Wir verewigen uns…

13. Februar 2010 geschrieben von ASS100

… in den Lehrbüchern der Zukunft.

Ehrlich jetzt, jeder hätte doch gerne, dass eine Krankheit, eine OP, ein Verfahren, ein Instrument, ein Katheter… ein was auch immer nach ihm benannt wird, damit die Medizinstudenten der nächsten hundert Jahre fluchen und sich einen sinnfreien Eigennamen mehr ins Hirn wemsen müssen… oder?

Was hat sich denn der Herr Osler dabei gedacht? Oder Mr. Shaldon… oder… oder oder.

Für mich schlage ich folgendes vor:

Die ASS-Haustier-Skala (ASSHS) des neurologischen Outcomes von Intensivpatienten.

folgendermaßen:

ASSHS 1 – Zimmerpflanze

ASSHS 2 – Goldfisch

ASSHS 3 –  Hamster

ASSHS 4 – Kaninchen

ASSHS 5 – Haushund.

ASSHS 1 ist, wie die Erklärung suggeriert, per definitionem ein Lebewesen, kann aber nix alleine und macht eigentlich nur Stoffwechsel.

Das andere Extrem, ASSHS 5, ist zwar auf jemanden zum Überleben angewiesen, kann aber auf Basis-Niveau kommunizieren und Emotionen rauslassen und zeigen und hat auch Gefühle.

Alles was über ASSHS 5 geht ist restitutio ad integrum.

Meine Mitbewohnerin sagt, ich werde menschenverachtend. Ich glaube ich tue das, um zu überleben. Trotzdem ist mir heute wieder aufgefallen, dass meine Herzfrequenz auch beim morgendlichen Betreten der Intensiv im zweistelligen Bereich geblieben ist. Das ist ein Fortschritt. Und es hat Spaß gemacht! (und, auch wenn ich das so jetzt hier schreibe, ich behandele ASSHS 1 – Patienten trotzdem höflich, rede mit denen, sage Bescheid, wenn ich an denen rummanipuliere und tue so, als KÖNNTEN sie mich vielleicht doch verstehen. Denn, auch das soll es geben, der ein oder andere wacht wohl wieder auf!)

Old Surehand

8. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Heute hatte ich nen guten Tag!

Shaldon saß, Lumbalpunktion saß, sogar Tubus saß auf Anhieb. Bam, Baby. Leider hatte der entsprechende Patient keinen so guten Tag, wie man vielleicht an den applizierten Accessoires unschwer erkennen kann. Unklare Bewusstseinstrübung aus der Rettungsstelle gleich auf Intensiv… jetzt intubiert (BAM) und beatmet… im CCT nix Wegweisendes. Schon gruselig, wenn man drüber nachdenkt. Der Arme. Mal gucken was der Liquor (BAM) sagt, für morgen ist ausserdem ein MRT geplant. Hoffentlich läuft das erst nachmittags, denn sonst beutel ich mir im Frühdienst wieder einen Wolf. Man kann ja die Beatmungsmaschine nicht mit ins MRT nehmen, also nimmt man einen Assistenzarzt mit, der dann Beatmungsmaschine spielt. Dabei hört sich die Umgebung an wie eine Loveparade-Billigversion. Super Sache. Ich schwöre, beim letzten Mal hatte ich Ohr und eine Blase am Mittelfinger. Außerdem finde ich es immernoch relativ gruselig, beatmete Patienten mit 100 Perfusoren irgendwohin zu begleiten. Wenn irgendwas rausreißt oder kaputtgeht, erwarten alle, dass man als der begleitende Arzt die Situation im Griff hat. Ich bin im Normalfall froh, wenn ich meinen Blutdruck im Griff hab… oh Mann. Zum Glück ist bisher auf meinen Transporten nichts wildes passiert… aber ich sags euch. GRUSELIG.

Apropros gruselig, ich muss Karneval durcharbeiten. Sehr unschön. Fändet ihr es geschmacklos, wenn ich mich am Rosenmontag verkleiden würde? Als Vampir? Oder als Endgegner? Auf eine absurde Art und Weise wäre es SEHR lustig und scrubsyform, aber ich denke ich kann das den Patienten (und v.a. den Angehörigen) wahrscheinlich nicht wirklich zumuten. Vielleicht mal ich mir ein Herz auf die Wange oder so. Alaaf.

