Heldenzeit

21. April 2010 geschrieben von ASS100

Heute haben wir eine Patientin in die Neuro-Frühreha verlegt. Ursprünglich hatte die junge Dame versucht, sich aktiv aus dem Leben zu verabschieden, nachdem das mit einem jungen Mann nicht so geklappt hatte wie sie sich das so vorgestellt hat. Der immerhin ist jetzt sehr reumütig und fühlt sich schuldig, aber die junge Frau ist trotzdem tetraparetisch und tracheotomiert und in etwa so kommunikativ wie eine Zimmerpflanze. Egal, auf jeden Fall gings in die Reha, und zwar, langer Rede kurzer Sinn, mit dem HUBSCHRAUBER.

ALTER war der Hubschrauberarzt toll. Und sexy. Und souverän (wobei das sexy wahrscheinlich ggf. der Gesamtsituation geschuldet ist und nicht dem Doc persönlich… wobei, hässlich war der jetzt auch nicht). Und cool… und überhaupt! Er war der HUBSCHRAUBERNOTARZT!

Naja, auf jeden Fall habe ich ein neues Endziel: Ich werde Hubschraubernotarzt, wenn ich groß bin. Um den zweiten Teil des Wortes werd ich eh wohl nicht drumherumkommen, und wenn schon denn schon, oder? Brauche unbedingt coole Sonnenbrille, die kann ich ja dann möglicherweise auf dem NEF schon mal tragen, um mir das nötige Auftreten für den Hubschrauber im Verlauf schonmal anzutrainieren!

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Etwas off topic: Ich habs gemacht wie die Josephine und ein Alternativ-/richtiges/ganz eigenes Blog eröffnet. Mal gucken!

Vielleicht schreib ich einfach parallel oder so, oder ich muss mich irgendwann entscheiden, so wie beim legendären Kampf heute im Supermarkt: Trauben gegen Erdbeeren. Wobei, da hab ich am Ende beides gekauft, lecker Obstsalat!

Not-Arzt

19. April 2010 geschrieben von ASS100

Gesetzt den Fall, ASS100 würde von ihrem Maximal-Versorger-Arbeitgeber genötigt, baldmöglichst dem erlauchten Pool der Helden in den schnellen Autos mit dem blauen Licht beizutreten… sprich, einen der 3 NEF-Standorte an ihrem Arbeitsplatz zu unterstützen, dann müsste ASS ja auch ggf. demnächst einem Notarztkurs beiwohnen. Vielleicht auch schon nächste Woche. Und dann würde sich little ASS möglicherweise auch Gedanken drüber machen, wie toll oder auch nicht das Rettungsdienstwesen ist. “Äh, no, im not-Arzt… i´m just… ich putz hier nur!”

Damals, im Studium, wollte ich ja immer gerne im NEF mitfahren, aber hinten links ist ja auch tatsächlich ne ganz andere Hausnummer als vorne rechts. Argh. Nee… ich bin gar nicht aufgeregt. Das wird super. Erstmal der Kurs, und dann kann ich ja mit meinen Fahrten so lange trödeln, bis alle vergessen haben, dass ich überhaupt mal Notarzt werden sollte… oder? Hmpf.

Ansonsten nix Neues. Außer dass ich wieder mal Muskelkater vom Bronchoskopieren hab. Ehrlich. Ich kann mich dabei NICHT nicht verkrampfen. Irgendwann finde ich mich völlig verkümmt auf Zehenspitzen stehend in einer so unnatürlichen Haltung wieder, dass ich hinterher Hilfe brauche, um mich aus der Zwangslage wieder befreien zu können. Aua. Autsch. Ah. Ja, hier noch ein bisschen Sekret gewinnen, gerne doch, wenn mein Gehirn es noch schafft, den Zeigefinger auf dem Sauger-Knopf korrekt anzusteuern, auch das….

Liebeskummer

8. April 2010 geschrieben von ASS100

Ja. Es ist schlimm. Es ist furchtbar! Man weint und schreit und leidet und beißt ins Kopfkissen. Es reißt einem das Herz raus. Man denkt: Nie wieder findet man so einen Seelenzwilling, der weiß was man denkt, der einem “Ich mach dich gesund, sagte der Bär” vorliest, wenn man krank ist. Der einem Kaffee ans Bett bringt. An den man genau ranpasst, eingekuschelt, zum Einschlafen. Der so unglaublich süß lächelt. Der einen anruft, gerade wenn man denkt, alles ist scheiße. Der da ist. Der einem ansieht, dass man was auf der Seele hat, und auch die richtigen Worte findet, einen wieder lachen zu lassen. Von dem auch das 100ste Foto in der Wohnung nicht zu viel ist. Der die Leibspeise für einen kocht. Auf den man sich verlassen kann. Mit dem man Babys machen, einen Hund haben, ein Haus bauen, alt werden will.

