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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Hallo
    Ich wollte mal fragen, ob hier jemand im Forum unterwegs ist der in Lublin studiert bzw. da studiert hat?
    Ich hab mich da beworben und hätte ein paar Fragen zum Studium.



  2. #2
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    Da sich wohl einige einen Erfahrungsbericht wünschen, werd ich mal kurz ein paar Sachen zum Studium in Lublin schreiben:

    Ich habe jetzt das erste Jahr erfolgreich hinter mich gebracht und kann euch somit nichts über die Klinik verraten. Außerdem stellt die Uni das Curriculum so gut wie jedes Jahr um. Auf der Uni Seite könnt ihr euch ja gerne die Stundenpläne etc. anschauen. Ich hatte jetzt im 1. Semester: Anatomy I, Physiology I, Histology&Embryology I, Chemistry, Communication in Medicine, Polish und im 2. Semester: Anatomy II, Physiology II, Histology&Embryology II, Biophysics, Latin (optional, wir hatten die Wahl zwischen Latin oder Medical Polish), Polish. Der Stundenplan von dem nächsten Jahrgang ist recht ähnlich, nur dass ihr schon Psychology und Sociology im 1 Jahr habt, was ich jetzt erst im 2 Jahr habe.

    Generell war es für mich so, dass ich mich von der Uni (ich hatte davor Biologie studiert) zurück in die Schule versetzt gefühlt habe. Alles (inklusive der Vorlesungen) ist anwesenheitspflichtig, was ich als sehr nervig empfand. Mir persönlich bringen Vorlesungen einfach nichts und es hat leider sehr viel Zeit weggenommen, die ich einfach "verloren" haben. Die Namen werden einzeln aufgerufen oder die Anzahl der Namen auf der Liste nachgezählt. Ich habe im European Programm studiert und wir waren ca. 40 Leute in unserem Jahrgang. Größtenteils kamen diese Studenten aus Skandinavien. In manchen Übungen gibt es Pluspunkt für Leute die gut mitarbeiten und man schreibt jede Woche Quizzes, was ich persönlich leider auch als sehr anstrengend empfand. Insgesamt sind die Regeln sehr streng und man muss z.B. für den Final in Anatomy formal angezogen sein. In den Labs muss man immer Kittel&Lab Shoes anhaben und wer was vergisst, darf nicht an der Übung teilnehmen. Man ist immer zu 5 Personen in einer Gruppe und 2-4 Gruppen haben dann jeweils ein Lab zusammen. Für mich persönlich am Allerschlimmsten: die Uni fing 2-4 mal die Woche um 7 morgens an. Für Frühaufsteher natürlich ein Traum.. Insgesamt sind die meisten Profs sehr hilfsbereit auch was Probleme aus dem Alltag betrifft. Die Bücher werden von den einzelnen Instituten vorgegeben und man sollte sich genau diese besorgen, da man immer die genauen Seitenzahlen aus dem jeweiligen Buch zum Lernen vorgeschrieben bekommt. Noch ein Faktor der wichtig sein könnte: Bei uns gibt es keine Semesterferien zwischen WS und SS. Man hat lediglich 2 Wochen Pause (Ende Januer-Mitte Feburar). Ich werde jetzt einfach kurz auf die wichtigsten Fächer eingehen:

