Chirurgen haben ein Herz
Erfahrungsbericht Famulatur
Judith Schumacher
Auf Station
Auf der Station waren wir leider zu Beginn sehr viele (fünf Famulanten, zwei Blockpraktikanten und ein PJ’ler, der jedoch den ganzen Tag im OP hing). Dies war jedoch nicht so schlimm, da es meist am morgen trotzdem mehr als genug zu tun gab. Unser Tagesablauf sah in etwa so aus: 7.45 Frühbesprechung (für uns freiwillig), anschließend Blutabnahme und Mitgehen bei der Visite. Dann Kaffeepause oder Gespräche mit den Stationsärzten, die sich zwar soviel Zeit wie möglich für uns nahmen, aber eigentlich mit ihrer Büroarbeit manchmal kaum hinterher kamen. Zwischen 10 und 12 kamen die ersten Neuaufnahmen, mit denen wir eine Anamnese machten, sowie eine kurze körperliche Untersuchung. Bei Schlaganfallpatienten kam auch noch eine neurologische Untersuchung dazu. Bereits am Morgen gingen meist einer oder zwei von uns direkt von der Besprechung mit in den OP. Wenn um 13.00 nichts mehr zu tun war, war dies ein guter Zeitpunkt zur „zweiten Runde“ hinunter zu gehen.
Was ich etwas schade fand, war, dass bei der Einteilung, wer bereits morgens mitgehen durfte, die Blockpraktikanten vor uns Famulanten meist ein wenig bevorzugt wurden, da sie lediglich eine Woche in der Herzchirurgie waren. Es kamen auch jede Woche wieder ein oder zwei neue Blockpraktikanten, sodass wir ein wenig um unsere Plätze kämpfen mussten, was jedoch auch nicht so schwer war. Insgesamt bekam ich circa dreimal pro Woche Gelegenheit, OPs zu sehen. Nach zwei Wochen war ich allerdings mit den häufigsten Verfahren durch. Im OP konnte man meistens relativ wenig selbst machen, aber viel sehen. Außerdem waren auch einige Assistenzärzte bereit einem am Bein bei verschiedenen Bypass-OPs Nahttechniken zu zeigen und mich auch nähen zu lassen. (Dafür muss man allerdings fragen, von alleine wird einem dies nicht angeboten)
Viele Freiheiten
Insgesamt hatten wir eigentlich sehr viele Freiheiten. Es kam nicht selten vor, dass wir bereits um 14.00 oder 14.30 nach hause gehen konnten. Manchmal nahm sich auch einer der Ärzte Zeit uns nachmittags auf Station einiges zu erklären oder ging mit uns zu einem Patienten mit besonders auffälligen Symptomen. Allerdings war oft zu spüren, dass viele von ihnen unter einem ziemlichen Zeitdruck standen. Dennoch war die Stimmung sowohl auf der Station als auch im OP sehr gut. Auch wenn oft alles im Chaos versank, muss man eines über die Herzchirurgen sagen: sie haben ein Herz.