Der einen mit der Arbeitskollegin betrügt.

Niemals wieder findet man so einen? Doch, schon. Es sei denn, man versucht nach der offenbar schmutzigen Trennung aus dem schnöden Leben zu scheiden und findet sich mit einem Tubus im Hals und einer äußerst wackligen Prognose auf unserer Intensivstation wieder. Dann könnte es schwierig werden.

Ach, Mädel! Musste das denn sein?

Arzt IV

2. April 2010 geschrieben von ASS100

Es kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: meine Arzt-IV-Phase nach den Nachtdiensten. Plötzlich habe ich, zusätzlich zu meinem versauten individuellen Tag-Nacht-Rhythmus, Tages- und Nachtfreizeit. Ausgleichsfrei. Unglücklicherweise an Tagen, an denen meine Peer-Group arbeiten oder lernen muss… ich hänge also rum. Vor dem Fernseher. Je mehr ich mir vornehme für diese Zeit, desto weniger krieg ich gebacken: an dem Tag, an dem ich meine Winterkleidung ausmisten und endlich meine Steuererklärung machen wollte, hatte ich um 17:30 Uhr genau eins geschafft: Duschen (aber ohne Haarewaschen). Danach sank ich erschöpft mit einem Feierabendbier aufs Sofa. Ich sags euch, das Leben ist nicht leicht, wenn man (h)arzt.

Ein Glück gehen diese Phasen vorbei, spätestens in der Frühdienstwoche, wenn ich dann nach acht regulären und drei Extra-Stunden noch schnell vor dem Sport einkaufen fahre und dann aber nur ne kleine Runde laufen gehe, weil wir ja mit den Mädels noch kochen wollen und vorher muss ich ja noch die Wäsche in die Maschine tun… ich kann, wenn ich will… aber nicht, wenn ich könnte.

Nachtdienst

29. März 2010 geschrieben von ASS100

Mein Körper findet Nachtdienste nicht so richtig gut. In wachen Momenten bin ich müde und unleidlich. Ich schlafe schlecht den ganzen Tag und hänge nachts mittel- bis übel gelaunt auf der Intensiv herum, die Krönung in den frühen Morgenstunden, wenn ich bei der Morgenvisite die  Launen der Chefs der diversen Alpha-Männchen-Chirurgen-Fraktionen über mich ergehen lassen muss. Argh.

Nicht schön. Deshalb habe ich beschlossen, die Sichtweise zu ändern: Zunächst mal rein vegetativ:

Nachtdienst ist genau wie Frühdienst, nur dass Schlafen und Arbeiten vertauscht sind. Also, man schläft von 9 – 16 Uhr und arbeitet dafür von 23-08 Uhr statt andersrum. In beiden Fällen hat man den Nachmittag zur freien Verfügung, was eine super Sache ist. Heute erfolgreich auf dem Balkon abgehangen und diverse neu gekaufte Blumenkübel mit neu gekaufter spektakulärer Gießkanne bewässert, schon mal großes Kino.

Und rein arbeitstechnisch ist Nachtdienst auch super: Die Patienten, denen es einigermaßen gut geht, schlafen Nachts und bereiten keine Sorgen, und die, die keinen Tag/Nacht-Rhythmus mehr haben sind sowieso so kaputt dass man sich da wirklich Mühe geben müsste um noch Schaden anrichten zu können.

Nachts hat man dafür Zeit, mit den Pflegekräften zu lästern quatschen, man kann rausfinden, welches Mobilisationsutensil sich am besten zum Dösen eignet und dann schließlich doch eine Eigenkombination aus zwei Schreibtischstühlen, einem Kissen und einem Tisch bevorzugen.

Man muss keine Angehörigengespräche per Telefon führen; man kann sich zum BGA-Maschinen-Reparier-Fuchs weiterbilden; man kann seiner Kreatives-Schreiben-Ader beim Verfassen von Verlegungsbriefen freien Lauf lassen: “Der postoperative Verlauf auf ICU gestaltete sich stets unauffällig” … Moment! Der Pat. war zwei Wochen bei uns, davon 10 Tage beatmet, septisch und völlig kaputt…  hmmm… ” Der postoperative Verlauf auf ICU gestaltete sich weitgehend unauffällig” … schon besser…

Und wenn die Vögel anfangen zu zwitschern weiß man, man geht gleich nach Hause!

Eigentlich mag ich Nachtdienste.

In einer Stunde muss ich los. Vielleicht vorher noch ne Runde schlafen?

