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Forensuche

Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Ich habe ein großes Problem:

    Weiß nicht an wen ich mich wenden soll, außer an euch.

    Allen, denen ich davon etwas erzählt habe, verharmlosten meine Probleme
    oder schürten meine Ängste.

    Montag gehts los mit dem 1.Semester in Hannover.
    Abi 2,6 in Berlin gemacht, kein Wartesemester, gleich Teilstudienplatz bekommen. Ich bekam Mittwoch erst die Zusage, auf die Schnelle
    wurde alles besorgt . Komme bei Bekannten die ersten Wochen unter.

    Eltern waren begeistert. Ich war überascht. Bei den Meldungen:

    "...hab 1.9er Abi in Baden-W. gemacht, warte schon 4 Semester,
    würde auch überall hingehen, habe nichts bekommen...", erwischt es
    ausgerechnet mich. Ich muß dazusagen, dass ich mich nur fürs Medizinstudium beworben habe, sonst für keine andere Ausbildung oder Studium. Habe meinen Eltern immer gesagt, daß man zwar vorher nicht
    wissen kann ob man genommen wird, aber das es für mich vielleicht für ein Auswahlgespräch reicht.

    Wenn mich meine Eltern fragten, was ich denn nach dem Abi machen wolle,
    sagte ich immer: "Arzt werden."-"Und wenn du nicht genommen wirst?"-
    "Werde ich den Beruf Arzt "reinschnuppern" und ne Ausbildung zum Sanitäter
    machen". Wenn ich damit nicht klarkomme, täglich Blut, offene Wunden und
    und menschliches Leid zu sehen, würde ich es als Sanitäter schon mitkriegen,
    ob mir der Beruf Arzt liegt. Hatte auch schon Geld für die Ausbildung gespart.


    Trotzdem bewirbt man sich ja bei der Zvs, dachte mir nach dem Motto:

    "Vielleicht klappts ja irgendwie, der liebe Gott wirds schon richten".

    Wäre ja dumm, mich gar nicht zu bewerben, auch wenns schlecht aussieht.
    Hatte insgeheim aber die Befürchtung, daß es höchstwahrscheinlich
    (mit 2.6er Abi) nicht mal für ein Auswahlgespräch reicht. Wollte meinen
    Eltern und mir aber nicht die Hoffnung nehmen und dachte:
    "Vielleicht hast du ja Glück, bist einer der allerletzen Bewerber fürs
    Auswahlgespräch und irgendwie -super tag erwischen- -spitzenprofs
    kriegen- wählen sie mich als einen geeigneten Kandidaten aus. Laß erst
    mal alles auf dich zukommen und warte ab, was die Zvs dir schreibt.
    Um die Sanitäterausbildung kannst du dich nach der Absage der Zvs
    kümmern."

    Gleichzeitig hörte ich aus Foren und von einem Bekannten, der ein Auswahlgespräch bekam, daß selbst die Chance beim Auswahlgespräch schlecht stehen, wenn man nicht sehr souverän auftritt und messerscharfe Vorstellungen vom Arztberuf hat. Würde mich zu keinem der beiden Eigenschaften zählen.



    Hatte somi bei mir mit mind. 4-6 Wartesemestern gerechnet und so auch fest auf Sani-Ausbildung und diese "Schnuppergelegenheit" spekuliert.
    "Kommst du mit den Belastungen nicht klar, machst du halt was anderes,
    z.B.: Bankkaufmann", dachte ich mir.



    Habt jetzt bitte bloß nicht die Meinung: "Die Pfeife kriegt mit 2,6 nen Studienplatz,ist sich nicht mal sicher ob er Medizin studieren will, hat jetzt
    kurz vor Beginn noch Zweifel, kommt nicht mit Leichen klar und Schädel aufsägen, hat sich nicht mal richtig über das Studium informiert, ich dagegen habe 1,5er Abi in Bayern, würde alles für einen Platz tun und könnte bei
    ner Rückenmarksspreizung sogar frühstücken. Soll er lieber zur Bank gehen."


    Im September kam dann auch die insgeheim befürchtete Absage.
    Mein Rang war niederschmetternd, sowohl nach Note, als auch nach Wartezeit. War aber nur 30 Plätze vom Auswahlgespräch entfernt.

