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Prüfungsprotokolle - Physikum detail

Prüfer : --- bitte wählen ---
Uni : München, LMU
Fach : Anatomie

Das folgende Prüfungsprotokoll wurde von einem Studenten
bei uns in die Datenbank eingetragen:


Allgemeines: Aufgrund von Corona wurden wir einzeln geprüft. Ich kam zum ausgemachten Raum im BMC und nach der Ausweis- und Einladungskontrolle durch meine Prüfungsvorsitzende ging es auch schon los. Die Atmosphäre war angenehm und viel entspannter als bspw bei Anatomietestaten o.ä. Ich durfte sagen, wenn ich zwischen den Prüfungen eine Pause wollte, habe dies aber nicht in Anspruch genommen, sondern nur kurz etwas zwischendurch getrunken. Aufgrund der Coronalage wurden die Masken während der Prüfung aufgelassen und zwischen Prüfling und Prüfer war eine Plexiglasscheibe. Nach etwa 50 min war die Prüfung zu Ende und ich erfuhr nach ca. 3 min Beratungszeit meine Note.

Protokoll:Thema 1: Niere Makro
Bitte ziehen Sie sich Handschuhe an, ich habe ein Plastinat für Sie mitgebracht. [gibt mir eine plastinierte Niere] Erzählen Sie mal was dazu! Ich benenne, dass es eine Niere ist und zeige am Präparat das Hilum mit A. und V. renalis und den Ureter, der am Nierenbecken beginnt. Die Niere ist für den Wasserhaushalt, den Elektrolythaushalt und den Säure-Base-Haushalt zuständig und hat endokrine Funktionen. Sie liegt primär retroperitoneal in der Fossa lumbalis. Der obere Pol liegt auf der Höhe von BWK12, das Hilum auf Höhe von LWK1 und der untere Pol auf der Höhe von LWK 2-3. Das gilt für die linke Niere, die rechte Niere liegt wegen der Leber ca. 0,5 Wirbelkörper tiefer. Die Niere ist umhüllt von 3 Hüllen. Zuerst die derbe Organkapsel, die Capsula fibrosa. Dann die Capsula adiposa, die aus Speicherfett besteht. Sie ist wichtig, damit die Niere dort bleibt, wo sie soll und der Ureter nicht abknickt. Außen schließt sich ein Fasziensack an, der vorne aus der Gerota-Faszie und hinten aus der Zuckerkandl-Faszie besteht und zum Hilum sowie nach unten offen ist. Wie ist denn die Blutversorgung der Niere? Das arterielle Blut kommt aus der A. renalis, die ein Abgang der Aorta abdominalis ist und sich dann aufteilt in Aa. interlobares, Aa. arcuatae, Aa. interlobulares und schließlich Vas afferens/ efferens. Venöse Drainage durch V.renalis zur V. cava inferior. Sehr schön. Jetzt hat Ihr Patient etwas pathologisches an der Niere und hat Schmerzen in der Leistenregion, warum? Dafür gibt es zwei Erklärungen. Der N. iliohypogastricus des Plexus lumbalis verläuft in der Nähe der Niere und deshalb kann es bei Pathologien der Niere im Innervationsgebiet dieses Nerven in der Leistenregion zu Schmerzen kommen. Die zweite Erklärung wäre die der Head-Zonen, da das ZNS Afferenzen von der Haut und den Eingeweiden, die auf einem Rückenmarkssegment zusammenkommen nicht unterscheiden kann und Schmerzen eher den kutanen Afferenzen zuschreibt. Gut. Dann gehen wir einmal weiter zur Embryologie der Niere. [Ich fange an mit "Die Niere entsteht aus dem intermediären Mesoderm", sie unterbricht]. Ich möchte noch früher beginnen, zeichnen Sie mal eine dreiblättrige Keimscheibe, so mit drei Strichen. Ich zeichne drei Striche, benenne Endoderm, Mesoderm und Ektoderm. Was ist denn jeweils ein Derivat der Keimscheiben? Aus dem Ektoderm entstehen Oberflächenepithelien, aber auch das Mundhöhlenepithel und außerdem neuronale Gewebe. Aus dem Endoderm entsteht z.B. das Epithel des GI-Trakts. Das Mesoderm differenziert sich in paraxiales Mesoderm, intermediäres Mesoderm und laterales bzw. Seitenplatten Mesoderm. Aus dem paraxialen Mesoderm entsteht u.a. die Skelettmuskulatur. Aus dem lateralen Mesoderm entsteht das Herz. Und aus dem intermediären Mesoderm entsteht ähm äh... Sie haben es vorhin schon mal gesagt. Ach ja, die Niere. Genau. Sie