Blahblahblah

17. März 2010 geschrieben von ASS100

Nur soviel: heute musste ich mal wieder einen beatmeten Patienten ins MR begleiten, und der hatte keine Aufklärung unterschrieben. Wie auch, so als Polytrauma. Naja, die Radiologin machte sich ins Höschen und wollte kein MR ohne unterschriebene Aufklärung, wenn nicht vom Patienten dann halt vom Stationsarzt (häh?), sprichts und reicht den Aufklärungsbogen dem Zivi. Der war zur Verstärkung dabei, wir standen also zu dritt in blau und ohne Namensschilder (weil Magnet) um den Patienten herum. Äh. Der Zivi hat dann kommentarlos an mich weitergegeben, und immerhin ist die Radiologin kurz rot geworden.  Aber ich bitte euch. Wieviel Hirn braucht es, um den Zivi (schiebt das Bett) vom Arzt (m/w) zu unterscheiden, der gerade die Beatmung diskonnektiert um den Beutel dranzumachen und von Hand weiterzubeatmen. MANN. Dabei ist die doch selber ne Frau und Arzt. Irgendwann fällt mir glaub ich nix zu ein außer viel viel Augenrollen. Argh.

Nervenkrise

14. März 2010 geschrieben von ASS100

Ich hatte Ferien. Deshalb hab ich ne Woche nichts geschrieben. Und deshalb bin ich mit der Bahn gefahren. Zu meinem Ferienort. Und zurück auch. Unter Umständen hatte ich zeitlich relativ knapp kalkuliert. Ich musste sehr früh los, mich zum Bahnhof bringen lassen, Regionalbahn zum großen Bahnhof, dann -so der Plan – gemütlich im ICE chillen und schlafen – dann 1,5 h Zeit für Gepäck heimbringen, klarkommen und mit dem schönsten Auto der Welt zum Spätdienst fahren, welcome back, reality!

Ich hasse die Bahn. Kommentarlos steht – nach bis dahin reibungslosem Ablauf meines Reise-Masterplans – auf der Zug-Anzeigetafel, dass mein ICE eine Stunde Verspätung hat. Gnah. Ich schleife mein Gepäck zum Reisezentrum und frage den phlegmatischen Fettsack hinter der Theke, was ich denn für Möglichkeiten hätte, pünktlich mein Ziel zu erreichen. Antwort: Ich könne ja eine Stunde warten und dann den Zug nehmen.  … Ich frage erneut, was ich für Möglichkeiten hätte, PÜNKTLICH mein Ziel zu erreichen. Erkläre, dass ich nicht umsonst morgens um halb fünf aufgestanden sei, sondern dass ich noch Termine hätte am Zielort… ja… dann könne ich mit der Regionalbahn nach Bad Sowieso, und dann da umsteigen in den Regionalexpress… und dann über Smallville in Richtung Ziel. Klar. Ich frage, wer mir dann den Differenzbetrag von Regionalbahn zu meinem bereits bezahlten ICE-Ticket bezahlen würde. Ja nee, dann müsste ich auf den ICE warten.

Ich wünsche mir ein Taxi. Ja. Das müsste ich selber bezahlen, ich könnte ja dann aber doch versuchen, das Geld hinterher von der Bahn wiederzubekommen. Ja sicher. Ich werde zum Tier. Mit einem mühsamen Rest Selbstbeherrschung frage ich den Fettsack, ob er denn wenigstens verstehen könne, dass das jetzt für mich als Kunden eine unglücliche Situation sei?! Ja, kann er. Aber irgendeinen Lösungsansatz hat er auch nicht. Der Arme. Er kann ja auch nichts dafür, denkt das Engelchen in mir, und so drehe ich mich um und schleife mein Gepäck wieder aus dem Kundenzentrum heraus, bevor meine V. Jugularis noch einfach platzt oder das Kundenzentrum zum Spielort eines bühnenreifen Massakers wird.

Ende vom Lied: Anderen Zug genommen, 2x umgestiegen,  in Krankenhaus-City ausgestiegen, samt Gepäck beim Spätdienst gewesen, Scheiß-Spätdienst gehabt, alleine, danach unglaublich viel Geld für Taxi nach Hause ausgegeben. Alle Erholung aus Ferien im Rahmen der hypertensiven Entgleisung im Kundenzentrum wie weggeblasen, welcome back reality.

Wah!

1. März 2010 geschrieben von ASS100

Gerade aufgewacht! Irgendwie raubt einem diese Schichtdiensterei jegliche Möglichkeiten zum Sozialleben. Jetzt geh ich dann mal arbeiten, nur noch ein Kaffee.
Und: Hurra! Die Sonne scheint, der März ist da… Zeit, das beste Auto der Welt dran zu erinnern, dass es ein Cabrio ist. Geilo. Hoffentlich friere ich mich nicht zu Tode auf dem Weg. Oder werde von einem tiefgefrorenen Singvogel erschlagen. Oder oder oder… aber Memmen gilt nicht! Heut wird das Dach aufgemacht!

