Abenteuer Zahnmedizin

Beta-Version des MEDI-LEARN Bereiches für Studienbewerber, Zahnmedizinstudenten und junge Zahnärzte

Parodontalbehandlung kann Diabeteswerte verbessern

6. Juni 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Ein Bekannter Risikofaktor der Parodontitis ist bekannter Maßen der Diabetes. Doch wie eng beiden Krankheiten wirklich zusammen hängen, haben japanische Forscher nun eindrucksvoll belegt.

Im Rahmen der Studie wurden Daten von 14.551 Frauen und Männern ausgewertet, die im Alter von 75 oder 80 Jahren waren. Zum ausgewerteten Datensatz gehörten sowohl Daten zur Diabeteserkrankung als auch Daten über die Häufigkeit der Zahnarztbesuche.  Zudem wurden die Art der Behandlung, also Parodontal- oder andere zahnärztliche Behandlungen und der Umfang der Parodontalbehandlung, also deren Anzahl von Behandlungstsgen, genau analysiert.

Das Ergebnis war eindeutig, denn das multivariante Odds Ratio (OR) war für den Marker T2DM deutlich niedriger für Patienten, die in parodontaler Behandlung waren gegenüber den Patienten, die keine Therapie erhielten. Diese Erkenntnis gilt unabhängig von der Anzahl der Behandlungstage bei Patienten mit Parodontalbehandlung. Zudem war im multivarianten linearen Regressionsmodell eine Parodontalbehandlung deutlich mit einer Verringerung des HbA1c-Wertes (Dieser Wert gibt Aufschluss über die Höhe des durchschnittlichen Blutzuckerwertes der vergangenen Wochen. Er gilt als Hedächtnis des Blutzuckers und ist daher ein wichtiger Kontrollwert zur Diabetesbehandlung) assoziiert.

Die Studie kann hier nachgelesen werden.

MIH weiter auf dem Vormarsch

31. Mai 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Mittlerweile ist sie häufiger als Karies in der Altersgruppe der 12-jährigen zu finden. Fast jeder dritte Jugendliche ist betroffen. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde warnt gar vor einer neuen Volkskrankheit.

Betroffene Zähne werden auch als „Kreidezähne“ bezeichnet. Noch immer wissen zu wenige Menschen von dieser Mineralisationsstörung, die Molaren und Inzisiven sowohl im Milch-, als auch im bleibenden Gebiss betreffen kann. Aus diesem Grund stellte Prof. Dr. Krämer (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde) das Krankheitsbild auf einer Pressekonferenz der breiten Öffentlichkeit vor.

MIH habe, seit ihrer erstmaligen Beschreibung 1987, eine rasante Entwicklung durchlaufen. Durchschnittlich 10-15% der Kinder in Deutschland leiden an dieser Strukturanomalie.

Die Ursachen für diese Erkrankung sind bisher weitgehend ungeklärt. Immer wieder werden Weichmacher von Kunststoffen mit der Entstehung einer MIH in Verbindung gebracht, da in Tierversuchen ein Zusammenhang zwischen Bisphenol-A-Konsum und der Entwicklung einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation nachgewiesen werden konnte. Auch Probleme in der Schwangerschaft wie Infektionen, Antibiotikagabe, Windpocken oder Erkrankungen der oberen Atemwege werden als mögliche Ursachen diskutiert. Der entscheidende Störfaktor muss während der Entwicklungszeit der ersten Molaren und Inzisivi in Erscheinung getreten sein, was demnach in der Spanne vom 8. Schwangerschaftsmonat bis zum vierten Lebensjahr der Fall ist. Auch ein multifaktorielles Geschehen ist in der Diskussion, die genaue Ursache allerdings noch ungeklärt.