    "Ab gehts zur Sani-Ausbildung. Wenn du während der Ausbildung ein
    Auswahlgespräch erhälst, wäre das ja schon mal ein Silberstreif
    am Horizont. Bis zum Auswahlgespräch in frühstens einem halben Jahr,
    wirst du schon gemerkt haben, ob du immer noch Arzt werden willst."


    Jetzt kommt mein Dilemma:

    1.Habe eigentlich keine Probleme mit Blut, Erbrochenem, etc., halt allem was der "Normalmensch" ab und zu mal im Alltag sieht. Gehört
    halt alles zum Leben mit dazu. Außnahme: Zahnarzt da bin ich nur
    selten, vielleicht liegts daran, daß man da selbst betroffen ist.

    Habe einige Ärzte gefragt, in Foren nachgeschaut, meine Cousine
    (Krankenschwester) berichtete mir, wie es mit dem "Ekelfaktor"
    ausschaut. (Wahrscheinlich nicht der richtige Begriff, aber für Laien,
    der Begriff mit dem man halt die Autopsien, Histologie, die allerste Operation,
    den ersten gestorbenen Patienten am besten zusammenfasst. Der Begriff
    soll bitte nicht distanziert, unreif oder abgehoben klingen)

    Cousine: "Autopsie war schlimm bei ihr, schafft man aber. Sie macht Kinderstation. Das allererste gestorbene Kind setzte ihr auch sehr zu.
    Manch schlimme Hautkrankheit bei Babys. Erfolge bei Heilung überwiegen aber
    Trauer. Man wächst mit den Aufgaben." (Ihr Tenor zum Medizinstudium)


    Meinung der Ärzte: "Alles halb so wild.-Man stumpft ab-. Bei der ersten Leiche
    wird jedem schlecht, mir auch-hatte auch bedenken,mach dir keine sorgen-
    der beste Spruch: "Das bißchen Blut im Studium"-

    Habe aber auch Sätze gehört, wie z.B: "Ich würds nicht mehr machen, wollen,hätte ich das alles vorher gewusst (auch von Studenten)- viele fanden
    es auch traurig, wie schnell man selbst abstumpfen kann.- Ganz schon krass
    (im Bezug auf den Ekel) in den ersten Monaten."

    Summa summarum: So viele ich befragte, so viele verschiedene Meinungen
    erhielt ich. Zwischen sehr positiv, eigentlich positiv, mit doch recht schlimmen
    Einschränkungen, bis fast Ekel pur (hat auch Studium abgebrochen).

    Mein Onkel (Arzt): "Ach, selbst in meinem Studium haben die jungen, zierlichen
    Damen sich so sehr in den ersten Anatomiestunden geekelt und die haben es auch gelernt. Das schaffst du dann auch."

    Hab auch von absoluten Horrormeldungen gehört: "Als Begrüßung für die Erstis
    lagen Kopf inklusive Wirbelsäule (aber nur die Wirbelsäule) in einem Eimer.
    Profs lachten sich halbtot, Erstis rannten schreiend raus.

    Habe (verständlicherweise) noch nie bei Operationen zugucken dürfen,
    geschweige denn mal eine richtige Leiche gesehen. Mache ihr mir ganz komische Sorgen gerade,auch weil der Termin so plötzlich nach vorne gerückt ist. Halt nicht meht 4-6 Semester warten, sondern Montag gehts los.

    Immer wenn ich Bedenken geäußert habe, ob ich mit Leichen aufschneiden, Tod, immenser Verantwortung, etc. fertig werden würde, wurde ich von Ärzten (Verwandte, Nachbarn, Hausärzte, aber halt Menschen die mich kennen oder mir nahe stehen) mit den Worten "das schaffst du schon,
    bewirb dich ruhig" beschwichtigt.


    Seit meiner Zusage am Mittwoch beschleichen mich die wirklich die schlimmsten Szenarien in meinem Kopf. Ich schlafe kaum noch und mach mir ständig Gedanken:

    (ist jetzt übertrieben, aber so stellt man sich das in der eigenen Fantasie vor)

    Ich, stolz wie Oskar, bald anderen Menschen helfen zu können, die negativen
    Seiten des Berufes bei der Bewerbung ausgeblendet, ordentlich "aufgetankt"
    mit Worten wie "das schaffst du schon" und "ich bin stolz auf dich", meiner Meinung nach viel zu wenig über den Beruf Arzt aufgeklärt (hab dieses Gefühl aber erst seit der Zusage), mit großen Erwartungen, wahrscheinlich vielen falschen Vorstellung, stehe dienstag morgen mit Kittel da und falle vor
    Ekel aus den Turnschuhen, wenn der Prof. im Anatomiekurs das Skalpell nur
    ansetzt. Und drei Tage später heißt es: "So, jetzt dürft ihr mal am Arm schneiden oder jetzt sägen wir mal die Schädeldecke auf."

