Gerichtsurteil: 3-6 Monate Einheilzeit nach Implantaten ist lege artis

12. Februar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Dies geht nun aus einem Urteil des Landgerichts Paderborn hervor. Eine Patientin hatte geklagt, da ihr die Behandlung zu lange gedauert hatte.
Im vorliegenden Sachverhaltstellte sich eine Patientin in der Praxis des nun beklagten Zahnarztes vor, da ihr Zahnfleisch im Oberkeifer entzündet war. Im Zuge des vereinbarten Behandlungsplans wurden mehrere Zähne abgeschliffen und der Oberkiefern mit einer Kurzzeitprothese versorgt. Im Anschluss wurde ein OP-Termin für die Implantatversorgung vereinbart.

Nach dem Setzen der Implantate im August und dem Einsetzen der Stifte sollte sich die Patientin im Oktober erneut vorstellen. Bei diesem Termin wurde der Patientin durch den behandelnden Zahnarzt gesagt, dass die Endbehandlung erst im März durchgeführt werden könne, da eine weitere Regeneration des Zahnfleischs notwendig sei.

Vor Gericht gab die Patientin an, dass sie nach dem Einsatz des Provisoriums weder feste Nahrung habe zu sich nehmen können, noch sich artikulieren konnte. Zudem soll sich dass Provisorium immer wieder gelöst haben. Zusätzlich habe sie seit dem Abschleifen der Zähne unter offen liegenden Nerven gelitten und vor Schmerzen keinen Schlaf gefunden. Diese Beschwerden und die physische Schwäche haben dazu geführt, dass sie immer weiter abgemagert sei. Dies führte zu einem noch schlechteren Sitz des Provisoriums, sodass es immer wieder herausgefallen und mehrfach auseinander gebrochen sei.

Die Patientin sagte aus, dass die Behandlung deutlich zu lange gewesen sei. Diese hätte in einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten erfolgen können. Zudem hätte ihr Zahnarzt ihr ein besser haltendes Provisorium anpassen müssen. All diese Faktoren wertete die Klagende als fehlerhafte Behandlung, für die sie, auch wegen der entstandenen Schmerzen und Beeinträchtigungen, ein Schmerzensgeld von 15.000€ als angemessen betrachtet. Zusätzlich forderte sie vom beklagten Zahnarzt, dass er die Kosten in Höhe von rund 5.700€ für das Provisorium übernehmen solle, welches sie nach dem Abbruch der Behandlung in seiner Praxis anfertigen ließ.

Das Landgericht in Paderborn konnte jedoch keinen Behandlungsfehler des Zahnarztes feststellen. Hierbei folgte die Kammer der Darstellung eines Sachverständigen. Dieser kam zu dem Entschluss, dass die erforderlichen Behandlungsschritte für die Herstellung eines Provisoriums durchgeführt worden seien: “Zwar sei es insgesamt sieben Mal zu einem Bruch gekommen”, so der Richter, “hieraus folgert der Sachverständige aber keinen Mangel der Behandlung, da die Behandlungsschritte […] nach den zahnärztlichen Behandlungsregeln durchgeführt worden seien.” Auch den Vorwurf einer “überlangen Behandlungszeit” konnte der Sachverständige nicht bestätigen. “Vielmehr sei bei einer Versorgung mit Implantaten eine gewisse Einheilzeit zu berücksichtigen”, so die Formulierung im Urteil. “Diese liegt nach Angaben des Sachverständigen im Bereich von drei bis sechs Monaten, so dass im Falle der Klägerin keine Verzögerung der Behandlung festzustellen sei.”

Das Gericht kam letzten Endes zu dem Entschluss, dass die Klägerin keinen Anspruch auf die Zahlung des beantragten Schmerzensgeldes hat. Auch ihr Antrag auf die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von rund 5.700€ wurde aufgrund fehlender vorwerfbarer Behandlungsfehler abgelehnt.

LG Paderborn
Az.: 4 0 329/16
Urteil vom 27.9.2017

Wenn die „Angst vor Fluoriden“ zum Verkaufsargument wird…

28. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Der neue TV-Spot der Dr. Wolff GmbH & Co. KG wirbt aktuell mit fluoridfreier Zahnpasta und auch auf der Homepage der Firma ist Fluorid das große Thema. Eine Frage ist besonders präsent:  “Nutzen oder schaden Fluoride der Gesundheit?”

Um diesen Werbespot geht es:

Doch darf die “Angst vor Fluorid” ein Verkaufsargument sein? Der Hersteller äußert: “Fluoride werden in der Zahnpflege seit Jahrzehnten zum Schutz vor Karies eingesetzt. In entsprechend hoher Konzentration wurde für Fluoride in den 1950er Jahren eine prophylaktische Wirkung gegenüber Karies nachgewiesen. Heute ist deren Einsatz aufgrund möglicher Nebenwirkungen in der Europäischen Kosmetikverordnung reglementiert, denn in höheren Dosierungen wirkt Fluorid toxisch. Insbesondere wenn sich unterschiedliche Fluoridquellen addieren.”

