Feels like coming home!

9. Januar 2012 geschrieben von Katharina

Heute ausnahmsweise mal gleich ein neuer Artikel, noch bevor ich meinen Schreibrückstand des letzten Monats aufgeholt habe – aber das Thema ist so aktuell, das kann ich unmöglich in den Dezemberanfang zurückdatieren!

Denn: Heute habe ich wieder begonnen, im Labor zu arbeiten!

Auch nach so langer Zeit, 8 Wochen Pause wegen der harten Chirurgiezeit waren es insgesamt, hat es sich angefühlt wie nach Hause kommen :)
Klar ist man erst einmal “aus dem Thema raus”, aber es war sooo schön, jetzt endlich wieder dabei zu sein! Alle haben sich gefreut, mich zu sehen – den einen fiel auf, wie dünn ich doch geworden bin (habe ja ordentlich Nerven gelassen in der Chirurgie…) und dass es gut ist, dass ich diese harte Zeit nun hinter mir habe, die anderen haben mir sogleich berichtet, was sich in meiner Abwesenheit alles an meinem Projekt getan hat und wie weit sie mit “ihrem Teil” sind. Feels like coming home, so durch und durch ehrlich und nett begrüßt zu werden!

Und als wäre das noch nicht gut genug, sind wir ja inzwischen auch in unsere neuen Laborräume umgezogen – was bedeutet, dass ich nun auch meinen *eigenen* Schreibtischarbeitsplatz habe, und das in einem “Privatbüro” neben meiner Lieblingskollegin, die mir aufgrund ihrer langen Erfahrung so oft schon mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat.

Seinen eigenen Rollcontainer einzuräumen, und sei es auch nur mit ein wenig Bürokram, die Regale mit den eigenen Ordnern und Büchern zu bestücken und die Chipkarte zum Zutritt in den “Hochsicherheitstrakt” (=Labor) in Empfang zu nehmen, ist ein super Gefühl.
Neues Jahr, neuer Beginn, neue Motivation!!!

Ich bin wild entschlossen, das Projekt Doktorarbeit dieses Jahr zu einem seligen Ende zu bringen. Klar, das werden nochmal ein paar harte Monate werden- so mit PJ und Labor und Doktorarbeitschreiben parallel. Aber manchmal muss mans einfach durchziehen!
Denn Ende 2012 möchte ich mich Frau Dr. med nennen können – und mit Approbation UND Doktortitel in ein phantastisches 2013 starten.
Denn das wird mir dann – endlich! – meinen ersten richtigen Job bescheren – inkl. dem ersten, eigenen “richtigen” Gehalt auf dem Konto :-)

Ich freu mich!!!

Irre?!

25. November 2011 geschrieben von Katharina

Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen!

(Frei nach dem Roman von Manfred Lütz)

Alles beginnt morgens in der Frühbesprechung mit einer Ansprache eines bestimmten Arztes in Führungsposition, der sich und seine Taten zunächst mit denen eines Löwen vergleicht, und gleich anschließend mit keinem geringeren als Gott.
Nein, das war leider kein Scherz, ich wünschte es wäre einer! Zum Thema Selbstherrlichkeit, Egozentrik und Allmachtsphantasien dieses Menschen, der sich auch im täglichen Miteinander stets in seinen eigenen Worten suhlt und auf offensichtlichste Art und Weise nach Bestätigung giert, brauche ich an dieser Stelle wohl nichts mehr zu sagen. Am liebsten hört er sich selbst reden und macht daraus in seinen langen, salbungsvollen Reden auch keinen Hehl, die oft mit der Frage an uns PJler enden: “und sehen sie, wie ich das mache, wie SENSIBEL ich mit den Patienten umgehe?” (Anmerkung: nachdem er kurz zuvor eine OP-Schwester dazu gebracht hat, weinend den Saal zu verlassen) “Wissen sie, damals, als es darum ging, WER dann bei den Patienten xyz durchführt, da musste dann immer ICH ran, da war dann keiner mehr da… Aber ICH habe diese Aufgabe getragen, auf MEINEN breiten Schultern! Einer musste es ja tun. So etwas ist hart, das kann ich ihnen sagen, aber ich habe sie getragen, ICH! Das können sie mir glauben, dass das übermenschlich schwer war, das ist eigentlich Gottes Aufgabe. Aber ICH habe es getan. AUßER mir hat das ja nur ein einziger anderer Arzt getan, und der auch nur ein Mal – die anderen 17 der 18 Male habe ICH das getan. Ja, das war eine große Aufgabe, aber ICH habe sie bewältigt, wissen sie, dafür brauchen sie starke Schultern…” Undsoweiter, undsofort, ich könnte jetzt noch Stunden…

