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  1. #166
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    Ausseruniversitär habe ich es als benigner erlebt. Meine Empfehlung: Wenn man nicht gerade eine Überflieger-Habil.-Karriere anstrebt ist ein mittelgroßes Institut mit einem gut gemischten Einsendespektrum der beste Weg. Wobei man sich den Laden eben nochmal ansehen sollte, am besten im Rahmen einer Hospitation. Zum Nachwuchs: Habe das Gefühl dass sich die Pathologien auch nicht wirklich um Nachwuchs bemühen. Ich kenne klinische Disziplinen, da wird man schon als Famumus als potentieller Nachwuchskandidat gehandelt, was natürlich beiden Seiten nützt. In der Patho gibts soetwas praktisch nicht, einfach weil der Betreuungsaufwand viel zu gross wäre und man auch bei fertigen Assistenten erst nach ca 3-6 Monaten davon ausgehen kann, dass sie zumindest im Ansatz selbstständig etwas nützen. Beim Mikroskopieren oder Zuschneiden zugucken ist nur minder interessant...



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  2. #167
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    Zitat Zitat von Roadkiller Beitrag anzeigen
    Ausseruniversitär habe ich es als benigner erlebt. Meine Empfehlung: Wenn man nicht gerade eine Überflieger-Habil.-Karriere anstrebt ist ein mittelgroßes Institut mit einem gut gemischten Einsendespektrum der beste Weg. Wobei man sich den Laden eben nochmal ansehen sollte, am besten im Rahmen einer Hospitation. Zum Nachwuchs: Habe das Gefühl dass sich die Pathologien auch nicht wirklich um Nachwuchs bemühen. Ich kenne klinische Disziplinen, da wird man schon als Famumus als potentieller Nachwuchskandidat gehandelt, was natürlich beiden Seiten nützt. In der Patho gibts soetwas praktisch nicht, einfach weil der Betreuungsaufwand viel zu gross wäre und man auch bei fertigen Assistenten erst nach ca 3-6 Monaten davon ausgehen kann, dass sie zumindest im Ansatz selbstständig etwas nützen. Beim Mikroskopieren oder Zuschneiden zugucken ist nur minder interessant...
    Bei dem Lob auf außeruniversiäre Institute wäre ich vorsichtiger. Möglicherweise mag das auf traditionelle Krankenhausinstitute zutreffen, aber wenn man seine Ausbildung an einem privaten Institut macht (so wie ich) hat man ein Los, welches häufig deutlich anstregender ist als im universitären Bereich oder in klinischen Fächern (zumindest ist das mein persönlicher Eindruck im Freundeskreis).

    Ich stehe jetzt wenige Monate vor meiner Facharztprüfung und kann rückblickend sagen, dass die ersten ~ 3 - 4 Jahre meiner Facharztausbildung eine belastende Zeit waren. Die Kehrseite der Medallie ist, dass ich nach meiner Facharztprüfung zu einem Art "Juniorgeschäftsführer" in unserem Institut aufsteigen werde (Vertrag liegt schon vor).

    Dennoch: Pathologie im niedergelassenen/privaten Bereich ist ein hartes Brot und wird vermulich auch in Zukunft nicht besser werden. Die Menge des Einsendegutes steigt kontinuierlich und gleichzeitig sinkt die Anzahl der diagnostisch tätigen Pathologen. Ich kenne Institute, in denen pensionierte 70 - 80 jährige Professoren für viel Geld angeheuert und im Rollstuhl vors Mikroskop geschoben werden, weil man die Menge der Fälle nicht mehr anders bewältigen kann. Insofern wird die Arbeitsbelastung in den nächsten Jahren vielleicht sogar noch zunehmen, vor allem wenn die eigentlich berenteten/pensionierten Pathologen dann entgültig nicht mehr als "Notbesetzung" zur Verfügung stehen. Nachwuchs bindet in der Anlernphase, wie oben bemerkt, eine lange Zeit eher erfahrenes Personal, als dass man eine Entlastung erwarten kann. Wer frisch von der Uni kommt hat (in den allermeisten Fällen) gar keine Ahnung und braucht eine lange Zeit der Einarbeitung, die aber aus Kostendruck nicht im ausreichenden Maß gewährleistet werden kann.