Doch der Verbraucher soll vor solchen Nebenwirkungen geschützt werden, weshalb die EU strenge Grenzwerte für den Fluoridgehalt in der Zahnpasta herausgegeben hat. Der Hersteller argumentiert mit einer Reihe von Beiträgen, darunter folgende:  „Fluorid in Zahnpasta: So riskant ist der Stoff wirklich“ (Focus Online, 1.9.2016) oder „Macht Fluorid in Zahnpasta krank?“ (Spiegel Online, 10.2.2014). Zudem wird auch Bezug auf einen TV-Beitrag der Pro7-Sendung “Galileo” vom 19.1.2015 genommen, welcher sich in der Reihe “Verschwörungstheorien” damit beschäftigt, wie es die Fluoride überhaupt geschafft haben, ihren Weg in die Kariesprophylaxe zu finden. Auch eine jüngst publizierte Studie kanadischer Forscher, über die wir bereits berichteten, die den Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme der Mütter und der Intelligenz ihrer Kinder darstellen soll, wird angeführt. Diese, inzwischen von Forschern widerlegte Studie, hält der Übertragung der Studienergebnisse auf unsere Verhältnisse und einer kritischen Beleuchtung in keinster Weise stand.

Trotzdem setzt das Marketing für Karex gezielt auf die Angst der Verbraucher vor Fluorid. “Aufgrund der zunehmenden Zweifel an der alltäglichen Verwendung von fluoridierten Zahnpasten ist die heutige Zahnmedizin seit Jahren auf der Suche nach bedenkenfreien Alternativen”, lautet es auf der Homepage. “Besonders vielversprechend in diesem Zusammenhang ist die Verwendung von Hydroxylapatit, da diese Substanz dem natürlichen Zahnschmelz nachempfunden wurde.”
Dem Verbraucher wird weisgemacht, dass in Japan ein Schutz vor Karies dank Hydroxylapatit-haltiger Zahnpasta an Kindern gezeigt werden konnte und bereits 1987 erste klinische Studien zu diesem Thema publiziert wurden. Im Werbespot wird davon gesprochen, dass es deutschen Wissenschaftlern nun weltweit erstmals in einer klinischen, multizentrischen Studie gelungen sei, “nachzuweisen”, dass auch eine verbrauchertaugliche fluoridfreie Zahnpasta, welche den biomimetischen Wirkstoff Hydroxylapatit enthalten, klinisch genauso so gut vor Karies schützen solle, wie eine Fluoridzahnpasta.

Die Bundeszahnärztekammer teilte nun mit, dass es momentan verstärkt zu Anfragen von verunischerten Verbrauchern kommt. Daher stellt sie aktuell auf ihrer Homepage verstärkt wissenschaftliche Informationen zur Verfügung, dass Fluoride in Zahncremes unbedenklich und kariespräventiv wirksam sind.

Zudem wurde eine Stellungnahme veröffentlicht, die ihr in diesem Artikel finden könnt.

Eine Zahnspange als Abnehmhilfe?

23. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Die Zahlen sind alarmierend – zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig, ein Viertel aller Erwachsenen ist stark adipös. Nun haben US-Forscher eine Zahnspange entwickelt. die das Abnehmen erleichterm soll.
Getragen werden, soll diese Zahnspange beim Essen. Dies soll bewirken, dass man langsamer isst und man kleinere Bissen zu sih nimmt. Als Ergebnis soll sich beim Träger ein Sättigungsgefühl einstellen, obwohl dieser weniger isst. Dies soll so das Abnehmen erleichtern.

Um die Wirksam- und Richtigkeit des neu entwickelten SmartByte™-Systems für die Food and Drug Administration (FDA) zu bestätigen, wurde die Zahnspange mit Hilfe einer Studie getestet. Hierbei wurden insgesamt 76 übergewichtige oder adipöse Erwachsene im Alter von 18-49 Jahren, deren BMIs zwischen 27 und 35 lagen, eine der Zahnspangen zur Verfügung gestellt. Die Tragedauer belief sich auf 16 Wochen, wobei die Probanden zusätzlich an einem Lifestyle-Unterricht zur Gerwichtsreduktion per Video teilnahmen.

Die Analyse erforderte eine sensorgeprüfte Verwendung der Apparatur von mindestens 7 Mal pro Woche über einen Zeitraum von 14-16 Wochen.  Die Gesamtgeräte-Nutzungsrate muss mindestens 33% + Studienabschluss betragen. Um diese Daten zu erheben, wurde die Zahnspange mit einem kleinen Sensor ausgestattet, mit welchem Zeit, Häufigkeit und Dauer des Einsatzes in 5-Minuten-Intervallen bestimmt wurden.

