Biscuit und Rugby

16. April 2013 geschrieben von Moritz

Der Samstag begann ganz entspannt und bei wunderbaren Spätsommerwetter, nach einer etwas durchwachsenen Woche hatten wir strahlend blauen Himmel und irgendetwas zwischen 26 und 28°C.  Perfekt für unseren ersten Programmpunkt des Tages, die sog. Old Biscuit Mill.

biscuitmill1

Eingang zur Old Biscuit Mill

biscuitmill11

Das Gelände der Old Biscuit Mill

Die Old Bicuit Mill ist ein kleiner Markt auf dem Gelände einer alten Biskuit-Fabrik, wo in erster Linie lokale Händler ihre Delikatessen anbieten und der sich wunderbar dazu eignet seinen Samstagvormittag zu verbringen, vorausgesetzt man hat nicht zuviel gefrühstückt.

biscuitmill2

Die erste Halle…

biscuitmill3

…und die die zweite.

biscuitmill6

Unschwer zu erkennen: Flammkuchen gab es auch

biscuitmill5

Paella

biscuitmill4

Mitbewohner Tom und ich

Es winkt dort die Quahl der Wahl, ich habe bestimmt eine halbe Stunde gebraucht um mich zu entscheiden wo ich anfange möchte. Man  kann dort auch viel probieren, in der Hinsicht fand ich den Pesto-Stand am besten. Ich glaube, bei einem meiner nächsten Besuche werde ich dort Kunde. Auch der Mozzarella-Stand wusste zu gefallen, Mozzarella aus Büffelmilch hat man auch nicht so oft. Besonders nicht hier in Kapstadt wo das übliche Käseangebot aus Cheddar und Gouda besteht.

biscuitmill7

Meine Wahl des Tages: Dasdog mit Rocket
biscuitmill9

Pilz-Auswahl

biscuitmill8

Oliven. Mein Favorit vordere Reihe, außen rechts

biscuitmill10

Kaffee aus Äthiopien und El Salvador

biscuitmill13

Gruppenfoto

Danach ging es dann wieder zurück in die Lodge um uns für das Rugbyspiel fertig zu machen. Es spielten die DHL Stormers Cape Town gegen die Sharks Durban. Zum Stadium nahmen wir den Zug, für mich eine Premiere, und fuhren gleichmal schwarz. Auf unserer Bahnsteigseite gab es kein geöffnetes Ticket Office und wir wussten nicht, dass auf der anderen Seite auch eines existierte. Unsere Ausrede fand aber am Zielbahnhof keine Gnade und so kamen zu den 11 Rand Fahrkosten noch einmal 40 Rand Strafe, insgesamt also 4,20€. Das war ärgerlich, aber dank des günstigen Wechselkurses noch verschmerzbar. Danach durften wir auch in den Strom der Rugby-Fans zum Stadium eintauchen.

Rugby1

Kurz vor dem Anpfiff

Rugby2

Penalty für die eigene Mannschaft – bitte Ruhe!

Das Spiel selbst war ganz nett anzuschauen, aber Ahnung von den Regeln hatte von uns keiner. Also kamen die diversen Penalties und Abpiffe meistens eher überraschend, aber das tat dem Vergnügen ja keinen Abbruch.  Atmosphärisch war ich etwas enttäuscht, die Stimmung in einem Fußballstadium fand ich im Vergleich besser. Es wurde zwar ordentlich gejubelt, aber so richtige Stimmung mit Gesängen wie man das vom Fußball gewohnt ist, kam hier nicht auf.

Rugby3

Die Heimmannschaft trägt blau, der Gegner aus Durban schwarz

Rugby5

Nach Abpiff

Rugby4

Endergebnis 22:12 für die DHL Stormers

Den Abend beschlossen wir dann in einem Restaurant ehe es dann per Taxis (9 Leute auf 6 Sitze) zurück in die Lodge ging und ich den Abend in Ruhe ausklingen ließ, da ich am Tag darauf zu einer Weintour aufbrechen wollte.