    Insgesamt ist aber die Histopathologie/Molekularpathologie dennoch meine große Leidenschaft und Pathologie mein Wunschfach. Der Facharzt taugt jedoch meiner Meinung nach nicht für Leute, die sich einen eleganten Ausweg aus dem (sicherlich vorhandenen) Stress der klinischen Arbeit erhoffen. Mit großer Berufserfahrung wird es zwar in der Regel besser, da man seine Fälle irgendwann in sehr hoher Geschwindigkeit beurteilen und abdiktieren kann, aber bis dahin ist es häufig ein langer Weg. Wer leidenfähig genug ist, wird aber dann mit dem spannensten der medizinischen Fächer belohnt.

    Viele Grüße
    XZar

    PS: Als kleinen Nachtrag möchte ich erwähnen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren große Veränderungen in der Struktur der deutschen Pathologie anstehen. Es drängen vermehrt große, internationale, börsennotierte Konzerne auf den Plan, welche Pathologien aufkaufen und zu überregionalen Ketten zusammenfassen. Es sind überwiegend diesselben Konzerne, welche auch schon in der Labormedizin den Markt unter sich aufteilten. Ich bin zwar davon überzeugt, dass man die Pathologie nicht in einem änlichen Maß wie die Labormedizin rentabilisieren kann, aber der Versuch wird definitiv zwecks Aktienkurs/Dividende erfolgen. Sieht euch hierzu auch mal den Bundeskongress Pahologie 2019 an, welcher unter dem Thema "Freier Beruf Pathologie" stand und bei dem es eine große Vortragsreihe unter der Rubrik "Arzt oder Aktiengesellschaft" gab (Programm: https://www.pathologie.de/fileadmin/...s_Programm.pdf). Die Beschäftigung mit diesen Veränderungen halte ich für alle potentiellen Assistenzärzte für immens wichig, da sie vermutlich große Auswirkungen auf die eigene Karriere/den eignen Arbeitsalltag haben werden und sich gleichzeitig kein normaler Absolvent mit ihnen befasst.
    Geändert von XZar (03.08.2020 um 21:13 Uhr)



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  3. #168
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    Hallo ,

    Ich muss sagen, wenn man die Beiträge hier in diesem Forum so liest, wird einem wirklich Angst und Bange.. ich studiere Medizin im Zweitstudium, habe bereits einen Master in Molekulare Medizin und möchte unbedingt Pathologin werden. Dieser Wunsch hat mich bereits während meines Erststudium begleitet und ich konnte diesen „Traum“ nie ganz aufgeben, weshalb ich auch nochmal mit einem Studium der Humanmedizin begonnen habe...

    Nun lese ich aber Zeilen wie „die schlimmsten Jahre meines Lebens“ und frage mich ernsthaft: warum macht ihr es dann, wenn es doch so schrecklich ist? Ist es wirklich SO schlimm? Oder melden sich hier nur diejenige zu Wort, die generell unzufrieden sind?

    Auch beschäftigt mich natürlich die Frage, wie die Lage wohl in 10 Jahren so aussieht. Ich bin erst im 4. Semester, aber an meinem Berufswunsch wird sich nichts ändern, das steht fest. Nur werden Pathologen überhaupt noch benötigt? Wenn ja eh alles über KI läuft? Ich hab mir mal dieses Programm von meinem Vorposter angesehen, aber ich kann damit nichts anfangen. Vielleicht wäre es hilfreich, mal ein paar Worte darüber zu verlieren, anstatt nur Stichworte und Überschriften in den Raum zu werfen und damit mehr Fragen als Antworten aufzuwerfen.

    Ich will meine Augen (trotz meiner Träume) natürlich nicht vor der Realität verschließen...



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  4. #169
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    Zitat Zitat von Nussini2020 Beitrag anzeigen
    Hallo ,

    Ich muss sagen, wenn man die Beiträge hier in diesem Forum so liest, wird einem wirklich Angst und Bange.. ich studiere Medizin im Zweitstudium, habe bereits einen Master in Molekulare Medizin und möchte unbedingt Pathologin werden. Dieser Wunsch hat mich bereits während meines Erststudium begleitet und ich konnte diesen „Traum“ nie ganz aufgeben, weshalb ich auch nochmal mit einem Studium der Humanmedizin begonnen habe...