    Habe sowas noch nie gesehen. Kann mir auch nicht vorstellen, daß ich
    der einzige bin der sich Sorgen macht. Stelle mir gerade da die grausamsten
    Sachen im Studium vor.


    Solche Sätze im Forum: (sinngemäß)

    "War enttäuscht, daß so viele in xxx
    da waren, konnte gar nicht genau sehen wie der Schädel aufgemacht wurde."

    "Ich beruhigte mich erst als die Flüssigkeit beim ersten Schnitt so glibbrig
    hinausquoll"

    Momentan stelle ich mir vor ich, daß ich verdammt froh wäre, wenn ich beim
    Schädel öffnen in der letzten Reihe stehen würde und es mich eher beunruhigt wenn irgendein Gewebesaft irgendwo rausquillt.

    Der Hammer für mich:

    "Ja, nach der Anotomie beerdigen wir die eingeäscherte Leiche zusammen mit den Verwandten", klang beim Verfasser im Forum so nüchtern wie die Beschreibung eines Films

    Hab ich bis Mittwoch auch nicht gewusst.
    Da wird mir ganz anders. Mir steht die Witwe gegenüber und weint bitterlich.
    Wir haben 30 Minuten vorher ihren Mann "geöffnet".
    Ich habe da doch mehr Distanz zum Tod. Wenn ich bei Patienten operieren muß, ist das eine Sache, aber bei Toten "rumschneiden"?


    Hab erst eine Beerdigung in meinem Leben erlebt, war aber ein ganz schlimmes Erlebnis meiner Kindheit (war mein Onkel),
    und das jetzt jede Woche. Nein Danke.


    Sollte ich da ganz schnell nicht ganz massiv abstumpfen, bin ich in 3 Wochen
    weg. Vielleicht mache ich mir da selbst zu viel Angst. Wenn nicht wird sich
    ein Nachrücker freuen. Hoffe, daß meine medizinische Neugier den Ekel überwindet. Dann braucht es toughere Menschen, als mich, um diesen Beruf auszuüben.

    Beim Abi haben wir im Biologieunterricht Tomaten für Genetik aufgeschnitten, ein halbes Jahr später soll ich Brustkörbe öffnen. (Klingt jetzt lustig, ist doch aber so)

    Ich wollte eigentlich Pädiatrie oder Frühchenstation als Arzt machen. Ich war selbst eine Frühgeburt und bin dem Tod mehr als einmal von der Schippe
    gesprungen. Wenn mir mein Vater als Kind immer von den Ärzten, den vielen
    Schwestern und dem Krankenhaus erzählte und wie ich gerettet wurde,
    wußte ich, daß ich auch kleinen Frühchen helfen wollte.


    2. Problem:

    Meinungen meiner Umwelt:

    "super, hast ja doch noch platz bekommen, xxx
    war viel besser als du, und wartet immer noch"

    meine Eltern sind fast aus dem Häuschen gesprungen, als die zusage so
    unverhofft kam :

    -"Wir sind so stolz auf dich"
    -"mein Sohn wird Arzt, ich kanns nich gar nicht glauben"
    -"Ich weiß, daß du das schaffst"
    -"deine Chance im Leben"
    -"dein Opa war auch Arzt, der hätte sich riesig gefreut, wenn er das jetzt wüßte"
    ...

    So wird langsam, aber sicher der Druck auf mich größer.
    Nach der Absage im September war meine Eltern sehr traurig,
    seit Mittwoch herrscht hier eine Atmosphäre wie bei Mary Poppins.

    3. Wieder eine meiner Fantasien:

    Morgens 6 Uhr aufstehen, 8 Uhr Uni Anfang 17 Uhr zu Ende. Noch bis 21
    Uhr lernen, schlafen, nächsten Tag dasselbe. Alle Freunde und Verwandte in Berlin. Toll. Wochenende: lernen.