Die zweite Woche

13. April 2013 geschrieben von Moritz

Die zweite Woche begann mit der hart gewonnenen Erkenntnis, dass ein 6er-Schlafraum im Hostel nur mit Oropax  gut zu ertragen ist. Ich war für eine Nacht dorthin zurückgekehrt, da meine neue Unterkunft erst ab Montag verfügbar war und ich nicht noch eine weitere Nacht den horrenden Preis für ein Einzelzimmer dort zahlen wollte.

Am Nachmittag zog ich dann in meine neue Unterkunft zwei Straßen weiter, hier wartete jetzt ein Doppelzimmer auf mich. Insgesamt ist es deutlich ruhiger hier, anders als in meiner ersten Unterkunft wohnen hier nur Leute, die mehrere Wochen, meist mehrere Monate bleiben, so dass man sich untereinander besser kennenlernt und so die Atmosphäre familiärer ist. Zur Zeit wohnen hier überwiegend britische Medizinstudenten, aber auch zwei Holländer und eine deutsche Filmstudentin.

Für Dienstag hatte ich dann einen Ausflug nach Robben Island geplant, das ist die Gefängnisinsel auf der Nelson Mandela und andere damalige politische Gefangenen einsaßen. Leider wurde der Trip kurzfristig wegen zu starken Wellengangs abgesagt und so hatte ich einen freien Nachmittag. Ich werde mal schauen, dass ich das kommende Woche nachholen kann, denn das Ticket ist schon bezahlt.

Im Krankenhaus ging alles weiter seinen Gang, wir haben diese Woche etwas mehr auf Station mitgearbeitet als vorher. Blutabnahmen und Braunülen gehen uns inzwischen etwas leichter von der Hand, wir haben auch unsere ersten eigenen Patienten aufgenommen und vorgestellt. Das war eine ganz gute Übung, denn das läuft etwas formalisierter und genauer ab als ich es aus Deutschland gewohnt war. Außerdem ist die Terminologie gelegentlich noch eine Herausforderung. Die Arbeitszeiten und -belastung sind nachwievor ein Traum. Selbst die Stationsärzte  gönnen sich mindestens einmal am Tag eine ausgedehnte Kaffee- und/oder Lunch-Pause. Diese Woche war ich nur einmal bis 16 Uhr in der Klinik, meistens war ich deutlich früher zurück.

grooteschuur-mittag

Mittagspause vor dem Hospital.

Ab Montag werden wir, das heißt meine deutsche Stationskollegin und ich, versuchen uns in die Trauma-Unit “einzuschmuggeln”. Wir hoffen, dass es dieses Mal klappt – sicher ist das nicht, denn diese Abteilung ist chronisch überlaufen mit Studenten und Ärzten aus aller Welt.

 

Bo Kaap

10. April 2013 geschrieben von Moritz

Bo Kaap steht für “Oberes Kap” und ist das muslimische Viertel von Kapstadt, es soll laut meinem Lonely Planet Führer das meist fotografierte Viertel von ganz Kapstadt sein. Wenn man sich dort durch die Straßen bewegt (sehr groß ist es nicht), dann kann man aber schnell erahnen warum das so ist.

bokaap3

bokaap1

Wir sind dort wieder mit den Mini-Bussen hingefahren, leider hatten wir alle nicht bedacht, dass es Sonntag und somit die Stadt wie ausgestorben war. Alle Cafes – und leider auch das Bo Kaap Museum selbst – hatten geschlossen und somit blieb uns nur übrig ein wenig durch die Straßen zu stromern bevor der Hunger zu groß wurde und wir über einen Zwischenstopp bei McDonalds wieder die Heimreise antraten.

bokaap2

bokaap4

Wie es dazu kam, dass die Häuser so bunt angestrichen wurden, konnte man uns nicht erklären, aber einer der Hausbesitzer mit dem wir ins Gespräch kam erklärte uns, dass alle paar Jahre die Farben gewechselt würden und dass es aus eigener Initiative passieren würde.

War auf jedenfall ein schöner Ausflug, wenn die Cafes noch offen gewesen wären, wäre es noch netter gewesen. Es gibt dort nämlich eine ganze Reihe, die sich im Lonely Planet ganz interessant anhörten.

