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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #46
    Registrierter Benutzer
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    Zitat Zitat von DonatusvHB Beitrag anzeigen
    Vielleicht habe ich es auch überlesen, aber ich würde dir empfehlen, nochmal genau zu analysieren, wie du zu deinem Status quo gekommen bist.
    - Wer wollte ich mit Abschluss in der Tasche sein und warum glaube ich jetzt nach ein paar Jahren Studium und Praktika, dass ich nicht zufrieden sein würde? (Status)
    - Wie wollte ich alltäglich arbeiten? (Erwartung damals, Realität jetzt)
    --> Erwartung Status und alltägliche Tätigkeit fürs Medizinstudium/Arztsein mal mit deinem Psychologenplan vergleichen, könnte sein, dass die Diskrepanz am Ende ziemlich ähnlich ausfällt und du jetzt schon dein "Unzufriedenheitsmuster" erkennen kannst.
    Das hab ich jetzt erst verstanden. Okay mache ich.

    Zitat Zitat von DonatusvHB Beitrag anzeigen
    Ich finde auch, wie einige Vorredner, dass du enorm nach Unabhängigkeit strebst. Völlig konträr dazu denkst du, dass sich die Befriedigung dieses Bedürfnis für die nächsten mind. 12 Jahre ausschalten lässt mit der Aussicht auf Belohnung danach. Ob dich das Danach dann überhaupt befriedigt, oder du genauso unzufrieden bist, wie jetzt (allerdings noch +12 Jahre Frust in den Knochen), zweifelst du aber gar nicht an. Da scheint der Wunsch nach dem grüneren Gras auf der anderen Seite einfach extrem groß zu sein. Ich finde es unrealistisch, zumal die Bereitschaft, sich für ggf. sogar jüngere Vorgesetzte/Prüfer etc. zum Deppen zu machen, mit Mitte-Ende 30 auch deutlich sinkt.
    Ich hab mich glaube ich auch ein bisschen in dieser Rolle verheddert. Man hört nur oft von der krassen Arbeitsbelastung. Generell kann ich gut arbeiten und habe nur Angst, dass ich dann unglücklich bin, weil ich meine Zeit mit etwas verbringe, dass mich ästhetisch nicht anspricht. Ich kann sehr fleißig sein.

    Zitat Zitat von DonatusvHB Beitrag anzeigen
    Was du dich bzgl. der Erfolgsprognose deines Vorhabens noch fragen solltest:
    - Warum bin ich mit Ende 20 noch nicht mit einem Bachelor (6 Semester = 3 Jahre Regelstudienzeit) fertig?
    - Ist es realistisch, dass ich die diesbezüglichen Hinderungsgründe für das geplante Medizinstudium (12 Semester = 6 Jahre Regelstudienzeit) überwinden kann? Falls nicht: Kann ich meinen Plan auch trotz einer deutlich überschrittenen Regelstudienzeit realistisch durchziehen?
    Ich hab mein Abi nachgeholt, das hatte ich mit 24 erst. Dann habe ich in dreieinhalb Jahren den Bachelor gemacht. Abinote war 1,0, Bachelornote 1,3. Ich denke schon, dass das leistungsmäßig i.O. wäre.

    Ich finde das total schwierig, weil es am Ende eine Argumentation über Ästhetik und Interessen ist. Und das kann ja niemand für mich beantworten, ob ich mich fehl am Platz und unglücklicher fühle, weil ich kolonchirurgische Operationstechniken auswendiglernen muss oder weil ich am Ende in einer Karriere stecke, die mich niemals befreien kann von den Zwängen der Mittelschicht und der drohenden Durchschnittlichkeit. Ob ich unglücklicher bin, weil ich keine Zeit mehr habe, Jazzsaxofon zu lernen, einen Fotografieband zu veröffentlichen und neue Bekanntschaften auf Open-Airs zu machen, oder weil ich meine Zeit nie genutzt habe, um beruflich Positionen erreichen zu können, auf die ich sonst nur neidvoll blicke.

