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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Hallo allerseits,
    Ich mache mir in der letzten Zeit einige Gedanken, ob ein Medizinstudium für mich das richtige ist und würde mich sehr freuen, wenn ihr mir bei dieser Entscheidung ein wenig helfen könntet. :-)

    Eigentlich war für immer klar, dass ich ein naturwissenschaftliches Fach studieren möchte. Medizin hatte ich sehr lange überhaupt nicht auf dem Schirm, vielmehr konnte ich mich schon immer sehr für Physik begeistern und wollte dieses Hobby auch zu meinem Beruf machen. An diesem Interesse hat sich auch bis heute nichts geändert, allerdings sollte man das Studienfach wohl nicht ausschließlich nach Interesse am Fach, sondern auch in Hinsicht auf den daraus resultierenden Beruf auswählen. Genau das hat mich an der Physik zweifeln lassen. Katastrophale Bedingungen in der Forschung und auch nicht gerade die besten Berufsperspektiven in der Wirtschaft (zumal man hier fast immer fachfremd arbeitet) - es klingt einfach nicht gerade vielversprechend.

    So kam ich auf Umwegen zum Gedanken an das Medizinstudium und könnte mir durchaus vorstellen, dass das der richtige Weg sein könnte. Ein fachliches Interesse ist bei mir durchaus vorhanden. Insbesondere die Inhalte des vorklinischen Studienabschnittes, beispielsweise Biochemie und Anatomie klingen für mich durchaus spannend. Was die Inhalte des klinischen Abschnittes angeht habe ich zwar etwas weniger Interesse, aber auch das würde ich mit Sicherheit irgendwie überstehen. Letzten Endes würde ich mich auch nicht unmittelbar wegen des Studiums für Medizin entscheiden, sondern vielmehr aus Interesse am Arztberuf.
    Genau das ist dann aber auch der Punkt, an dem bei mir gerade einige Zweifel aufkommen. Ich würde zwar gerne Arzt werden, allerdings habe ich hierbei schon sehr sehr konkrete Vorstellungen, in welche Richtung es gehen soll. Ich würde gerne Facharzt für Laboratoriumsmedizin oder Mikrobiologie werden.
    So gut wie alle anderen Facharztrichtungen würden mich persönlich im Berufsleben nicht sehr glücklich machen, zumal ich von einigen Fächern, wie der Chirurgie, auch dem Patienten zu liebe Abstand halten sollte.

    Nun stellt sich mir eben die Frage, ob es angesichts meiner beruflichen Wünsche überhaupt zielführend ist, Medizin zu studieren. Gehen wir mal davon aus, dass ich es schaffe, das Studium durchschnittlich zu absolvieren, wie realistisch ist es dann überhaupt, dass ich in einem der oben genannten Fachbereiche unterkomme?
    Man spricht zwar immer von einem Ärztemangel, aber gilt das auch für diese kleineren, patientenferne Fächer? Ich habe einfach die Sorge, dass ich letzten Endes nach dem Medizinstudium, welches ich nicht zuletzt wegen der guten beruflichen Perspektiven wählen würde, Schwierigkeiten haben werde, einen Arbeitsplatz zu finden.
    Gerade in der Laboratoriumsmedizin kann man sehr viele Arbeitsschritte eben automatisieren. Hierbei handelt es sich noch nicht einmal um eine Dystopie, vielmehr musste ich feststellen, dass das bereits gängige Praxis ist. Häufige Diagnosen werden bereits heute vollautomatisch erstellt. Wird man in 6 Jahren überhaupt noch ausreichend Fachärzte auf diesem Gebiet brauchen, als dass ich auch nur annähernd realistische Chancen haben könnte, hier unterzukommen?

    Versteht mich bitte an dieser Stelle bitte nicht falsch; ich möchte Medizin nicht nur wegen der guten Berufsaussichten studieren. Facharzt für Laboratoriumsmedizin zu werden, wäre für mich mein absoluter Traumberuf. Angesichts dessen, dass aber ein Großteil der nach dem Medizinstudium offen stehenden Wege weder zu meinen Fähigkeiten noch zu meinen Interessen passt, befürchte ich beruflich zu stark eingeschränkt zu sein und somit Probleme damit zu haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

    Ich weiß, dass klingt nun alles danach, als sollte ich von der Medizin einfach die Finger lassen, aber irgendwie werden ich den Gedanken an das Medizinstudium nicht mehr so recht los. Ich würde mich deshalb sehr darüber freuen, wenn ihr mir vielleicht einen Ratschlag hättet.