Ohne ersichtliche Ursache ist eine wirksame Prävention gegen MIH nicht möglich. Vorstellig werden Betroffene aufgrund akuter Beschwerden. Behandlungsschwerpunkt ist daher die Therapie. Ziel ist es, die Schmerzen auszuschalten bzw. zu verringern, den Defekt zu versiegeln und die Zahnhartsubstanz mithilfe einer Rekonstruktion der Kaufläche zu stabilisieren. Problematisch sind allerdings die raue Oberfläche und die Strukturanomalien, welche den Zahn sehr anfällig für Karies machen. Genau deswegen ist das bloße Zähneputzen hier nicht ausreichend, sondern muss durch eine besonders intensive Prophylaxe ergänzt werden. Hierzu werden vor allem intensive  Fluoridierungsmaßnahmen in der Praxis und Zuhause empfohlen.

Laut Richtlinien ist es empfohlen, dass Kinder zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta mit 500ppm die Zähne putzen. Bei MIH-Patienten müssen die Eltern darauf achten, dass die erkrankten Zähne in intensiven Kontakt mit der Zahnpasta kommen. Eine viertel- bis halbjährliche Vorstellung beim Zahnarzt ist indiziert. Bei den entsprechenden Terminen kann der Zahnarzt die betroffenen Zähne mit einem Fluoridlack mit 22.600 ppm wirksam vor Karies schützen.

Bei Patienten ab dem 6. Lebensjahr empfiehlt sich die Verwendung einer Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1.500 ppm sowie ergänzend die tägliche Verwendung einer Mundspüllösung (500 ppm) oder einmal wöchentlich die Nutzung eines Fluorid-Gelees (12.500 ppm).

Mit den empfohlenen Maßnahmen können MIH-Zähne wirksam vor Karies geschützt und gut erhalten werden. Trotzdem ist der Forschungsbedarf natürlich immens, denn immer noch ist viel zu wenig über die Ätiologie, die Prävention und die Therapie bekannt.

 

Studieren ohne Abitur

22. Mai 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Die Zahl der Hochschulstudenten ohne Abitur hat sich laut Zahlen des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) zwischen 2010 und 2016 mehr als verdoppelt und übersteigt  mittlerweile die Zahl von 57.000 Immatrikulierten.

Es beruft sich hierbei auf aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamtes. Laut Definition handelt es sich hierbei um diejenigen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht über die allgemeine Hochschulreife bzw. Fachhochschulreife erworben haben, sondern durch eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen „Meister“ oder eine andere gleichwertige Aufstiegsfortbildung.

Aktuell studieren in Deutschland 107.000 Menschen Human- oder Zahnmedizin. Von ihnen gelangten rund 700 durch eine der weiter oben genannten „Abituralternativen“ zu ihrem Studienplatz. Diese Information geht aus dem kürzlich veröffentlichten Arbeitspapier „Medizin und Pharmazie studieren ohne Abitur“ des CHE hervor.

146 Männer und Frauen nahmen laut den Berechnungen des Instituts 2016 ein Studium der Human- oder Zahnmedizin auf. Vier Jahre zuvor lag die Zahl noch bei 112 Personen und ist somit deutlich gestiegen.

Trotzdem werde die CHE-Experten nicht müde zu betonen, dass immer noch von Ausnahmefällen zu sprechen sei, da der Anteil der Studienanfänger ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife im Studienfach Medizin gerade einmal 1% beträgt.

Beliebteste Fächer für Studienanfänger ohne ein Abitur  waren Fächer aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.  (55% der Studienanfänger). 20% der Studienanfänger wählten ein Studium der Ingenieurwissenschaften. Der Studienbereich der Medizin, in welchen auch die Zahnmedizin und Gesundheitswissenschaften inkludiert sind, wurde von 11,5 Prozent, also knapp 1500 Personen angewählt. Hierbei entschieden sich über 90% für den Bereich der Gesundheitswissenschaften, zu denen unter anderem Studiengänge aus den Fachrichtungen wie Pflegewissenschaften oder Physiotherapie gehören. Lediglich 9 Prozent entschieden sich für ein Studium der Human- oder Zahnmedizin. Als einen potentiellen Grund gibt das CHE den großen Konkurrenzdruck an. Für das Fach Humanmedizin gebe es durchschnittlich 12 Bewerber pro Studienplatz. Für die Zahnmedizin immerhin 6 Interessenten je Studienplatz.