Ausflug auf den Tafelberg

7. April 2013 geschrieben von Moritz

Am Donnerstag abend wurde ich gefragt ob ich Lust hätte am Freitag mit auf den Tafelberg zu kommen. Natürlich habe ich sofort zugesagt, durch den besagten academic morning konnte ich mich leicht für den Freitag frei machen.

kirstenbosch

Botanischer Garten Kirstenbosch

Mit dem Taxi ging es zum Botanischen Garten Kirstenbosch, der auf der Rückseite des Tafelbergs gelegen ist und nachdem was mir gesagt wurde die interessanteste Aufstiegsmöglichkeit auf den Tafelberg bietet. Unser Plan war nachdem Aufstieg in Richtung der Cable Car Station zu laufen und dort dann auf der anderen Seite den Abstieg zu wagen.

table-back

Die Rückseite des Tafelbergs

Aufstieg-Tafelberg1

Der Weg zum Tafelberg

Schon nach wenigen Metern machte es die feucht-schwüle Luft im Wald unterhalb des Tafelbergs die Unternehmung zu einer schweißtreibenden und anstrengenden Sache.  Schnell wurde es auch ziemlich steil, teilweise mussten wir über Leitern parallel  oder über, an einer Stelle sogar im Bachbett aufsteigen. Markierungen waren nur sehr selten zu sehen, mindestens einmal waren wir uns nicht sicher wo wir weiter gehen sollten, da alles wie eine Sackgasse aussah und kein Pfeil die Richtung wies. An manchen Stellen des weitgehend ungesicherten Weges lauerte auch ein netter Abgrund, für mich mit meiner Höhenangst war es eine kleine Bewährungsprobe :)

Aufstieg-Tafelberg5

Ein Wegweiser

Aufstieg-Tafelberg2

Eine der Leitern über und neben dem Bach

Aufstieg-Tafelberg3

Der richtige Weg?

Gestartet waren wir um 15.30h, circa 3-4h vor Einbruch der Dunkelheit. Am Eingang zum Garten wurde uns prophezeit, dass die komplette Tour in drei Stunden zu machen sei. Das hatte sich nicht ganz bewahrheitet, nach zwei Stunden hatten wir die erst Baumgrenze überschritten, die ungefähr den Abschluss des ersten Drittels darstellt und konnten erstmals den spektakulären Ausblick genießen. Aber wir waren noch lange nicht am Ziel, aber wenigstens konnten wir jetzt mehr sehen als nur die nächste Felswand. Und es war auch nicht mehr ganz so steil 😉

Aufstieg-Tafelberg4

Blick über Kapstadt in Richtung des botanischen Gartens

tafelberg1

Unterwegs auf Smut’s Track

ausblick-tafelberg4

Ausblick auf die False Bay

ausblick-tafelberg2

Ausblick auf die False Bay und die Southern Suburbs

ausblick-tafelberg3

Rückblick auf den zurückgelegten Weg

Nun ging es weiter auf dem Smut’s Track in Richtung Maclear’s Beacon, von dort sollten wir dann zur Bergstation des Table Mountain Cable Car gelangen. Inzwischen waren wir uns nicht mehr ganz so sicher ob wir es vor dem Sonnenuntergang dorthin schaffen würden. In der Dunkelheit wäre es nicht mehr so ratsam gewesen selbst den Abstieg zu versuchen, von daher würden wir dann die 100 Rand zu investieren und uns ins Tal fahren zu lassen. Der Weg war nun einfacher und wir konnten, da wir weiterhin etwas bergauf gingen, einen sich kontinuierlich besseren Ausblick genießen. Mein neues Weitwinkelobjektiv leistete mir dabei gute Dienste die Umgebung soweit wie das überhaupt geht auf Fotos zu bannen.

tafelberg4

tafelberg5

ausblick-tafelberg4

tafelberg3

tafelberg2

tafelberg7

ausblick-tafelberg5

Mit dem Sonnenuntergang hatten wir dann die Bergstation der Seilbahn beinahe erreicht und wollten noch ein wenig die Aussicht genießen als eine Sirene ertönte. Es wusste zwar keiner von uns genau, aber wir ahnten, dass es das Signal sein könnte, dass das die Seilbahn demnächst schließt. Also sahen wir zu, dass wir uns etwas schneller in Richtung der Bergstation begaben, den Plan selbst hinabzusteigen hatten wir dann schon eh fallen gelassen – die Zeit hätte nicht mehr dafür gereicht und wir hatten keine Taschenlampen. Nach unserer Abfahrt sahen wir dann aber eine Gruppe hinabsteigen, angeführt von einer einsamen Taschenlampe. Beneidet haben wir sie nicht…