    Nun lese ich aber Zeilen wie „die schlimmsten Jahre meines Lebens“ und frage mich ernsthaft: warum macht ihr es dann, wenn es doch so schrecklich ist? Ist es wirklich SO schlimm? Oder melden sich hier nur diejenige zu Wort, die generell unzufrieden sind?

    Auch beschäftigt mich natürlich die Frage, wie die Lage wohl in 10 Jahren so aussieht. Ich bin erst im 4. Semester, aber an meinem Berufswunsch wird sich nichts ändern, das steht fest. Nur werden Pathologen überhaupt noch benötigt? Wenn ja eh alles über KI läuft? Ich hab mir mal dieses Programm von meinem Vorposter angesehen, aber ich kann damit nichts anfangen. Vielleicht wäre es hilfreich, mal ein paar Worte darüber zu verlieren, anstatt nur Stichworte und Überschriften in den Raum zu werfen und damit mehr Fragen als Antworten aufzuwerfen.

    Ich will meine Augen (trotz meiner Träume) natürlich nicht vor der Realität verschließen...
    Entschuldige, es ging mir sicherlich nicht darum generell ein absolutes Horrorszenario zu zeichnen, sondern meine eigenen Erfahrungen wiederzugeben. Es gibt in der Pathologie halt sehr unterschiedliche Ausbildungssituationen. In machen Instituten ist es normal 12 Stunden zu arbeiten und in anderen kann man wiederum recht pünktlich nach Hause. Generell würde ich den niedergelassenen Bereich in der Ausbildung meiden (hierauf beziehen sich ja meine eigenen Erfahrungen primär).

    Wenn du schon solange den Wunsch hast Pathologin zu werden, mache es unbedingt und lass dich nicht von mir davon abbringen. Nimm aber meine Erfahrungen als Anlass und informiere dich über potentielle Stellen und Arbeitgeber gut. Hospitiere vorher und befrag die anderen Assistenten, damit du dir ein klares Bild verschaffen kannst. In der Breite halte ich die Ausbildungsbedingungen halt immer noch für schlecht. Sie sind aber, wie schon gesagt, sehr heterogen.

    Was deine langfristigen Berufswünsche angeht, musst du dir keine Sorgen machen. Ich hatte ja betont, dass die Arbeit eher immer mehr wird als weniger. Es wird irgendwann zum Einsatz automatischer Bilderkennungsprogramme kommen, aber zum einen dauert die Entwicklung hier noch Jahre und zum anderen wird am Ende dennoch ein Arzt den Befund unterschreiben müssen. Arbeitslosigkeit unter Patholgen wird es nicht geben.

    Die Auswirkungen der zunehmende Kommerzialiserung in der Pathologie kann ich letztlich natürlich auch schwer abschätzen, sie sind aber gerade ein großes Thema im niedergelassenen Sektor (wie eigentlich aber auch in allen anderen medizinischen Fächern). Da ich im Thread erstaunlicherweise hierzu nichts gefunden habe, wolle ich es unbedingt als Denkanstoss erwähnen. Ich halte das Vordrängen von Großkonzernen halt für einen gravierenden Vorgang. Der Berufsverband hat sich übrigens dazu schon ganz klar geäußert:

    https://www.zm-online.de/news/politi...er-pathologie/

    Viele Grüße und viel Erfolg im Studium!
    XZar
    Geändert von XZar (03.08.2020 um 20:13 Uhr)



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  5. #170
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    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass es auch universitäre Pathologien gibt, in denen man ein angenehmes Arbeitsumfeld, akzeptable Arbeitszeiten, gutes Teaching und nette Kollegen hat. War bei mir genauso der Fall, deshalb bin ich auch geblieben und arbeite hier mittlerweile als Oberarzt. Natürlich ist hier auch nicht alles perfekt, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden und würde wieder hier anfangen.

    Jedem Anfänger würde ich auch empfehlen mal in dem entsprechenden Institut zu hospitieren und dort mit vielen Leuten zu sprechen, insbesondere natürlich mit den Assistenten, die doch am nächsten an dem dran sind, was dich dort erwarten würde.

    @HerrReinsch: Unser Institut wäre im süddeutschen Raum, wobei wir gerade im Moment voll besetzt sind. Bei Interesse gerne trotzdem mal per PM melden.



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