Trotzdem stieg laut CHE im untersuchten Zeitraum die Zahl der Abschlüsse derjenigen Studenten, die kein Abitur ablegten. Der vorläufige Höchstwert von 7.200 Absolventen wurde 2016 erreicht. Der Anteil der Abschlüsse im Bereich der Human- und Zahnmedizin lag bei 0,5 Prozent.

Eine Analyse der Daten zu Geschlecht und Alter ergab, dass jeder zweite Studierende, der sich mithilfe einer Berufslaufbahn für ein Studium qualifiziert hat, zwischen 20 und 30 Jahre alt ist. Ein Drittel in etwa machen Studierende zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr aus. 55 Prozent männliche Studierende stehen 45 Prozent Frauen gegenüber. Allerdings ist zu bemerken, dass jenseits der 40 mehr Frauen „den Sprung in die akademische Ausbildung“ wagten.

Steigende Zahl der Extraktionen bei Kindern unter Vollnarkose

30. April 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In Großbritannien stieg die Zahl der in Kliniken durchgeführten multiplen Extraktionen kariöser Zähne bei Kindern um 17%. Waren es im Jahr 2013 noch 36.833 operierte Kinder, so stieg die Zahl im Jahr 2017 auf 42.911 an. Auch die damit verbundenen Kosten für die entsprechenden Eingriffe stiegen dabei überproportional von 27 auf 36 Millionen Pfund, was einem Zuwachs von 33% entspricht. Diese Zahlen wurden durch die Local Government Association veröffentlicht, welche 370 Stadträte aus England und Wales repräsentiert. Sie beziehen sich auf Berichte des britischen Nationalen Gesundheitsdienstes NHS.

Henrik Overgaard-Nielsen von der BDA kritisiert die dezentralen Regierungen und fordert die Notwendigkeit konzentrierter nationaler Maßnahmen. Doch so bleiben Zahnextraktionen der häufigste Grund für stationäre Krankenhausaufenthalte bei 5-9-jährigen Kindern (Information der britischen Regierung vom 6. April). Dies bedeute, dass in Großbritannien im Moment etwa 141 Kindern pro Tag (!) kariöse Zähne entfernt werden. Dies führt bei den schulpflichtigen Kindern zu bis zu 60.000 Fehltagen. Nicht unbeachtet dürfen auch die Probleme beim Essen, Schlafen oder Lächeln gelassen werden.

Hoffnung setzt die Regierung in Sensibilisierungskampagnen wie z.B. „Change4Life“ oder auch die eingeführte Zuckersteuer, die eigentlich eingeführt wurde, um dem Übergewicht bei Kindern vorzubeugen.

Mit Gel statt Bohrer gegen Karies?

21. April 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Seit einigen Wochen begeistert ein Video auf Facebook die Menschen, dessen Inhalt die Zahnärzteschaft in Aufruhr versetzt.
Zu sehen ist ein blaues Gel, welches dem Ätzgel, das beim Legen von Kompositfüllungen verwendet wird, ähnlich ist. Das im Video zu sehende Gel wird direkt auf die Karies aufgetragen und nach kurzer Einwirkzeit mitsamt der geschädigten Zahnhartsubstanz ausgeschabt.