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  2. #2
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    Tja, alle wollen immer Garantien. Das ist irgendwie ein typisch deutsches Problem. Und ich schließe mich da selbst mit ein.

    Ich kenne mich mit Labormedizin jetzt nicht wahnsinnig gut aus, aber da ist doch schon jetzt vieles automatisiert. Wenn noch mehr manuelle Tätigkeiten wegfallen, würde ich vermuten, dass das eher zulasten der MTAs als der Ärzte ginge. Es heißt doch immer „der Laborarzt unterschreibt nur“ ;)
    In 6 Jahren wird man immer noch jemanden brauchen, der Befunde auf Plausibilität prüft, da habe ich keine Zweifel. Eine rein automatisierte Diagnostik kann auch schnell komplett aus dem Ruder laufen.

    Kann dir jemand garantieren, dass du nach dem Studium ausgerechnet in diesen Fachrichtungen eine Stelle bekommst? Nein. Wahrscheinlich wirst du eine bekommen, vielleicht aber auch nicht.

    Vielleicht sind in 6 Jahren auch wieder haufenweise deutsche Ärzte arbeitslos, weil so viele Ärzte aus Kolumbien, Indien und China nach Deutschland einwandern, dass nur noch Psychiatriestellen für Deutsche bleiben, weil man da die besten Sprachkenntnisse braucht. Alles möglich.

    Und die richtige Frage sollte auch nicht lauten „braucht man in 6 jahren überhaupt noch labormediziner“. Sie sollte lauten „braucht man über die nächsten 30-40 Jahre noch Labormediziner“. Die Antwort lautet sehr wahrscheinlich: Labormediziner mit den gleichen Tätigkeiten wie heute nicht. Labormediziner, die sich mit ihrer Fachrichtung weiterentwickelt haben schon.

    Genauso wenig wird dir jemand garantieren können, dass du mit einem Physikstudium eine Stelle bekommst, mit der du glücklich bist.

    Hast du denn schon mal einen Labormediziner bei der Arbeit gesehen oder wie kommst du drauf, dass das dein Traumjob ist?
    Geändert von GelbeKlamotten (22.10.2020 um 22:08 Uhr)



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  3. #3
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    Du wärst auch nicht der Erste, der seinen Fachrichtungswunsch während des Studiums (mehrmals) ändert. Ich wollte damals Pädiatrie machen. Unbedingt. Auf jeden Fall. Jetzt bin ich in der Allgemeinchirurgie

    Ich denke auch, falls es in 6 Jahren noch die Labormedizin sein soll, wird das auch klappen. So schnell modernisiert sich das Gesundheitswesen auch nicht.



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  4. #4
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    Zitat Zitat von GelbeKlamotten Beitrag anzeigen
    Tja, alle wollen immer Garantien. Das ist irgendwie ein typisch deutsches Problem. Und ich schließe mich da selbst mit ein.

    Ich kenne mich mit Labormedizin jetzt nicht wahnsinnig gut aus, aber da ist doch schon jetzt vieles automatisiert. Wenn noch mehr manuelle Tätigkeiten wegfallen, würde ich vermuten, dass das eher zulasten der MTAs als der Ärzte ginge. Es heißt doch immer „der Laborarzt unterschreibt nur“ ;)
    In 6 Jahren wird man immer noch jemanden brauchen, der Befunde auf Plausibilität prüft, da habe ich keine Zweifel. Eine rein automatisierte Diagnostik kann auch schnell komplett aus dem Ruder laufen.

    Kann dir jemand garantieren, dass du nach dem Studium ausgerechnet in diesen Fachrichtungen eine Stelle bekommst? Nein. Wahrscheinlich wirst du eine bekommen, vielleicht aber auch nicht.

    Vielleicht sind in 6 Jahren auch wieder haufenweise deutsche Ärzte arbeitslos, weil so viele Ärzte aus Kolumbien, Indien und China nach Deutschland einwandern, dass nur noch Psychiatriestellen für Deutsche bleiben, weil man da die besten Sprachkenntnisse braucht. Alles möglich.

    Und die richtige Frage sollte auch nicht lauten „braucht man in 6 jahren überhaupt noch labormediziner“. Sie sollte lauten „braucht man über die nächsten 30-40 Jahre noch Labormediziner“. Die Antwort lautet sehr wahrscheinlich: Labormediziner mit den gleichen Tätigkeiten wie heute nicht. Labormediziner, die sich mit ihrer Fachrichtung weiterentwickelt haben schon.

