Nicht immer können Angehörige den sterbenden Patienten begleiten
Besondere Verantwortung in der Stunde des Todes
MEDI-LEARN (Redaktion)
Plane nicht voreilig mit dem „gerade frei werdenden Bettenplatz“, zumal vielleicht weitere dem Verstorbenen nahe stehende Personen sich inzwischen auf den Weg zum Krankenhaus gemacht haben. Ob die den Leichnam dann tatsächlich sehen wollen, wissen viele erfahrungsgemäß erst, wenn sie vor der Tür des Sterbezimmers stehen. Jeder hat seine eigene Art, mit Todesfällen umzugehen, und möglicherweise kommen diese Menschen zum ersten Mal in eine derartige Situation. Du kannst ihnen die schwierige Entscheidung durch den Hinweis erleichtern, dass die Möglichkeit zur Begegnung mit dem Toten auf ihren Wunsch auch später durchaus noch in den Räumen des Bestatters oder im Rahmen der Trauerfeier bestehen wird.
Kläre mit der Pflege ab, welche administrativen Aufgaben von dir zu erledigen sind und welche bereits durch sie übernommen wurden. Frage einen Kollegen, welche Dinge man beim Ausstellen des Totenscheins beachten sollte. Wenn zum Beispiel die Todesursache als unbekannt gilt, hat dies weit reichende juristische Konsequenzen. Wenn ein onkologischer Patient stirbt und es dir nicht klar ist, ob er an einem Lungenödem, einem Herzstillstand oder schlussendlich an einer Leberinsuffizienz verstorben ist, kannst du die Todesursache im klinischen Alltag trotzdem als „bekannt“ deklarieren.
Schwierig sind und bleiben Entscheidungen im Kontext von Sterben und Tod letztlich auch für dich als Arzt. Doch gehört beides untrennbar zum Leben und – je nach Fachrichtung mehr oder weniger – zum Alltag deines Berufs. Vieles wirst du in solchen Momenten intuitiv entscheiden müssen und solltest nicht vor ihnen weglaufen. Dann lernst du nach und nach, mit der wichtigen Aufgabe der Sterbebegleitung angemessen umzugehen. Zwar bereitet dich deine theoretische Ausbildung kaum adäquat auf sie vor, aber insbesondere auf Intensiv-, Palliativ- und onkologischen Stationen hast du Gelegenheit, dich unter erfahrener Anleitung frühzeitig damit auseinanderzusetzen.