Intensiv(e/-) Impressionen

25. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Der Polytrauma-Pieper reißt uns mit seinem hysterischen Gefiepe aus unserer täglichen eigentlich-ist-doch-grad-alles-ganz-entspannt-Routine. Wir sind natürlich voll belegt, wie immer. Hastig verlegen wir einen unserer “Joker”… der wird sich auch auf der Normalstation ganz gut machen. Dann lange nichts. Vorsichtiger Anruf in der Rettungsstelle: Ein Mädchen, noch nicht ganz volljährig, als Beifahrerin in einen Autounfall verwickelt, schon im OP, wir sollen einen Beatmungsplatz bereithalten. Puh. (Wieso bloß passiert sowas immer dann wenn ich allein bin? Wo ist mein Oberarzt? Wo ist meine Mama?) Ok, los also. Ich spule schnell das Routine-Programm ab, um mich dann um das Mädel kümmern zu können.

Da kommen sie, kurz vor Ende meines Dienstes. Ein Puppengesicht, lange Wimpern, unversehrt. Stiff-Neck bei Wirbelkörperfraktur, wahrscheinlich stabil, aber wir brauchen noch ein Kontroll-CT. Morgen. Leberkontusionen, aber keine freie Flüssigkeit. Rippenserienfraktur, Lungenkontusion, Pneu. Den Arm hat sie sich gebrochen. Und beide Beine, da sind Fixateurs dran. Sie hat ziemlich viel Blut verloren. Und kalt ist sie. Und intubiert. Wir beschließen sie bis zum nächsten Morgen intubiert zu lassen. Oder reißt sich jemand drum, für den Querschnitt eines fast-noch-Kindes verantwortlich zu sein? Was, wenn Sie re-intubiert werden müsste und ich das mit dem Stiffneck nicht hinkriege? Neinnein. Außerdem sind 33 Grad vielleicht auch was frisch. Also Warm-Touch. Ich schleiche mit Ery-Konzentraten um die Kleine herum, aber da sie sich ganz gut macht und trotz ihres knapp siebener-Hbs normfrequent ist, sich mit den Drücken hält und eine relativ gute zentrale Sauerstoff-Sättigung hat, entschließe ich mich gegen eine Transfusion. Statt dessen setze ich mich eine Weile an ihr Bett und rede Nonsens mit ihr. Wahrscheinlich soll mein monotones Gemurmel vor allem mich selber beruhigen. Naja. Der Nachtdienst kommt, Übergabe, bis morgen früh (am Wochenende haben wir 2×12 h statt 3×8).

Sonntagmorgen fahren wir dann durchs CT. Und sehen “nur” einen Processus-Spinosus-Abbruch, keine instabile Wirbelkörperfraktur. Puh. Also, Rücksprache mit den Unfallchirurgen, Oberarzt dazupfeifen, wir extubieren sie gleich. Sedierung raus, die Puppenaugen gehen auf… “kannst Du mal meine Hand drücken?” Ja… dann mal los.

Sie lässt sich ohne Probleme extubieren, guckt uns mit klarem Blick an, möchte einen Schluck Wasser, fragt, wo sie sei und warum. Erinnert Momente vor dem Unfall. Ich sitze bei ihr, die Eltern sind unterwegs, ich erkläre ihr was passiert ist, was wir gemacht haben, dass sie wieder gesund wird. Sie schaut mich an und sagt: “Woher kenne ich eigentlich ihre Stimme?” Äh.

Listenzeit…

18. Februar 2010 geschrieben von ASS100

… Möglichkeiten, mit denen meine zarte aufstrebende Karriere ein jähes Ende finden könnte:

1. Morgens beim im – Auto – Kaffee – aus – dem – Thermobecher – trinken beim letzten Schluck den Becher so zwischen Autodach und Unterkiefer zu verkanten, dass ich handlungsunfähig werde… schlecht auf der Autobahn.

2. Morgens beim Autofahren wird es warm – Folge: Schal abwickeln… dabei Schal in strategisch ungünstigem Moment um Kopf verwuseln – dran zerren – nix mehr sehen… auch schlecht auf der Autobahn.

3. Kollaps falls ich im Rahmen einer Reanimation mehr als 3 Stockwerke hochrennen muss und der Patient den Sauerstoff für sich beansprucht.

4. Leber-/Milzbiopsie statt Pleuracath

5. Catfight mit Todesfolge mit meiner “Lieblings-“kollegin

6. Genickbruch (Dens-Axis-Frakturen werden nach Anderson eingeteilt, hab ich neulich gelernt) nach Sturz auf Glatteis auf dem Schleichweg vom Parkplatz zur KH-Hintertür

7. Kantinenessen.