tafelberg8

tafelberg-sonnenuntergang2

tafelberg-sonnenuntergang1

tafelberg-sonnenuntergang3

ausblick-tafelberg6

capetownatnight2

Unten an der Talstation haben wir dann unsere restlichen Vorräte geplündert und dabei beobachtet wie unter uns die Lichter von Kapstadt angingen. Es war noch ziemlich warm und windstill, so haben wir es dort einige Zeit ausgehalten. Leider haben wir nicht bemerkt wie sich langsam alle Taxis aus dem Staub machten, so dass wir schlussendlich unser Hostel anrufen mussten damit sie für uns ein Taxi bestellen. Wegen des Jazz-Festivals waren aber alle ausgebucht, so dass wir 40 Minuten warten mussten bis wir als letzte diese Ecke verlassen konnten.

Warten auf Freitag

6. April 2013 geschrieben von Moritz

Der Rest der Woche war dann weitgehend ereignislos, am Donnerstag war ich den Tag über wieder im Hospital und habe auch bei einer Operation zugeschaut. Es war aber eine Schilddrüsen-OP, also hat man nicht besonders viel gesehen. Wir sind dann auch relativ schnell wieder gegangen weil das erste Seminar des Tages anstand und es sich lohnt diese zu besuchen.

Nach Feierabend war ich meistens nur noch einkaufen und war manchmal noch mit anderen Leuten aus dem Hostel essen. Im Hostel und in einigen Bars hier übertragen sie alle wichtigen Fußballspiele, so konnte ich bei einem leckeren Burger parallel beide Champions League-Spiele am Mittwoch verfolgen. Generell ist das Essen hier recht billig, bei den Getränken sind besonders Kaffee-Produkte günstig. Für einen großen Cappuccino zahlt man zum Beispiel selten viel mehr als umgerechnet 2,50€, meistens eher weniger. Auch die einheimischen Biere sind oft gut genießbar, also es lässt sich hier aushalten 😉 Deutlich teurer sind hier Kosmetikprodukte, Rasierschaum kostet zwischen 5-7€, Aftershave fast 10€. Auch Käse und Aufschnitt kommt hier nicht ganz so günstig, dafür ist Fleisch (Steaks und Co) wiederum billiger. Also man muss sich ein wenig umstellen, aber insgesamt sind die Lebenshaltungskosten vergleichbar mit Deutschland. Was man an Lebensmitteln spart investiert man für die Ausflüge :)

Am Freitag war ich dann gar nicht auf der Station, für die UCT-Studenten stand ein sog. “academic morning” an (nur Vorlesungen/Seminare, kein Stationsarbeit) und wir haben dann da einfach mitgemacht. Hatte auch den angenehmen Nebeneffekt, dass wir erst um 8.00h antreten mussten. Die Seminare waren wieder allesamt sehr gut, auch wenn der letzte Dozent erst früher anfing um dann dafür später wieder aufhörte. Aber um halb zwei rum war ich dann wieder draußen. Ich habe dann mit meiner deutschen Stationskollegin noch die Sekretärin der Trauma-Unit in der Hoffnung aufgesucht früher als geplant in die Trauma Unit zu wechseln. Leider ist im Moment dort absolut kein Platz für uns, eventuell sei später im Monat etwas zu machen, viel Hoffnung wollte man uns aber nicht machen. Vermutlich wird die arme Dame regelmäßig von Studenten belagert, denn diese Abteilung ist der Grund warum die meisten Studenten hier in Kapstadt ihr PJ oder Famulatur verbringen wollen. Ich habe aber von einem Nachbarn (einem italienischen Gastarzt)  im Hostel die Email-Adresse vom Chef bekommen, vielleicht kann man auf dem kleinen Dienstweg etwas regeln und dann nachmittags/nachts oder am Wochenende mitarbeiten. Das dürfte jedenfalls spannender sein und mehr praktische Erfahrung mit sich bringen als meine aktuelle Tätigkeit.