Eigentlich hätte ich es inhaltlich auch ganz einfach zusammenfassen können:
Ich bin so toll, ich bin SO toll, ich BIN SO TOLL!
Haben das jetzt auch alle bemerkt? Alle Anwesenden, auch die im Nebenraum? Ja? JA??? JA?!?!?!!!

Nunja.

Dagegen war der “wunderlichste” Patient heute erschreckend normal und sympathisch.
Gut, es ist nicht “ganz” alltäglich, dass ein Patient das Gespräch mit dem Arzt so beginnt, dass er Textpassagen aus dem eingangs erwähnten Roman vorträgt und diese gern inhaltlich mit uns Ärzten diskutieren möchte. Vorallem dann nicht, wenn dieser Patient wirklich ein gesundheitliches Problem hat, wegen dem er zuvor 3 Stunden Wartezeit in Kauf genommen hat.
Durch geschicktes Lenken des Gespräches konnten wir nach wenigen Minuten das Gesprächsthema dann DOCH auf seine Erkrankung fokussieren, aber insgesamt fühlte ich mich weiterhin umfassend über seine philosophische Weltsicht informiert, inklusive der Beschreibung, wieso er nachts im Winter wegen Verstopfung über die Felder spazieren geht.
Eine leichte Logorrhö ließ sich bei ihm nicht leugnen – genausowenig wie das bei mir vorherrschende Gefühl “der hat irgendwie einen an der Waffel”.
Aber – er war wirklich sympathisch dabei, ausgeglichen, witzig und von ärztlicher Seite aus gut führbar!

Ist so etwas nicht dennoch NORMALER oder zumindest weniger irre als diese psychopathologische Selbstherrlichkeit eines gewissen Arztes, die sich in Allmachtsphantasien und Mobbing der eigenen Angestellten äußert?!

Ich bin mir da ja nicht mehr so sicher.

Psychosomatik, ich komme – 3 Wochen noch!

Mein “Bauch”gefühl…

24. November 2011 geschrieben von Katharina

… trägt mich gerade durch die Irren und Wirren in der allgemeinchirurgischen Ambulanz ;-)

Ich muss unbedingt mal eine positive Neuigkeit loswerden – ich bin extrem stolz auf meine heutige komplett eigenständige, 100 % richtige Diagnose! Da man mich in der Ambulanz endlich einmal selber “auf die Patienten loslässt”, darf ich die Patienten allein klinisch untersuchen und die Anamnese erheben, Blut abnehmen, eine Viggo (=Venenzugang) legen, ggf. einen Sono-Schein ausfüllen usw…
Im PJ bei weitem keine Selbstverständlichkeit!

Natürlich werden meine Ergebnisse hinterher durch einen Assistenzarzt validiert, der sich die Patienten selber noch einmal ansieht und mein “Werk” begutachtet – aber das geht natürlich viel schneller für ihn, wenn ich schon einen fertig ausgefüllten Anamnesebogen und ein mögliches weiteres Vorgehen präsentieren kann!

Und – oh Wunder – wenn ich endlich einmal selbstständig arbeiten darf, und das sogar MIT den Patienten, fängt das ganze endlich wieder an, Spaß zu machen! :-)

Der Verdacht auf Appendizitis (=Blinddarmentzündung) heute beispielsweise. Die Patientin gab Schmerzen im rechten Unterbauch an, die heute morgen plötzlich aufgetreten seien. Außerdem täte ihr das linke Bein weh…
Mein erster Gedanke: Was neurologisches in Richtung Bandscheibenvorfall, oder eine Raumforderung die auf Nerven drückt, die ins Bein ziehen. Nach Appendizitis sah sie irgendwie so gar nicht aus…

