Mir stinkts

24. November 2014 geschrieben von Annette

Ich weiß nicht. Was sagt ihr? Hab ich mich in meiner alten Klinik auch so oft über Überstunden beschwert? Und dass die Dienste keinen Spaß machen? Mir kommt es jetzt so vor, als wäre das früher besser gewesen. Ja, die Dienste waren stressig und man hatte mehr zu tun, aber irgendwie… war die Arbeit interessanter. Und die Schwestern waren besser. Viel besser.

Eben schaue ich in den Spiegel und was sehe ich? Augenringe. Augenringe!!! Mittwoch Dienst gehabt, Samstag Dienst gehabt. Beide nicht stressig, aber 24 Stunden Dienst sind 24 Stunden Dienst. Gestern dann tagsüber nur 2 Stunden gepennt und erst um halb 12 ins Bett. Und heute klingelte der Wecker dann um 5.45 Uhr. Ach, und dann haben sich heute zwei Kollegen krank gemeldet, von denen einer morgen Dienst hätte. Wer macht den Dienst? Richtig: ich! Und Freitag hab ich auch wieder Dienst.

Und an den normalen Arbeitstagen kommt man auch nicht unter einer Überstunde raus. Wenn das mal am Dienstag ist wegen der Chefvisite, ist das ja noch OK. (Eigentlich nicht, aber man akzeptiert das.) Aber in den letzten 2, 3 Monaten verging kaum ein Tag, an dem man mal pünktlich raus kam. Fast keiner!!!!! Es ist praktisch schon die Regel, dass man jeden Tag eine oder anderthalb Stunden länger bleibt.

Mir stinkt das.

Wenn ihr Arzt googeln muss

20. November 2014 geschrieben von Annette

… um herauszufinden, was sie haben, ist ihr Arzt kein Versager, sondern aufmerksam und gewissen haft!

Gestern Nacht brachte mir der Rettungsdienst einen Mann, der sich mit einem Cuttermesser in die Hand geschnitten hatte. Soweit nicht ungewöhnlich. Aber was wissen über diese Messer? Genau, die sind verdammt scharf. Und wenn man da so richtig mit Schmackes losschneiden wollte, dann aber abrutscht und in der Hand landet, kann das schonmal eine tiefere Wunde geben.

“Das muss mal wundversorgt werden”, war die Übergabe vom Rettungsdienst. Naja, ich hab nicht weiter nachgefragt, auch nicht nach der Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Ist ja letztendlich doch meine Aufgabe, das zu überprüfen.

Als ich dann den Verband entfernt hatte: holla die Waldfee! Ja, das war tief. Aus einer Ecke sprudelte es gleich mal ein bisschen arteriell, aber nicht schlimm. Mit einer Kompresse bekam ich das so weit in den Griff, um mir die Wunde genauer ansehen zu können. Da guckte mich etwas derbes, weißes an. Offenbau eine Sehne oder ein Band, was sich der Patient durchtrennt hatte. Aber wo gehörte es hin? Wo kam es her? Wo war das andere Ende? Hm, gar nicht so einfach. Das andere ende befand sich sehr dicht am Knochen, er hatte sich diese Sehne sehr knochennah abgetrennt. Ich konnte nicht sofort sagen, was genau das für eine Sehne ist, hatte aber so eine Ahnung.

Was tun? Meinen Anatomieatlas hatte ich früher immer dabei, aber vor einigen Wochen muss ich ihn wohl ausgepackt haben, er war jedenfalls nicht im Rucksack.  In der Ambulanz stand auch keiner herum. Was tut man in so einem Fall? Googeln! Auch nicht so einfach, wenn man nicht genau weiß, mit welchem Suchwort man das gewünschte Ergebnis findet. Nach ein paar Minuten hab ich aber gefunden, was ich gesucht habe. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, aber es könnte die Sehne des M. adductor pollicis gewesen sein.

Und nu? Hätte ich zwei eindeutige Sehnenstümpfe gehabt, hätte ich das wohl einfach genäht, aber leider war es nicht so klar, wohin die Sehne genau gehört. Und bevor ich irgendwas mit irgendwas zusammen nähe, schicke ich den Patienten doch lieber zum Handchirurgen.

