Ein Jahr studieren in der Schweiz
Mein Studienjahr in Lausanne
Tonja Burkard
Viele Studenten absolvieren nicht nur eine Famulatur, sondern gleich ein ganzes Studienjahr im Ausland: Das Erasmus-Programm macht´s möglich. Tonja Burkhard nutzte die Chance, über das Erasmus-Programm ein Studienjahr im schweizerischen Lausanne zu absolvieren. Es gab nur wenig Schatten in dieser Zeit, so dass für Tonja feststeht: Nach dem 2. Stex geht es, wenn irgendmöglich, wieder zurück nach Lausanne.
Französische Sprache, zweites London und der schönste See der Welt
Eh ben, alors, écoute,eh… voilà quoi! Diese Worte sind eine Notwendigkeit für einen Vaudois, mindestens eines dieser Worte wird in jeden gesprochenen Satz eingebaut. Zusammen mit der sehr eigentümlichen Satzmelodie werde ich wohl für immer diese „manière de parler“ aus allen französischen Dialekten heraushören.
Die französische Sprache war eine Grundbedingung für die Wahl Lausanne (das sich wohlbemerkt in der französischsprachigen Schweiz und nicht in Frankreich befindet!), dann die Tatsache, dass ich noch nie in der Schweiz war und letztendlich die Empfehlung derer, die schon mal da waren. Der Feststellung „der schönste See der Welt“ musste ich mich dann in den Frühlingsmonaten doch noch anschließen, nachdem ich Lausanne in den Wintermonaten mit all dem Nebel und Regen eher für ein zweites London gehalten hatte.
Für mich war es eine große Umstellung von der Großstadt München in diese 150.000 Einwohnerstadt zu kommen, in der man schlecht Fahrradfahren kann, weil es so bergig ist und wo das kulturelle Angebot eher wählerisch als üppig ist. Für Studenten ist allerdings ordentlich was geboten, sei es Sport, Parties oder Ausflüge – Lausanne ist die verkörperte Erasmus-Stadt – man schafft es locker, dieses Jahr ohne Langeweile zu verbringen und ohne viel in der Uni gewesen zu sein…
Erste Eindrücke in Lausanne
Mein erster Besuch in Lausanne war katastrophal. Er war leider nötig, da ich mich natürlich viel zu spät für einen Wohnheimsplatz beworben hatte und über das Internet etwas zu finden, war dann auch ziemlich unsicher. Also fuhr ich mit einer Freundin zur aktiven Wohnungssuche nach Lausanne.
Mein erster Eindruck war „ganz nett, schöne Kathedrale, ganz schön steil hier alles!“. Mit Strom betriebene Busse, lebensmüde Skater, die die steilen Straßen zum Seeufer nach Ouchy hinunterrasen und unglaublich höfliche Menschen. Auch wenn diese Höflichkeit sehr oberflächlich ist, so vermisse ich sie doch immer mal wieder hier im spröden Deutschland. Genauso hatte ich Mühe, mich wieder daran zu gewöhnen, dass man hier in Deutschland nicht immer an der Ampel drücken muß, um sie zu überqueren. Und es fehlen mir die netten Busfahrer, die warten oder noch mal anhalten, damit man zusteigen kann oder die für eine alte Dame sogar aussteigen und den Fahrschein für sie lösen. Da könnten sich die Deutschen mal eine Scheibe gutes Benehmen bei den Schweizern abschneiden!
Man lernt Menschen aus der ganzen Welt kennen
Ich muß jedoch gestehen, dass sich meine Bekanntschaft mit Schweizern eher in Grenzen hielt, da man als Erasmusstudent hauptsächlich sich in Erasmuskreisen bewegt, was den Vorteil hat, Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen. Ein Urinstinkt oder was auch immer verleitet einen zwar dazu, sich vor allem mit seinen eigenen Landsleuten zu umgeben, aber das kann sich ja jeder selber heraussuchen. Fakt ist, dass ich in diesem Jahr viel Französisch gesprochen habe, es sich aber kaum verbessert hat, da ich hauptsächlich mit Nicht-Muttersprachlern es gesprochen habe. Ich spreche jetzt also fließendes, grammatikalisch unkorrektes Französisch. C’est comme ca!