Möglich wäre aber weiterhin alles vom akuten Harnwegsinfekt über muskuläre Verspannungen oder Hüftprobleme bis hin zum eingeklemmtem Nerv… usw, der Möglichkeiten gibt es unendlich viele als Ursache für diese Art der Schmerzen.
Durch geschicktes Fragen versucht man sich in so einem Fall immer weiter anzunähern – Brennen beim Wasserlassen, Leukozyten und/oder Bakterien in der Urinprobe? Beides negativ? Dann ist der Harnwegsinfekt unwahrscheinlich.
Kein schweres Heben, kein Unfall, keine Rückenschmerzen? Muskuläre Ursache oder Bandscheibenvorfall unwahrscheinlich.
Keine Übelkeit, kein Erbrechen, kein Durchfall, kein Fieber, keine Entzündungszeichen im Blut, kein Peritonismus oder positive Appendizitiszeichen beim Abtasten des Bauches? Damit ist die Blinddarmentzündung ebenfalls unwahrscheinlich…. usw.!

Anamnestisch gab die Patientin dann an, vor 8 Jahren Brustkrebs gehabt zu haben, der brusterhaltend operiert worden sei. Hinterher hätte sie Chemotherapie und Bestrahlung erhalten. Auf meine direkt folgende Frage, wie es denn in der Folgezeit mit den regelmäßigen Besuchen beim Gynäkologen ausgesehen habe, gab sie dann zu, zwar regelmäßig zu den Mammographien zu gehen aber ansonsten KEINE regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt durchführen zu lassen, die letzte war vor 3 Jahren….
Spätestens da klingelten bei mir alle Alarmglocken!

Die körperliche Untersuchung (also das Abtasten des Bauchs, zu dem auch Perkussion und Auskultation gehören) zeigte, dass der Schmerz nur recht ungenau lokalisierbar war und sich mittig im Unterbauch eine sehr große, verhärtete Struktur tasten ließ, die vermutlich dringend gynäkologischer Abklärung bedurfte… Klingeling…
Natürlich habe ich der Patientin routinemäßig Blut abgenommen, um auch einen Blick auf die Entzündungsparameter zu werfen, aber das ganze sah mir jetzt schon weniger nach Blinddarmentzündung aus als vielmehr nach einer unbekannten Raumforderung im gynäkologischen Bereich. Also schnell Sono-Schein ausgefüllt und Patientin in die Radiologie geschickt…

Als die dann vom Abdomen-Sono (=Ultraschalluntersuchung des Bauchs) wiederkam, hatten wir die Gewissheit: Eine ca. 15 cm große Raumforderung in genau dem Bereich, den wir durch Tasten eruiert hatten, war im Schall gesehen worden – also wie bereits vermutet, ab in die Gynäkologie zur weiteren Abklärung, inkl. CT bzw MRT. Ob das ganze nun gutartig oder bösartig ist, kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, aber die Vorgeschichte mit dem Mammakarzinom lässt leider nichts gutes vermuten.
Die weitere Abklärung habe ich – wegen Dienstende – leider nicht mehr mitbekommen, aber ich werde morgen nocheinmal im Computer nachsehen, wie es weitergegangen ist.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass mein anfängliches “Bauch”gefühl goldrichtig war und mich schlussendlich zum Ziel geführt hat :-)

Ein schönes Gefühl, endlich, nach dem langen Frust der letzten Wochen!

2 Tage Ambulanz…

16. November 2011 geschrieben von Katharina

… und die Allgemeinchirurgie sieht ganz anders aus!

Da ich mich am Wochenende derart blöd in den Daumen geschnitten habe (scharfe Küchenmesser hinterlassen wenigstens saubere Schnitte…), dass das Ergebnis ein Hautlappen am seidenen Faden und eine mehrere Tage offene Wunde war, kann ich mich damit natürlich nicht steril für den OP einwaschen. Was also tun? Die Zeit für die Ambulanz nutzen!
Dort kommen die “akuten” Patienten hin, die sich notfallmäßig im Krankenhaus vorstellen (oder von ihrem behandelnden Arzt geschickt werden). In unserer sog. “Zentralambulanz” werden Patienten von diversesten Fachrichtungen betreut, ich befinde mich dort momentan im “allgemeinchirurgischen” Teil.