Nach kurzem Telefonat mit der nahegelegenen Uniklinik habe ich die Schnittwunde also nur wundversorgt und Sehne sein gelassen. Da kann sich dann heute der Handchirurg drum kümmern.

Auf der Flucht

20. Oktober 2014 geschrieben von Annette

Ja, es ist mir schon öfter passiert, dass Patienten ausgebüxt sind, aber noch nie am zweiten Tag nach Hüft-OP!

Ich hatte gestern Dienst. Gegen Abend war viel los. Eine Patientin mit Urosepsis, hoch fieberhaft und tachykard, und der übliche Kleinschei*: umgeknickt, auf den Ellenbogen gefallen, auf die Hand gefallen und so weiter. Dazu kam eine Patientin von der Station, die plötzlich eine Tachyarrhythmia absoluta entwickelt hat und die ich deswegen auf die Intensivstation verlegt habe.

Und dann rief die Station an, sie hätten da einen Patienten, zweiter Tag nach Hüft-TEP, der verwirrt sei und aggressiv. Ich ordnete am Telefon ein Mittel an, was man bei älteren, verwirrten Menschen geben kann, damit sie ruhiger werden. Zwei Stunden später ein erneuter Anruf von Station. Das Mittel würde nichts bringen. Hm, na gut, dachte ich, fahren wir die harten Geschütze auf. Ich ordnete Atosil Tropfen an. Eine halbe Stunde später rief abermals die Station an. Der Patient würde die Einnahme verweigern. Einen Zugang habe er auch nicht mehr, sie könnten ihm also auch nichts i.v. geben. Toll.

Nachdem ich die Ambulanz endlich einigermaßen aufgeräumt hatte, ging ich nach oben. “Zimmer 214″, sagte mir die Schwester. Das Zimmer war leer. Oh-oh. Ich ging zurück zur Schwester. “Oh, dann ist er wohl ausgebüxt!” Zu zweit suchten wir die Stationen ab, den Keller, den Außenbereich. Kein Zeichen von unserem Patienten. Der Mann am Empfang wurde Gott sei Dank von den Schwestern vorher informiert, dass es einen Patienten gibt, der eventuell abhauen möchte. Wir fragten ihn, ob er den Patienten gesehen habe. “Nein, aber da war ein Mann im Jogginganzug, den habe ich raus gelassen! Er sagte mir, er sei kein Patient.” Wir gingen zurück auf das Zimmer des Patienten. Da lag das Krankenhausnachthemd. Mist, er hatte sich also umgezogen und war am Pförtner vorbei gekommen.

Sofort rief ich die Polizei an. Weit kann er ja nicht kommen mit seiner frisch operierten Hüfte. Da hatte die Schwester eine Idee: der Patient besaß offenbar ein Handy. Seine Ehefrau gab uns die Nummer und die Schwester rief das Handy an. Tatsächlich ging der Patient ran. Er sagte uns auch ganz brav, wo er sich befindet. Wir gaben das an die Polizei weiter und die fand ihn dann endlich und brachte ihn zu uns zurück. Fast 2 km weit war er gekommen! Physiotherapie braucht er definitiv keine.

Die Schwester und ich nahmen den Patienten dann in Empfang. Er war einigermaßen freundlich zugewandt und ließ sich überreden, dass wir ihn aufs Zimmer begleiten. Selbstverständlich brachten wir ihn direkt auf die Intensivstation. Da ist er wesentlich besser unter Kontrolle. Keine Stunde später lag er auch friedlich schlafend im Bett. Mit etwas Propofol…

Zwischendurch hatte ich natürlich auch meinen Hintergrund Oberarzt informiert. Der hatte sich am Telefon erstmal kaputt gelacht. Gleiches heute morgen in der Besprechung. Der leitende OA hat sich kaum noch eingekriegt vor Lachen. Ich fand die ganze Geschichte nicht soooo lustig. Wenn da was schief gelaufen wäre, hätte man mir schwere Vorwürfe machen können.