wollten ja vorhin schon was zur Entwicklung der Niere sagen, dann erzählen Sie jetzt mal was dazu! Die Niere entwickelt sich über die drei Stufen der Vor- Ur- und Nachniere und macht dabei einen Aszensus durch. Dabei bekommt sie immer wieder eine neue Gefäßversorgung. Das ist klinisch z.B. für entwicklungsbedingte Anomalien wichtig, da die Gefäße auf Höhe des Organs zu suchen sind. Die Vorniere ist nicht funktionsfähig und bildet sich zurück. Die Ur- und Nachniere haben schon Funktionen. Der Ureter und Teile der männlichen Geschlechtsorgane entwickeln sich aus dem Wolff-Gang. Was ist denn mit der Urniere? Bildet die sich vollkommen zurück oder bleibt da etwas? Es bleibt etwas ähm...Wir hatten eigentlich gerade schon darüber geredet, ich gebe mal einen Tipp es ist der Ductus mesonephricus der bleibt. Ach ja genau, das ist ja eben der Wolff-Gang, aus dem sich der Ureter entwickelt.
Thema 2: Herzmuskel Histo (EM-Bild)
Gehen wir zu einem anderen Thema, ich habe Ihnen ein Bild mitgebracht, was sehen Sie? Das ist ein elektronenmikroskopisches Bild, ich sehe Zell-Zell-Kontakte und hier unten ich glaube ein Mitochondrium. [Ich wusste überhaupt nicht, was auf dem Bild eigentlich ist] Und hier das graue, ist das vielleicht ER? Nein, das hat ja hellere und dunklere Anteile und ist nicht membranbegrenzt. Ah, dann sind das Sarkomere und wir sind hier in der Skelettmuskulatur. Sagen wir mal nur Muskulatur, welche Arten gibt es denn? Es gibt drei Arten, glatte Muskulatur, Skelettmuskulatur und Herzmuskulatur. Genau, und wenn wir hier Sarkomere haben, welche kann es dann nicht sein? Die glatte. Gut, Wenn Sie die Zell-Zell-Kontakte betrachten, wo sind wir dann hier? Sie sehen treppenförmig aus, deshalb sind es die Glanzstreifen, bzw Disci intercalares. Deshalb sind wir im Herzmuskel. Die Glanzstreifen bestehen aus Gap junctions, aufgebaut aus zwei Connexonen aus jeweils 6 Connexinen, im Herz Connexin 43 sowie Desmosomen und Macula adhaerens. Die Gap junctions dienen der elektrischen Kopplung und machen ein funktionelles Synzytium. Die Adhärens Kontakte dienen dem Zusammenhalt, der wichtig ist, weil das Herz ein sich kontrahierendes und entspannendes Organ ist. Sehr schön. Was ist nun der Unterschied zwischen einem funktionellen und einem echten Synzytium? Beim funktionellen sind die Zellen eben über Gap junctions gekoppelt, es bleiben aber einzelne Zellen mit jeweils einem Zellkern. Das echte findet sich in der Skelettmuskulatur, es entstehen große Zellen mit vielen Kernen. In welchem Organ finden Sie noch ein echtes Synzytium? Wenn ich an die Embryonalentwicklung denke, im Synzytiotrophoblasten. Also in der Plazenta.
Thema 3: Speicheldrüsen und Innervation
Wenn Sie später heimkommen und Ihnen jemand als Belohnung hoffentlich Ihr Lieblingsessen kocht, welche Speicheldrüsen gibt es denn, die dann mehr Speichel sezernieren? Drei große, Gl. submandibularis, Gl. parotis, Gl. lingualis und dann noch die kleinen, Bsp. Gl. labiales. Wir bleiben bei der Gl. submandibularis, wie ist sie denn innerviert? Parasympathisch über Chorda tympani des N. facialis, Verschaltung im Ganglion submandibulare. Zugehöriger Kern Ncl. salivatorius inf. Salivatorius inferior? Ähm, natürlich Salivatorius superior. Wie ist es mit der Glandula parotis, wie wird die innerviert? Fasern des Ncl. salivatorius inferior über N. glossopharyngeus, Umschaltung im Ganglion oticum. Vielen Dank, dann sind wir fertig.

Fazit:Ich habe Frau Dr. Vielmuth als sehr freundliche und faire Prüferin erlebt. Als es bei mir in Histo etwas stockte, hat sie mir gern geholfen. Sie prüft zwar alles, geht aber nicht weit in die Tiefe und lässt einem genug Zeit zum Überlegen. Sie bringt gerne Modelle, Bilder, Plastinate etc mit. Vor allem Hirnnerven bzw parasympathische Kopfganglien mag sie gern.