Ein bunter Querschnitt durch die gesehenen Patienten und ihre Erkrankungen, die mir nach 2 Tagen spontan einfallen:

- Verdacht auf Appendizitis (alles von chronisch, über akut bis perforiert)
- Lipomentfernung an den diversesten Körperstellen
- Sinus pilonidalis (Steißbeinfistel)
- akuter Harnwegsinfekt
- unklare Raumforderung mit Schmerzen im Unterbauch -> gynäkologischer Tumor
- diverseste Wundinfekte
- Analthrombosen
- Hämorrhoiden
- Leistenbrüche, Nabelbrüche, Narbenbrüche… immer wieder erstaunlich, wo im menschlichen Körper überall ein Bruchsack reinpasst!
- Morbus Crohn mit akutem Schub (unklare Unterbauchschmerzen)
- periproktischer Abszess
- Wundnachsorge nach Operationen

Das Team dort ist bis jetzt auch sehr nett, die Assistenzärzte sind gerne bereit mal etwas zu erklären und auch einer der anwesenden Oberärzte nimmt einem Fragen oder kleine Fehler keineswegs übel, sondern macht dem Namen “Lehrkrankenhaus” alle Ehre. So solls doch eigentlich sein!

Natürlich gibts nach wie vor das ein oder andere Mobbing oder Rumgezicke von (einzelnen!) Schwestern, aber ansonsten sind auch die größtenteils nett. Ich hoffe das bleibt so! Ansonsten habe ich von anderen PJlern und Assistenzärzten gehört, dass es ganz normal ist, dass von Seiten der Pflege zunächst versucht wird, uns PJler zu “erziehen”… nunja. Manchmal schwierig, damit gutgelaunt umzugehen und es nicht persönlich zu nehmen, wenn man plötzlich extrem zickig angegangen wird und gar nicht recht weiß wieso oder was man verkehrt gemacht hat – aber ich arbeite dran.

Insgesamt kann ich bis jetzt sagen – in den 2 Tagen Ambulanz habe ich mehr gelernt als in den 8 WOchen Unfallchirurgie auf Staion und im OP.

Chapeau!

Vom Labor in die Psychosomatik ;-)

12. November 2011 geschrieben von Katharina

Ja, gute Frage, was macht eigentlich das Labor…

Tag für Tag nehme ich mir vor, nach Feierabend an meiner Doktorarbeit zu schreiben und Tag für Tag bin ich dafür einfach zu müde. An Wochenenden und Studientagen schafft man ein wenig, aber leider auch immernoch viel zu wenig…

Was solls, es hilft alles nichts – bis nächsten Sommer muss das Ding irgendwie fertig werden ;-)
Allerdings habe ich beschlossen, unter meine praktische Arbeit im Labor nun einmal einen Schlussstrich zu ziehen, auch wenns gerade sehr spannend ist. Aber sonst forsche ich in 5 Jahren immernoch an diesem Thema, ohne jemals meine Diss fertig geschrieben zu haben… Und DAS wäre nun wirklich wenig sinnvoll!

Mitte Dezember bin ich übrigens mit meinem Chirurgietertial endlich fertig – und dann wartet mein Wahltertial auf mich :-) Wie der ein oder andere vielleicht weiß, habe ich mich da ja für eine absolute Rarität entschieden: Psychosomatik!

Irgendwie amüsierts mich ja immer wieder, die Reaktionen zu beobachten, wenn ich davon erzähle – die meisten schauen einen mit eine Mischung aus neugierigem Entsetzen und Skepsis an und man sieht es förmlich arbeiten im Köpfchen… “Aha, Psychosomatik also, mhmhm, haben die Ärzte da nicht alle selber einen Knall?”