Aber die Hüfte scheint gut zu funktionieren, wenn der Patient damit schon nach 2 Tagen 2 km laufen kann.

WTF?!

7. Oktober 2014 geschrieben von Annette

Unfallchirurgen machen keine gute Orthopädie und Orthopäden machen keine gute Unfallchirurgie. Das ist meine bisherige Erkenntnis aus den zwei Krankenhäusern, in denen ich gearbeitet habe. Heute durfte ich leider mal wieder Zeuge dieser Erkenntnis sein.

Also, ich hab ja schon festgestellt, dass die Leitlinie für die Behandlung von distalen Radiusfrakturen in meiner derzeitigen Klinik nahezu unbekannt zu sein scheint. Viele Frakturen werden konservativ behandelt, die man eigentlich operieren sollte. OK, man kann sich drüber streiten, ob das wirklich immer sein muss. Gerade ältere Patienten haben auch trotz Fehlstellung ein gutes Outcome bei konservativer Therapie. Aber es gibt eine Regel, die galt auch schon vor 20 Jahren: ein Flexionsbruch ist per Definition instabil und sollte operiert werden! Nein, MUSS operiert werden, sofern der Patient nicht kurz vorm Abnibbeln ist. Und wie machen die das hier? Röntgenbild, “Oh, steht doch gut! Konservativ…” *facepalm*

Dann gibts auch wieder Fälle, wo man einen Bruch reponiert und eingipst – steht scheiße, egal, trotzdem konservative Therapie. Steht nach einer Woche in der Röntgenkontrolle immer noch scheiße. In der zweiten Woche auch. Aber in der dritten Woche fällt es plötzlich jemanden auf: “Oh, das steht aber nicht gut, das müssen wir operieren!” Herzlichen Glückwunsch! Eine fast verheilte Fraktur operieren ist auch ganz einfach. Und wenn man sich dann zur OP entschließt, welche Methode wird dann gewählt? Ein Fixateur externe!!!!! Aaaaahhhhhhhhhhhhh!!!! Kopf -> Wand Ich glaube wir haben hier in einem Dreivierteljahr genauso viel Handgelenksfixateuere gemacht als ich vorher in 5 Jahren gesehen habe. Ich vermute ja, sie machen deshalb so viele, weil ein Fixateur einfacher ist als eine Platte. Aber: ein Fixateur widerspricht eigentlich dem Sinn der OP, nämlich dem Patienten eine frühe Beübung des Handgelenks zu ermöglichen! Mit Fixateur kann er auch für 6 Wochen nicht bewegen. Schlimmer noch: viele kriegen nach den 6 Wochen nochmal für 2 Wochen eine Schiene!!!

Und heute habe ich dem Chef bei einem Fixateur am Handgelenk assistiert. Für die Pins hat er etwa 2 bis 4 (!) cm große Schnitte gemacht!!! Soviel dann zum minimalinvasiven, perkutanen Verfahren…. und wieder stimmte die Indikation überhaupt nicht. Aber egal, ich guck mir das an, denke mir meinen Teil und werde es später anders machen.