    Ich sehe das zu sehr schwarz-weiß, glaube ich auch. Ich denke, im Nachhinein werde ich mit beidem leben können, nur das ich am Ende bei Medizin perspektivisch mit ein paar mehr Privilegien rausgehe. Die letzte Bedingung bleibt deshalb: Finde ich den menschlichen Körper und dessen Behandlung interessant genug, um mich damit jahrelang intensiv auseinanderzusetzen? Wenn ja, dann ist es logisch, jetzt noch Medizin zu machen, wenn nicht, dann nicht. Bei der Konklusion bin ich im letzten Beitrag schon angekommen. Dein Beitrag hat mich nun noch dazu gebracht, noch einmal die naiven Vorstellungen vor dem Studium mit der Realität danach abzugleichen. Ich vermute aber, es wird mich trotzdem nicht davon abbringen können. Mich fasziniert die Vielseitigkeit, und "nur" Psychotherapie anbieten zu können, das fände ich auf Dauer vielleicht zu ermüdend. Als Psychiater rotiere ich durch die Stationen, schreibe Gutachten, passe die Medikamente an, mache körperliche Untersuchungen usw. UND therapiere. Das ist doch viel cooler! Und ich kann am Ende, wenn ich möchte, auch einfach nur therapieren . Und dann sogar noch die Medikamente mit der Patient*in gleich mitplanen . Wenn ich will, könnte ich sogar selbständig augmentierte Psychotherapie anbieten! Und ich hätte zwei Uniabschlüsse. Und könnte ein ganz neues intellektuelles Feld beschreiten. Und bestimmt ist es dann auch einfacher, seine Gedanken im öffentlichen Diskurs zu platzieren. Hoffe ich.
    Ich will am Ende nur nichts bereuen. Das Leben ist kurz. Ich hoffe sehr, ich schaffe es, nun eine Faszination für den Rest der (somatischen) Medizin ausreichend entfachen zu können. Alles Gute!



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  2. #47
    Diamanten Mitglied
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    3. WBJ Psychiatrie
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    Du siehst das tatsächlich sehr schwarz/weiß. Man kann auch als Arzt viel Freizeit haben. Man kann sich auch als Psychotherapeut völlig in seine Arbeit reinsteigern.

    Die "Zwänge der Mittelschicht und der drohenden Durchschnittlichkeit" betreffen die große Mehrheit der Ärzte ganz genauso.

    Es besteht meines Erachtens die Gefahr, dass du immer unzufrieden sein wirst, egal was du tust. Du wirst damit leben müssen, dass es im Leben viele Dinge gibt, bei denen andere besser sind, dass es im Leben viele Dinge gibt, die für einen unerreichbar bleiben. Je früher du das akzeptierst, desto eher wirst du ein glückliches Leben führen können.

    Das Medizinstudium schaffen wirst du garantiert, das ist mit deinen Noten überhaupt kein Problem.



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  3. #48
    Registrierter Benutzer
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    23.05.2012
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    70
    Schalte mich einmal kurz mit ein - ich selbst habe mein Psychologiestudium abgebrochen und bin zur Medizin gewechselt, kenne also einige Aspekte in deiner Argumentation und weiß von so vielen Psychstudenten, dass sie auch viel gestruggelt haben (Vergleich der Position von Arzt vs. Psychologe sowohl in der Klinik, als auch in der Wissenschaft - obwohl Psychologen wirklich deutlichdeutlichdeutlich besser ausgebildet sind für die Forschung -, Psychotherapeutenausbildung für Psychologen mit heftigen Schulden verbunden, Ärzte kriegens quasi ,,hinterher geschmissen" und bezahlt, ich hatte ganz genau die gleichen Gedanken, verstehe dich sososo gut!). Für mich war der Wechsel zu Medizin absolut das beste was mir passieren konnte!
    Ich habe jedoch vor dem Wechsel viel recherchiert, viel mit Ärzten und Psychologen gesprochen und sogar ein Praktikum in der Klinik gemacht.
    Außerdem war ich absolut gewillt und motiviert, ein Studium auf mich zu nehmen, das in den ersten Semestern tendenziell arg ätzend sein kann und für viele ist, im Laufe viele unbezahlten Praktika erfordert, gefühlt ewig lange geht, und wie ich empfand auch spürbar anstrengender als das Psychstudium ist.
    Ich wäre mit Psychologie vermutlich nicht so glücklich geworden, im Nachhinein haben die vielleicht die besseren Arbeitszeiten und auf lange Sicht auch Arbeitsbedingungen, dennoch interessiert mich Medizin so viel mehr als die reine Psychologie.