Endgegnerlevel

4. Februar 2010 geschrieben von ASS100

Liebe Manchmal-oder-auch-oft-Mitleser…

soll ich jetzt die ein oder andere Ausrede aus dem Ärmel schütteln, warum ich so lange nicht geschrieben habe? Äh, wie in diesen Freundschafts-Briefbüchern in der fünften Klasse, wo man auch nach 3-4 Seiten obligatorisch im “Hallo Hasimaus, tut mir leid dass ich dir so lang nicht geschrieben hab”-Modus landete.

Näh, war vielleicht einfach alles watt viel. Und ich wollte nicht länger über das Krankenhaus nachdenken als unbedingt notwendig. Also nur in der Zeit in der ich da war. Dann die üblichen Kleinigkeiten “mhh… der Neue darf viel mehr operieren als ich… hat der Leitende mich nicht mehr lieb? Blöder Neuer…” usw usf. Nicht schön. Kein Spaß mehr bei der ganzen Sache. Egal. Ich steig jetzt einfach wieder ein, ok?

Ich habe jetzt nämlich einen neuen Wirkungskreis: Die interdisziplinäre Intensivstation… jaha. Hauptsächlich guck ich erstmal mit ganz großen Augen. Ich hab mich wirklich lange nicht SO hilflos gefühlt wie in meinen ersten Tagen.

Rein apparatetechnisch ist so eine Intensiv mit Monitor, Beatmungsmaschine, Infusomaten, PICCO, am besten noch Pulmonaliskatheter… für einen werdenden Chirurgen schon auch einfach eine Herausforderung. Ich muss nach einem Monat echt immer noch überlegen, aus welchem ZVK-Lumen ich denn dann jetzt mal Blut abnehmen darf. Äh. NICHT DER KATECHOLAMINSCHENKEL… gut. So weit bin ich. Mittlerweile kann ich auch die meisten Geräte anfassen, ohne Angst zu haben, diese oder gleich den Patienten sofort kaputtzumachen. Das ist mein Fortschritt diesen Monat.

Die andere große Herausforderung auf der Intensivstation: Den Patienen mit all den Zugängen ausstatten, die er für so ein oben beschriebenes Monitoring braucht. Jaha. Da weiss ich echt auch nicht. An manchen Tagen krieg ich noch nicht mal ne Magensonde rein, an anderen Tagen sitzt ne Schleuse für nen PA-Katheter beim ersten Versuch in der Subclavia. Wenns klappt, hab ich immer das “bin ich da schon drin oder was? Das war ja einfach”-Gefühl. Den nächsten invasiven Zugang gehe ich dann mit innerer Ruhe und Gelassenheit an (ist ja Pipikram), um dann Stunden später verzweifelt nach meinem Oberarzt zu schreien. Ein ewiges auf und ab… Ich finde es aber auch wirklich schwierig, dass die (anfangs wirklich recht steile) Lernkurve auf Kosten der Patienten geht. Wenn ich einer schwitzenden und wimmernden Omi wiederholt im Hals rumstochere, weil die V. Jugularis interna sich irgendwie nicht da befindet wo ich sie vermute, dann fühle ich mich schuldig, vor allem, wenn mein Oberarzt lächelnd danebensteht und dann irgendwann mit einem eleganten Handgriff die Nadel da rein befördert wo sie hinsoll. Ich möchte das auch gerne KÖNNEN! Ich möchte das aber nicht lernen. Aber da geht wohl kein Weg dran vorbei, fürchte ich. Naja.