Der erste Dienst nach dem Urlaub

5. Oktober 2014 geschrieben von Annette

Ich habe ich mich inzwischen ein bisschen dran gewöhnt, dass mein Mann nicht da ist, wenn ich nachhause komme. Am 3.10. hatte ich frei, da habe ich mich mit Verabredungen mit Freunden eingedeckt, um mich zu beschäftigen. Hat auch gut funktioniert. Am Samstag, also gestern, hatte ich dann Dienst. Einerseits hatte ich erst tatsächlich etwas bammel davor, weil ich mich im Dienst ohnehin oft etwas einsam fühle. Am Samstagmorgen hatte ich jedoch gar keine Sorgen mehr. Ein paar Minuten vor Dienstbeginn stellte ich meinen Rucksack in der Notaufnahme ab und plauderte etwas mit der anwesenden Schwester. Gott sei Dank war es eine von denen, mit denen ich ganz gerne arbeite. Die Besprechung dauerte dann ungewöhnlich lang. Sonst sind wir nach einer Viertelstunde fertig, aber diesmal hat es eine Dreiviertelstunde gedauert! Zwischendurch klingelte schon mein Telefon, ob ich denn bald käme, es seien schon 3 Patienten da. Na super. Als wir endlich fertig waren, waren aus den 3 Patientens chon 5 geworden und so sollte es bis abends bleiben. Zwar nicht immer so voll, aber es gab keine einzige Minute, in der nicht ein Patient auf mich wartete. Erstmal Kaffee und dann gemütlich starten? War leider nicht drin. Als ich die erste Runde zumindest mal angeschaut und zum Röntgen geschickt hatte, gönnte ich mir um 11 Uhr endlich den ersten Kaffee. Und die Patienten hatten wirklich fast alle was! Eine Radiusfraktur, eine Claviculafraktur, eine Schenkelhalsfraktur, einmal Meniskus, einmal Kreuzband… das beste aber war, dass ich insgesamt nur zwei Patienten mit Rückenschmerzen hatte und KEINEN EINZIGEN urologischen Patienten! Yeah! Und die Stationen waren auch relativ ruhig. Das meiste war unkompliziert und ließ sich am Telefon erledigen.

Um 22 Uhr bin ich dann ins Bett gegangen. Naja, um halb 12 kam dann ein Anruf von einer Schwester, die in unserer Notaufnahme arbeitet. Ihr Sohn sei verprügelt worden, die Polizei habe sie angerufen und die wollen, dass er unbedingt in ein Krankenhaus geht. Ob ich ihn mir nicht angucken könne. Na gut. Bin ich also aufgestanden. Als der Bub dann kam, erzählte er prompt, er sei auch kurz bewusstlos gewesen. Na super. Damit hatte er formal eine Gehirnerschütterung und ich hätte ihn auf unsere Intensivstation aufnehmen müssen. Aber seine Mutter hat ihn mit nachhause genommen. War auch OK so, denke ich, ihm ging’s nämlich blendend. Aber ich schätze, dass er heute einen Mordskater haben wird *g*

Keine Minute nach dem ersten Anruf kam der zweite: der Rettungsdienst wollte mir einen Mann bringen, der drei Wochen zuvor in einem anderen Krankenhaus operiert worden war. Dort hatte er aber Hausverbot. Klingt nach einem sehr netten Patienten, oder? Natürlich hatte der Typ auch nichts. Der Bruch war gut operiert, der Nagel saß richtig, kein Anzeichen für eine Entzündung… der Mann hatte nur leider kein Geld für ein Taxi dabei und auch keine Gehstützen. Aber er war zumindest nicht so einer, der sich dann in den Rollstuhl setzt nach dem Motto “Ich bin eine arme Sau, rühre mich keinen Millimeter, bestellt mir gefälligst einen Krankenwagen”. Wir gaben ihm ein neues Paar Krücken und er humpelte zur nächsten Straßenbahnstation.

Um halb 5 Uhr morgens kam die nächste Patientin. Die war zwei Tage zuvor schonmal dagewesen wegen derselben Schmerzen. Damals hatte der Kollege ihr eine Spritze in die Hüfte gegeben, die einen Tag geholfen hatte. Ich wollte ihr nicht nochmal eine geben. Erstens, weil die wieder nur kurz helfen würde, zweitens, weil das Infektionsgefahr erhöht, wenn man zweimal so kurz nacheinander da reinpiekst. “Dann bin ich also ganz umsonst gekommen?” fragte sich mich vorwurfsvoll. Ja, bist du! Das ist jetzt auch keine ernsthafte Erkrankung, wegen der man am Sonntagmorgen um HALB FÜNF ins Krankenhaus gehen muss.

Zurück ins Bett. Der nächste Weckruf kam von meinem Handy. um 8 Uhr klingelte der Wecker. Nacht überstanden.