    Ich mühe mich trotz Ekel 2 Semester ab, habe irgendwann die Schnauze voll,
    weil ich den Arztberuf vielleicht zu idealisiert gesehen hab
    und breche ab. Die Wartesemester gehen flöten, falls ich irgendwann mal was
    anderes in meinem Leben studieren möchte.Und meine Eltern, mit großen Erwartungen, die mich finanziell unterstützen, fallen aus allen Wolken.
    Habe mich sonst nirgenswo anders beworben. Schlage ich meinen Platz heute aus, bin ich wieder arbeitslos. Habe dann aber keine Wartesemester verloren.
    Mache dann nichts und fang wieder von null an.

    4. Lernpensum

    Da hört man ja auch alle Nase lang anderes.
    "Manche Sachen kann man gar nicht komplett lernen, da muß man einfach
    irgendwas abhaken"

    "Für die Prüfung (war auf jeden Fall keine Große) mußte ich so viel lernen, wie für mein Abi" (Forum)

    "Medizin, sehr schwer, muß man voll dahinter stehen, damit man das Pensum
    schafft" (Na toll, und ich hab Zweifel)

    Habe für mein Abi schon eine Menge lernen müßen, und dazu waren die Lehrer
    schon relativ großzügig und haben viel ausgelassen.
    Sonstige Klausuren habe ich wirklich nie gelernt, wenn überhaupt mal eine Stunde, lerne viel eher durch zuhören im unterricht, als durch angucken.
    Da werden mir Scripte nicht viel weiterhelfen.

    Hab mir mal Histo-Sachen (nur Text) angeguckt.
    Sollte man vielleicht nicht machen, wenn man gerade zweifelt.
    War alles auf einer Seite (kurz!) zusammengefasst. Der Scrollbalken war
    sehr klein. "Die xxx mit den xxx bei den xxx usw."
    Mein erster Gedanken: Ach du Sch...
    Das waren in Bio immer die Themen, die, wenn sie die Lehrer nur ankratzten
    alle "Oh Gott" schrien. Und die dann auch durch Desinteresse der Lehrer
    schnell wieder verschwanden, obwohl im Biobuch ein Zehntel des Themas steht.

    Vielen Dank fürs Lesen. Ich hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen.
    Bin noch keinen Tag da, und schon gehen mir Zweifel oder schlimme Fantasien
    durch den Kopf.

    Vielleicht hattet ihr ja ähnliche Bedenken oder eine ähnliche Problemkonstellation.

    Mfg

    Dr. Jekyll



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  2. #2
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    Moin

    Das is ja mal ein Riesenbeitrag.

    Es ist sicherlich nicht schlimm, dass du dir vorher soviele Gedanken machst, so ist dass nunmal, wenn ein Neuer "Lebensabschnitt" anfängt. Aber ich kann dir nur Raten, Warte ab, lass dich überraschen und mach deine eigenen Erfahrungen. Du kannst doch nicht wissen, ob du viel oder wenig lernen musst, nur weil ein anderer es für viel oder wenig hält, versuch es einfach. Und genausowenig kannst du dir über Ekel etc Gedanken machen, und auf fremde Erfahrungen hoffen. Du wirst es sehen...

    Ich habe vorher einige Jahre im Med Bereich gearbeitet, und meine Erfahrungen vorher gemacht, aber genauso Standen am Präptisch neben mir 19 Jährige, die das erste Mal eine Leiche gesehen haben. Du wirst es merken wie du reagierst, zumindest wir sollten erstmal nur rumstehen und die leiche anschauen, und sie berühren, habe ein wenig darüber gesprochen, und dann erst angefangen,....Es wird den meisten so gehen wie dir. Und die die irgendwelche Horrorgeschickten über den Kurs etc erzählen, ham es wahrscheinlich am wenigsten verarbeitet, lass dir nix einreden. Und unterschätze nicht das gleichzeitige Lernen, wenn du anfängst irgendwelche Strukturen erkennen zu wollen, Muskeln etc, dann wird die Tatsache "Leiche" in den Schatten gerückt.

    Mach dir keine Sorgen wegen dem Lernen. Es wird sicherlich mehr als im Abi, aber man lernt zu lernen. Vor einigen Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich soviel lernen kann, und es wird immer mehr...
    Und wegen dem Präp-Kurs, mach dir keinen Kopf, es wird allen so gehen, und ihr werdet es zusammen machen...