Und eine weitere große Herausforderung gibt es auf Intensiv: Das Rea-Telefon. *Schluck*. Wenn irgendwo im Haus reanimiert wird, klingelt das, und wir müssen da hin rennen. Es ist zwar nicht rot, aber sonst denke ich in etwa so heiß wie das Telefon zwischen Moskau und Washington… ihr wisst schon. Ich habe einen HÖLLENRESPEKT vor diesem Telefon. Weil ich einen Höllenrespekt vor dem Endgegner habe. Der lauert überall. Es kann sein, dass wir alle um den Patienten in Bett 14 herumspringen, der quasi drucklos aus dem OP gekommen ist, und dann läuft eine Schwester an der Tür vorbei und sagt: “Der Vierer versucht zu sterben, vielleicht solltet ihr mal gucken” und dann müssen wir uns aufteilen und der Endgegner lacht sich ins Fäustchen und vielleicht klingelt dann genau das böse Telefon und wir rennen noch schnell 7 Stockwerke zu einem Patienten, der alleine im Zimmer war und irgendwann tot gefunden wurde und dann reanimieren wir erfolglos eine Stunde und schleichen dann müde zurück. Ah. Und der Endgegner grinst diabolisch und schärft seine Sense.

Aber meistens ist es gar nicht so schlimm. Ich glaube, irgendwann werde ich die Intensivstation vielleicht sogar wirklich mögen. Jetzt geh ich aber erstmal joggen. Körper stählen für aussichtslosen aber heroischen Kampf. Ich werde weiter berichten.

Augenblicke

19. Oktober 2009 geschrieben von ASS100

Heute Morgen – ich war nach Dienst noch gar nicht richtig wach und trank meinen ersten Kaffee mit meinem weltbesten Kollegen noch vor der Frühbesprechung. Der Rettungsstellen-Funker geht. Gnah. Ich rufe zurück. Der Pfleger am Telefon klingt irgendwie komisch. Er sagt eigentlich nur “Komm mal eher bald”, aber das in einem Tonfall, der mich irgendwie nervös macht. Ich lasse also meinen Cappu Cappu sein und wetze Richtung Ambulanz.

Da steht noch der überbringende Notarzt, der mich grinsend mit den Worten begrüßt: “Ich bringe euch einen kerngesunden jungen Mann…” ja klar. Gefühlte 132 Diagnosen, allein zwei Malignome in der Anamnese, zig Medikamente, jetzt Bauchschmerzen. Der Internist guckt auch ganz neugierig und hört zu, zusammen schauen wir uns den Patienten an. Ich will gerade mein Stethoskop auf den -doch tendenziell peritonitischen – Bauch halten, da guckt mich der Patient plötzlich ganz starr an. In dem Moment dreht sich mein Kollege weg und sagt: “Ich hol mal Atropin”. Urplötzlich ist die eher tachykarde Herzaktion auf 30 gesunken. Ich bin gefangen von den Augen dieses kranken Mannes, erwidere seinen Blick, frage “Alles in Ordnung?” und er schüttelt den Kopf, und währenddessen zeigt das EKG eine Nulllinie und dieser Mann schaut mir in die Augen und ich sehe seine Verzweiflung und denke das kann nicht sein sein Herz bleibt gerade stehen. Ich bin überhaupt nicht fähig zu reagieren und blicke nur in die dunkelbraunen erschrockenen Augen dieses alten kranken Mannes. Und denke dass er mich fixiert während sein Herz aufgehört hat zu schlagen und nix mehr in Ordnung ist und sein Gehirn vielleicht noch Sauerstoff für ein paar Sekunden hat. Gefühlte Ewigkeiten starren wir uns stumm an, dann geht alles ganz schnell, mein Kollege ist  plötzlich da, das REA-Team ist plötzlich da, und dann gibt es auch schnell wieder eine Herzaktion und der Patient verlässt die Ambulanz in Richtung Intensivstation.

Ich verlasse die Klinik in Richtung nach Hause und kann nicht aufhören an diesen Blick zu denken.