Nach 16 Wochen hatten 12 Teilnehmer (30%) über 5% ihres Körpergewichts verloren, 16 (40%) Studienteilnehmer haben mehr als 4% abgenommen und 21 (52,5%) immerhin mehr als 3%. Insgesamt

Von leichten bis mittelschweren Nebenwirkungen, drei an der Zahl, welche auf die Zahnspange zurückzuführen sind, berichteten 2 Probanden. Hierbei handelte es sich um Abschürfungen am Gaumen und zwei Zungenrisse, welche jedoch spontan wieder abklangen.

Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass die Zahnspange in Kombination mit dem Video-Programm zu einer relevanten Gewichtsabnahme führte. Wurde die Spange häufiger verwendet, war im Durchschnitt mehr Gewichtsverlust (d.h. über 4-5 Prozent) festzustellen.
Den Forschern machen diese Ergebnisse Mut, da ein solch einfaches Hilfsmittel wie diese Zahnspange, welches nur minimale Risiken aufweist, die effektive Gewichtsabhnahme unterstützen kann. Es werden weitere Studien zur Wirksamkeit der Zahnspange erwartet.

(https://www.zm-online.de/fileadmin/user_upload/Zahnspange2.jpg)

Studie: StRyan, D.H., Parkin, C.G., Longley, W., Dixon, J., Apovian, C., and Bode, B. (2017) Efficacy and safety of an oral device to reduce food intake and promote weight loss. Obesity Science & Practice, doi: 10.1002/osp4.139, first published 11.12.2017.

 

Reduziertes Pneumonierisiko dank verbesserter Mundhygiene?

16. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Mundhygiene bei hochbetagten Senioren – das war lange Zeit ein Wasserglas auf dem Nachttisch, in dem die Zahnprothese mit der Reinigungstablette die Nacht verbrachte. Mundspülungen zur Reinigung der Mundschleimhaut oder Zunge, wurden selten verwendet. Da gar die ätesten Menschen immer mehr eigene Zähne haben, erfordert die Reinigung eines voll- oder teilbezhanten Gebisses nun einen völlig anderen Ansatz.

Heute übliche Rekonstruktionen benötigen oft komplexe und vor allem zeitaufwendige Hygienemaßnahmen. Dies gilt besonders dann, wenn Implantate integriert wurden. Die Reinigung solcher Prothesenkonstruktionen, die man Schöntals „High-Tech“ bezeichnen kann, übersteigt oft die Kmpetenzen des Pflegeprsonals aber auch die eigene Bereitschaft des Patienten, viel Zeit in die Mundhygiene zu investieren. Selten zeigen die Senioren genügend Motivation für ihre Mundhygiene, besonders, wenn zahlreiche chronische Krankheiten im Alltag vorrangig sind. Erschwerend kommt hinzu, dass manuelle Fähigkeiten und der Visus imAlter deutlich reduziert sind. Daher resultieren in den meisten Mündern alter und sehr alter Patienten erhebliche bakterielle Belastungen, die ein hohes Karies-, Infektions- und Parodontitisrisiko zur Folge haben.

Bereits vor 20 Jahren haben japanische Wissenschaftler Bakterien des Mund-Rachen-Darm-Trakts mit dem Auftreten einer Aspirationspneumonie in Verbindung gebracht. Dort konnte dann auch nachgewiesen werden, dass bei professioneller wöchentlicher Mundhygiene die Zahl der Lungenentzündungen sank [Yoneyama et al., 1999; Yoneyama et al., 2002]. Dieser Zusammenhang induziert ein Umdenke hinsichtlich der Umsetzung der Mundhygiene hochbetagter Senioren und Pflegefälle, auch in Bezug auf deren allgemeine Gesundheit und Lebensqualität.

Lungenentzündungen sind für die älteren Menschen häufig eine Bedrohung, da diese mit einer Häufigkeit zwischen 24 und 44 Fällen je 1000 zu Hause lebenden Rentnern und 33 bis 114 Fällen pro 1000 Bewohner von Senioreneinrichtungen auftreten [Janssens et al., 2004].
Hierbei wird zwischen erworbenen Pneumonien (CAP) und den in Pflegeheimen erworbenen Pneumonien (NHAP) unterschieden. Zudem stellt die Lngenetzündung mit einer Häufigkeit von 13-48% die häufigste Infektion in Pflegeheimen und zusätzlich die häufigste Todesursache durch Infektionen ü65 dar [El-Solh, 2011]. Mortalitätsraten von bis zu 48% müssen allerdings in Kombination weiterer Morbiditäten gesetzt werden, die im Alter gehäuft auftreten [Welte et al., 2012].

Symptome einer Lungenentzündung bei erwachsenen Patienten sind i.d.R. starke Erschöpfung, starker Husten, oft verbunden mit eitrigem Auswurf sowie Fieber, Schwitzen, starke Schmerzen oder gar Erstickungsanfälle. Sehr alte Menschen zeigen statt der üblichen Symptome eher Stürze und Verwirrtheitszustände [Janssens et al., 2004].

