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  1. #1
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    Hallo zusammen,

    ich bin 22 Jahre alt und studiere zum kommenden WiSe im 7. Semester, also dann im 4. Jahr, Medizin. Ich bin in Regelstudienzeit, habe bis jetzt jede einzelne Prüfung sowie das Physikum nach dem 4. Semester im Erstversuch bestanden, insgesamt einen 2er-Schnitt und eine Promotionsstelle in Aussicht. Aus akademischer Sicht ist also alles nahezu perfekt. Und trotz all dem bin ich mittlerweile so unglücklich wie noch nie zuvor in meinem Leben, die Gründe dafür sind mir eigentlich bekannt und dennoch habe ich das Bedürfnis, mir anonym im Internet alles von der Seele zu schreiben. Es wird ein längerer Text. Ich verstehe es vollkommen, wenn sich niemand diese vielen Zeilen antun will. Ich wäre trotzdem sehr dankbar für jeden, der alles bis zum Ende durchliest und antwortet.

    Ich habe das Medizinstudium aus den völlig falschen Gründen begonnen. Meine Interessen lagen nie im medizinischen oder naturwissenschaftlichen Bereich, auch wenn ich in der Schule in den MINT-Fächern ganz gut war. Meine Interessen, Begabungen und Schwerpunkte lagen zu Schulzeiten eindeutig im geisteswissenschaftlichen Bereich, das bedeutet konkret, dass ich in den Fremdsprachen, inklusive Latein, sowie in Geschichte und Sozialkunde ausschließlich Topnoten geschrieben habe und mit Begeisterung und intrinischer Motivation für diese Fächer gelernt habe. Allerdings habe ich mir zu Schulzeiten nie ausführlich Gedanken über die Berufswahl gemacht, das war mein erster Fehler.

    Aufgrund eines sehr guten Abischnitts und viel Zuredens meines familiären Umfelds, habe ich mich dann auf gut Glück für Medizin beworben und einen Studienplatz bekommen und angenommen, wieder vor allem auf Grund des indirekten Drucks von außen à la "einen Medizinstudienplatz bekommt nicht jeder, nutze diese Chance unbedingt, entwerte dein gutes Abitur nicht" etc..." Ich muss an dieser Stelle wohl dazu sagen, dass in meiner Familie fast alle (Zahn)Arzt oder Lehrer sind, d.h. keiner aus meinem engeren Verwandtschaftskreis hat je in der freien Wirtschaft gearbeitet oder etwas studiert, das nicht auf ein konkretes Berufsbild zusteuert. Außerdem ist das Familienhaus in dieser Hinsicht sehr konservativ, auf Bachelor- und Masterstudiengänge wird dementsprechend ein wenig von oben herabgeblickt, da ja alle Staatsexamina geschrieben haben, die ja so viel höherwertiger seien. Dementsprechend wurde auch mein früheres Interesse für Studiengänge im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, bevorzugt mit internationaler Ausrichtung, klein geredet, damit würde man ja keinen Job finden und wenn, dann nur schlecht bezahlt und als Frau wären in der Wirtschaft die Chancen auf eine langfristige, gut bezahlte Stelle sowieso katastrophal. Gefühlt blieb deswegen nur noch Medizin. Jobgarantie nach dem Studium, selbst mit weniger guten Noten, gutes Gehalt - auch als Frau - mit angeblich so vielen Möglichkeiten. Ich habe mich also voll und ganz von der Familie lenken lassen, das war mein 2. Fehler.