Hinter diesem Video steht Brix Medical Sciene, eine argentinische Firma, die so ihr neuestes Produkt, das Brix3000, bewerben will. Diese neue „Wunderwaffe“ gegen Karies verspricht eine schnellere und schmerzfreiere Entfernung, ganz ohne Bohren.
Basis des Gels ist das Enzym Papain, ein Bestandteil der Papaya. Die Wirksamkeit der chemomechanischen Kareisentfernung wurde in mehreren Studien mit der herkömmlichen Beseitigung mittels rotierender Instrumente verglichen und deren Wirksamkeit so betätigt wurde.

Ein Vorteil des Gels: Es wirkt nur auf die geschädigte Zahnhartsubstanz, de sich nach einer Einwirkzeit von knapp 2 Minuten ganz leicht ausschaben lässt. Eine unnötige Enfernung des unbeschädigten Dentins, wie es beim Bohren häufiger der Fall ist, bleibt so ausgeschlossen. Auch bei tiefgreifender Karies soll das Gel noch wirksam sein. Hierfür genügt ein erneutes Auftragen. Auf nachfolgende Füllungstherapie hat Brix3000 keine Auswirkungen, sodass die Behandlung der Kavitäten uneingeschränkt fortgesetzt werden kann. Zudem soll das Gel antibakterielle, antimykotische und antiseptische Wirkungen aufweisen.

Einer Testreihe mit 100 Patienten zufolge, die das Unternehmen selbst in Auftrag gegeben hat, gaben 93% der Teilnehmer an, in den Genuss einer schmerzfreien Behandlung gekommen zu sein. Auch die teilnehmenden Zahnärzte würden Brix3000 bei der Kariesentfernung nun den herkömmlichen Methoden vorziehen.
Ob, und wann das Enzymgel auf dem deutschen Markt erhältlich sein wird, ist noch nicht bekannt.

Das Putzduell

17. April 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Dass elektrische Zahnbürsten den Handzahnbürsten überlegen sind, beweisen neueste Erkenntnisse. Doch der Konsument steht nun vor einer alles entscheidenden Frage – Soll eine rotierend-oszillierende Zahnbürste oder eine Schallzahnbürste gekauft werden?

Zu dieser Thematik hat Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke dem Online-Portal zm-online.de ein Interview gegeben.

Fakt ist, dass beide Arten besser reinigen als Handzahnbürsten, dieser Nachteil jedoch durch längeres Bürsten ausgeglichen werden kann. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass das Vorurteil, dass elektrische Zahnbürsten die Gingiva stärker traumatisierten, widerlegt werden konnte.

Schallzahnbürsten sollten eher von Senioren, Kindern und untrainierten Patienten verwendet werden, da diese weniger techniksensibel sind. Rotierend-oszillierende Bürsten sind daher eher für motivierte Patienten und Profis geeignet. Schallzahnbürsten reinigen besser, da die Plaque besonders gut reduziert wird und das Fluorid besser in den Zahnzwischenräumen wirken kann. Die rotierend-oszillierende Bürste wirkt jedoch weniger abrasiv.

Wusstet ihr, dass die reale Putzdauer zwischen 60 und 80 Sekunden liegt? Die subjektive Wahrnehmung liegt jedoch bei 140 Sekunden. Optimal wären allerdings 5,1 Minuten. Kinder tolerieren elektrische Zahnbürsten beim Nachputzen übrigens genau so gut oder sogar besser, dies vor allem mit steigendem Alter.

Milchzahnkaries kann spätere Mundgesundheit beeinträchtigen

29. März 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Milchzähne sind für die Zahngesundheit von Erwachsenen sehr wichtig. Eine Tatsache, die laut KZBV und BZÄK nach wie vor unterschätzt wird. Es ist daher notwendig, sich noch mehr für die Mundgesundheit der jüngsten Gesellschaftsmitglieder einzusetzen.

Die Fehleinschätzung, dass Karies im Kleinkindalter keine Auswirkungen auf die spätere Mundgesundheit habe, ist weit verbreitet. Dass dies jedoch nicht der Fall ist, sondern äußerst negative Auswirkungen auftreten können, darauf verweist die KZBV.

