Famulatur in Bern
Kardioversion und Co
Alicja Zybowski
Kardiologie noch und noch
Mögliche Klappenfehler oder verminderte Kontraktionskraft des Herzens können gut bestimmt werden. Diese Ultraschalluntersuchung kann man auch durchführen, indem man den Schallkopf durch die Speiseröhre einführt, um eindeutigere Bilder zu erhalten, was jedoch deutlich unangenehmer für den Patienten ist (Transoesophageales Echo).
Ein ungeschultes Auge erfordert viel Übung, um in grau-schwarzen Bildern einem sich bewegenden Hohlmuskel mit vier Kammern gesunde oder pathologische Befunde zuteilen zu können.Es ist eine sehr spannende Untersuchung, da man den Herzmuskel „in Aktion“ begutachten kann, ohne invasive Methoden anzuwenden.Die Angiographie ist eine invasive Untersuchung der Herzkranzarterien mit dem Herzkatheter und mit Röntgenkontrastmittel; es wird bei Verdacht auf Herzkranzgefäßerkrankung und dadurch resultierender Herzschwäche durchgeführt. Bei dieser Untersuchung musste ich einen gewissen Sicherheitsabstand wahren, da die Strahlenbelastung relativ hoch sein kann, je nach dem wie lange und wie häufig das Röntgengerät eingeschaltet ist. Die resultierenden Bilder geben sehr genau die Herzkranzgefäße wieder, so dass Verengungen oder Verschlüsse leicht erkannt werden können. Sogar während dieser Untersuchung kann man die sofort sichtbaren Verschlüsse mit der Angioplastie versuchen aufzudehnen: hierfür wird ein Ballonkatheter in die entsprechende Arterie eingeführt, diese wird dann gedehnt und wieder durchlässig gemacht.
Falls diese Ballondilatation jedoch nicht ausreicht, kann direkt im Anschluss ein röhrenförmiges Metallgitter (Stent) in das Gefäß eingesetzt werden, das der Verengung sehr gut entgegenwirkt. Da die einzige Einstichstelle für die Untersuchung in der Leiste liegt und insgesamt nur ein geringes Risiko für Komplikationen besteht, ist dies eine häufig angewendete Untersuchung, mit der vielen Patienten auf schnellem Wege geholfen werden kann, da dieser Eingriff nur 2-3 Stunden dauert und die Patienten am nächsten Tag wieder nach Hause entlassen werden können. Jedoch gibt es auch schwerwiegendere Fälle, bei denen nur noch eine Bypassoperation helfen kann.
Die Kardioversion durch die Rhythmologen: durch zwei auf die Brustwand aufgeklebte Elektroden kann ein dosierter Stromstoss abgegeben werden und die elektrische Herzaktivität wieder normalisiert werden. Diese Behandlung wird bei Herzstillstand durch Kammerflimmern angewendet (Defibrillation) oder um ein Vorhofflimmern zu beheben (Kardioversion).
Leider ist diese Behandlung bei Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) häufig nicht wirkungsvoll und verhilft dem Patienten nicht zu einem normalen Sinusrhythmus; eine Medikamenten-Therapie wird sehr häufig angewendet. Diese Behandlung dauert nur wenige Sekunden und ist absolut spannend aber natürlich auch gefährlich, da man relativ hoch dosierte Stromstösse appliziert.
Bei schweren Herzinsuffizienzen müssen Transplantationen erwogen werden, aber die Wartelisten sind sehr lang und viele Komplikationen können eintreten. In der Zeit meiner Famulatur wurde leider keine Transplantation durchgeführt.Während alle diese Untersuchungen von Spezialisten durchgeführt werden, muss der Kardiologe diese auswerten und dem Patienten eine entsprechende Medikamentenverordnung erteilen. Außerdem muss natürlich alles protokolliert werden, deswegen sieht man die Ärzte auch stundenlang öfter am Computer sitzen als bei einem Patientengespräch. Das ist sicherlich ein Teil, den ich mir nie so vorgestellt hätte. Auch das Verhältnis von Ärzten und Computern hat leider nie gestimmt, so dass es oft zu genervten Warteschlangen kam.