Undankbare Geschichten

21. September 2009 geschrieben von ASS100

Gestern hatte ich Dienst. Es war eigentlich den Tag über wie immer, “Bereitschaft” ist halt auch irgendwie ein Scherz, wenn man es definitionsgemäß sieht als “Freizeit unterbrochen von gelegentlichem Anfall von Arbeit”. Meine Arbeit bestand in zwei OPs, ein Abszess, den durfte ich selber machen, das war schön, mein Erstdienstkollege (liebevoll genannt Dienststern) hat sich nicht mal mitgewaschen, und auch wenn so eine Geschichte von Schnitt bis Verband 1o Minuten dauert, fühle ich mich doch immer besonders gut wenn ich operiere und die Einzige am Tisch bin. Dann fühle ich mich, als könnte ich schon etwas, auch wenn der Kollege hnter mir steht und das ganze dirigiert. Also sehr schön. Dann noch – weniger schön – eine Dame mit einer Dünndarmischämie, wahrscheinlich embolisch bei bekannter und nicht suffizient therapierter TAA. Der Dünndarm war über lange Strecken schwarz, wir haben ziemlich viel resezieren müssen… das hat dann doch der Oberarzt gemacht, aber ich durfte den Anus Praeter einnähen. Zum ersten Mal hab ich Darm genäht, das ist schon ein ganz anderes Gefühl, die Nadel gleitet ganz anders als durch Haut. War also aufregend für mich, aber eher tragisch insgesamt, die Patientin ist intubiert auf die Intensivstation gegangen und hatte heute morgen ziemlich hochdosiert Arterenol laufen, wer weiß ob sie das übersteht. Sie hat aber auch echt lange gewartet, bis sie zu uns gekommen ist, aber wenn man bedenkt, dass sie auf ihren eigenen zwei Beinen in die Ambulanz gelaufen kam, ist es doch gruselig, dass ihre Chancen, die Intensiv lebend zu verlassen, relativ gering sind.

Von den OPs abgesehen hab ich noch ein bisschen Visite gemacht, gefühlte 300 Erykonzentrate verteilt und ein paar Viggos gelegt, das übliche halt. Dann war ich rechtzeitig zu Star Wars (kam gestern im Fernsehn, ich hab mir nen Keks gefreut) in meinem Zimmerchen, hab nur zwischendurch kurz telefoniert und dann auch relativ früh geschlafen.

Bis halb vier. Da rief die Rettungsstelle an… ein Mann mit einer Varizenblutung. Kurz war ich maximal alarmiert, bis mein schlafbedingt minderperfundiertes Großhirn den Unterschied zwischen Ösophagus- und Beinvarizenblutung klarhatte. Dann bin ich wieder eingeschlafen. Eine halbe Stunde später ein höflicher Anruf aus der Rettungsstelle, man habe mittlerweile auch die Laborergebnisse und ob ich nicht doch mal schauen wolle… *peinlich* … klar, ich war eh schon so gut wie auf dem Weg.

Ich fand einen relativ unbeeinträchtigten Patienten vor mit einem vom Rettungsdienst angelegten Druckverband.  Selbstredend hatte die Blutung darunter längst sistiert, und der Patient konnte gar nicht fassen, dass alles wieder gut war. Er erzählte immer wieder von der riesigen Blutlache zu Hause und dem blutdurchtänkten Handtuch. Ich hab also pro forma ein paar SteriStrips drübergepappt, wieder einen strammen Verband um den Knöchel gewickelt und bin zurück  ins Bett gewankt. Undankbar für alle Beteiligten, denn weder hat der Patient jetzt einen goßen Benefit davon gehabt, in die Klinik gekommen zu sein, noch habe ich in irgendeiner Weise das Gefühl gehabt, etwas Sinnvolles zu tun. Aber da mussten wir wohl beide durch, und ich glaube dem Herrn auch sofort, dass der zu Hause wie ein Großer geblutet hat. Tja.

Meine Nacht war auf jeden Fall zerschossen, und deshalb habe ich auch heute wieder den klassischen Fehler begangen, “nur kurz” mich aufs Sofa zu legen. Schön mit Frauenzeitschrift und Teechen. Ich glaube ich habe diese Zeitschrift noch nicht mal angefasst. Sofort weggepennt, dank Mitbewohnerin in den frühen Abendstunden aufgewacht, jetzt dysthym. Mist.

Jetzt gehe ich noch ein Feierabendbierchen mit meiner privaten Balint-Gruppe in Form von meinen Lern-Kumpels trinken. Wird mich hoffentlich a. aufheitern und b. mir die nötige Bettschwere für diese Nacht verpassen… nach meinem Power-Napping von 7 Stunden weiss ich noch nicht so richtig, wie ich das nachher sonst bewerkstelligen soll mit dem Einschlafen zu sinnvoller Stunde. Argh.