“Wenn schon Milchzähne an Karies erkranken und nicht rechtzeitig behandelt werden, ist auch für später nachwachsende Zähne das Kariesrisiko deutlich erhöht”, erklärt KZBV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Eßer. Auch seine aktuelle Studie der Universität Witten/Herdecke von Jordan er al. von 2016 kommt zu eindeutigen Ergebnissen. So hatten die Studienteilnehmer, die bereits kariöse Läsionen an den Milchzähnen aufwiesen, im Durchschnitt etwa an 14,8 mehr Zahnflächen eine Karies, als diejenigen Erwachsenen, die als Kind kariesfrei waren. Weiterhin hatten die bereits als Kinder von Karies betroffenen Probanden ca. 3,8 funktionstüchtige Zähne weniger. Zudem zeigten sich deutliche Defizite in der Mundhygiene im Vergleich zu Frauen und Männern, deren Milchgebiss kariesfrei war.

“Viele Eltern unterschätzen leider immer noch die mitunter verheerenden Auswirkungen frühkindlicher Karies”, betont Eßer. Sehr häufig seien besonders gravierende Folgeschäden im späteren Kindes- oder sogar Erwachsenenalter die Konsequenz. “Diese Entwicklung hat nicht zuletzt auch erhebliche ökonomische Konsequenzen für Betroffene und Kostenträger. Nach uns vorliegenden Zahlen ist die Versorgung von Menschen mit frühkindlicher Karieserfahrung immerhin etwa viermal so teuer, wie die Behandlung von Patienten mit gesunden Milchzähnen”, führt der KZBV-Chef weiter aus. Deshalb werde den Eltern dringend geraten, die zahnärztlichen Vorsorgeangebote für ihre Kinder wahrzunehmen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen sind. Dazu gehören, neben der Vorsorge zu Hause, zu der das Zähneputzen und eine zahnbewusste Ernährung gehöre, auch regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt. Empfohlen sind zwei Termine pro Jahr ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes. „Denn besonders diese regelmäßigen Termine tragen nachweislich zur Früherkennung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten bei”, erläutert Eßer.

Das zahnärztliche Versorgungskonzept „Frühkindliche Karies vermeiden“ (ECC-Konzept), ein entsprechender Ratgeber für die zahnärztliche Praxis, die Broschüre „Gesunde Zähne für Ihr Kind“, sowie weitere nützliche Informationen können auf der Website der KZBV abgerufen werden.

* Jordan, A. R., et al. (2016). Early Childhood Caries and Caries Experience in Permanent Dentition. Swiss Dental Journal 126(2): 114-119.

Bericht zm-online: https://www.zm-online.de/news/politik/milchzahnkaries-beeintraechtigt-spaetere-mundgesundheit/

Werbung mit Preisangaben gestattet

17. März 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Wie bereits im vorherigen Artikel soll es heute erneut um das Thema Werbung gehen.

Das Verwaltungsgericht Münster hat nun ein Urteil gefällt, weil einem Zahnarzt, der Bleaching-Leistungen auf seiner Website mit Preisbeispielen beworben hat, von der Zahnärztekammer eben diese Werbung untersagt wurde.

Laut Musterberufsordnung (MBO) sind einem Zahnarzt nach § 21 Abs. 1 Satz 1 “sachangemessene Informationen über seine Berufstätigkeit gestattet”. Jedoch ist ihm gemäß § 21 Abs. 1 Satz 2 MBO eine “berufswidrige Werbung untersagt”. Als berufswidrig ist “anpreisende, irreführende, herabsetzende oder vergleichende Werbung” (§ 21 Abs. 1 Satz 3 MBO) definiert. “Bei der Bewertung der Werbemaßnahme ist auf das Verständnis eines durchschnittlich informierten und verständigen Verbrauchers/Patienten abzustellen.”