    Hoffe ich konnte dir hlefen

    Gruss



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  3. #3
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    Kann das schon alles gut nachvollziehen...
    Muss aber vorneweg, dass ich schon ein wenig neidisch auf dich bin...hab 2,4 Abi ebenfalls in Berlin und keinen Platz...ist frustrierend dich so zu hören, aber ich versteh schon, was du meinst.
    Ich persönlich habe eigentlich keine Probleme mit dem was du beschrieben hast, überlege sogar die Chirurgie anzupeilen, wenn ich dann irgendwann mal fertig bin...
    Ich denke schon, dass du den Platz erstmal annehmen solltest...so leicht bekommt du nicht nochmal die Chance Medizin zu studieren und die Sanitäter Ausbildung kannst du immer machen wie auch Bankkaufmann werden. Ich glaube nicht, dass es übermäßig schwer ist daran zu kommen auch mit einem 2,6 Abi und ohne Wartesemester, da die ja dann wegfallen würden. Versuch doch einfach Medizin mal, es muss dir doch auch nicht unangenehm sein, wenn dir ein wenig mulmig wird wenn du die Leichen u.Ä. siehst bzw. mit ihnen arbeiten sollst.
    Wenn du merkst du schaffst es nicht, dann kannst du aufhören, wenn du dich nicht durchquälen willst...Allerdings kannst du als Arzt selbst entscheiden, was für ein Feld du einschlagen willst bzw. wieviel Blut du letztendlich zu sehen bekommst.
    Und bei den "Ekelfaktor"-Angelegenheiten musst du nur daran denken, dass es einem guten Zweck dienst, man muss das eher wissenschaftlich betrachten und dann macht es die Sache schon einfacher, denke ich. Du fummelst da schließlich nicht zum Spaß rum, sondern machst etwas Gutes...
    Also, mein Tipp für dich: FANG ERSTMAL AN!!! Es hat schon alles seinen Grund, wieso gerade DU ausgelost wurdest
    Du wirst in Hannover schon neue Freunde finde, das ist doch klar und ein wenig Freizeit bleibt immer. Mein Bruder studiert auch schon eine Weile Medizin und obwohl es sicherlich eine Menge Arbeit ist, man findet auch Zeit für sich...vielleicht ist das bei jedem auch anders, aber das sollte dich wirklich nicht daran hindern.
    Du solltest dich auch wirklich nicht von deinen Eltern unter Druck setzen lassen..schließlich ist alles deine Entscheidung und deine Eltern würden niemals wollen, dass du unglücklich in deiner Zukunft bist...auch wenn sie das vielleicht nicht immer zeigen...
    So...ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen, obwohl letztendlich alles bei dir liegt! Sag Bescheid, was du machst.



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  4. #4
    its-knecht Avatar von Xela
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    hey jekyll!

    ich will jetzt gar nicht so detailliert eingehen, auf alles was du schreibst, habe leider nicht so viel zeit.

    ABER: die sorgen, die du dir machst sind zwar nachvollziehbar, aber wirklich nicht berechtigt. ehrlich. beruhige dich, werd nicht panisch. (das ist jetzt nicht bös gemeint, ich hab halt das gefühl, dass du dich da gerade in eine hysterie reinsteigerst.) viele dinge, die du da beschreibst laufen nicht so ab wie du dir sie vorstellst.

    da gibt es keine fiesen profs, die dir am ersten tag ne wirbelsäule in die hand drücken. statt dessen lernst du jede menge gleichgesinnter kennen, die auch alle etwas nervös sind weil sie nicht wissen, was ihnen bevor steht. profs siehst du erstmal nur aus weiter ferne.

    da werden nicht irgendwelche schädel gespalten und es tritt auch nirgendwo schleimig-siffige flüssigkeit aus. das passiert vielleichtim kinofilm anatomie, aber in echt war das alles doch viel würdevoller und auch nicht schleimig-schockig. statt dessen sind wir sehr langsam an die anatomie rangeführt worden, bei uns gabs im ersten semester z.b. nur knochen zu sehen und das auch erst am semesterende. (kann bei euch natürlich anders sein, aber auch dann wirst du nicht am ersten tag in den präpsaal müssen. [kittel also erstmal zu hause lassen!])