    Leider, und das sehe ich jetzt immer deutlicher, kann ich mir nicht vorstellen, ärztlich tätig zu sein, im Krankenhaus schon gar nicht. Auch die vielen Möglichkeiten, die sich nach einem abgeschlossenen Medizinstudium bieten, sehe ich so nicht. Pharmaindustrie, Forschung, Arbeit bei Krankenkassen... auch das motiviert mich nicht sonderlich und ich persönlich bin sehr stark am zweifeln, ob es eine gute Idee ist, 6 Jahre lang Medizin zu studieren, wenn man dem Arztberuf nicht viel abgewinnen kann. Meine Familie ist natürlich der Ansicht, ich solle durchziehen, man müsse mit einem Medizinstudium ja nicht Arzt werden, man hätte ja alle Möglichkeiten. Wie gesagt, daran zweifle ich sehr stark. Als ob man mit einem Medizinstudium einfach so ins Investmentbanking könnte (Achtung Übertreibung). Die Alternative, für die noch Interesse bestünde, wäre der Bereich der Unternehmensberatung. Aber auch dort ist es natürlich nicht gesetzt, dass man da reinkommt, nur weil man Medizin studiert hat. Nach dem, was ich gehört habe, sind die Chancen auf solche Stellen mit abgeschlossener Facharztausbildung eh viel besser und im Moment glaube ich nicht, dass ich so lange durchhalte. Des Weiteren braucht man i.d.R. sehr gute Noten für solche alternativen Stellen, wenn man frisch aus dem Studium kommt und meine Noten liegen eher so im oberen Mittelfeld, besser wird mangels Motivation wohl auch nicht.

    Ich hatte mir Lehramt überlegt - für geisteswissenschaftliche Fächer - da ich aber ein sehr ruhiger, introvertierter und schüchterner Mensch bin, und ich direkt nach der Schule nicht schon wieder an Schule denken wollte, habe ich mich nicht getraut, das, was mich wirklich interessiert auf Lehramt zu studieren, zumal mit geisteswissenschaftlichen Fächern die Einstellungschanchen bzw. die Chancen auf eine Planstelle doch eher gering sind. Mein Traumjob war damals und wäre noch immer der diplomatische Dienst im Auswärtigen Amt, da dort alles zusammenkommt, was mich interessiert, also Sprachen, Politik, internationale Zusammenarbeit. Auch so eine Karriere ist kaum planbar, man sollte durchaus einen Plan B zur Hand haben, falls man nicht durch das Auswahlverfahren kommt. Theoretisch kann man sich mit jedem absolvierten Studiengang - sofern auf Masterniveau oder vergleichbar - beim AA bewerben, aber ich habe mir die Lebensläufe der diesjährigen Anwärter und der vom letzten Jahr durchgesehen und musste feststellen: keiner von denen hat Medizin studiert. Ich denke auch nicht, dass man mit Medizin besonders gute Chancen im Auswahlverfahren hat. Geprüft werden dort im schriftlichen Teil nämlich neben Fremdsprachen und Allgemeinbildung auch Wirtschaft, Recht und Politik, also Themenbereiche, die im Medizinstudium nicht einmal angerissen wurden. Klar, man kann sich viel dazu anlesen, es gibt Literaturempfehlungen, aber ich habe das Gefühl, mich mit Medizin für ein Studium entschieden zu haben, das meine Chancen für derartige Laufbahnen so gering wie nur möglich gestaltet. Auch für Beratertätigkeiten im politischen Bereich oder Stellen bei politischen Stiftungen qualifiziert dieses Studium meines Erachtes nicht.

    Eigentlich wollte ich das Medizinstudium nach dem Physikum beenden, um wenigstens nicht ganz ohne alles dazustehen, auch wenn man mit dem Physikum alleine absolut nichts anfangen kann. Das Umfeld meinte, in der Klinik wird alles viel besser, schau dir wenigstens noch ein oder zwei klinische Semester an. Tja, hier bin ich nun also. Ich habe jetzt das 2. klinische Semester hinter mich gebracht und es hat sich nicht viel geändert. Ich interessiere mich schlicht und ergreifend kaum für die Studieninhalte. Schwer zu lernen sind sie nicht, aber es fehlt seit dem 1. Semester die Begeisterung, die Leidenschaft fürs Fach. Ich war heilfroh, dass durch Corona sämtliche Untersuchungskurse am Patienten ausgefallen sind. Mir graut es vor den Famulaturen im Krankenhaus, noch viel mehr Angst habe ich vor dem PJ. Ich sehe mich nicht als Arzt. Ich möchte nicht mit überwiegend alten und kranken Menschen arbeiten, sondern am liebsten mit gesunden Erwachsenen. Der Aufbau des menschlichen Körpers und die Pathogenese von Krankheiten ist für mich "nice to know", aber tiefgehendes Interesse besteht einfach nicht. Das meiste vergesse ich nach den Prüfungen wieder, da mich die Inhalte wie schon oft erwähnt nicht begeistern und zumeist sowieso kaum Zeit bleibt, sich vertieft mit einem Gebiet auseinanderzusetzen. Dazu kommt, dass das Studium kaum Möglichkeiten bietet, über den Tellerrand zu blicken und sich über das Studienfach hinaus weiter zu bilden.