Für den vorliegenden Sachverhalt rügte die zuständige Zahnärztekammer einem Zahnarzt. Der Praxischef warb auf seiner Website für unterschiedliche Bleaching-Behandlungen unter anderem mit Preisbeispielen. „Bereits ab 129 Euro“ preist er die „Standardbehandlung in der Praxis“ an. Das teuerste, zu erwerbende Paket, die „Deluxe Behandlung“, welche ein Bleaching in der Praxis inklusive professioneller Zahnreinigung sowie Schienen und Gel für ein Bleaching Zuhause enthält, sei „ab 349€“ zu erhalten. Zusätzlich wies der Zahnarzt auf seiner Homepage darauf hin, dass die Abrechung der Leistungen nach § 2 Abs. 3 der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) erfolge und es sich bei den gewählten Behandlungen um  Leistungen auf Verlangen handle und daher eine Erstattung durch die Krankrnversicherung nicht gewährleistet sei.

Die Zahnärztekammer beanstandet hier ein unzulässiges Werben mit Festpreisen und das Vorliegen von anpreisender Werbung. Dem Zahnarzt wurde eine berufsrechtliche Rüge erteilt. Zusätzlich wurde ein Ordnungsgeld in Höhe von 500€ verhängt und die Werbung untersagt.

Doch genau hier widerspricht das Gericht. Es sieht die gegebenen Informationen als “interessengerecht und sachangemessen” an. Einen angegebenen, den Kunden erwartenden, Gesamtpreis für die zahnärztliche Leistung auf  Verlangen sei nicht zu beanstanden, da der Preis  “einer medizinisch nicht notwendigen, sondern lediglich kosmetischen zahnärztlichen Behandlung für den Patienten ein zentraler Bestandteil der beworbenen Leistung sei”, so das Urteil der Richter.

Dies gelte vor allem dann, wenn für die Behandlung, wie eben das Bleaching, eine entsprechende Gebührenposition in der GOZ nicht vorhanden ist. Auch die Verwendung der Preisangabe mit „ab“ verdeutliche dem Patienten, dass die Leistungen beginnend ab dem Betrag erhalten werden können.

Verwaltungsgericht Münster

Az.: 5 K 4424/17
Urteil vom 22.11.2017

Werbung mit Biss

9. März 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Wem sind sie nicht aufgefallen? Die ganzen prächtigen Zahnlücken der Eishockeyspieler, welche uns in den vergangenen Wochen bei den Olympischen Spielen angelächelt haben. Dort auf dem Eis, wo die Spieler ihre Zähne aufs Spiel setzen, wirbt ein Zahnarzt aus der Nähe von Hannover für seine Praxis. Mit Bandenwerbung macht er auf sein Tagewerk aufmerksam und das, ohne Fan zu sein.

Den Zuschauern eines Heimspiels der Wedemark Scorpions lacht das Abbild des Zahnarztes Dr. Timo Simniok fröhlich von der Bande entgegen. In der Wedemark, wo er seine Praxis habe, herrsche eine starke Überversorgung an Zahnärzten. Er sehe sich daher in der Pflicht, um die Gunst der Patienten zu konkurrieren, gibt Simniok zu.

Die Erfahrungen mit Werbung schätzt er als gemischt ein und bringt ein Zitat Henry Fords ins Spiel. “Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.” Dieser Ausspruch spiegle auch seine Einstellung zum Thema Werbung wieder, so Dr. Simniok. Ein genaues Messen der Erfolgschancen sei schwierig. Die Auswertung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen mit seinem Steuerberater habe keinen signifikanten Zusammenhang von Werbeausgaben und Honorar ergeben.

