Juhu! Eine Platte, eine Platte!

Es gibt sie also doch noch: Spaß und Begeisterung im OP. Und zwar nicht nur, weil die Hintergrundmusik gut ist und das Team gut drauf, sondern weil das, was man tut, Spaß macht. Richtig Spaß. Und woran lags? An einer simplen Platte.

Der Wirbelsäulenchef hat einen Patienten zur OP einbestellt, der vor etwa einem halben Jahr zum ersten Mal bei uns an seiner Halswirbelsäule operiert wurde. Leider hat er immer noch Schmerzen und es stellte sich heraus, dass die geplante Verblockung zwei Wirbelkörper nicht funktioniert hat. Sie sind nicht wie vorgesehen zusammen gewachsen, der eingesetzte Platzhalter im Zwischenwirbelraum war locker geworden. Was macht manann? Das Ganze nochmal, und damit es diesmal besser hält, schraubt man noch zusätzlich eine Platte auf die zwei Wirbelkörper.

Chef’s Aussage: „Ich hasse Platten“. Ich liebe sie! Warum? Keine Ahnung, aber irgendwie ist es etwas ganz anderes, irgendwo eine Platte drauzuschrauben, als immer nur dieses stupide Herumgesäge und -gehämmer bei den Schei* Hüft- und Knieprothesen. Röntgen! Zielen! Lage überprüfen! Platten und Schrauben sind toll. An der Halswirbelsäule ist das Ganze natürlich ganz schön kribbelig, denn wenn da die Schrauben zu lang sind, schraubt man sie ins Rückenmark rein und das will ja keiner. Der Chef hats aber souverän hingekriegt.

Der zweite Grund, warum ich so viel Spaß hatte, was dann doch das OP Team. Ich mag den Wirbelsäulenchef. Auch wenn er eine kleine Diva ist und ziemlich eklig sein kann, wenn er schlechte Laune hat, mag ich an ihm, dass er ein Nerd ist. Wie ich. Und eine coole Sau dazu. Naja, so cool, wie man als Nerd mit Brillengläsern dick wie Flaschenböden sein kann. Obendrauf gabs noch einen Oberarzt, der erst Anfang des Jahres zu uns gestoßen ist. Die beiden kennen sich aus früheren Zeiten aus einem anderen Krankenhaus, als Chef noch nicht Chef war, sondern Oberarzt und ganz früher vielleicht sogar noch Assistent. Die beiden spielten sich also die Bälle hin- und zurück, dass es krachte. Chef machte sich darüber lustig, dass der Oberarzt nicht kräftig genug am Haken zieht und ob das wohl am Alter läge (der Oberarzt ist ca. 10 Jahre älter als der Chef), während der Oberarzt dann natürlich alles auf die Anästhesie schob. Der Chef wiederum drohte dann dem Anästhesisten „Relaxieren Sie mal ein bisschen und reden Sie nicht so viel, sonst hol ich Ihren Chef!“, der das Spiel dann auch mitspielte. Zwei Stunden Spaß. Herrlich. Ich kriege jetzt noch gute Laune, wenn ich daran denke.

Schade nur, dass die Wirbelsäulenchirurgie nicht nur aus tollen OPs besteht, sondern auch aus jeder Menge unbefriedigender Ergebnisse und – so gemein das klingt – Patienten mit Dachschaden.

3 Reaktionen zu “Juhu! Eine Platte, eine Platte!”

  1. Andrea

    „Der zweite Grund, warum ich so viel Spaß hatte, was dann doch das OP Team. Ich mag den Wirbelsäulenchef. Auch wenn er eine kleine Diva ist und ziemlich eklig sein kann, wenn er schlechte Laune hat, mag ich an ihm, dass er ein Nerd ist. Wie ich. Und eine coole Sau dazu.“ Was jetzt ? Ein Nerd oder eine coole Sau ?

    Beides schließt sich doch irgendwie aus. 😉

    Spass beiseite: Hab eine Gute N8, liebe Annette bzw. wenn du Nachtdienst hast, einen ruhigen Dienst.

    Herzlichst

    Andrea

  2. Henrk

    Was bei uns in der WS-Chirurgie auch oft vorkommt, sind Ca-Patienten mit vielen Metastasen, wo man eben die WS stabilisieren muss… freut unsere OÄ auch nie…

  3. Lara

    Hallo!

    Ich bin Studentin und habe ein Projekt über Medizin Technik und was verbessert werden sollte. Kann ich mal eine Mail schreiben? Es ist schwer Experten zu finden.

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