    Genauso wenig wird dir jemand garantieren können, dass du mit einem Physikstudium eine Stelle bekommst, mit der du glücklich bist.

    Hast du denn schon mal einen Labormediziner bei der Arbeit gesehen oder wie kommst du drauf, dass das dein Traumjob ist?
    Danke für deine Antwort.
    Ich habe vor einiger Zeit einmal ein kurzes Praktikum im Bereich "klinische Chemie" gemacht und bin so durch Zufall tatsächlich einmal in einem sehr großen Labor gelandet, in dem auch die entsprechenden Fachärzte arbeiten. Speziell in diesem Labor war es aber bereits so, dass es zwar sehr viele Angestellte gab, davon jedoch nur ein Bruchteil tatsächlich Mediziner waren. Viele "einfache" Aufgaben wurden von MTAs übernommen und alles was darüber hinausging und nicht schon maschinell bewerkstelligt werden konnte wurde hauptsächlich von studierten Chemikern erledigt. Der Großteil der Ärzte hat höchstens die Hälften der Zeit tatsächlich im Labor verbracht und sich daneben mit administrativen Aufgaben, Qualitätsmanagement und Forschung bzw. Automatisierung beschäftigt. Alles in Allem habe ich deren Aufgaben jedoch als sehr abwechslungsreich erlebt und könnte mich selbst durchaus in deren Rolle sehen.

    Das ich jetzt aber so auf die Laboratoriumsmedizin fokussiert bin, liegt in meinem Fall wahrscheinlich eher daran, dass ich zwar gerne im medizinischen Bereich arbeiten würde, allerdings keinen (intensiven) Patientenkontakt haben möchte. Für mich mit meiner Sozialphobie werden Pflegepraktikum und Famulatur wahrscheinlich schon nicht gerade spaßig werden.
    Nun müsste ich natürlich nicht unbedingt praktizierender Arzt werden. Hauptberufliche Forschung würde mir beispielsweise noch viel besser gefallen. Hier macht es meiner Meinung dann aber nur noch einen geringen Unterschied, was man studiert hat; die Arbeitsbedingungen sind in allen Bereichen der Forschung einfach derart katastrophal, als dass ich mir das nicht ein Leben lang vorstellen kann.
    So bleibt letzten Endes einfach nicht mehr viel anders übrig.

    Und ja, das mit den Garantien ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Nichtsdestotrotz kann ich nicht ohnehin, mal einen Gedanken daran zu verschwenden. Würde sich für mich beispielsweise keine Möglichkeit ergeben, ohne Patientenkontakt zu arbeiten hätte ich vollkommen umsonst Medizin studiert, da ich als Internist, Chirurg und was es nicht noch alles gibt, ungeeignet wäre.



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  5. #5
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    Ähm also dein plan klingt nicht schlecht, aber wenn eigentlich eher Physik dein Hauptinteressengebiet ist und du da gut bist würdest du auch da in der Wirtschaft was finden. Klar, es könnte sein dass du vorher deinen Doktor machen musst um was gutes zu finden, aber das machen in den Naturwissenschaften sowieso die meisten und bekommen es auch gebacken. Du musst letzten Endes nur entscheiden, welcher Weg dir lieber ist, denn die Wege eines reinen Naturwissenschaftlers und der eines Arztes differieren doch meist deutlich. Und ja, Risiko wirst du immer haben, willkommen im Leben

    Hast du denn mal mit einigen Physiker gesprochen die da sind wo du hin willst? Und nicht nur im Internet Artikel gelesen? Das würde ich machen. Erfahrungen aus erster Hand sammeln. . Wenn die deine Befürchtungen bestätigen und es sonst keinen Plan mehr gibt kannst du dich immer auf Medizin fokussieren.Hjer wirst du nämlich einiges an Patientenkontakt haben, viele Monate lang und so wie du das schilderst könnte das echt schmerzhaft für dich seines klingt für mich nämlich so als würdest du wirklich lieber Physik machen und lässt irgendwelche Ängste dich daran hindern. Also wie gesagt schau erstmal ob diese Ängste berechtigt sind und besorg dir Erfahrungen aus erster Hand.


    Ps: ich bin deswegen so verwundert weil ich einen Physiker kenne und der hat sogar nur mit Bachelor einen job in der Wirtschaft gefunden, muss aber zuzugeben ich kenne nur diesen einen Physiker und habe da sonst keinen weiteren Einblick.
    Cool, es gibt hier ja ne Signatur. Entspannt.



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