Natürlich steht Simniok, wie auch viele andere Praxisibhaber, dem Thema Werbung zwiespältig gegenüber. Ihm, als redlichem Zahnarzt, widerstrebe es überhaupt zu werben, da die Gründe, weshalb Patienten sich bei ihm behandeln lassen, Vertrauen, Kompetenz und Qualität sein sollten- nicht Manipulation Versprechen aus Werbeanzeigen. Doch das schlechte Gewissen meldet sich schnell, denn andere Kollegen nutzen Werbung immer häufiger, um Patienten auf ihre Praxis aufmerksam zu machen. Das Gefühl betriebswirtschaftliche Maßnahmen nicht in die Wege geleitet und so das angestrebte betriebswirtschaftliche Ergebnis zu gefährden, erkläre das ambivalente Verhältnis zur Werbung und damit verbundene häufig wechselnde Werbemaßnahmen.

Als allgemeine Informationsquelle nutzt Dr. Simniok die mittlerweile quasi als „klassisch“ geltende Homepage. Zusätzlich gibt es von ihm regelmäßige Postings über besuchte Fortbiildungen und Entwicklungen auf Facebook. Die Mitgliedschaft im örtlichen Gewerbeverein ermöglicht ihm alle zwei Jahre eine eigene Seite im lokalen Wochenblatt zu gestalten und so für sich zu werben. Auch Anzeigen schaltet er dort in unregelmäßigen Abständen. Gerne zu „besonderen“ Tagen, wie etwa zum Tag der Zahngesundheit am 25. September oder in einem Senioren-Spezial. Im Online-Portal jameda ist Simniok ebenfalls um positive Bewertungen bemüht, sieht seinen Hauptwerbeschwerpunkt allerdings im Internet und in den Social Media. Die Ausnahme  stellt daher die 4-Quadratmeter große Bande im Eishockeystadium in Bissendorf dar.
Vor etwa 9 Jahren, im Januar 2009, eröffnete Simniok in der Nähe des Stadions seine Praxis. Als Kind habe er in dieser Eishalle sogar selbst Schlittschuhlaufen gelernt, verrät er und habe als Teil einer Amateurgruppe selbst den Schläger geschwungen. “Leider lässt sich die Arbeit als Zahnarzt nur unzureichend mit den gesundheitlichen Risiken des Eishockeys vereinbaren. Und somit musste ich meine Karriere schnell wieder beenden”, gibt Simniok schmunzelnd zu.

Eishockey spielt in der Wedemark schon seit langem eine große Rolle, denn hier begann die Geschichte des Deutschen Eishockey Meisters von 2010, den Hannover Scorpions. Simniok selbst beschreibt sich eher als Symphatisant. „Richtiger Fan“ sei er nie gewesen. Die Meister-Saison der Hannover Scorpions habe er jedoch natürlich aktiv mitverfolgt. Dies liegt auch daran, dass einige Patienten und auch Teile des Praxisnetzwerkes bei den Scorpions engagiert sind. Nachdem er vom angekündigten Zusammenschluss der Hannover Scorpions und der Wedemark Scorpions erfuhr, reifte in ihm der Entschluss als Sponsor aktiv zu werden. Hohe Zuschauerzahlen (immerhin 1200 Zuschauer pro Partie) und gute Ergebnisse bestätigten seine Entscheidung.

Er wünsche sich, von den Zuschauern im Stadion als regionaler Unternehmer wahrgenommen zu werden. Die Sponsoringkosten sind jedoch vielmehr idealistischer Natur, da die Kosten viel zu hoch seien, um sie unmittelbar mit Mehreinnahmen in der Praxis verrechnen zu können. Für den Zahnarzt sei es wichtig, dass sich die Kultur- und Sportveranstaltungen nicht nur in der Metropole Hannover ballen. Mit seinem Banner stehe er in einer Reihe mit weiteren lokalen Unternehmern, die die Gemeinde und die Region unterstützen.

Einen Nachweis darüber, ob sich Patienten bzgl. der Werbung zu einem Besuch in seiner Praxis entschieden, habe er nicht. Zudem schließt er eine Befragung der Patienten zu diesem Thema aus. Über Assoziationen seiner Praxis mit der Sportart Eishockey freue er sich. Es freue ihn, durch seine Bandenwerbung auch zu zeigen, dass seine Praxis mittlerweile so gut laufe, dass er sich für gesellschaftliche Projekte engagieren könne.