In diesem Sinne: Prost.

Goldene Herbsteszeit

11. September 2009 geschrieben von ASS100

Oh ha… nur ein Blogeintrag liegt zwischen Hochsommer und Herbst – wie die Zeit vergeht, Kinder, unglaublich.

Was in den letzten Wochen passiert ist? Hm. Fangen wir mit dem Wesentlichsten an: Ich bin stolzer Besitzer von Waschi, der patenten Waschmaschine. Ein Traum. Bis vor wenigen Wochen hatte ich einen alten Brummer, den meine Ex-WG zum Einzug geschenkt bekommen (!!) hatte… und ich habe lange in dieser WG gewohnt. Eigentlich war das eher eine Zumutung als eine Waschmaschine, und die Wäsche brauchte immer so 3-4 Tage zum Trocknen… je nach Wetterlage und Luftfeuchtigkeit. Und jetzt, mit Waschi, würde ich am liebsten Tag und Nacht immer neue Klamotten waschen (und die Vorhänge vielleicht auch?) und alles riecht so lecker und frisch… ein Traum. Das macht mich froh.

Privates Highlight zwei: Der Balkon. Mein Vermieter hat seine lang ausgesprochenen – von mir längst nicht mehr ernstgenommenen – Versprechen erfüllt und eine Balkonreihe vor unser Küchenfenster klatschen lassen. Zwar hatte ich die letzten Wochen immer das Gefühl, bei meinen post- Dienst – Nickerchen von Bauarbeitern vom Baugerüst aus beobachtet zu werden und unsere Küche hatte einen Tag lang kein Fenster, sondern ein Loch in der Wand, aber auch das ist jetzt dank modernem Wundmanagement Doppelglas zu einer Balkontür geworden. Hurra. Ich hoffe es kommen noch ein paar warme Grill-Abende.

Aber insgesamt war Chaos in der Bude die letzte Zeit (Waschi hatte auch ein paar Eingewöhnungsschwierigkeiten) und deshalb war ich doch immer froh, wenn ich dem Durcheinander für ein paar nette ruhige Nächte in der geliebten Klinik entkommen konnte. *ROFL*

Nee – im Ernst, ich glaub es wird immer wilder. Wir sind so knapp besetzt, dass eigentlich die Stationen den ganzen Tag über unbesetzt sind, weil ALLE immer in IRGENDWELCHEN Funktionen verschwinden, so dass quasi nach der Morgensvisite der nächste Patientenkontakt auf Station nach Ende der regulären Arbeitszeit stattfindet – und damit dann die Stationsarbeit. Nachdem ich gestern erst gefühlte 3000 und tatsächliche 14,5 Stunden nach Arbeitsbeginn die Klinik verlassen habe, hab ich mir echt überlegt, ob ich von meinem übernächste Woche anzutretenden Urlaub überhaupt zurückkomme… Gnah. Der “Neue” – ich glaub ich hatte noch nicht von ihm erzählt? – hat glaub ich kein gesteigertes Interesse an der Klinik, auf  jeden Fall praktiziert er seit Wochen ein krank – zwei Tage da – krank – einen Tag da – krank – Tänzchen, ich fürchte, der nächste Schritt ist die Kündigung. Naja, wenigstens hat er länger durchgehalten als einen Tag, gell Josephine…

in diesem Sinne… Sonntag ist Dienst, morgen hoffentlich Balkonwetter!

Summertime…

23. August 2009 geschrieben von ASS100

Gefühlt die heißeste Woche des Jahres, alle meine Freunde hängen am Meer/am See/im Freibad rum und ich habe Dienst. Gnah. Wenigstens bin ich kein Internist, denn ich glaube bei dem Wetter wird das halbe Land erstmal synkopal und damit internistisch… die Armen.

