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  1. #1
    Gold Mitglied
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    Es geht um die Unterscheidung zwischen einer akuten Bronchitis und einem Asthma bronchiale mit Husten als Asthmaäquivalent.
    Die 25-jährige Patientin ohne Vorerkrankungen hatte zunächst einen Infekt der oberen Atemwege mit Halsschmerzen, leichtem Schnupfen und trockenem Husten. Schnupfen und Halsschmerzen bildeten sich innerhalb einiger Tage zurück, der Husten persistierte über 4 Wochen und war mal besser, mal schlechter. Nach diesen 4 Wochen verbrachte die Patientin mehrere Stunden in einem vollklimatisierten (kalten) Raum. Einen Tag später kam es zu einer fibrigen Erkältung mit Schnupfen (DD Sinusitis) und einer Verschlechterung des zuvor ja persistierenden Hustens ohne Dyspnoe und ohne Auswurf.

    Nach 3 Tagen erfolgte die Vorstellung beim Lungenfacharzt, das Fieber hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon zurückgebildet: Die pulmonologische Untersuchung ergab hohe FeNO-Werte (>70ppb) und eine ausgeprägte teilreversible Überblähung. Es lag keine Obstruktion vor, Auskultationsbefund sowie Rö-Thorax waren unauffällig. Der Prick-Test war positiv für Hausstaub und verschiedene Pollenarten. Es wurde Amoxicillin für die Sinusitis verschrieben und bei V.a. Asthma bronchiale eine Therapie mit inhalativen Glucocorticoiden + inhalativem ß2-Sympathomimetika und einer systemischen Therapie von Prednisolon begonnen. Die Therapie läuft seit 2 Tagen, der Husten ist zwar besser als am 1. Tag der Erkältung, aber trotz Therapie weiterhin unverändert. Klinisch geht's der Patientin gut, wie bei einer "normalen" Erkältung eben auch.

    Für mich stellt sich die Frage: Handelt es sich tatsächlich um eine Sinusitis + Asthma mit Hustenäquivalent? Und ist die Therapie, insbesondere mit systemischer Gabe eines Glucocorticoids indiziert? Oder kann es sich auch
    um einen akuten Atemwegsinfekt handeln? D.h., dass infolge des 1. Infekts vor einigen Wochen dann ein postviraler Husten vorlag, der sich durch die erneute Erkältung nun wieder verschlechtert hat.

    Unter der Voraussetzung, dass tatsächlich ein Asthma vorliegt: Wie schnell müsste sich der Husten dann unter Therapie bessern?

    Außerdem: Inwieweit können Untersuchungsergebnisse im Rahmen eines akuten Infekts verändert sein?

    Im Einzelnen handelt es sich ja um:

    - FeNO: Sind Werte > 70 ppb mit einer akuten Bronchitis zu vereinbaren?
    - Bodyplethysmographie/Spirometrie: Ist eine ausgeprägte Lungenüberblähung mit einer akuten Bronchitis/Bronchiolitis vereinbar?



  2. #2
    Gold Mitglied
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    10.10.2008
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    445
    Persönlich denke ich dass andere Ätiologien für die Beschwerden besser vereinbar sind als Asthma. Man kann schon 25 Jährige haben die eine Erstdiagnose von Asthma haben aber eigentlich sollten Asthmatiker sich schon früher deklarieren. Es wäre nicht ganz typisch dass sonst gesunde 25 Jährige aus dem nichts Asthma entwickeln.

    Beim Asthma hat man per Definition eine Atemwegsobstruktion die auf inhalative Sympathomimetika rückgängig ist. Wenn keine Obstruktion vorlag kann es sich nicht um Asthma handeln. Was jetzt mit einer teilreversiblen Überblähung gemeint ist weiß ich nicht - vielleicht kannst du die Lungenfunktionstests posten? Standard wäre der Methacholin Test um Asthma zu diagnostizieren, hier kann man sehen ob man die Obstruktion herbeiführen kann. Der NO Test bestimmt wie viel NO in der Atemluft ist als Parameter für Entzündung in den Bronchien. Ich kenne mich mit diesem Test nicht aus aber ich würde meinen der Test ist bei jeder Entzündung erhöht, nicht nur bei Asthma. Warum eine Vorstellung beim Lungenfacharzt erfolgte, warum der Prick Test gemacht wurde und warum bei laufenden Beschwerden eine Lungenfunktion gemacht wurde weiß ich nicht ... eigentlich sollte man abwarten bis die Beschwerden vorbei sind bevor man die Lungenfunktion macht.

    In meinen Augen wahrscheinlicher wäre die Entwicklung eines post nasal drips (wie heißt das denn auf Deutsch?) nach dem ersten Infekt die den Husten verursacht hat. Warum der Patient jetzt nochmals krank ist weiß ich nicht (wie hoch war der Fieber denn?), entweder ist es einfach eine mechanische Reizung durch die kalte Luft oder ein Neuinfekt. Persönlich würde ich mit einem Hustenmittel, einem Antihistaminikum und einem abschwellendes Mittel (etwa Codein/Diphenhydramin/Phenylephrine, für die Nacht) empirisch behandeln und dann sehen wie sich der Husten entwickelt. Asthma ist sicher eine Differentialdiagnose für Husten, allerdings sehe ich in den Daten hier kein Anhalt hierfür.

    Der übliche Disclaimer soll gelten, soll kein Arztbesuch usw ersetzen.



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