    Anatomy: Das wohl gefürchteste Fach. Man hat 1 Jahr Anatomie inklusive einem Semester Neuro. Man hat zweimal die Woche Lab morgens um 7, wofür man dann eine gewisse Anzahl an Seiten gelernt haben muss. Man hat für 5 Punkte ein Quiz (multiple choice) und kann 2 Activity Points bekommen. Oft bekam jeder 2 Activity Points, weil die Profs vergessen haben Fragen zu stellen. Nach jedem Gebiet (Back,Thorax,Abdomen,...) gibt es einen Partial mit 30 Punkten. Und am Ende des Semester dann einen Semi-Final mit 60 bzw. 40 Punkten. Insgesamt muss man jedes Semester einzeln mit 51% bestehen, um überhaupt zum Final zugelassen zu werden. Und jetzt das wohl schockierende für viele: Man wird nicht an der Leiche geprüft und muss nie was selbst präparieren. Man sieht zwar einmal die Woche eine Leiche, aber meistens ist es so dass der Prof da steht, erklärt und auf die Strukturen zeigt. Dienstags besteht das Quiz aus 5 Theorie Fragen und donnerstags aus 2 Klinischen Fragen + 3 Radiologie Bildern.

    Neuro: Wir hatten im 1. Semester parallel zur Anatomie jeden Montag Neuro Lab und ein Quiz. Am Ende des Semesters konnte man sich dann freiwillig das Gehirn ansehen. Während der Labs, hat man nur die Themen durchgesprochen bzw. ist ausgefragt worden. Die Prof ist sehr anspruchsvoll und so saß ich wie viele andere auch mit Schweißausbrüchen da. Sie wählt zufällig Namen von der Liste und stellt dann Fragen. So konnte man die 2 Activity Points sammeln. Sie bringt den Stoff so rüber, dass es Spaß macht und man alles versteht. Insgesamt hat mir Neuro am meisten gefallen, wäre da nicht das nervenaufreibende Ausfragen..

    Physiology: 1 mal die Woche Vorlesung + 1 mal die Woche Lab & Quiz (10 Punkte). Ende jedes Semesters einen Semi-Final und Ende des Jahres einen Final. Jedes Semester muss mit 60% bestanden werden. Auf Mitarbeiten kriegt man am Ende des Jahres 25 Punkte, wenn man konsequent das ganze Jahr mitgearbeitet hat.

    Histo&Embryo: Es wird gemunkelt, jeder würde bestehen. Jede Woche 1 Vorlesung und 1 Lab (inklusive Quiz). Alle 3-4 Wochen gibt es einen Partial jedoch keinen Semi-Final. Im 1. Semester muss man 55% erreichen, im 2. muss man nur eine bestimmte Punktzahl im ganzen Jahr erreichen. Hat man im 1. also gut gearbeitet, braucht man im 2. nicht mehr so viele Punkte. Wenn beide Semester bestanden sind, wird man zum Final zugelassen. Dieser besteht größtenteils nur aus Altklausuren, im Gegensatz zu Ana&Physio, wo fast nichts wiederholt wird. In jedem Partial gibt es einen "Slide"-Teil, den man unabhängig von Multiple Choice Teil bestehen muss. Jeder bekommt 5 Slides und muss die Hälfte richtig haben. Während des Labs ist es eigentlich verboten Fotos durchs Mikroskop zu machen, die meisten machen es trotzdem auf unauffällige Weise.

    Chemistry: ein Witz. Es gab nur ein paar Labs, in denen man absolut nichts Praktisches machte und ein paar Aufgaben von der Tafel abschreiben musste. Es gab 2 Partials und ein Großteil der Punkte konnte durch eine Hausaufgabe gesammelt werden, die man online einreichen musste.

    Polish: Kommt auf den Prof an. Insgesamt glaube ich, dass man durch das ganze Studium kommt ohne ernsthaft Polnisch zu lernen . Den Alltag erleichtert es auf alle Fälle, da hier abgesehen von einigen jungen Menschen fast niemand Englisch spricht. Im Unterricht lernt man jedenfalls ein paar einfache Sätze, Farben, Adjektive etc. Meine erste Prof war relativ streng und wir mussten einen kleinen Test zum Ende des Semester schreiben. Meine zweite Prof war dagegen viel gelassener und bewertete uns nur auf Anwesenheit, wobei die Hälfte des Unterrichts ausfiel. Sie war der Meinung, dass wir schon mit wichtigeren Fächern ausgelastet waren.