Die Nachmittagsveranstaltungen habe ich mir dann geschenkt, ich hatte mit zwei weiteren Leuten aus dem Hostel vereinbart am Nachmittag auf den Tafelberg zu klettern. Also machte ich mich heim und kaufte auf dem Rückweg noch ein wenig Wasser und Proviant ein.

Stationsalltag

6. April 2013 geschrieben von Moritz

Der Mittwoch war dann mein erster richtiger Tag im Hospital. Weisungsgemäß war ich um halb acht im Arztzimmer der Station um auf die Morgenvisite zu warten. Die weiteren Assistenz- und Fachärzte kamen dann nach und nach auch, nur der Oberarzt ließ auf sich warten. Ungefähr eine dreiviertel Stunde später ließ er sich dann auch blicken und wir konnten unsere Runde über die Station beginnen. Hier gibt es nur drei Einzelzimmer für Patienten, die isoliert werden müssen. Ansonsten sind alle in – sofern möglich – nach Geschlechtern getrennten 8-Bett-Boxen untergebracht. Zimmer kann man diese Boxen nur schwer nennen, da sie zum Gang hin komplett offen sind. Bei Bedarf, also wenn man den Patienten beispielsweise untersucht oder Blut abnimmt, kann ein Vorhang um das Bett gezogen und so für ein Minimum an Privatsphäre gesorgt werden.

GSHmorning

Auf dem Weg zur Arbeit. Hier wieder das alte Hospital in der Morgensonne.

An der Visite nehmen dann auch südafrikanische Studenten teil, die ebenfalls in ihrem letzten Studienjahr sind und zur Zeit ihre Chirurgie-Rotation haben. Im Gegensatz zu uns schien der Oberarzt ihre Gegenwart wahrzunehmen und stellte ihnen zu den Patienten immer wieder Fragen. Die Studenten sind aber sehr nett und erklären uns viel. Besonders bei den hier gerne und viel verwendeten Abkürzungen brauchen wir noch Hilfe. Manches erklärt sich von alleine, anderes muss man erklärt bekommen.

Nach der Visite war dann Stationsarbeit angesagt, das heißt Aufnahmeberichte oder Entlassbriefe schreiben sowie Blutabnehmen und Braunüle legen. Also das schien auf jedenfall schon mal international gleich zu sein. Wobei die Entlassbriefe kaum Brief zu nennen sind. Es ist eine Vorlage bei der in jedes Feld ein paar Wörter, maximal zwei Zeilen reingeschrieben werden. Wenn man es genau betrachtet werden auf diese Art und Weise kaum weniger Informationen transportiert als in einem deutschen Arztbrief in Romanform. Die Blutentnahmen laufen hier auch etwas anders ab, hier nimmt man einfach eine normale Spritze (man sollte vorher abschätzen wieviel Blut man braucht und dem entsprechend wählen) und steckt eine Kanüle auf. Hinterher wird das Blut dann in die Vacutainer-Röhrchen überführt und eigenhändig in das Labor gebracht. Die Braunülen sind verhältnismäßig ähnlich, haben aber ein bischen anderes Design und auch der Sicherheitsmechanismus an der Nadel muss erst manuell ausgelöst werden. Es wird sicher etwas leichter von der Hand gehen wenn wir darin etwas mehr Übung haben. Oft müssen wir das aber nicht machen, die Interns (Assistenztärzte, die nach Abschluss ihres Studiums durch verschiedene Abteilungen rotieren) machen es oft selbst, auch wenn Studenten vor Ort sind. Ganz unrecht ist es uns nicht, man schätzt, dass ca. 50% unserer Patienten HIV-positiv sind und so ganz haben wir uns daran noch nicht gewöhnt. Schon bei der Immatrikulation am Dienstag wurde uns gleich noch einmal eingeschärft uns bei einer Nadelstichverletzung sofort zu melden um dann die Prophylaxe zu erhalten.