    Könnte da jetzt ewig drüber philosophieren, eigentlich will ich nur sagen: ich kanns nur empfehlen und merke immer wieder, wie schwer es die Psychologen in der Klinik haben im Vergleich zu Ärzten (leider! Scheiß System..), deine Einstellung zum Studium und zur Weiterbildung solltest du allerdings vielleicht überdenken da haben aber die anderen ja schon ausführlich drüber geschrieben.



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  4. #49
    Registrierter Benutzer
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    14.06.2019
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    24
    Ich habe jetzt nur den allerersten Beitrag gelesen sowie die letzten 2 Seiten des Threads. Aber ich erkenne mich sehr wieder in der Situation des Threaderstellers. Habe auch Psychologie studiert, den Bachelor und auch den Master abgeschlossen und dann noch mit Medizin angefangen. Im Psychologiestudium fand ich biologische Psychologie / Neuropsychologie das langweiligste überhaupt und generell war ich nie naturwissenschaftlich interessiert. Und auch ich habe den großen Drang nach Freiheit und kann 9-to-5-Jobs nicht ausstehen und hatte große Widerstrebungen gegen die Ausbeutung sowohl in der Wissenschaftskarriere als auch der Psychotherapeutenkarriere.

    Ich habe mir enorm viele Gedanke gemacht um diese Entscheidung, bin dadurch auch wirklich selbst etwas in eine psychische Krise gekommen, da ich dann auf einmal bei allen Wegen nur noch die Nachteile gesehen habe und die Nachteile gegeneinander abgewogen habe... schrecklich!

    Was wichtig ist: Bewirb dich zum Ende deines letzten Bachelorsemesters auf den Medizinstudienplatz. Dann zählst du nämlich noch nicht als Zweitstudienbewerber, auch wenn du im Zeitraum zwischen Absenden der Bewerbung und Erhalt des Studienplatzes noch das Studium abschließt. Dann hast du den Bachelor sicher und kannst einfach einmal Medizin ausprobieren. So habe ich das auch gesehen: Ich werds nur rausfinden, wenn ich es einfach mache. Und wenn ich nach 2 Semestern merke, dass es totaler Mist ist, dann kann ichs immer noch abbrechen und mit der Psychologie-Karriere weitermachen! Du hast hier kein Risiko, einfach mal probieren und schauen wie es ist. Zudem wusste ich, dass wenn ich das mit Medizin nicht jetzt probiere, ich mir noch jahrelang Gedanken in die Richtung "was wäre gewesen, wenn ..." gemacht hätte.

    Wenn du örtlich flexibel bist, dann umso besser. Ich habe mir gezielt einen Modellstudiengang ausgesucht, der einige Annehmlichkeiten bietet, die es so an anderen Unis nicht gibt. Hier lohnt es sich verschiedene Modellstudiengänge zu vergleichen.

    Letztendlich kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung bin. Das Studium ist wirklich viel besser als ich es mir ausgemalt hatte! Mir ist klar geworden, dass meine Abneigung gegen Naturwissenschaften vor allem auch daher gekommen ist, dass ich an der Schule damals nur schlechten Unterricht in diesen Fächern hatte, der mich überhaupt nicht motivieren konnte. Klar ist Chemie bzw. Biochemie nicht plötzlich zu meinem Hobby geworden, aber es ist so viel einfacher zu lernen, als ich es damals in der Schule wahrgenommen habe. Einfach, weil ich Dozenten habe, die das wirklich gut erklären, die einen Aha-Effekt auslösen. Es gibt immer Themen, die etwas trocken sind und durch die man sich durchkämpfen muss, aber meine Sorge von dem todlangweiligen Vorklinikteil war im Nachhinein total unbegründet.

    Ich würde meine Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Lass dich drauf ein, beginne mit Medizin und du wirst merken, wie sich von ganz allein neue Ziele und ein neuer Fokus im Leben ergibt. Es ist auch irgendwie schön, mehr an das nächste Testat, an die nächste Prüfung zu denken statt an irgendwelche Mittelschichtsthemen oder Zukunftsspinnereien. Denn meist entwickeln sich solche Hirngespinste doch vor allem dann, wenn man gerade sonst im Leben keine akuten Herausforderungen hat. Da entwickelt man sich dann seine künstlichen Probleme und denkt sich Dinge zusammen, die rückblickend betrachtet echt Stuss gewesen sind.



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