Ja, es stimmt schon, dass es defintiv eine andere “Sorte” Mensch ist als beispielsweise die Chirurgen sind, das dürfte wohl niemanden wirklich verwundern. Aber ich denke nicht, dass das was mit “abnormal oder komisch” zu tun hat, sondern mehr mit einer gesteigerten Sensibiltät in der Wahrnehmung anderer Menschen!
Man muss doch sehr viel zwischen den Zeilen bzw. Worten des Patienten lesen und auch auf seine eigenen Gefühle achten, die einem teilweise mehr über den Patienten verraten als das, was dieser sagt. Gerade darauf freue ich mich sehr… Ich bin schon gespannt, wie gut mir das gelingt, interessieren tuts mich jedenfalls unheimlich, in diesen etwas “anderen” Bereich der Medizin einmal hinneinschnuppern zu können! :-)

Selbstständigkeit & Verantwortung

8. November 2011 geschrieben von Katharina

Eigentlich heißt dieses Blog ja “mein Leben zwischen Klinik und Labor”, momentan spielt sich mein Leben jedoch vorwiegend in der Klinikhälfte ab. Vor einem halben Jahr war das noch genau umgekehrt…

Irgendwie vermisse ich diese Zeit schon sehr! Vorallem, da ich völlig selbstständig (und selbstbestimmt) arbeiten konnte und die Verantwortung für das was ich tue selbst getragen habe. Im Gegensatz dazu kommt es mir jetzt gerade vor, als wäre ich vom Gymnasium zurück in die Grundschule versetzt worden!

Jeder sagt mir, was ich zu tun und was ich zu lassen habe, wann und wie und wieso – und am besten halte ich sowieso nur den Haken und stelle maximal interessante Zwischenfragen zur OP, mehr nicht. Ansonsten erwartet man von mir, die lästigen Aufnahmen und Blutentnahmen zu übernehmen und das wars dann sehr oft. Ein Blick in eine Funktionsabteilung wird nur auf direktes Einfordern gewährt, eine Vermittlung von Wissen ebenso…

Gut, mein anfängliches Engagement ist auch irgendwo in der Unfallchirurgie versickert und sehr oft absolviere ich wirklich nur noch relativ schweigend Dienst nach Vorschrift, um die Zeit in der Chrirugie irgendwie herumzubekommen.

ABER: Manchmal, da erwische ich (dem Personalmangel sei dank!) dann einmal eine erste Assistenz bei einer OP, am besten mit einem jungen, motivierten Operateur zusammen. Dann darf ich Ligaturen assistieren, selbst bei der OP “mitdenken” und Haken dementsprechend versetzen, mit der Pinzette Strukturen weghalten, den Nerven anzügeln, Knoten machen, und die intrakutane Naht hinterher sowieso… und was passiert?

Es fängt an, SPAß zu machen! Weil man mir etwas zutraut, weil man mich einbindet! Das heißt aber doch umgekehrt, dass es NICHT daran liegt, dass wir Studenten alle keine Lust hätten – sondern dass es, zumindest speziell bei mir, einfach daran krankt, dass man mir keine Verantwortung und keine Selbstständigkeit überträgt. Dieses ewige “Hinterhergedackel” macht mich einfach wahnsinnig und tötet auf Dauer jegliche Eigeninitiative…

Ich freue mich aufs nächste Tertial. Kann ja nur besser werden!

Nadelstichverletzungen

4. November 2011 geschrieben von Katharina

Heute mal zu einem ernsten Thema – den Nadelstichverletzungen.

Jeder PJler und ebenso der in der Klinik tätige Arzt kennt sie, und doch wird völlig unterschiedlich damit umgegangen.

Früher oder später erwischt es jeden – einen Moment nicht aufgepasst oder abgelenkt gewesen, und schwupps hat man sich die gerade zum Blutabnehmen verwendete Nadel im Finger versenkt. Oder im OP, wie oft näht der Operateur IM Bauch und man selber “soll mal eben den Darm da weghalten” – und zack, wieder ein Treffer. Von den immer mal wieder abgerutschten und in der Hand gelandeten spitzen Pinzetten oder selbst verursachten Nadelstichen beim intrakutanen Nähen gar nicht erst zu reden.