Rückkehr

1. Oktober 2014 geschrieben von Annette

Und schon wieder so eine lange Blogpause. Aber ich habe eine Entschuldigung: ich war im Urlaub! Zweieinhalb Wochen lang! Dabei habe ich dann gleich mal meinen Ehemann in den USA abgeliefert, wo er von jetzt an für ein Jahr arbeiten wird. Das hatte dann gleich zwei Konsequenzen:

1) Jetlag. Gestern um 10 Uhr deutscher Zeit angekommen, zwar abends hübsch ins Bett gegangen, aber sehr schlecht geschlafen. Erst so gegen 3 Uhr konnte ich richtig einschlafen (21 Uhr nach Ostküstenzeit). Um 5.45 Uhr klingelte dann wieder der Wecker – 23.45 Uhr Ostküstenzeit. Ich bin also mitten in der Nacht aufgestanden. Dementsprechend müde war ich dann heute. Einen Durchhänger hatte ich so um die Mittagszeit. Dachte ich kurzzeitig mal, dass ich die OP nicht überstehe. Bei der OP handelte es sich um einen Hüft-TEP Ausbaue bei Infekt und wer sowas schonmal mitgemacht hat, weiß, dass das laaaange dauern kann. Naja, waren “nur” dreieinhalb Stunden, aber sowas bin ich eben nicht gewohnt! Und dann auch noch mit Hunger, Jetleg und Kummer.

2.) Kummer. Trennungsschmerz. Verlustgefühl. Einsamkeit. Ich bin nun daheim mit den zwei Katzen und ohne meinen Schatz. Das fühlt sich ziemlich schrecklich an. Zuhause lasse ich immer Musik oder den Fernseher laufen gegen die furchtbare Stille. Bei der Arbeit war ich dann etwas abgelenkter. Etwas. Ich hab doch schonmal was den Tagträumen geschrieben, die ich während der OPs habe, wenn ich nur assistieren. Nun ja, diese Tagträume habe ich natürlich immer noch, nur diesmal tun sie eher weh, weil sie mich daran erinnern, was mir im Moment fehlt.

Aber alle sagen, das geht vorbei, man gewöhnt sich daran und ein Jahr sei ja sooo kurz. Hoffentlich.

…läuft…

21. August 2014 geschrieben von Annette

Ich hab ja schon oft geschrieben, wie unzufrieden ich mit meiner neuen Stelle bin. Aber eins muss man der Abteilung lassen: endlich mal wird man auch spürbar belohnt für gute Arbeit. Ich habe das Gefühl, dass meine Oberärzte was von mir halten und in letzter Zeit führt das immer öfter dazu, dass ich auch im OP was machen darf. Nach meinen ersten Prothesen neulich habe ich vorgestern zum ersten Mal eine Spine Jack Kyphoplastie machen dürfen und weil das so gut lief kam heute noch ein minimal invasiver Fixateur externe an der Wirbelsäule oben drauf. Naja, “selber machen” ist relativ, ich bekomme natürlich noch alles vorgegeben und mache halt nur, was der assistierende Oberarzt mir sagt. So schwierig ist das dann nicht. Aber ich glaube, ich stelle mich gar nicht so blöd an. :-) Das mit dem Fixateur hat schonmal ganz gut geklappt heute. Mit Navigation ist das auch nochmal einfacher als ohne, aber auch da muss man ein Gefühl für Räumlichkeit haben. Genauso wie beim Arthroskopieren. Das durfte ich gestern mal wieder üben. Ich finde das ja sauschwer, weil quasi nicht nur mit beiden Händen, sondern teilweise auch noch mit irgendwelchen Fußschaltern arbeiten muss und das alles, während man nur ein zweidimensionales Bild auf einem Fernseher vor sich sieht. Echt schwer. Da kann man auch gut nachvollziehen, wieso Personen, die in ihrer Freizeit Computerspiele spielen , bei sowas besser sind. Ein Hoch auf meine XBox!

… und der nächste folgt sogleich!