Aspirationspneumonien werden durch Fremdmaterial ausgelöst, welches über die Bronchien in die Lungen gerät. Hierbei handelt es sich meist um Speichel oder Nahrungbestandteile, die versehentlich aspiriert werden. Keime befinden sich im Speichel oder werden bei der Nahrungszerkleinerung aus dem Biofilm gelöst. Auch gesunde Erwachsene können während des Schlafes keimbelasteten Speichel versehentlich aspirieren. Sie haben jedoch Hustenreflexe und einen intakten Flimmerhaartransport, sodass Fremdkörper wieder aus den Bronchien entfernt werden können. Zudem besitzen sie eine intakte Immunabwehr. Alle Faktoren bedeuten einen weitgehendenSchutz der Atemwege. Je älter der Mensch, desto stärker lassen Immunsystem und Funktion der Flimmerhaare nach.Deswegen sind alte und multimorbide Patienten deutlich anfälliger für eine Lungenentzündung. Weiter Risiken für Aspirationspneumonien sind kognitive Einschränkungen wie z.B. Nach einem Schlaganfall oder Erkrankungen, die das Schlucken beeinträchtigen [van der Maarel-Wierink et al., 2011].

Desweiteren stellen beatmete Patienten eine weitere Risikogruppe für Pneumonien dar, unabhängig ihres Alters [Scannapieco et al., 2003]. Eine Studie an 1.499 zu Hause lebenden Personen, welche aufgrund einer Lungenetzündung im Krankenhaus warnen, zeigte, dass 10% an einer Aspirationspneumonie litten. Bei weiteren 447 im Heim lebenden Pneumonien-Patienten lag der Prozentsatz bereits bei 30% [Shariatzadeh et al., 2006].

Die bakterielle Belastung älterer Patienten ist enorm
Bei hospitalisierten Pneumonien-Patienten konnten bei einer bronchoalveolären Lavage Parodontitis-assoziierte Mikroorganismen aus dem oralen Biofilm nachgewiesen werden [Imsand et al., 2002].  Quagliarello und seine Mitarbeiter beschreiben, dass eine schlechte Mundhygiene einen der häufigsten Risikofaktoren für Pneumonien bei Pflegeheimbewohnern darstellt [Quagliarello et al., 2005]. Von neun untersuchten modifizierten Risikofaktoren waren nur „unzureichende Mundhygiene“ und „Schluckstörungen“ signifikante Aspirationspneumonie-Risikofaktoren. Ein weiterer Bericht zeigt, dass Patienten mit zehn oder mehr natürlichen Zähnen und parodontalen Sondierungstiefen von 4mm ein 3,9-fach höheres Risiko haben, an einer Lungenentzündungen zu sterben, als Probanden ohne parodontale Vorerkrankungen [Awano et al., 2008]. Das Risiko kann erstaunlicher Weise, durch die Extraktion natürlicher Zähne nicht vermieden werden. Bei zahnlosen Patienten kann z.B. keimbelasteter Zungenbelag ebenfalls ein als Risikoindikator für eine Aspirationspneumonie angesehen werden [Abe et al., 2008].

Zahnmedizin in der Pflege

9. Januar 2018 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In Deutschland gibt es knapp 13.600 Pflegeheime. Die pflegebedürftigen Bewohner müssen jedoch auch zum Zahnarzt, können diesen aber nicht mehr selbstständig aufsuchen. Um diesem Problem entgegen zu wirken, hat mittlerweile fast jede fünfte Einrichtung einen Kooperationsvertrag mit einer Zahnarztpraxis vor Ort geschlossen. Die Tendenz ist weiter steigend. Neben den Menschen in stationärer Betreuung versorgen die Kollegen auch Pflegebedürftige im häuslichen Umfeld. Jedoch steht die Alterszahnmedizin vor einigen Problemen.

Denn die Patienten sind oft krank und gebrechlich, teilweise dement. Motivation und Compliance sehr niedrig. Zusätzlich muss das benötigte zahnärztliche Equipment am besten auch noch in eine Tasche passen.

Trotz all dieser Probleme haben sich 2016 Zahnärzte 902.000-mal auf den Weg gemacht, um alte oder behinderte Menschen im Heim oder Zuhause zu behandeln. In den kommenden Wochen folgen Beiträge zu folgenden Themen: -wie die „aufsuchende Betreuung“ im Alltag aussieht, – die Möglichkeiten mobiler Prothetik, – Gründe für gute Mundhygiene bei Prothesenträgern und – über die Rolle des Netzwerkes.

