattraktiv und ich selbst hätte keine der beiden Möglichkeiten für mich in Betracht gezogen. WENN ich mich aber zwischen DIESEN BEIDEN Möglichkeiten entscheiden müsste, dann würde ich aber definitiv lieber die 250.000 Euro zahlen. Allein auf diesen Vergleich bezieht sich meine Argumentation.

    Ein Auslandsstudium halte ich ebenfalls für wesentlich attraktiver als die 250.000 Euro zu bezahlen oder ewig zu warten. Aber offensichtlich kommt das nicht für jeden infrage, sonst gäbe es ja nicht so viele, die jahrenlang auf einen Studienplatz warten. Und einen sechsstelligen Kredit für ein Studium im Ausland mit ungewissem Ausgang ohne relevante Sicherheiten zu bekommen, dürfte sich in der Tat schwierig gestalten. Das ist eine ganz andere Nummer als wenn ein Facharzt kurz vor einer absehbar lukrativen Selbstständigkeit steht. Dazu dann noch im Ausland als Student kreditfinanziert eine Wohnung kaufen zu wollen setzt natürlich der Lächerlichkeit die Krone auf. Was diese ständigen aberwitzigen Vergleiche von tarumo sollen bleibt wohl sein Geheimnis.

    Genauso sinnbefreit ist der Vergleich der Kreditwürdigkeit eines Krankenhauses oder einer Krankenhauskette mit der eines Praxisinhabers. Ich bin mir sicher, dass das auch tarumo klar ist. Oder erzielt ein Krankenhaus im Schnitt pro angestelltem Arzt den gleichen Reingewinn wie ein niedergelassener Arzt? Das wäre mir neu und zumindest die Jahresabschlüsse meines Hauses geben das bei weitem nicht her. Daher ist diese Diskussion leider auch nicht zielführend. Man sollte, auch wenn man gegen etwas argumentiert und davon überzeugt ist, dass man recht hat, mit seinen Argumenten bei den Fakten bleiben und nicht in pure Polemik verfallen, sonst macht man sich selbst unglaubwürdig.

    Noch mal: Es geht um den Vergleich 6-7 Jahre auf einen Medizinstudienplatz warten oder bei Praxisgründung 250.000 Euro (brutto!!) zu zahlen.
    Letztlich wäre es sogar denkbar, fast den kompletten entsprechenden Nettobetrag der Strafe während der Weiterbildungszeit anzusparen. Das würde bedeuten, dass man auf sehr niedrigem finanziellen Niveau leben muss, ähnlich wie als Student, also Wohnung im Schwesternwohnheim am Krankenhaus, nicht unbedingt ein eigenes Auto, günstiges Essen aus dem Supermarkt, etc. Klar, das macht keinen großen Spaß, aber ein "Warter", der in der Wartezeit was anderes studiert, hat dann auch nicht mehr Geld zur Verfügung. Hätte ich Lust mir das anzutun? Absolut nicht. Würde ich das tun, wenn die einzige Alternative wäre, 7 Jahre meines Lebens auf einen Studienplatz zu warten? 100%ig ja! Auch eben mit dem Wissen, dass ich damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 20 Jahre später finanziell insgesamt besser dastehe als derjenige, der 6-7 Jahre in einem anderen Beruf "gejobbt" oder zur reinen Zeitüberbrückung noch was anderes studiert hat.

    Sicher gibt es dann noch mehr Dinge zu bedenken, die über die rein finanzielle Abwägung hinausreichen. Aber rein aus finanziellen Abwägungen heraus sind 6-7 gesparte Vorstudienjahre hinsichtlich des Lebenszeitverdienstes mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr wert als 250.000 Euro brutto.

    Würde ich deswegen jemandem generell dazu raten, so einen Vertrag zu unterschreiben? Ganz bestimmt nicht. Ich würde nur eben noch stärker von der Wartezeitquote abraten als von der Hausarztquote.

    Wenn sich jemand trotzdem für die Hausarztquote entscheiden würde mit dem plan, die 250.000 (die übrigens bei 2% inflation in 10 Jahren eh nur noch einen wert von heutigen rund 200.000 Euro haben werden), zu zahlen, dann würde ich ihm sagen, dass das kein beinbruch ist und er dann eben planen muss, wie er diese im Vergleich zum gesamten Lebenszeitverdienst überschaubare Zusatzbelastung finanzieren will. Mittel und Wege gibt es definitiv. Und in den sicheren Ruin treibt ihn das mitnichten.
    Geändert von GelbeKlamotten (26.08.2019 um 00:30 Uhr)



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