7. August 2014 geschrieben von Annette

Für meine erste Knieprothese am Freitag musste ich natürlich einen Kuchen backen und mitbringen. Montag hatte ich Dienst, Dienstag demzufolge frei, also bot sich der Mittwoch an. Dienstag war ich dann aber nach dem Dienst irgendwie zu müde, um abends noch zu backen, also verschob ich den Kuchen auf Donnerstag. Das war eine gute Entscheiden, denn: heute durfte ich meine erste Hüftprothese operieren! Mit einem Kuchen zwei Fliegen erwischt sozusagen. :-)

Diesmal erfuhr ich von meinem Glück durch den Chef der Wirbelsäulenchirurgie, der zur Zeit den OP Plan erstellt. “Frau Annette, ich habe Sie morgen für eine Hüfte eingetragen” Ohhh, ahhhh! Diesmal konnte ich mich also auch vorbereiten. Vorbereiten heißt, die OP muss mit einem speziellen Programm am Computer anhand der Röntgenbilder vom Patienten geplant werden. Welche Art der Prothese, Größe der Pfanne, Größe des Schafts und des Kopfes und so weiter.Das hatte ich bisher noch nie gemacht! Glücklicherweise war mir der Oberarzt, der mir assistierte, behilflich. Zuhause hatte ich noch am Vorabend versucht, mir im Lehrbuch den OP Ablauf durchzulesen, aber wenn ichs nicht direkt vor mir sehe, kann ich mit diesen Angaben, um wieviel Grad man jetzt irgendwas irgendwie halten soll, nicht vorstellen. Der Oberarzt wirds mir schon erklären, war mein Gedanke.

Und so funktionierte es auch. Den Anfang habe ich ganz gut selbst hinbekommen. Bringt doch was, wenn man eine OP in den vergangenen 5 Monaten ca. 100 mal gesehen hat. Beim Fräsen der Pfanne brauchte ich dann natürlich Hilfe. Bis sich das Gefühl einstellt, wie weit man fräsen muss, dauert es bestimmt eine ganze Weile. Beim Schaft ebenso: ich hämmerte wie blöd den Schaft hinein, mir wurde schon der Arm lahm, aber obs jetzt gut ist oder nicht, konnte ich gaaaar nicht beurteilen. Aber der Oberarzt war so nett, das für mich zu tun. Auch bei der Stabilitätsprüfung mit den Probeelementen half er mir.

Am Ende passte alles ziemlich gut zusammen. Die Dauer der OP hat mich auch überrascht: für das Knie haben wir 130 Minuten gebraucht, die Hüfte hat im 99 Minuten geklapppt. :-) So kanns dann bitte weiter gehen.

Meine erste Prothese!

3. August 2014 geschrieben von Annette

Was soll ich sagen? Obwohl mir die Arbeit meistens keinen Spaß macht, die Dienste ätzend sind und ich es kaum erwarten kann, hier wieder weg zu kommen, scheine ich mein Ziel erreichen zu können: Prothesen für den Facharzt. am Freitag durfte ich meine erste Knieprothese einbauen. So richtig wahrgenommen habe ich das allerdings erst, als mir der OP Pfleger das Skalpell in die Hand drücken wollte: “Was? ICH operiere??” Da hatte ich wohl den OP Plan nicht richtig gelesen. Ich war davon ausgegangen, dass ich nur assistieren. Ich hätte auch niemals gedacht, dass meine erste Prothese ein Knie sein wird! Knie sind nämlich schwieriger als Hüften. Jedenfalls ging mein Puls gleich mal in die Höhe, als ich nach dem Skalpell griff. Der Oberarzt, der mir assistiert hat, war aber völlig gelassen. Mit einem Stift zeichnete er mir ein, von wo bis wo ich schneiden muss, erläuterte mir jeden Schritt der OP und übernahm natürlich auch die wichtigen Entscheidungen wie z.B. die Größenbestimmung der Komponenten und die Achsenausrichtung. Von daher war die OP für gar nicht schwer: er sagte mir immer genau, was ich jetzt wie machen muss. Ich war sehr zufrieden, denn für das Ausrichten der Sägeblöcke und die Größenbestimmung braucht man doch viel Erfahrung. Ich gebe mich erstmal damit zufrieden, letztendlich zu schneiden und zu sägen. :-) Das Knie war sowieso sehr dankbar, man kam überall gut ran und schon bei der ersten Probe war alles stabil. Glatter kann es kaum laufen. Die ganze OP fühlte sich für mich ein bisschen wie in Trance an und ich staunte nicht schlecht über die Schnitt-Naht Zeit am Ende: 130 Minuten! Das ist wahnsinnig viel. Aber ganz OK für die erste Prothese, denke ich.