 

Weltweit erste Endo bei einem Delfin in Hongkong durchgeführt

26. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Zum Abschluss des Jahres haben wir noch einmal einen unterhaltsamen Beitrag für euch. In Hongkong wurde nun die weltweit erste endodontische Behandlung an einem Delfin durchgeführt. Dumisa ist der Name der acht Jahre alten Delfinkuh. Nötig gemacht hatte diese Behandlung der allgemeine Abrieb ihrer Zähne. Damit die Behandlung auch durchgeführt werden konnte, wurde im Ocean Park Hongkong monatelang trainiert.

Dr. Cedric Tut, ein südafrikanischer Tierarzt mit Kenntnissen auf dem Gebiet der tiermedizinischen Zahnheilkunde und Oralchirurgie erklärte nach dem Eingriff, dass Trainer und Tierärzte im Ocean Park Hongkongs über Monate hinweg mit Dumisa gearbeitet hätten, um sie an zahnmedizinische Instrumente zu gewöhnen. Zudem wurde ihr beigebracht, die Schnauze geöffnet zu lassen und Röntgenaufnahmen der Zähne zu tolerieren.

Zum Training wurden Attrappen, wie z.B. das Modell eines fahrbaren Röntgengerätes und elektrische Zahnbürsten verwendet. Dies half der Delfindame zu verdeutlichen, dass die Behandlung ihr keinesfalls schade. Dumisa litt unter einem allgemeinen Zahnabrieb. Zum Teil waren die Zähne so stark abgenutzt, dass die Pulpa freigelegt war. Zuvor gab es keine andere Möglichkeit, als die Zähne zu ziehen. Nun jedoch konnte Dumisas Gebiss durch eine Wurzelkanalbehandlung mit dem Einsatz eines Spezialzements erhalten werden. Dieser Zement fördert zusätzlich die Heilung des Knochens rund um die Wurzel.

Insgesamt wurden 19 Zähne behandelt, einer davon endodontisch. Die Sitzung dauerte mehrere Stunden und wurde ohne jede Art von Betäubung oder Fixierung durchgeführt.

Ein Video dazu könnt ihr euch hier ansehen:

Zahnärztliche Fluoridierung in Schwangerschaft ungefährlich

23. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In einer kürzlich veröffentlichten Studie beschrieben kanadische Forscher den Zusammenhang zwischen der Fluoridaufnahme von Schwangeren und der Intelligenz ihrer Kinder. Demnach führe eine erhöhte Fluorid-Exposition in der Schwangerschaft zu einem niedrigeren IQ der Kinder.
Allerdings ist die Studie mit einigen Mängeln behaftet und hat daher keine Relevanz!

Durchgeführt wurde die Studie in Mexiko-Stadt. Um die Fluoridbealstung der Schwangeren abzuschätzen, wurden Urinproben, die während der Schwangerschaft genommen wurden, tiefgefroren. So konnten sie später bzgl. der Fluoridkonzentration analysiert werden. Die Kinder wurden Intelligenztests unterzogen. Im Alter von vier und im Zeitraum von sechs bis zwölf Jahren.

Bestimmt wurden der General Cognitive Index (GCI) imALter von vier Jahren und im späteren Alter noch der Intelligenzquotient nachWechsler (IQ). Es gelang, insgesamt 299 vollständige Mutter-Kind-Datensätze zu erheben, mit denen die Überprüfung eines statistischen Zusammenhangs zwischen dem Fluoridgehalt im mütterlichen Urin und der Intelligenz ihrer Kinder möglich wird. Hierbei handelt es sich um Daten für 287 vierjährige und 211 sechs- bis zwölfjährige Kinder.

Die statistische Analyse der Daten ergab einen signifikanten Zsammenhang zwischen Fluoridkonzentration im Urinder Schwängern und denkognitiven Leistungen der Kinder. So geht mit einer um ca. 0,5 mg/L höheren Fluoridkonzentration ein um 3,15 Punkte niedrigerer GCI bzw. Ein um 2,5 Punkte niedrigerer IQ einher.  Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine höhere Fluoridaufnahme in der Schwangerschaft zu niedrigeren kognitiven Funktionen der Kinder führt. Mit einem solchen Fazit verwundert es nicht, dass in der öffentlichen Interpretation umgehend eine Kausalität abgeleitet und augenblicklich der Bezug zum Zähneputzen mit fluoridierten Zahnpasten hergestellt wird.

Klarzustellen ist jedoch, dass eine derartige Interpretationder Studie nicht einmal im Ansatz gerechtfertigt ist. Die Verwendung von Fluorid zur Kariesprävention bleibt sowohl für Schwangere als auch für Kinder indiziert. Im Folgenden soll detailliert dargestellt werden, wieso die Studienergebnissefür die Maßnahmen der Kariesvorbeugung irrelevant sind,

Zugute gehalten werden muss der Studie, dass sie eine große Anzahl von Mutter-Kind-Paaren umfasst und dass in der Analyse mögliche Verzerrungen durch z.B. Elemente wie Blei und Quecksilber oder auch Störfaktoren, wie z.B. die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, berücksichtigt wurden.