Rotwein als Heilmittel gegen Karies und Parodontitis?

28. Februar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Gute Nachrichten für Rotweinliebhaber?

Polyphenole, die im Rotwein enthalten sind, verhindern das Andocken von Mundbakterien an Zähnen und am Zahnfleisch. Dies führt zu der Frage, ob sie dadurch vor Karies und Zahnfleischerkrankungen schützen. Dieses Ergebnis erzielt zumindest eine spanische Studie, die am 21.02.2018 im Journal of Agricultural Andy Food Chemistry veröffentlicht wurde.

In Experimenten konnten die Forscher um Victoria Moreno-Arribas anhand von Zellkulturen nachweisen, dass Polyphenole derartige Adhäsionen blockieren. Für das Team vom Spanish National Research Council (CSIC) sind die genauen Prozessabläufe noch unklar. Fest stehe aber, dass mehr Karieserreger abgewehrt wurden, wenn zur gleichen Zeit probiotische Streptokokken zugesetzt wurden.

Den Forschern zufolge, werden die mit der Nahrung aufgenommenen Phenole bei der Verdauung chemisch modifiziert, ehe sie in den Blutkreislauf gelangen. Die positive Wirkung beruht also offenbar nicht auf der Ausgangssubstanz selbst, sondern auf den entstandenen Stoffwechselprodukten. Der biochemische Umbau der Phenole, der durch orale Bakterien und Zellen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut  erfolgt, startet aber schon im Mund.

Mithilfe menschlicher Zellkulturen analysierten die Forscher in ihren Experimenten wie stark die unterschiedlichen Erreger von Zahnerkrankungen an Zahnfleisch-Fibroblasten andocken. Hierfür wurde die Nährlösung mit einem Extrakt aus Rotwein oder Traubenkernen versetzt und anschließend Kaffeesäure oder Cumarsäure, die beide Polyphenole sind, hinzugegeben. Beide Zusätze waren gering konzentriert. Trotzdem verringerte sich die Bakterienadhäsion um 20 bis 50%, wobei die Phenole wirksamer erschienen als die Extrakte. Als Karieserreger setzten die Forscher Streptococcus Mutans ein. Als Erreger von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis nutzten sie Fusobacterium nucleatum und Porphyromonas gingivalis.

Der Hemmeffekt gegen das Kariesbakterium konnte durch Kaffeesäure und Cumarsäure und die Zugabe des probiotischem Bakteriums Treptococcus dentisani noch verstärkt werden. Dies erklären sich die Forscher damit, dass diese Art der Streptokokken wahrscheinlich mit Streptococcus Mutans-Bakterien um dieselbe Bindungsstelle konkurrieren und diese so nicht andocken können.

Letztenendes nehmen neben den menschlichen Fibroblasten auch die Bakterien der drei getesteten Keime Polyphenole auf, die sie dann über ihren Stoffwechsel chemisch verändern und anschließend als Abbauprodukt wieder ausscheiden. Wie bereits erwähnt bilanzieren die Forscher, dass die Stoffwechselprodukte die Adhäsion der Bakterien zum Teil stärker hemmen, als die Ausgangssubstanzen.

Studie: Adelaida Esteban-Fernández, Irene Zorraquín-Peña, Maria D. Ferrer, Alex Mira, Begoña Bartolomé, Dolores González de Llano, and M. Victoria Moreno-Arribas, Inhibition of Oral Pathogens Adhesion to Human Gingival Fibroblasts by Wine Polyphenols Alone and in Combination with an Oral Probiotic, in: Journal of Agricultural and Food Chemistry, published (web) February 21, 2018 DOI: 10.1021/acs.jafc.7b05466


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