    Kurzum: Seit dem 4. Semester bin ich wirklich verzweifelt. Ich frage mich jeden Tag, was ich an der medizinischen Fakultät zu suchen habe, hatte ab dem 5. Semester fast täglich einen Weinkrampf, weil ich mich so fehl am Platz fühle, weil ich das Gefühl habe, komplett an meinen Interessen und Begabungen vorbei zu studieren. Ich weiß echt nicht mehr weiter. Ich stecke gedanklich in einer Sackgasse, ich will eigentlich nur noch raus aus dem Studium, dann kommt der Gedanke, 3 Jahre komplett in den Sand gesetzt zu haben und bei Null anfangen zu müssen und es geht mir noch schlechter. Sollte ich mich gegen Lehramt entscheiden und mich stattdessen für den wirtschaftlichen Studiengang entscheiden, der mich noch interessieren würde, müsste ich - da NC-beschränkt - ein Jahr warten, dann wäre ich schon 23 bei Abbruch. Andere haben in diesem Alter schon ihren Master. Oder zumindest eine abgeschlossene Ausbildung.
    Die Alternative wäre natürlich, das Medizinstudium noch irgendwie durchzuziehen, Famulaturen und PJ nach Möglichkeit im Ausland und dann versuchen, sich umzuorientieren. Oder einen Master in global health draufsatteln. Oder einen MBA, um mehr Möglichkeiten zu haben. Aber ist das sinnvoll?

    Auch wenn ich irgendwann zu einer Entscheidung kommen und diese natürlich selbst treffen muss, würden mich Meinungen dazu aus einem Medizinerforum interessieren. Vielleicht hat ja jemand Anregungen oder Ratschläge. Oder rückt mir den Kopf zurecht, ich weiß auch nicht.



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  2. #2
    Summsummsumm Avatar von Feuerblick
    Mitglied seit
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    Ort
    Let the bad times roll!
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    33.480
    Die Antwort ist einfach: Werd erwachsen und hör auf, es deiner Umwelt recht machen zu wollen. Es ist DEIN Leben, nicht das der anderen.
    Erinnerung für alle "echten" Ärzte: Schamanen benötigen einen zweiwöchigen Kurs mit abschließender Prüfung - nicht nur einen Wochenendkurs! Bitte endlich mal merken!

    „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst.“ (Matthias Claudius)



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  3. #3
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    14.04.2019
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    348
    Ich kenne mehrere, die das Studium trotz guter Noten vor dem Physikum beendet haben. Aus ähnlichen Gründen. Mit einer hab ich jetzt noch Kontakt, sie hat dann Lehramt studiert auf Theologie und Latein und wurde damit glücklich. Ich fands auch damals schade, dass sie abgebrochen hat, aber es war die richtige Entscheidung.



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  4. #4
    Registrierter Benutzer
    Mitglied seit
    22.08.2017
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    10
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    102
    Nun, es gibt nach der Approbation auch Möglichkeiten ohne Patienten Arzt zu sein. Du kannst bspw. in die Pharmaindustrie gehen oder Laboratoriumsmedizin machen. Ich würde es mir gut überlegen, ob du noch abbrechen magst.



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  5. #5
    Diamanten Mitglied Avatar von Matzexc1
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    27.09.2006
    Ort
    Von Filoviren,Protonen und Schwerionen Teil 4.Die Arbeit wartet
    Semester:
    Fertig
    Beiträge
    2.678
    Es ist dein Leben und daher auch deine Entscheidung, wenn dein Umfeld das nicht akzeptieren will ist das deren Problem
    Geduld ist eine Tugend.
    Aber warum dauert alles immer so lange?

    Und als alle Hoffnung verloren war,kam ein Licht von oben und eine Stimme sprach:
    "Fürchte dich nicht, denn es könnte schlimmer sein"
    Und siehe da es kam schlimmer.



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