    du wirst auch nicht bei einem gerade erst verstorbenen eine autopsie durchführen. das macht die rechtsmedizin mit der hast du erstmal eh nichts zu tun. in der anatomie werden die leichen mindestens ein halbes jahr in formalin fixiert und sehen dann wirklich nicht mehr lebendig aus. sie werden auch nicht 30minuten später beerdigt mit lauter heulenden verwandten. statt dessen findet (zumindest bei uns) nach dem präpkurs, der 3monate dauert, eine würdevolle beerdigung statt die vom semester organisiert wird. man zeigt den angehörigen damit respekt im umgang mit ihrem verstorbenen. ich fand es sehr sehr gut wie das bei uns gelaufen ist. mach dir keine sorgen darum. und wenn du keine angehörigen sehen willst dann gehst du eben nicht hin.

    ein anderer punkt: du fühlst dich jetzt schon unter druck gesetzt, weil dein opa arzt war und deine eltern darauf abgehen. mach dir klar, dass du das für dich tust und für niemand anderen. wenn es dir gefällt dann bleibst du dabei. und wenn du nicht klarkommst dann lässt du es eben wieder. das ist keine schande, im gegenteil, es ist sogar sehr vernünftig. eine schande wäre es, wenn du jahre deines lebens mit diesem studium verbringst ohne weiter zu kommen und ohne zu wollen, nur weil deine eltern sich so freuen. trotzdem geh nicht davon aus, dass alles schief geht. sei offen für alles, was kommt. gerade der anatomiekurs ist ja auch eine riesen chance etwas über den menschen an sich, aber auch etwas über dich zu lernen. du wirst da lernen, deine grenzen kennenzulernen und auch zu überschreiten, und damit ist nicht abstumpfen gemeint. (obwohl man das auch ein bisschen tun muss.)

    histologie ist weder blutig noch eklig, sondern nur langweilig (alter histohasser..), weil du stundenlang nur irgendwelche gewebeschnitte mikroskopierst. findest du zellen eklig? glaub ich nicht. manche leute finden das sogar spannend. (hab ich mal gehört...)

    über den arztberuf an sich wirst du in den ersten 4 semestern wenig lernen. das ist traurig, ist aber so. geh deshalb nicht davon aus, dass das was du in der vorklinik sehen wirst etwas mit deinem späteren berufsleben zu tun hat. sei offen, versuch spass an der sache zu haben. und wenn die anatomie nicht dein lieblingsfach wird, dann wirds ja vielleicht biochemie oder psychologie? gibt so viele spannende dinge, die noch auf dich zu kommen.

    du brauchst auch keine angst vor der riesen stoffmenge zu haben, das ist alles irgendwie zu bewältigen, lass dir nicht von irgendwem einreden, wie viel das ist, sondern fangs einfach an, du wirst es auf deine weise bewältigen. zeit für partys wirst du trotzdem finden.

    so, hoffe ich konnte dir bisschen mut machen und entschuldige, dass ich so durcheinander und zusammenhanglos schreibe. denk dran, den anderen erstis gehts nicht anders als dir. da ist keiner bei, dem es anders geht. fang das nächste woche an, feier mit den leuten, die du kennenlernst, freu dich auf alles neue, das auf dich zukommt. es ist gut, dass du dir gedanken machst und dich hinterfragst, aber übertreib es nicht, sonst steigerst du dich in was rein.