Ich werde mal mein perslönliches Sommerloch beenden und mal wieder ein bisschen bloggen- meine Abstinenz tut mir echt leid, nein, ich hatte KEINEN Urlaub *grmbl*, aber der Rest meiner Abteilung schon… meint man. Aber, wie bereits erwähnt, so ohne Familie kann man sich die Hauptferienzeit auch einfach mal abschminken und statt dessen für zwei ackern. Deshalb war ich wieder viel zu lang in der Klinik, dazu kommt, dass ich umgezogen bin und noch kein Internet zu Hause hab, weswegen ich auch abends nicht bloggen konnte und … ach, genug der Ausflüchte, hier bin ich wieder, on call und on air 😉

Manny Marfan ist in der Reha, der wurde nach 10 Tagen oder so glücklich entlassen. Das ist gut, endlich mal das Gefühl, dass man wirklich helfen konnte und nicht nur irgendwelche Befindlichkeitsstörungen therapiert…

Ansonsten ist es heute so ruhig bisher, dass es irgendwie schon gruselig ist. Wir haben schnell einen Appendix geschraubt heute morgen bei Dienstbeginn, dann hab ich Visite gemacht, watt Blut abgenommen, die Rettungsstelle ist leer (oder mein Telefon kaputt, wer weiß, auf jeden Fall meldet sich keiner) und ich habe zum ersten Mal seit ich arbeite im Dienst die Muße zum Bloggen. Traum. Hoffe das bleibt so die nächsten 22 Stunden!

Die Appendektomie heute morgen war schön. Ich mag das, wenn es so läuft. Wir sind quasi von der Übergabe in den OP gefallen, das war ein junger Mann mit ganz klassischer Klinik – hat der vorherige Dienst erzählt, quasi Lehrbuch-Appendixzeichen, Schmerzen erst epigastrisch, dann im rechten Unterbauch,  McBurney, Lanz, kontralateraler Loslassschmerz, rektal-axilläre Temperaturdifferenz, 17 Leukos, 2er-CRP… 24 Minuten OP-Zeit von Schnitt bis Hautnaht – daran merkt man, dass mein Erstdienst operiert hat und ich “nur” Kamerakind war, aber das war nicht so schlimm, denn wenn es flutscht dann macht auch assistieren Spaß.

Von mir aus kanns so weitergehen, aber irgendwie traue ich dem Braten nicht. Zu ruhige Dienste haben meistens irgendeine böse Überraschung in der Hinterhand… aber ich will nix beschreien, drückt mir einfach die Daumen, dass es so bleibt. Ich werd mir erstmal nen Kaffee holen und mir die Zeit bis zum Mittagessen vertreiben 😉 … vielleicht geh ich aufs Dach, da hab ich dann auch fast das Meer/See/Freibad-Feeling, auch wenn ich dann bestimmt einen inversen-Kasak-Sonnenbrand bekomme… mal schauen!

Schlechtes am Morgen

4. August 2009 geschrieben von ASS100

Hmpf.
1. Kaffee verschüttet.
2. bemerkt, dass es nicht mehr hell ist beim aufstehen.

Top Start in den Tag.

Adrenalin für Fortgeschrittene

27. Juli 2009 geschrieben von ASS100

Huiuiui, ich sags euch!

Gestern Nacht hab ich richtig gestaunt im Dienst! Wir saßen gerade entspannt herum und aßen unsere wohlverdiente Abendpizza, da rief die Ambulanz meinen Erstdienstkollegen an. Eigentlich schon Anzeichen eins, denn normalerweise ist der Zweitdienst (also meine Wenigkeit) primär für die Rettungsstelle zuständig. Anzeichen zwei für etwas stimmt nicht: mein Kollege, der sonst die Ruhe selbst ist, wird zuhörend graduell blasser um die Nase, murmelt ein knappes “ich komme”, legt sein angebissenes Pizzastück zurück in den Karton (Anzeichen drei), springt auf und läuft Richtung Ambulanz. Ich schaue verwirrt hinterher, er ruft mir noch ein “iss ruhig auf ich meld mich wenn was ist” zu und weg ist er. Naja. Neugierig bin ich schon, aber Befehl ist Befehl und Pizza ist Pizza und die schlinge ich also noch schnell runter bevor ich mich aufmache und meinem Ersten Richtung Rettungsstelle hinterhertrotte.

