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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
    Registrierter Benutzer Avatar von dr.moep
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    Ich finde die Frage ist anfechtbar, da nicht nur "sekundäre Abweichung" sondern auch "primärer Krankheitsgewinn" zutreffen kann.

    Wikipedia zu schizophrene Psychosen:
    "Viele Betroffene halten sich für „Auserwählte“, im positiven wie im negativen Sinne, je nach Art der Stimmen oder Botschaften, so dass es für sie schlüssig ist, dass nur sie die Stimmen oder Botschaften hören können. Dazu kommen Symptome wie Isolation, Schlaf- und Konzentrationsprobleme."

    Wenn ein psychotischer Patient aufgrund seiner Krankheit also Ablehnung durch seine Umgebung erfährt und er sich dadurch noch weiter isoliert ist das für mich die Definition von "primärer Krankheitsgewinn".

    Siehe Doccheck:
    "Beim primären Krankheitsgewinn erlangt eine von einer Erkrankung betroffene Person einen Nutzen aus der Krankheit. Auf diese Weise lassen sich bestimmte Situationen oder Konflikte vermeiden, so dass derjenige Vorteile aus dem erkrankten Zustand ziehen kann. Oft geschieht dies unbewusst. "

    Der Psychologe an unserer Uni hat sogar während der Vorlesung ein ähnliches Beispiel für den primären Krankheitsgewinn aufgeführt.

    Was meint ihr ?

    Edit:
    Um meine Argumentation nochmal zu untermauern, hier noch mal ein Auszug aus Faller/Lang (Auflage 3, S. 39):
    "Psychische Symptome verursachen Leid. Auf der anderen Seite gehen sie auch mit einer Entlastung für den Kranken einher: Die Konfliktspannung wird durch die Abwehrprozesse abgemildert, und der Betroffene spürt den Konflikt nicht mehr so sehr wie zuvor. Diese innerpsychische Entlastung durch die Krankheit bezeichnet man als primären Krankheitsgewinn. "

    Psychose --> Patient isoliert sich --> Durch Ablehnung der umgebenden Personen wird Isolation verstärkt => primärer Krankheitsgewinn für den Patienten

    Edit2:
    Für die Verknüpfung der Isolation mit der Psychose hier nochmal ein Auszug aus einem klinischen Buch (ALLEX B - Klinische Fächer, Auflage 2, S. 1031) zu den Symptomen einer schizophrenen Psychose:
    "soziale Veränderungen: sozialer Rückzug und Isolation,Reizbarkeit, Streitsucht"
    Geändert von dr.moep (26.08.2016 um 09:15 Uhr)
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  2. #2
    Registrierter Benutzer Avatar von Giftmischer
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    Ich finde schon das "primäre Abweichung" wieder so ein psychologischer Gummiparagraph ist und nicht wirklich zutrifft. Diese ist ja definiert als eine "Normabweichung, die aus der Krankheit resultiert" (Faller/Lang, Medizinische Psychologie und Soziologie).

    Bin ich irgendwie komisch wenn ich nicht finde, dass es eine Normabweichung ist den Kontakt zu Menschen einzuschränken, die sich mir gegenüber ablehnend verhalten?

    Womit ja auch der Grund des Rückzugs nicht die Krankheit ist, sondern die Person von seinem Umfeld ausgestoßen wird.
    “Never be a spectator of unfairness or stupidity. The grave will supply plenty of time for silence.”
    ― Christopher Hitchens



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  3. #3
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    Mit diesen Definitionen wäre das meiner Meinung nach tatsächlich denkbar...versuchen kann man es ja



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  4. #4
    Registrierter Benutzer Avatar von dr.moep
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    Ein weiteres Forenmitglied hat sich nun netterweise dieser Frage angenommen und folgendes Anfechtungsschreiben an das IMPP auf gesetzt:

    [...]
    Sehr geehrte MitarbeiterInnen des IMPP,
    im Folgenden möchte ich Sie auf eine Frage des aktuellen Physikums (Herbst 2016) hinweisen, die in meinen Augen als nicht eindeutig lösbar einzustufen ist.
    Bei der Frage handelt es sich um Frage 145 (Gruppe A) bzw. Frage 60 (Gruppe B) des zweiten Examentages.
    In dieser Frage geht es um einen Patienten mit einer Psychose, welcher sich nach erlebter Ablehnung immer weiter sozial isoliert. Die Frage lautete nun mit welchem Begriff sich dieses Verhalten bezeichnen lasse. Neben der aktuell wohl als richtig geltende Lösung „sekundäre Abweichung“ kommt meiner Meinung nach allerdings auch die Antwortmöglichkeit „primärer Krankheitsgewinn“ als zutreffend in Frage.
    Denn wenn ein psychotischer Patient aufgrund seiner Krankheit Ablehnung durch seine Umgebung erfährt und er sich infolgedessen noch weiter isoliert, so mindert er dadurch seine innerpsychische Konfliktspannung und erfährt somit einen primären Krankheitsgewinn.
    Um meine Argumentation zu untermauern hier ein entsprechender Auszug aus dem Faller/Lang („Medizinische Psychologie und Soziologie“, Auflage 4, 2016, Kapitel 2.3.6, S.40):
    „Psychische Symptome verursachen Leid. Auf der anderen Seite gehen sie auch mit einer Entlastung für den Kranken einher: Die Konfliktspannung wird durch die Abwehrprozesse abgemildert, und der Betroffene spürte den Konflikt nicht mehr so sehr wie zuvor. Diese innerpsychische Entlastung durch die Krankheit bezeichnet man als primären Krankheitsgewinn.“.
    Diese Definition lässt sich meiner Meinung nach in dem Beispiel der Frage wiederfinden. Der Patient erfährt Ablehnung durch sein soziales Umfeld. Durch den Rückzug aus eben diesem Umfeld umgeht er derartige Konflikte, „spürt den Konflikt nicht mehr so sehr wie zuvor“ (siehe Zitat oben) und erfüllt somit die Definition des primären Krankheitsgewinnes.
    In meinen Augen bieten somit zwei Antwortmöglichkeiten eine korrekte Beschreibung des Sachverhalts.
    Ich hoffe die angeführten Argumente erscheinen ihnen logisch und bitte Sie, die Wertung dieser Frage zu überdenken.
    [...]
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  5. #5
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    Ist mit "Wertung der Frage überdenken" gemeint, dass diese Frage aus der Wertung herausgenommen wird oder nur diejenigen die statt (c) (a) gewählt haben einen Punkt bekommen? Ich finde das auch (e) als richtig gelten kann, denn dieser "Prozess" findet nicht von heute auf morgen statt, sondern über einen längeren Zeitraum, was man auf Stigmatisierung schließen ließe.

    Zitat Uni Hamburg: "Stigmatisierte Personen werden somit bei gesellschaftlichen Interaktionen primär über dieses negativ konnotierte Merkmal wahrgenommen; andere Merkmale, zum Beispiel der Charakter oder Bildungsstand können dieses Stigma nicht kompensieren.
    Ein stigmatisierter Mensch ist diesem Prozess meistens hilflos ausgeliefert und wird die ihm zugeschriebene negative Bewertung im Normalfall allmählich verinnerlichen. Dies hat zur Folge, dass der Betroffene sich selbst als defizitär erlebt und sich zum Beispiel bemüht, das negativ bewertete Merkmal geheimzuhalten."



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