    viele grüsse vom alex



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  5. #5
    Diamanten Mitglied Avatar von eatpigsbarf
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    30.08.2004
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    war Hannover, jetzt im schönen Süddeutschland
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    Assistenzaerztin - Wasser ist bis jetzt erstaunlicherweise lauwarm!
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    Dr. Jekyll,
    also, jetzt mal ganz ruhig: ich denke, jeder wird in der einen oder anderen Weise Dir aehnliche Gedanken gehabt haben. Es ist komplett normal, gerade vor dem Medizinstudium -wo man ja mit nicht so ganz alltaeglichen Sachen schon normalerweise gleich im 1. Semester konfrontiert wird (eben Anatomie in Hannover)- Respekt und auch einen Haufen Angst hat. Es ist ja auch ein riesiger Schritt, so von gut-behueteter Schule (meine ich in der Hinsicht, als dass alle die Schule bis zu einem bestimmten Punkt machen muessen) zu Studium-und-allein-auf-sich-gestellt-sein zu kommen. Klar, da ist die Angst, dass das Studium nichts fuer einen ist (obwohl man es so gehofft hatte) und man dann doch "aufgeben" muss. Aber jetzt stell Dir mal fuer Dich selber vor, Du haettest tatsaechlich nicht das Glueck (!) gehabt, jetzt gleich reinzukommen, machst mit viel Freude deine Ausbildung zum Sani oder Rett-Ass. und nach der ganzen Warterei und den Wartesemestern faengst Du dann an mit dem Studium und stellst erst dann fest, dass die Banklehre fuer Dich besser waere... Dann doch lieber kurz und schmerzlos nach vielleicht dem 1. Jahr in Hannover.
    So, und jetzt zum Studium in Hannover. Ich habe da komplett das ganze Studium gemacht von der Vorklinik an gemacht und kann Dir somit sagen, wie es bei mir war (da hat sich nicht viel veraendert - nur einiges am Kursaufbau wurde ueberarbeitet wg. der neuen Approbationsordnung, die ich nicht mehr mitbekommen habe). Es ist ganz definitiv nicht so (und da sage ich Dir ganz klar, das kann ich mir auch bei KEINER anderen Uni so vorstellen), dass ich da irgendwelche Profs als Sadisten habe, die sich da einen Spass daraus machen, die Studenten am 1. Tag Praeppsaal zu schocken. Es ist bei uns auch keiner "schreiend" rausgerannt. Man hat ganz klar Zeit, sich an den Gedanken zu gewoehnen, mit/an der Leiche zu arbeiten und dass dieser Moment bald kommt (ist aber erst so ca. 2-3 Wochen nach der Ersemester-Einfuehrung so weit). Selbstverstaendlich macht man sich da mit seinen neuen Kommilitonen vorher nervoes und erzaehlt sich "Horrorgeschichten" -eben vor lauter Nervositaet. Aber jetzt frag Dich mal selber, wieviel davon wohl war ist. Und von den Geschichten, die einem von Aelteren oder Leuten, die nichtmal was mit dem Medizinstudium zu tun haben und derartige Geschichten nur ueber 2 Ecken gehoert haben, kannst Du mal gleich eine grossen Teil abziehen. Da ist oft ein grosser Teil "sich wichtig machen vor den Anfaengern und Nichtswissern" (denn, man kann ja alles erzaehlen von der Leiche und keiner kann es nachvollziehen und ausserdem haben tote Menschen was unheimliches und somit gibt es da genug Moeglichkeiten, was auszuschmuecken) und als Aussenstehender gibt es da immernoch die "Faszination", wie jemand freiwillig mit Toten auf einem nicht-emotionalen Level umgeht. Das ist eben ein ganz normales gesellschaftliches Stigma. Aber eben eins, das eben auf den anfangenden Mediziner einen grossen Einfluss hat (eben aufgrund der ganzen Geruechte...).
    Und zu der Geschichte mit den Koepfen und der Wirbelsaeule im Eimer: mal ganz ehrlich, wenn das ein PROFESSOR taete und das wuerde rauskommen, der waer mal eben mehr Probleme, als seinen Lehrauftrag loszusein. Sowas gibt es nicht (vieleicht vor x Jahren, aber nicht mehr heute)! Und mit das erste, was Du in Hannover lernen wirst, ist, dass die Wuerde des Toten gewahrt werden muss. Da gibt es keine schicken "Spielchen" mit der Leiche am ersten Tag. Und man kommt nicht in den Praeppsaal rein und das erste, was man sieht, sind Teile von Toten. Ich fuehre das jetzt nicht naeher aus, weil dies ja immernoch ein oeffentliches Forum ist. Du kannst mir aber gerne eine private Nachricht schreiben und ich sende Dir dann eine E-Mail.

    In Hannover ist es uebrigens so, dass Du absolut genug an der Leiche zu tun haben wirst, da man da nur einmal die Woche mit 4-5 Leuten steht und ein gut ausgefuelltes Praepp-Programm zu absolvieren hat. Keine Sorge, da gibt's genug Hands-on-Experience. Man darf also nicht nur von hinten zusehen, wie sich die andere 12 (+) Leute aus der Gruppe drum bemuehen, auchmal was machen/sehen zu koennen.