Doch, was dann? Zunächst sollte man natürlich den Handschuh ausziehen und die Wunde möglichst ausgiebig desinfizieren (und blutend halten), um etwaige Viren so schon wieder “auszuschwemmen”. Danach steht der obligatorische Gang zum “D-Arzt” in der Ambulanz an. Dort wird der Fall als D-Arzt-Bericht aufgenommen (inkl. der Patientendaten) und nachdem man das Einverständnis zum HIV-Test unterschrieben hat, bekommt man Blut auf HIV und Hepatitis C abgenommen. Dasselbige sollte man beim Patienten tun – zum einen ist man dann meist schon etwas beruhigter, wenn man weiß, dass der Patient NICHTS hatte, zum anderen dient es einem auch später als Beweis, sollte man sich doch infiziert haben…

So weit, so gut – nur warum wird dieser offizielle Weg so selten beschritten?
Chrirugen reagieren auf Nadelstiche oft mit einem lapidaren Schulterzucken, “würde ich mich nach einem Stich jedes Mal untersuchen lassen, ich käme aus der Ambulanz ja gar nicht mehr heraus”. Aber genau das ist der – finde ich – gefährliche Umgang mit der eigenen Gesundheit, den man leider so oft findet…

Ich finde, man sollte sich immer vor Augen halten, dass es nichts wertvolleres gibt, als die eigene Gesundheit. Nicht umsonst lernt man doch bei allen Notfalllehrgängen die einfache Regel, “Selbstschutz geht vor Fremdschutz”!
Was nutze ich als Arzt denn einem Patienten, wenn ich selber so krank bin, dass ich ihn gar nicht mehr behandeln kann?

Gar nichts, eben.

Tagesablauf in der Allgemeinchirurgie

30. Oktober 2011 geschrieben von Katharina

Inzwischen bin ich ja in der Allgemeinchirurgie angekommen. Außer, dass es sich nun nicht mehr um gebrochene Knochen, sondern um Tumorerkrankungen, Strumen und Leistenbrüche handelt, hat sich eigentlich nicht viel verändert… ;-)

Nein, Spaß beiseite!

Meine Tage beginnen nachwievor viel zu früh (gefühlt), denn auch in der Allgemeinchirurgie heißt es, um 7:15 auf Station zu sein um die Frühvisite mitzulaufen. Herr Meier, wie gehts Ihnen heute, ich schau mal kurz auf die Wunde, aha, das sieht gut aus…

Keine 30 Minuten später sitzt man dann bereits in der Röntgendemo, wo (wer hätte es gedacht) ähnlich wie in der Unfallchirurgie Röntgenbilder der Patienten gezeigt und Befunde besprochen werden. Direkt im Anschluss wird noch der OP-Plan der Tages verkündet, und dann heißt es für uns PJler auch schon: nichts wie ab in den OP-Saal!
Meist verlassen wir die Besprechung auch schon vor dem offiziellen Ende, da man von uns erwartet, dass wir vor dem Operateur im Saal sind. Dort sichten wir dann schon einmal die Akte, hängen die Befunde des Patienten auf (zB Szintigrafie der Schilddrüse, um sich bei der OP über die Lokalisation von kalten Knoten bewusst zu sein etc.) und bereiten den Patienten zusammen mit den OP-Schwestern für die OP vor. Im Detail heißt das, den Patienten korrekt zu lagern, eine Nullelektrode ans Bein zu kleben, das OP-Feld abzuwaschen und den Patienten schlussendlich dann steril mit grünen Tüchern abzudecken. Dann stößt meist auch schon der Operateur dazu, man wäscht sich gemeinsam, wirft sich in OP-Kittel uind Handschuhe und hängt fortan mehr oder minder motiviert ;-) an einem Haken.

Anstrengend wirds immer dann, wenn man mal wieder den Saal mit mehreren Strumen (vergrößerten Schilddrüsen, die herausoperiert werden) nacheinander erwischt hat, da die sogenannte “Fechterstellung”, die man dort beim Hakenhalten einnehmen muss, ziemlich auf den Rücken geht. So bin ich bisher definitiv mehr als einen Tag mit Rückenschmerzen nach Hause gekommen…
Böse Zungen behaupten ja, den Job des Hakenhalters könnte man durchaus auch mit einem auf der Straße aufgesammelten Muskelpaket besetzen, das von Medizin gar keine Ahnung hat aber wenigstens Kraft in den Armen – ich sage da jetzt besser mal nichts zu ;-)

Hat man so einen OP-Tag erfolgreich absolviert (und zwischen den OPs natürlich selten mehr als 10 Minuten Pause gehabt, da man, hat man den einen Patienten wird in sein Bett umgelagert, schon mit der OP-Tisch Lagerung des nächsten Patienten beginnen kann…) schleppt man sich eigentlich nur noch müde nach Hause und in sein Bett. Dass meine Begeisterung für die Medizin dabei etwas auf der Strecke bleibt, dürfte keinen verwundern.

