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Innere PJ in der Schweiz

Leben und Arbeiten in einem 3000-Seelen-Dorf

Silke Otremba

 

Ich hatte schon seit langem einen Auslandsaufenthalt im Rahmen meines Studiums geplant, die Frage war eigentlich nur das Wann und Wie. Das PJ bot sich förmlich an, einmal über den Tellerrand zu schauen, wie Medizin „woanders gemacht wird“. Die Frage nun: Wohin? Ich wollte möglichst viel lernen und natürlich auch die angenehmen Seiten eines schönen Landes genießen. Bei einer Info-Veranstaltung einer großen Versicherung für Ärzte kristallisierte sich heraus: Südafrika für Chirurgie und Schweiz für Innere sollten es sein.

Nur nahmen sie einem gleich erst einmal die Hoffnung, 2 Jahre im Voraus sollte man sich mindestens wegen der Beliebtheit der Plätze beworben haben! Doch ich ließ mich davon nicht abschrecken und schickte meine Bewerbungen los.

Die Adressen für die Schweiz hatte ich aus dem Krankenhaus-Telefonbuch für Deutschland, Österreich und Schweiz, welches in unserer Bibliothek auslag. Ich wollte ganz gerne in die deutschsprachige Schweiz, am liebsten nach Graubünden wegen der Berge (und Skifahr-Möglichkeiten) und in ein nicht allzu großes Haus, damit ich auch ordentlich etwas tun konnte. Man kann sich übrigens viel Zeit und Porto sparen, wenn man in den Kliniken vorher anruft, denn viele haben absolut unterschiedliche Bewerbungs-Zeiträume und berücksichtigen erst Schweizer Studenten. So kam ich dann nach Thusis, einem kleinen Dorf an der Viamala, malerisch gelegen, etwa 20 Autominuten von Chur. Das Spital war sehr klein, es gab zwei Stationen, die Chirurgisch und Medizinisch gleichermaßen belegt wurden.

Alltag auf Station

Die Medizin (Innere) bestand aus einem Chefarzt und zwei Assistenzärzten, die von jeweils einem Uhu (Unterassistent, das Schweizer Pendant zum PJ´ler) unterstützt wurden. Somit waren also ein Assi und ein Uhu pro Station zuständig.

Der Dienst begann um 8:00 Uhr mit dem Morgen- und Röntgenrapport, es wurden sämtliche Röntgenbilder vom Chef befundet und besprochen, was während der Nacht passiert war und was für diesen Tag anlag. Danach war Dienstags und Freitags Fortbildung, die immer einer von den Ärzten oder Uhus halten musste, und Chefvisite. An den anderen Tagen standen oft Gastroskopien, Koloskopien, spezielle Röntgen-Untersuchungen und die normale Visite auf dem Programm.
Es gab eine schön lange Mittagspause von 12-15:00 Uhr, die aber oft wegen der vielen Arbeit nicht eingehalten werden konnte. Da konnte man sich selbst etwas zu Essen kochen oder einen Kurz-Ski-Trip zum Hausberg machen.
Der Nachmittag wurde meist mit Eintritten (Aufnahmen), Untersuchungen, EKG-Befundungen, Telefonaten und natürlich den obligatorischen Austrittsberichten sowie Kodieren zugebracht. Die Arbeit der Uhus war wirklich rein ärztliche Tätigkeit, das Blutabnehmen, Zugänge legen etc. war Schwesternarbeit.
Abends war dann wieder Rapport, wo sämtliche Patienten mit dem Chef durchgesprochen wurden und die Uhus und Assistenten die EKG-Befunde dem Chef zur Überprüfung vorlegten. So hat man wirklich sehr gut EKGs befunden gelernt. Zwischen 19-20:00 Uhr war meistens Schluss. Einmal pro Woche konnte man einen Nachmittag frei nehmen.

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