Die Stationsarbeit ist aber für uns hier nur ein kleiner Pausenfüller, wir haben es die Woche immer so gehalten, dass wir mit den einheimischen Studenten zu ihren Seminaren gegangen sind. Die wurden durch die Bank weg von Oberärzten gehalten und waren alle sehr gut, so dass wir das wohl weiterhin so machen werden.  Es besteht aber keine Pflicht, wenn wir etwas anderes machen oder zuschauen möchten ist das immer möglich. Generell werden wir hier zu nichts gezwungen, die Ärzte sind hier sehr entspannt. Wirkliche Hektik habe ich hier noch nie aufkommen sehen. Für ca. 24 Patienten sind fast immer 2-3 Ärzte auf  der Station und die Patienten sind selten kompliziertere Fälle, so dass sich die Arbeitsbelastung – soweit ich das bis jetzt beurteilen kann – für alle eher gering ist. Jedenfalls sehe ich unsere Ärzte auch oft genug beim Kaffee trinken oder Essen unten in der Katine.

Am Nachmittag haben wir dann noch die anderen Studenten zur Abzessspaltung begleitet, das war ein eigener Punkt auf deren Programm für den Tag. Hierfür habe ich dann erstmals den OP hier betreten und auch hier Neues kennengelernt. In den OP schleust man sich mit seinen eigenen Straßenschuhen ein, man zieht nur einen Plastiküberzieher über jeden Schuh. Kasack und Hose gibt es dann aber dann. Die Taschen und dergleichen lässt man der Diebstahlgefahr wegen nicht in einem Vorraum liegen, sie werden direkt im OP deponiert. Dort ist auch das Tragen eines Mundschutzes anscheinend nicht unbedingt Pflicht, die Anästhesie trägt überhaupt keinen und alle, die nicht steril am Tisch stehen je nach Lust und Laune auch mal halb über den Mund. Ob das wirklich etwas ausmacht weiß ich nicht, nachdem man jahrelang die manchmal absurd strenge Auslegung deutscher OP-Sitten erfahren durfte ist es einfach etwas gewöhnungsbedürftig. Die OP selbst war unspannend – es war ein kleiner Abszess am Oberschenkel -, irritiert hatte mich da nur, dass hier ein Tuberkulose-Verdacht im Raum stand und keinerlei Vorsichtsmaßnahmen dafür getroffen wurde. Aber das hat hier vermutlich auch fast jeder, so dass das hier auch keinen mehr stört.

procrastination

“Procrastination is the art of keeping up with yesterday”

Nach der OP ging es dann zur Nachmittags-Visite auf die Station, hier wird vorallem danach geschaut was den den Tag über mit dem jeweiligen Patienten passiert ist und was man noch zu tun hat. Im Anschluss daran war für uns dann Feierabend und ich war um kurz vor vier wieder im Hostel.

Groote Schuur Hospital

4. April 2013 geschrieben von Moritz

Am Dienstag ging es dann auch im Krankenhaus los. Bevor ich aber dorthin konnte musste ich mich zuerst bei der Universität endgültig immatrikulieren. Eine genaue Zeit dafür gab es nicht, ich sollte mich zwischen 8 und 12h bei der verantwortlichen Dame melden. Dort traf ich dann auch gleich auf drei US-Studentinnen, die ebenfalls heute anfingen, bevor dann für uns alle eine kleine Odyssee anfing. Wir wurden nämlich nach der Immatrikulation zur Ausgabestelle für unsere Campus-ID geschickt. Die wurde von uns gebraucht um in Zukunft durch die Sicherheitsschleusen am Hospital zu kommen. Bisher wurde das am Hospital selbst erledigt, jetzt sollte das am Hauptcampus der Universität geschehen. Leider war die Ausgabestelle zwischenzeitlich umgezogen und keiner wusste erst einmal wohin. Mehrere Telefongespräche und bestimmt eine halbe Stunde später wurde uns dann von einem der zahlreichen Sicherheitsleute der richtige Weg gewiesen. Auf dem Weg dorthin trafen wir zwei weitere PJler aus Deutschland, die ebenfalls am heutigen Tage im Groote Schuur anfingen – insgesamt waren es wohl 30 Studenten aus allen möglichen Ländern, so wurde es uns gesagt. Es scheint aber so, dass die deutsche Fraktion eine der größten dort ist.

uppercampus1

Upper Campus, University of Cape Town

 

uppercampus2

Blick vom Upper Campus auf Kapstadt

 