Jedoch muss in erster Linie herausgestellt werden, dass die in Mexiko-Stadt durchgeführte Studie Bezüge aus der Fluoridausscheidung imUrin nach systemischer Fluoridaufnahme herstellt.
In Deutschland sind die, für Schwangere empfohlenen Fluoridierungsmaßnahmen, jedoch allesamt Maßnahmen der lokalenFluoridierung der Zahnoberflächen. Diese können inForm von Zahnpasten, Mundspüllösungenm Gelees oder Lacken vorliegen. Maßnahmen dieser Art können allenfalls kurzfristig eine erhöhte Fluoridkonzentration im Plasma oder imUrin hervorrufen, da die werdenden Mütter die Mittel ausspucken und die professionelle Verwendung von Fluoridlacken nur mit geringen Mengen beim Zahnarzt erfolgt. Schlussfolgerungen zu den gefunden Fluoridkonzentrationen bei den mexikanischen Frauen, die sich in Folge einer systemischer Fluoridierung einstellten, sind daher keinesfalls statthaft.

Aktuelle zahnmedizinische Betreuungskonzepte schwangerer Frauen sehen Kontrollen und besonderePräventionsmaßnahmen vor, die nicht nur der oralen Mundgesundheit der werdenden Mütter dienen, sondern auch die allgemeine Gesundheit des Kindes fördern. Als Maßnahmen sind Professionelle Zahnreinigungen, die mit einer lokalen Fluoridierung der Zähne abschließen, ebenso wie zusätzliche häusliche Fluoridierungsmaßnahmen indiziert. Lokal angewendete Fluoridierungen führen nur kurzfristig zu einer Erhöhung der Plasma- und Urinkonzentration. Auch nach Anwendung eines höher dosierten Fluoridlackes ist die ursprüngliche Plasmakonzentration bereits nach acht Stunden wieder erreicht.
Zudem stellen die Autoren heraus, dass die ermittelten erhöhten Plasmawerte weit von toxikologisch bedenklichen Konzentrationen entfernt sind. Systemische Fluoridierungsmaßnahmen, wie z.B. die Gabe von Fluoridtabletten, werden auch während der Schwangerschaft aus zahnmedizinischer Sicht als ineffektiv betrachtet und werden daher nicht durchgeführt.

Zudem weist die Mexiko-Studie methodische Schwächen auf. Die Fluoridkonzentration im Urin spiegelt die Aufnahme aus verschiedenen Quellen wieder. Über konkrete Quellen gibt es jedoch keine Aussagen. Insbesondere ist in keiner Weise eine Verbindung zu zahnmedizinisch initiierten Fluoridgaben gegeben. Anzunehmen ist, dass das ausgeschiedene Fluorid größtenteils aus demTrinkwasser stammt. Der Publikation von Bashash et al. ist zu entnehmen, dass der Fluoridgehalt in Mexiko-Stadt zwischen 0,15 ppm und 1,38 ppm betrage. Diese Werte sind mit den Gegebenheiten in Deutschland nicht zu vergleichen. In Deutschland enthalten über 90 Prozent der Trinkwässer nicht mehr als 0,3 ppm Fluorid.  Zudem wird die Vergleichbarkeit dadurch beeinträchtigt, dass die Fluoridkonzentrationen im Urin von der Höhenlage des Ortes abhängen, in dem die untersuchte Person lebt. Mexiko-Stadt liegt mit 2.250 Metern über NN deutlich höher als der Durchschnitt der deutschen Städte.

Wesentlich bedeutender ist jedoch die Tatsache, dass die Fluoridbestimmung in Urinproben der Schwangeren erfolgte, die jeweils nur zu einem Zeitpunkt des Abgabetages abgegeben wurden (=”Spoturin”). Die Elementbestimmung in diesem gilt als unzuverlässig, da zum Erhalt valider Daten zumindest die Untersuchung im gesammelten 24-Stunden-Urin gefordert ist. Die Autoren der vorliegenden Untersuchung räumen diesen Mangel ein, schätzen die Auswirkungen jedoch als gering ein. Jedoch besteht der Fakt, dass das Ausmaß der Abweichung zwischen Spoturin und 24-h-Urin in der vorgelegten Studie und damit die Auswirkungen auf das Ergebnis nicht bekannt sind.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass:
– in der Studie statistische Assoziationen, aber keine Kausalitäten beschrieben werden.
– der verwendete Urin zur Bestimmung einer Fluoridexposition ungeeignet ist.
– die, für die Schwangeren relevanten Quellen systemischer Natur sind. Lokale Fluoridierungsmaßnahmen bleiben davon unberührt.
– die aufgezeigten IQ-Unterschiede wenig relevant zu sein scheinen.
– die Studie im Widerspruch zu anderen Untersuchungen steht, die sich mit der gleichen Studienfrage befasst haben.