    Biophysics: richtig anspruchsvoll im Vergleich zu Chemie. Jede Woche Vorlesung und Lab (+Quiz). Man musste jedes Quiz mit 2.5/5 bestehen und dann die Versuche durchführen. Für das Protokoll gab es dann Extrapunkte. Hier gab es immerhin alte Quizzes an denen man sich orientieren konnte. Wenn man dann alle Labs absolviert hatte, wurde man zum Final zugelassen wo man 31/60 brauchte um zu bestehen. Hier wird auch ein wenig aus den Altklausuren wiederholt.

    Latin: absolut jeder besteht. Man bekommt 2 Blätter mit Sätzen und Vokabeln ausgeteilt, welche die Hälfte des Abschlusstests ausmachen. Wer dann eine gute Note möchte, muss sich etwas ernsthafter mit der Deklination auseinandersetzen.

    Bibliothek: Es gibt 2 Bibliotheken und diverse "study rooms". Ich war erst in einer von den beiden Bibliotheken und die ist quasi leer. Während man in Deutschland morgens schon vor der Bib Schlange steht um noch einen Platz zu ergattern, hat man hier die freie Auswahl. Der Nachteil hier ist, dass es fast keine englischen Bücher gibt. Man muss sich also alle selbst besorgen, wobei viele sie gebraucht kaufen oder günstige Kopien machen. Im Anatomicum gibt es einen "study room", wo sich wohl viele zum knüpfen von Kontakten treffen. Mir persönlich war der Raum viel zu klein und voll, aber um Leute kennen zu lernen wohl eine gute Option.

    Vorlesungen werden generell nicht zur Verfügung gestellt. Nur in Histo kann man sich die Handouts im Copy Shop besorgen. In Physio gibt es einige Profs, die sie per Mail schicken, wenn man nett darum bittet.

    Um an Altklausuren zu kommen, sollte man unbedingt gute Kontakte aufbauen, denn leider ist das die größte Hürde hier. Es herrscht ein grosser Konkurrenzkampf. Sehr viele Leute verhalten sich egoistisch und behalten Insider Informationen zu Klausuren für sich. Oft haben andere programs (asian,american,taiwanese) vor einem ein quiz/partial und manchmal werden diese wiederholt. Es lohnt sich also Leute aus anderen programs kennen zu lernen. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es anfangs ist an Altfragen usw. heranzukommen, könnt ihr mich gerne anschreiben und ich reiche euch gerne meine Unterlagen weiter.

    Leben in Lublin: Es gibt sehr viele Bars und auch einige coole hipster Läden. Ich habe hier die besten Pancakes meines Lebens gegessen. Insgesamt sind Lebensmittel sowie Restaurants relativ günstig, ausserdem gibt diverse Einkaufszentren. Ich benutzte meistens Tesco Delivery, die liefern euch für umgerechnet 0,25 Cent die Einkäufe nach Hause. Ansonsten sind die Geschäfte auch Sonntags offen und kleine Kiosks haben jeden Tag bis 23 Uhr geöffnet. Es gibt auch eine Mädchen Fußballmanschaft bei der einige aus der Uni mitmachen. Von anderen Sportarten habe ich sonst noch nichts mitbekommen.

    Englisch: Für mich hat die Sprache nicht so eine große Barriere dargestellt. Klar, manchmal musste ich mal ein paar Wörter nachschlagen, aber es war alles machbar. Es gibt einige Profs, die selbst nicht so gut Englisch können, wodurch sie oft auf einfaches Vokabular zurückgreifen.

