Im Land der Sonne und der Alegrie
Erasmus in Madrid
Katharina Berger
Nächste Station: Chirurgie
Als nächstes war ich 3 Wochen in der Chirurgie. Das war sehr gut, die Chirurgen sind nicht wie in Deutschland die Götter, sondern sind sehr kollegial und erklären viel. Natürlich gibt es mehr Männer als Frauen und man muβ schon ein paar Sprüche über sich ergehen lassen, aber davon abgesehen, habe ich mich mit allen sehr gut verstanden. Das Einzige was sie hier nicht so genau genommen haben war die Hygiene. Viele der Ärzte ziehen sich zur Untersuchung keine Handschuhe an und waschen sich auch danach nicht die Hände, das heiβt ein paar Erreger werden schön über die ganze Station verteilt. Haben aber dann alle Durchfall, sind erstmal die Krankenschwestern schuld. So kann man das natürlich auch sehn. Man wurde immer einer OP zugeteilt und durfte dabei assistieren. Einmal die Woche war Session, natürlich mit den Fällen der Woche, aber auch mit Fallbeispielen, bei denen alle herausfinden muβten, woran der Patient leidet. Die 3 Wochen haben mir wirklich Spass gemacht.
Mein nächstes Praktikum absolvierte ich auf der II. Inneren. Der Professor ist ein älterer Herr mit einer Pfeife im Mund, die er eigentlich nur zur Visite heraus nimmt. Das Team bestand aus 6 Ärzten, davon 3 in der Facharztausbildung. Mit einer der Stationsärztinnen (Esther) habe ich mich angefreundet, sie hat ein Jahr Erasmus in Deutschland gemacht und hat mich überallhin mitgenommen. Wir hatten nicht sehr viele Aufnahmen, aber ich habe mir täglich einen Patienten rausgesucht, bei dem ich Anamnese und die Untersuchung gemacht habe. Danach hat sie es sich durchgelesen und verbessert. Das war eine ganz gute Übung, auf spanisch heißen doch viele Sachen einfach auch anders und die ganzen Abkürzungen stehen verkehrt herum, zum Beispiel HIV ist VIH. Ich muß immer noch überlegen wenn ich Abkürzungen lese. 2 Ärzte haben immer so 10 Patienten betreut und zwischen den Ärzten herrschte ein total entspanntes Verhältnis. Mir hat es sehr gut gefallen. Wenn ich wollte konnte ich auch mit Esther zu ihren Nachtdiensten in der Notaufnahme mitgehen.
Das habe ich nicht oft gemacht( war mir einfach zu früh), aber ein paar Mal war ich bei den Patienten zur Beobachtung mit dabei. Es war immer total voll, alles vollgestellt mit Betten, sogar teilweise auf den Gängen, Polizisten mit Straftätern und Besoffenen…ein buntes Bild. Die Ärzte (natürlich mehr die jungen) müssen ziemlich viele Dienste absolvieren und danach auch gleich weiterarbeiten. Auf der Herzchirurgie gab es einen Arzt, der hatte 4 mal Dienst pro Woche, da es zu wenig Ärzte auf der Station gab - man sah ihn immer blass und verpeilt auf den Gängen, aber das war ein extremes Beispiel.
Eine Woche lang habe ich nach in Dermatologie reingeschnuppert. Ich war in den Consultas und es war sehr interessant. Es war sehr schwierig, da viele Schwarze auch zur Untersuchung kommen und die Hautbilder natürlich ganz anders aussehen. Es gab viele Patienten mit Psoriasis, Haarausfall, Keratosis , hauptsächlich chronische Krankheiten. Besonders interessant fand ich die Sprechstunden in der Kinderklinik.