Abschließend kann man also sagen, dass der in der Studie gefundene statistische Zusammenhang zwischen Fluoridgehalt im Urin werdender Mütter in Mexiko-Stadt und den kognitiven Fähigkeiten der Kinder für unsere zahnmedizinisch begründeten Maßnahmen der Kariesprophylaxe bei Schwangeren, aber ebenso bei Kindern, keine Bedeutung hat. Die zahnmedizinischen Betreuungskonzepte für Schwangere und Kinder bleiben daher unverändert gültig und sicher.

Der originale Beitrag ist in „DIE ORALPROPHYLAXE“ 4/2017  zu lesen. Ein Nachdruck ist hier zu lesen.

Risiko für Speiseröhrenkrebs durch Parodontitiskeime beeinflusst

11. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

In einer aktuellen Studie berichten US-Forscher des New Yorker Langone Health‘s Perlmutter Cancer Center, dass ein Zusammenhang zwischen Parodontitiskeimen und dem Risiko für Speiseröhrenkrebs zu beobachten sei. So sollen mindestens drei Bakterienarten, die im Falle einer Parodontitis vermehrt in der Mundhöhle zu finden sind, dafür sorgen, dass das Risiko für Speiseröhrenkrebs steigt oder sinkt.

Dass sich die orale Mundflora durch gewisse Verhaltensweisen, wie Rauchen, starkes Trinken, Zahnfleischprobleme oder auch Magen-Reflux verändern kann, ist bekannt. Auch das Risiko von Adeno- oder Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus wird hierdurch beeinflusst, wie die US-Forscher um Jiyoung Ahn herausfanden.

In der durchgeführten Fall-Kontrolle-Studie dienten Mundspülproben als Ausgangsmaterial. Diese wurden zuvor im Rahmen zweier großer Studien entnommen und archiviert. Insgesamt 122.000 Erwachsene hatten am Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screenings Trial und an der American Cancer Society Cancer Prevention STudy II teilgenommen. Im Verlauf der Studie, welche einen 10-jährigem Untersuchungszeitraum beinhaltete, erkrankten 106 Personen an Speiseröhrenkrebs.

Die Proben dieser Patienten (81 Patienten mit Adenokarzinom des Ösophagus und 25 mit Plattenepithelkarzinom) analysierten die Forscher und verglichen sie jeweils mit der doppelten Anzahl von Kontrollen, die nicht an Krebs erkrankt waren.

Die Forscher fanden signifikante Assoziationen, denn durch Tannerella forsythia erhöht sich das Krebsrisiko für ein Adenokarzinom um 21%. Bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom wurde häufiger Porphyromonas gingivalis gefunden. Beide Bakterien lassen sich bei Patienten mit chronischer Parodontitis in den Zahnfleischtaschen finden. Die Art und Weise, wie sie das Risiko für ein Ösophaguskarzinom erhöhen ist bisher jedoch nicht bekannt.
Im Gegensatz dazu verringern Streptococcusarten und Neisseria-Bakterien das Risiko zu erkranken um bis zu 24%. Bekannt ist, dass Neisseria die Toxine im Tabakraucher abbaut und dass Raucher weniger dieser Bakterien in ihrer Mundflora aufweisen, als Nichtraucher.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse können helfen, Richtlinien zu entwickeln, die Ärzten bei der Risikobewertung und Früherkennung von Speiseröhrenkrebs helfen könnten, so die Autoren der Studie. Jetzt wollen die Forscher die biologischen Hauptfunktionen einiger Bakterien des Mundes analysieren, um zu sehen, wie deren Stoffwechselwege das Krebsrisiko beeinflussen können.

Die Studie ist somit die erste, die unter fast 300 Bakterienarten des Mundes solche identifiziert, die laut Statistik mit dem Risiko verbunden sind, Speiseröhrenkrebs zu verursachen. Denn Speiseröhrenkrebs ist in den USA tatsächlich eine der Top-10-Ursachen für Krebstod und fordert etwa 13.000 Tote jährlich, dies vor allem Männer.

Brandilyn A. Peters, Jing Wu, Zhiheng Pei, Liying Yang, Mark P. Purdue, Neal D. Freedman, Eric J. Jacobs, Susan M. Gapstur, Richard B. Hayes and Jiyoung Ahn: Oral Microbiome Composition Reflects Prospective Risk for Esophageal Cancers DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-17-1296 Published December 2017 in Cancer Research

Erneute Warnung vor Triclosan

6. Dezember 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Auch das Rostocker Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei empfiehlt nun, auf Triclosan im Privaten komplett zu verzichten.
Der Direktor, Frerk Feldhusen, verwies bei seiner Empfehlung auf die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung: Die Verwendung von Triclosan soll unbedingt auf das notwendige Maß des ärztlichen Bereiches beschränkt werden, da der Stoff seit geraumer Zeit im Verdacht stehe, Krebserkrankungen zu begünstigen.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Triclosan in Kosmetika, Waschmitteln, Textilien und Lebensmittelverpackungen z.B. für eine antimikrobielle Wirkung in geringen Dosen verwendet wird. Diese Wirkungsmengen reichen häufig nicht aus, um Krankheitserreger abzutöten, fördert jedoch die Resistenzbildung gegen Triclosan, sodass sich diese stärker vermehren als nicht resistente Erreger und so gegen Antibiotika unempfindlich werden.