    Zur "mentalen Abstumpfung" beim Praeppkurs: ja, es ist schon so, dass es einem nach einer Zeit nichts mehr ausmacht, an einem toten Menschen zu arbeiten. Das soll aber nicht heissen, dass ich nicht mehr wusste, dass ich da an einem Menschen arbeite. Das Ding ist, dass man seine Aufgaben hat (in Hannover endet der normale Praepptag ab der 2. Woche mit einem mdl. Testat, also einer kleinen Pruefung. Halt, KEINE Sorge, auch da fangen die ganz langsam an!!!!). Insofern ist es Dir die ganze Zeit bewusst, dass Du nachher noch geprueft wirst und Du zusaetzlich Deinen Praepp-Plan durcharbeiten musst. Da verschieben sich also Deine Gedanken und die ganze Perspektive aendert sich. Du verbringst also nicht mehr die Zeit damit, immer daran zu denken, dass Du an einem toten Menschen arbeitest, denn -das weisst Du ja. Es geht nun mehr darum, das Testat zu bestehen und das vorher Gelernte anzuwenden.

    Angehoerige habe ich selber nie getroffen. Es gibt am Ende des Preappkursjahres eine Art Trauerfeier, wo derjenige, der will von den Studenten, dann nochmal innehalten kann und sich auf seine Art und Weise bei dem Toten bedanken kann, dass dieser FREIWILLIG seinen Koerper der Anatomie gespendet hat. Dies geht allerdings in Hannover OHNE Anwesenheit von Angehoerigen aus. Was mal passieren kann (das haben uns die Professoren vor dem Praeppkurs angekuendigt, ist mir aber nie passiert), ist, dass sich interessierte Leute im Praeppkurs umschauen, weil sie wissen wollen, was mit ihrem Koerper passiert, wenn sie ihn donieren. Und das finde ich einen ganz normalen Grund. Und sollten sich solche Leute mit mir als Student darueber unterhalten wollen, wie ich mich im Praeppkurs fuehle, dient das zu ihrer eigenen Entscheidungsfindung und da kann ich ihnen dann auch gerne Fragen beantworten. Schliesslich will so jemand wissen, was passiert und wie andere ueber eine solche Entscheidung (man gibt ja schliesslich seinen Koeper an jemand anderen zur wissentschaftlichen Arbeit weiter) denken. Das kann also schonmal passieren, aber, wie gesagt, ist mir nicht und auch keinem, den ich kenne.

    Und zur Lernerei: ja, es ist viel. Und ja, ganz klar, es ist auch mehr als zum Abi. Aber, nicht am gleich am Anfang. Du wirst da schrittweise raungefuehrt und mal ganz ehrlich, hast du Dir in der 7. Klasse vorsetllen koenne, dass Du irgendwann mal das Abi hast? Oder am Anfang der 1. Klasse, dass Du irgendwann bis 1000 zaehlen kannst und mit den Zahlen zwischen 1 und 1000 umgehen kannst? Hast Du in Deiner 1. Englisch Stunde mit Angst daran gedacht, dass Du mal englische Saetze ganz alleine formen wirst koennen? Das stand damals auch alles wie ein Berg vor Dir und man konnte sich das nicht vorstellen. Und denk mal, was fuer ein Berg das Abi vorher war - jetzt hast Du in bestiegen und das Ding ist geschafft!
    Und auch die Mediziner haben ihre Parties (die MHH-Parties sind immer extrem gut besucht!), insofern kann man sich ja denken, dass es auch noch ein Leben ausserhalb des Schreibtisches gibt. Aber, hier stimmt es wirklich: man waechst mit seinen Aufgaben. Und Du lernst ja dann jetzt auch endlich mal was, was Dich so interessiert, dass Du es (nicht immer aber meistens) gern lernst, weil es ja die Grundlage fuer Deinen spaeteren Beruf ist. Klar, auch hier gibt es immer Faecher, die man nicht mag und schweinelangweilig findet, wie in der Schule auch. Aber, da hat man's auch machen muessen - sonst haettest Du jetzt kein Abi. Und ja, es ist ein sehr lernintensives Studium. Aber, alle, die da mit Dir sind, muessen genausoviel lernen vom Stoffumfang wie Du. Du stehst da nicht allein. Solltest Du eben nach dem ersten oder zweiten Semester feststellen, dass das Medizinstudium doch nichts fuer Dich ist, dann kannst Du immernoch aufhoeren. aber daran wuerde ich erstmal nicht denken, sondern ich wuerde jetzt das erstmal auf mich zukommen lassen und diese so ganz andere Welt kennenlernen.
    Also, geniess die Einfuehrungswoche und hab ganz viel Spass mit dem Kennenlernen von anderen Leuten!!!! Und wenn Du noch irgendwelche spezifischen Fragen hast, schreib einfach eine PM. Geniess es!!!!
    Geändert von eatpigsbarf (08.10.2004 um 17:02 Uhr)



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