Unileben, Mitstudenten, Sprache und mein Fazit
Vom Unileben selbst kann ich leider nicht so viel berichten, da sich mein Unidasein, abgesehen von ein paar Parties, nur auf das Krankenhaus beschränkt hat. Die Vorlesungen und Praktika waren alle dort. Nur einen Kurs hab ich an der Uni belegt, Arbeitsmedizin. Der Prof war ziemlich eingestaubt und das Seminar dementsprechend langweilig. Zu meinen Mitstudenten hatte einen guten Kontakt, trotz verschiedener Ansichten. Die meisten sind noch ziemlich jung und leben bei ihren Eltern. Sie gehen zu den Vorlesungen und dann zum Mittagessen nach Hause, die meisten lernen auch zu Hause. So viel Kontakt hatte ich nicht mit ihnen, nur in den Praktika und nach den Vorlesungen in der Cafeteria. In den Vorlesungen ist es erstaunlich was die Studenten alles mitschreiben. Ich war mit einigen Studenten in den Sprechstunden und habe öfter mal etwas gefragt. Danach haben sie mir gesagt, daß sie eigentlich nie etwas fragen, sondern immer nur die 3 Stunden stumm absitzen und es für sie total ungewohnt wäre, daß jemand was sagt. Das konnte ich nicht nachvollziehen.
Abschließend möchte ich sagen, daß mir das kollegiale Klima in der Ärzteschaft sehr gut gefallen hat und ich mich sehr wohl gefühlt habe. Schade ist, daß man als Student hauptsächlich zuschauen darf, nur wenn man Glück hat und die richtigen Leute trifft, darf man mehr machen. “ Zusehen ist die Devise.” Sogar das Blutabnehmen machen die Schwestern, man könnte hier das Medizinstudium abschließen, ohne einmal blutabgenommen zu haben.
Einige Tipps zum Leben in Madrid:
Sprache: die Spanischkurse der Escuela oficial de idiomas, Islas Filipinas sind sehr gut und preiswert. Es ist nur schwierig einen Platz zu bekommen und sehr bürokratisch. Man hat im Jahr nur 2 bestimmte Wochen um sich einzuschreiben, außerhalb dieses Zeitraums hat man keine Chance.
Metro: am günstigsten ist es sich ein Abono ( Monatsticket) zu kaufen, dazu muss man aber erst mit Foto, 2 Euros und Ausweis zu einem Tabaco. In der Metrostation selbst, kann man das Formular nicht bekommen. Die U-Bahn fährt bis 2 Uhr nachts und die Busse bis 23.30. Danach gibt es Nachtbusse, die wie ein Stern von Plaza Cibeles ausgehen.
Wohnung: die habe ich schon von Berlin aus über eine Freundin vermittelt bekommen, aber falls man nichts hat, kann man über die “Secunda manu” etwas suchen. Sie erscheint jeden Tag und enthält viele Angebote für Wohngemeinschaften. Man muß schon früh aufstehen- wer nach 8 Uhr anruft bekommt meistens nichts mehr. Ich weiß das deshalb, da ich insgesamt 3 mal umgezogen bin. Da die meisten Spanier bis zum 30sten Lebensjahr bei ihren Eltern wohnen, oder wenn sie dann endlich ausziehen eine Wohnung eher kaufen als mieten, ist das Angebot nicht so groß und auch nicht gerade billig. Man muss mit einer Miete von mind. 220 Euros rechnen. Dafür bekommt man dann meistens eine Abstellkammer mit Bett. Schöne Viertel zum Wohnen sind :Retiro (in Parknähe), Sol, La Latina, Malasagna ( aber sehr laut nachts)-alles was in Zentrumnähe ist, wenn man nur für ein Jahr dort ist kann man schon mal im Zentrum wohnen. Aber wenn man lieber außerhalb wohnt, hat man trotzdem eine gute Anbindung, denn Madrid hat ein sehr gutes Verkehrssystem.
Die Museen sind alle gratis Sonntagvormittag, (Außnahme das Thyssen Museum.) Den Palacio Real kann man immer Mittwochnachmittag umsonst besichtigen, wenn man Besitzer eines europäischen Passes ist.
Zum Weggehn: las Huertas, Chueca, La Latina, Malasagna, Lavapies. Madrid ist voll von Bars und Clubs, ich denke jeder findet hier seine Ecke. Zum Relaxen: Goya, Retiro( der Retiro Park ist für mich der schönste Park Madrids, er ist rießig)
Zum Essen: Mittags zu empfehlen ist ein “Menu del Día” , meistens 2 Gänge mit Getränk und Nachtisch, das wird von fast allen Restaurants angeboten.
Ich kann jedem nur dazu raten ein Jahr in Madrid zu studieren. Es ist ein Erlebnis, dass man sein Leben lang nicht vergessen wird.