Man müsse Verbraucher über Triclosan informieren, sodass vor dem Verkaufsregal ein bewusster Verzicht auf Triclosan stattfinde, so Feldhusen. Bei 15 getesteten Zahnpastaproben seien zwar keine Überschreitungen der Höchstdosen gefunden worden, jedoch wurde die Maximaldosis zumeist ausgeschöpft.

Triclosan ist demzufolge also allgegenwärtig. Bei Krankenhauspersonal konnte es im Blut, im Urin und in der Muttermilch von Probanden nachgewiesen werden. Die Konzentration für viele Kosmetika ist in der EU seit 2014 auf 0,3% beschränkt, was von Experten jedoch als zu unsicher für den Verbraucher eingestuft wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt Triclosan als Zahnpastabestandteil als gesundheitlich nicht gefährlich sein, solange die erlaubten Höchstdosen nicht überschritten werden. Allgemein rät BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel aber, Triclosan „nur in Kliniken und Arztpraxen“ einzusetzen und dies auch nur „sehr restriktiv und mit der notwendigen Sorgfaltspflicht“.

Ein Einfluss auf die Industrie ist bisher jedoch nicht zu sehen, da Triclosan überall dort verwendet wird, wo seine antimikrobielle Wirkung geschätzt wird. So auch in Matratzen, Textilien, Müllbeuteln und Spielzeug.

Nach der Norm EU-KVO 1223/2009 muss Triclosan auf der Inhaltsstoffliste z.B. von Zahnpasta ausgewiesen sein. Mögliche Alternativbezeichnungen lauten 5-Chloro-2-(2,4-dichlorophenoxy)phenol (chemischer Name) und CASRN: 3380-34-5.

Anreicherung von Triclosan in Filamenten der Zahnbürste

29. November 2017 geschrieben von Redaktion MEDI-LEARN

Das in diversen Zahnpasten enthaltene Triclosan kann sich, so einer US-Studie zur Folge, in den Bürstenfilamenten der Zahnbürsten absetzen. Besonders hohe Konzentrationen konnten in Bürsten mit Nylonfilamenten und weichen Bestandteilen festgestellt werden.

Für die Untersuchungen des Teams um den Umweltchemiker Prof. Baoshan Xing von der University of Massachusetts, ob sich das Triclosan in den Borsten anreichere, wurden mit einem Testaufbau 22 handelsübliche Zahnbürsten und sechs triclosanhaltige Zahnpasten verwendet.

Das Ergebnis ist schockierend. Bei einer dreimonatigen Nutzung mit zwei Putzvorgängen pro Tag, reicherte sich bei jeder dritten Zahnbürste die 7- bis 12,5-fache Dosis, der beim einfachen Zähneputzen aufgenommenen an. Besonders stark betrifft dies Bürsten mit Nylonfilamenten oder weichen Bestandteilen.
Die Forscher warnen nun vor einer unkontrollierbaren Triclosanexposition.
Danach wechselten die Forscher auf die Verwendung einer triclosanfreien Zahnpasta, bei der die Borsten der Zahnbürsten den angereicherten Stoff für bis zu zwei Wochen wieder abgaben.
Ein direktes Gesundheitsrisiko für Verbraucher könne zwar nicht abgeleitet werden, jedoch zeigt der beobactete Effekt deutlich, dass es zu einer nicht steuerbaren Triclosanexposition kommen könnte.

Die Forscher sind der Meinung, dass das Design von Körperpflegeprodukten, welche absorbierende Polymerkomponenten enthalten, kritisch überprüft werden sollten, wenn diese während ihrer Benutzung regelmäßig mit Chemikalien in Berührung kommen. Dies gelte auch für andere Zahnpasta-Inhaltsstoffe wie Butylhydroxytoluol, Salicylsäuremethylester und Anethole, deren Anreicherung in den Weichteilen der Zahnbürste nachgewiesen werden konnte.
Zahnbürsten mit einer solchen chemischen Belastung seien als Bestandteil des Hausmülls eine bisher nicht beachtete Gefahrenquelle für die Umwelt.

Jie Han, Wei Qiu, Elizabeth C. Campbell, Jason C. White, Baoshan Xing: Nylon Bristles and Elastomers Retain Centigram Levels of Triclosan and Other Chemicals from Toothpastes: Accumulation and Uncontrolled Release, in: Environ. Sci. Technol., 2017, 51 (21), pp 12264-12273 DOI: 10.1021/acs.est.7b02839 Publication Date (Web): October 25, 2017


WordPress SEO fine-tune by Meta SEO Pack from Poradnik Webmastera