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Auslandssemester in Providence/Rhode Island

Austauschprogramm Uni Tübingen - Brown University

Sabine Gabrysch

 

Das Team

Das Team besteht meist aus einem Resident (2. oder 3. Jahr der Facharztausbildung) und zwei Interns (1. Jahr, also direkt nach dem Examen) unter einem Attending (Facharzt). Als Student bekommt man seine eigenen Patienten, die man aufnimmt und bis zur Entlassung betreut. Allerdings betreut auch einer der Interns denselben Patienten, so dass im Prinzip alles doppelt gemacht wird, zum Lernen eben. Verordnungen darf man als Student nicht unterzeichnen. Der Resident ist für Fragen zuständig und der Attending wacht über alles. Bei den Visiten mit dem Team stellt man dem Attending seine Patienten vor und bespricht das weitere Vorgehen. Oft wird man auf den Visiten auch zu anderen Patienten etwas gefragt oder fragt selbst. Jeder ist darauf bedacht, sich weiterzubilden und auch Attendings geben freimütig ihre Wissenslücken zu. Wenn keiner die Antwort weiß oder etwas wiederholungsbedürftig erscheint, erklärt sich stets jemand bereit dazu, es nachzuschauen. Zweimal pro Woche trifft sich das Team, und der Attending unterrichtet die anderen oder jemand trägt kurz etwas Nachgeschlagenes vor. Dabei werden gerne und viele fotokopierte aktuelle Artikel aus medizinischen Fachzeitschriften zum jeweiligen Thema verteilt. Auf jedem Stockwerk stehen Computer mit Internet-Anschluss zur Verfügung und alle Brown-Angehörigen können bestimmte Suchprogramme für Lehrbücher und aktuelle Veröffentlichungen nutzen. Da wir auch in unseren Unterrichtsklassen zahlreiche Fachartikel bekamen, war mein Gepäck auf der Heimreise deutlich schwerer als auf der Hinreise.

Die amerikanischen Studenten des dritten Jahres hatten bei meiner Ankunft schon ein halbes Jahr Klinikerfahrung und waren mir daher praktisch zunächst deutlich überlegen, zumal für mich ja auch alles neu war. Nach einem Monat hatte ich mich aber gut eingewöhnt und merkte, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Insbesondere die theoretischen Grundlagen sind in Deutschland doch solider gelegt, so dass ich hier von Anfang an gut mitreden konnte.

Die Sprache war kein großes Problem, die Amerikaner sind da sehr nett und hilfsbereit und mein Englisch war nicht schlecht, man ist allerdings doch nie ganz so schnell und gewandt wie in der Muttersprache. Als sehr praktisch erwies sich, dass ich auch etwas Spanisch spreche, es gab immer wieder Patienten, die kaum Englisch verstanden und so brauchte man keinen Dolmetscher.

Mein zweiter Monat in der Ambulanz war wieder eine ganz andere Erfahrung. Ich hatte als Student mein eigenes Arztzimmer und sah eigene Patienten. Anschließend hielt ich Rücksprache mit einem der Ärzte dort, stellte den Fall vor, berichtete meinen Untersuchungsbefund sowie Ideen zum weiteren Vorgehen und besprach eventuelle Unklarheiten. Dann sahen wir den Patienten noch einmal gemeinsam und der Arzt überprüfte die wichtigsten Dinge. Schließlich füllte ich Überweisungsformulare, Abrechnung und Rezepte aus und schrieb (als einzige Person) in die Patientenakte. Der Arzt unterzeichnete dies sowie die Rezepte. Zum einen war das sehr befriedigend, man arbeitet weitgehend selbständig ohne jedoch schon die Verantwortung zu tragen, mit Sicherheitsnetz sozusagen, ideal zum Lernen. Leider ging es aber oft hektisch zu, so dass nicht genug Zeit war, Dinge nachzulesen und manchmal blieb bei mir das Gefühl zurück, dass wir dem Patienten nur irgendetwas verschrieben, aber nicht wirklich geholfen hatten, was allerdings auch sehr davon abhing, mit welchem Arzt ich gerade arbeitete. Da vor allem ärmere Patienten in die Ambulanz kommen, konnte ich auch etliche Erfahrungen mit dem amerikanischen Sozialversicherungswesen sammeln, das äusserst kompliziert ist. Da viele Patienten ja gar nicht versichert sind, spielen dann bei den Verschreibungen auch Kostengesichtspunkte mit, oder man verteilt Proben der Pharmafirmen, wobei die Auswahl aber nicht gerade dem medizinisch Sinnvollen entspricht. Überhaupt spielen die Pharmafirmen eine große Rolle. Sie verteilen jeden Tag kostenlos Mittagessen an die Ärzte und Studenten (meistens Pizza, Brötchen, Kekse, Chips und Cola -und alles in Einwegverpackungen und -geschirr), ausserdem verschenken sie nützliche Dinge. Man kann das allerdings auch als indirekte Bestechung betrachten... Die Müll- und Energiespar-Problematik ist in den USA übrigens wirklich noch völlig am Anfang. Ich habe einige Diskussionen geführt und stieß meist auf eine gewisse unschuldige Gleichgültigkeit, prinzipiell guten Willen, aber keinerlei Initiative, etwas zu verändern.
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