Es war ganz schön, mal wieder was operieren zu dürfen. Und ein merkwürdiges Gefühl, dass jetzt jemand mit einem künstlichen Gelenk von MIR herumläuft. Aber auf die Dauer sind Prothesen nichts für mich. Unfallchirurgie mag ich mehr. Prothesen sind etwas Dauerhaftes. Die baut man ein und dann bleiben sie da. In der Unfallchirurgie hilft man ja eigentlich nur dem Körper, sich selbst zu heilen. Die Knochenheilung funktioniert ohne Chirurgie, wir helfen nur dabei, dass Länge und Achse stimmen. Das ist also etwas Temporäres irgendwie. Naja, jetzt muss ich halt durch durch diese zwei Jahre Orthopädie. Mal sehen, wann meine erste hüfte kommt.

Und mal wieder zu Unrecht gemeckert

4. Juli 2014 geschrieben von Annette

Gestern im Dienst hab ich mich tatsächlich mal mit einem Patienten angelegt, bzw. mit dem Vater von der Patientin. Eigentlich tauchte der nämlich so gegen halb 9 Abends mit einer 4 Tage alten Überweisung in die Radiologie für seine Mutter auf. Die Schwester hat ihm dann bestimmt, aber halbwegs freundlich erklärt, dass er bitte morgen um 8 wieder kommen soll, da wir aktuell nur Notfälle behandeln und dies ja keiner zu sein scheint.

Statt dann abzuziehen fiel ihm aber ein, dass seine 6 jährige Tochter ja auch Schmerzen hat. Seit einer Woche. Da klingelten bei mir die Alarmglocken. Ich zeigte auf das große Schild über dem Tresen: “NOTFALLAMBULANZ”. Schmerzen seit einer Woche sind kein Notfall mehr! Er könne morgen mit ihr zum Kinderazt gehen. Da sei er schon gewesen, sagte er, der Kinderarzt habe nichts gemacht! Ixh erklärte ihm, ich würde auch nicht mehr machen als eine Notfallbehandlung. “Wenn ein Kind Schmerzen hat, ist das kein Notfall??”, wobei er das Wort “Kind” immer ganz besonders betonte. Nochmals versuchte ich ihm zu erklären, was ein Notfall ist und was nicht. Egal, er hatte sich ja bereits angemeldet und ich hatte auch zugestimmt, mir die Kleine anzusehen.

Schmerzen im Bein ist gar nicht so selten bei Kindern, meistens ist es ein “Hüftschnupfen”. Das Kind humpelte leicht und hatte Schmerzen bei Bewegung des Beins in der Hüfte. Ich holte das Ultraschallgerät noch dazu, fand aber keinen Erguss im Hüftgelenk. Schonmal gut. Ich überlegte, ob ich wirklich ein Röntgenbild machen soll, aber wenn ich die Leitlinien für aseptische Knochennekrosen bei Kindern noch richtig im Kopf habe, gehört das Röntgenbild nach wie vor dazu. In Gedanken hörte ich schon den Kinderarzt, wie er sich über mich beschwert, warum ich denn ein Kind unnötig mit Strahlen belaste.

Aber: das Röntgenbild war auffällig! Leider hatte ich kein gutes Lehrbuch mit Vergleichsbildern vorzuliegen, also bemühte ich Google. Ich schien rechte zu haben, der Hüftkopf sah höchst auffällig aus.

Das Kind bekam Krücken und der Vater die dringende Empfehlung, so bald wie möglich ein MRT von der Hüfte machen zu lassen.

Also war es doch gut, dass ich mir das Kind angeschaut hatte. Der Kinderarzt schien die Situation erstmal für zu harmlos gehalten zu haben. Ich muss aber zugeben, dass dies mein erster konkreter Verdacht auf einen Morbus Perthes in über 5 Jahren war.