    Polnisch: Für mich persönlich ist Polnisch quasi unmöglich zu verstehen. Ich finde definitiv, dass es eine sehr schwere Sprache ist bei der man sich wenig ableiten kann. Es gibt aber auch Leute, die motivierter sind oder eine polnische Freundin im Studium gefunden haben und somit schneller die Sprache gelernt haben. Ich habe bisher mitbekommen, dass man die Sprache nicht wirklich für die Klinik braucht. Eine Freundin aus dem 4. Jahr meinte, die Profs würden am Krankenbett immer alles übersetzen, sie selbst spricht schlecht Polnisch. Es bleibt also jedem selbst überlassen, wie sehr man sich engagiert um die Sprache zu lernen.

    Ich muss leider sagen, dass das erste Jahr sehr erschöpfend ist, wobei ich am Anfang extrem überfordert war. Das geht aber den meisten so und ist in Deutschland wohl auch nicht anders. Wenn ich so eine Woche lernmäßig rekapitulieren, sah das in etwa so aus: Montag: Neuro Quiz 20-40 Seiten, Dienstag: Anatomy Quiz 30-40 Seiten, Mittwoch: Histo Quiz 1 Handout lernen (10-20 Seiten), Donnerstag Anatomy Quiz 10-30 Seiten Freitag: Physio Quiz 20-50 Seiten. Dazu kommen dann die Partials alle 3-4 Wochen, wo man dann nochmal alles wiederholt. Das ständige Lernen und Wiederholen fordert einen sehr und es bleibt nicht sehr viel Zeit für andere Aktivitäten. Letzten Endes ist es dennoch ein großer Vorteil, wenn man für die Semi- bzw. Finals lernt.

    Im 2. Jahr stehen schon teilweise klinische Fächer auf dem Stundenplan. Ich habe unter anderem Biochemistry, Immunology, Microbiology, Psychology, Sociology, Pathophysiology. Dazu kommt dann in einem Jahr ein Erfahrungsbericht ;)

    Wechsel nach Deutschland: Ich weiß, dass einige nach 2 Jahren zurück gewechselt sind. Die hatten jedoch ein anderes Curriculum als ich und relativ gute Abinoten. Jemand mit 1,7 (Abinote) hat zum SS 14 sogar 3 Plätze fürs 1. Klinische bekommen. Ich habe mich jetzt deutschlandweit zum 3. FS beworben und warte noch auf den Anrechnungsbescheid von LPA.

    Studiengebühren: 1. Jahr: 5000 pro Semester, ab dem 2. Jahr: 4750 pro Semester

    Deadline für Bewerbungen: 31. August.

    Es tut mir Leid, wenn ich öfters Anglizismen angewendet habe, aber es war einfacher für mich es so zu formulieren. Wenn ihr noch fragen habt, könnt ihr mir auch gerne eine PN schreiben oder hier antworten.



  3. #3
    Diamanten Mitglied
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    Danke für den sehr interessanten Erfahrungsbericht! Erinnert mich stark an meine kanadischen Uni-Erfahrungen Ich nehm mal an, dass dort viele US-Amerikaner studieren?

    Haben all diese programs englischsprachigen Unterricht? Ich frag mich nämlich grad, warum es dort überhaupt separate programs gibt, statt dass die Studenten alle zusammen studieren.
    Geändert von davo (27.07.2015 um 22:16 Uhr)



  4. #4
    Registrierter Benutzer
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    Freut mich, wenn der Bericht dir gefallen hat

    Ja, es gibt einige US-Amerikaner dort. Und wir haben die verschieden programs, weil das Curriculum immer auf die verschieden Länder abgestimmt ist. Die US-Amerikaner haben z.B. teilweise andere Fächer und werden gezielter für ihre USMLE vorbereitet. Seit kurzem haben wir sogar über die Bibliothek Zugang zu einen Fragenkatalog für die USMLE ^^ Alle englischsprachigen programs (american, european, asian, middle east) sind unter der "english division" zusammen und dann hat die Uni ihren regulären polnischen Studiengang. Unsere Anatomie Profs haben ja immer behauptet, dass die polnischen Studenten soviel mehr lernen müssten als wir, strengere Regeln hätten und viel fleißiger wären..



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