Auf dem Weg kommt mir plötzlich aus dem CT ein Tross entgegen bestehend aus 1. dem diensthabenden Internisten, der Erykonzentrate ausquetscht; 2. dem diensthabenden Unfallchirurgen, der ein Bett in Richtung OP schiebt auf dem 3. mein Erster kniet und  4. einen Patienten reanimiert, der furchtbar blass um die Nase ist und ziemlich jung und in den die EK´s sowie eine Gela reinlaufen, welche von 5. einer Rettungsstellen-Krankenschwester getragen wird.

Ich schließe mich natürlich zwanglos auf dem Weg zum OP an und werde von meinem keuchenden Kollegen informiert: Junger Mann, Marfan-Syndrom, stellt sich mit plötzlich aufgetretenen Rückenschmerzen ortho-/unfallmäßig vor. Grundsätzlich kann man ja schon mal die Augen verdrehen bei diesen nächtlichen Rückenschmerz-Patienten (naja, es war halb 11 oder so), aber der Unfaller schaltet beim Stichwort Marfan und bittet den Internistischen Kollegen um ein Sono. Das zeigt ein BAA und fraglich freie Flüssigkeit. Dingdingding, hundert Punkte für den Unfaller-Dienst! An dieser Stelle wird mein Erster angerufen, der auf dem Weg zur Rettungsstelle schon mal ein paar Nullnegativ-Konserven anfordert, sich dann jedoch bei stabilem Kreislauf des Patienten doch zu einem CT entscheidet. Auf der CT-Liege jedoch sagt Manny Marfan einmal Aua, wird tachykard und hypoton und dann verdreht er die Augen. Mist.

Wir sind mittlerweile reanimierenderweise im OP angekommen, die Anästhesistin hat den Tubus schon im Anschlag, der diensthabende Oberarzt wohnt zum Glück nur ein paar Meter die Straße runter und steht parat.

Sobald die Aortenklemme sitzt, hat Mr. Marfan gleich wieder einen Puls und Blutdruck. Puh. Und dann operieren wir eine gemütliche Y-Prothese bis zwei Uhr morgens. Ging alles gut, soweit. Als ich heute morgen heimging, waren die Intensivler gerade dabei, ihn aufwachen zu lassen. Bin gespannt.

Sommerfrust

24. Juli 2009 geschrieben von ASS100

Argh.

Ich sags euch, ich bin frustriert. Mein erstes “freies” Wochenende diesen Monat, und ich komme jetzt nach Hause. Wir sind im Moment superknapp besetzt, was erstens bedeutet, dass ich gefühlte siebenundzwanzigmillionen Überstunden machen darf, zweitens dass ich so gut wie gar nicht im OP bin, da unsere Oberärzte alles mit den PJ´s operieren, weil sie irgendwie das Programm runterrocken müssen. Das OP-Programm hat sich nämlich gar nicht der Urlaubszeit angepasst. Ganz schlecht, da gefühlt ALLE AUSSER MIR Ferien haben. Gnah. Also mach ich schön Ambulanz und dann Station und dann irgendwann um halb sechs tüdelt der Chef aus dem OP und will noch schnell Visite machen… Gnah.

Und dann ist auch noch das Wetter so schattig dass es mit meinen hehren Trendsportplänen nix wird… Inliner stehen immer noch OVP im Kofferraum des besten Autos der Welt.

Alles kaka, ich sags euch. Aus Frust hab ich gerade ne Riesenportion Nudeln gegessen. Jetzt ist mir schlecht, ich muss ins Bett. Schlafen sofort. Alles Blut in meinem Körper wird in Richtung Magen abgezogen.

Apropos Blut, heut sahs wieder aus in der Ambulanz! Da hat sich ein Rollerfahrer gemault, und als wir dem eine Thoraxdrainage gelegt haben, hat er erstmal die 2 Liter Blut aus seinem Thorax im Schockraum verteilt. Und auf meinen Schuhen. Gnaah! Werde mir neue kaufen müssen. Am besten Clogs, glaub ich. Meine Feldstudien haben ergeben, dass das die coolsten Schuhe sind. Man darf dadrin nur nicht rennen, sonst tut man sich weh.

Aber ein guter Arzt soll ja auch nie rennen, sondern bestenfalls zügig gehen; das wird schon drin sein. Und das trainiere ich jetzt auch schonmal ohne Clogs: zügig gehen, und zwar ins Bett!

Gute Nacht!