Sicher, es mag PJler geben, die beim Anblick eines offenen Bauches in Entzückensschreie verfallen und voller Begeisterung mit beiden Händen in den Gedärmen wühlen – für die ist das Chirurgietertial dann sicher begeisternd, und Chirurgennachwuchs muss es schließlich auch geben, keine Frage!
Nur eben – auf MICH trifft das eher nicht zu ;-)

… und Möglichkeiten.

26. Oktober 2011 geschrieben von Katharina

Sicher, man kann am Druck und Stress zu Beginn der klinischen Tätigkeit wachsen und wird es auch tun, sicher, das KANN eine tolle Erfahrung sein – es kann aber auch ein mühsames Kriechen durch heißen Sand sein, bis man halbwegs sicher auf eigenen Beinen steht!

Da stellt sich einem schon die Frage, will ich das wirklich?

Möchte ich durchaus als klinisch tätiger Arzt arbeiten, empfinde aber zuviel Kritik am deutschen Gesundheitssystem, bleibt mir immer noch der Gang Richtung Skandinavien, der Schweiz oder auch einem ganz anderen Land, die Möglichkeiten sind breit gefächert!

Habe ich mittlerweile sie Nase voll vom Patienten und lieber tiefgefrorene DNA als frisches Blut im Röhrchen, biete sich der Weg in die Forschung und in eine wissenschaftliche Karriere an der Uni bzw. in der (Pharma)industrie an.

Fühlt man sich zum Journalismus und zum Schreiben berufen, gibt es noch den Beruf des Medizinjournalisten, der zwar schlecht bezahlt ist, aber dem es garantiert nie langweilig wird, da er heute noch nicht weiß, mit welchem Projekt er morgen seine Brötchen finanzieren wird (außer er hat zufällig einen der sehr, sehr seltenen, festen Verträge bekommen, das scheinen aber eher Ringeltauben zu sein).

Zusätzlich bleibt noch der Weg in den öffentlichen Dienst, als freiberuflicher Gutachtenersteller für Gesundheitsämter oder als Betriebsarzt mit geregelten Arbeitszeiten…

Möglichkeiten gibt es viele und vielleicht ist auch das letzten Endes das größte Problem – die Entscheidung wird umso schwerer, je mehr Freiheiten man dabei hat.

Alternativen…

22. Oktober 2011 geschrieben von Katharina

Alternativen gibt es viele für den Mediziner, der seinen Weg etwas ab vom “normalen” Klinikjob sucht.

Es ist gar nicht mal so selten, dass ich momentan mit Kommilitonen ins Gespräch komme, die genau wie ich zweifeln, ob sie sich das mit der Klinik wirklich “antun” sollen.
Die Bezahlung ist, naja, sagen wir “ok” – rechfertigt aber nicht die zahlreichen Nachtdienste, Wochenenddienste und den Verlust an Lebensqualität und Freizeit, vom Privatleben erst gar nicht zu sprechen. Wieviele Ehen überleben diese antizyklische Zeitplanung auf Dauer?! Als Arzt muss man zu oft dann arbeiten, wenn der “Rest der Menschheit” frei hat. Auch Freundschaften sind schwer zu pflegen, wenn die Antwort auf die Frage “kommst Du am Wochenende mit” mal wieder lauten muss “nein, da hab ich Dienst”…

Dazu kommt die enorme Arbeitsbelastung, der gerade die jungen Assistenzen ausgesetzt sind, die plötzlich zB. in der Inneren nachts mit einer bzw. zwei (!) ganzen Stationen alleine dastehen und auch nicht für alles den Oberarzt aus dem Bett klingeln sollen und wollen. Nach einem teilweise mittelmäßigen Studium und einem PJ, in dem man nun nicht unbedingt alles aufholen konnte, was die Lehre vorher versäumt hat, wird man ins kalte Wasser geworfen und soll nun plötzlich alleine schwimmen können, immer mit der Verantwortung für ein ganzes Menschenleben auf den Schultern und dem Druck des Chefs von oben…

Da kommt man schon ins Zweifeln, ob das wirklich der Weg ist, den man sich so vorgestellt hat.