Ausgestattet mit einer schicken Campus-ID ging es dann wieder mit dem Jammie-Shuttle, dem Uni-internen Busnetz, zurück zum Medical-Campus und dann endlich zum Groote Schuur. Hier ging die Schnitzel-Jagd gleich weiter, wir musste jetzt die jeweiligen Sekretariate der Abteilungen suchen, denen wir in Zukunft zugeteilt sein würden. Für mich und Fabian, einer der weiteren Chirurgie-PJler hier,  bedeutete es, dass wir Mrs. Warda Brown zu suchen hatten. Irgendwann hatten wir auch diese Aufgabe gemeistert und ihr Büro in den endlosen Gängen des alten Krankenhauses gefunden, welches nun als Verwaltungstrakt fungierte. Dort wurden wir sehr nett empfangen und uns wurde erklärt aus welchen Unterabteilungen sich die Chirurgie hier zusammensetzt. Ich entschied mich für die Emergency Sugery in der Hoffnung hier ein wenig mehr Notfallmedizin und weniger klassische Chirurgie zu finden, Fabian wählte dann die hepatobiliäre Chirurgie. Beide Einteilungen sollen für die ersten zwei Wochen gültig sein, danach dürfen wir uns entscheiden weiter dort zu bleiben oder weiterzuziehen. Die weiteren Abteilungen waren die Gefäßchiurgie, die endokrinologische Chirurgie sowie die kolorektale Chirurgie. Unter Umständen soll es aber auch möglich sein, dass wir für kurze Zeit in eine “fremde” Abteilung außerhalb des Departements gehen. Vielleicht ist es so ja möglich früher der Allgemeinchirurgie den Rücken zu kehren und stattdessen in die Trauma-Unit zu wechseln. Ich war zwar sehr gespannt auf die Arbeit in einer anderssprachigen Umgebung, eine Liebe zur Chirurgie wurde dadurch aber auch nicht entflammt. Daher wäre ich auch einem Ausflug auf die richtige Seite vom OP-Tuch, zu den Anästhesisten, nicht abgeneigt. Das war jetzt aber nicht das Thema für den ersten Tag, von daher ging es nun weiter in das eigentliche Krankenhaus und auf unsere jeweiligen Stationen. Dort fand ich dann die nächste deutsche PJlerin, gemeinsam stellten wir uns dann beim diensthabenden Assistenzarzt vor. Auch hier war der Empfang sehr freundlich und man erklärte uns gleich ein paar Dinge zur Abteilung und ihren Aufgaben. Es handelt sich hier weniger um eine Notfall- als eher um eine Aufnahmestation für mehr oder weniger dringliche Fälle bzw. solche, die am Folgetag für eine Operation vorgesehen waren.  Insgesamt soll diese Station die arbeitsreichste sein, da die Patienten hier besonders kurze Liegezeiten haben und vorher nur von der Notaufnahme anversorgt wurden.

GSHnoon

Blick auf das sog. “Old Main Building”, links hinter den Bäumen der “Neubau”.

Zum Zeitpunkt unseres Eintreffen auf Station war es an der Zeit für die Nachmittagsvisite, die für uns dann auch schon wieder das Signal für den nahenden Feierabend darstellte. Im Anschluss daran durften wir dann nämlich gehen nachdem wir für den folgenden Morgen für 7.30h zur Morgenvisite wieder einbestellt wurden.

Kapstadt: Die Anreise und der erste Tag

31. März 2013 geschrieben von Moritz

Gestern ging’s dann endlich los, ziemlich genau zwei Jahre nachdem ich meine Bewerbung hierher abgeschickt habe. Nach einer ziemlich kurzen Nacht war ich um halb vier Uhr wieder auf den Beinen um dann rechtzeitig mit der ersten Maschine von Berlin-Tegel abzuheben.

Am Flughafen angekommen musste ich feststellen, dass zwei Kilogramm Übergepäck aus Sicht der KLM eines zuviel sind – ein Paar Schuhe mussten dann kurzerhand in das erweiterte Handgepäck und dann war es nur noch eines zuviel, das wurde dann von der Dame am Check-In gnädigerweise akzeptiert und ich konnte die 100€ Übergepäckzuschlag vermeiden. 16h später war ich nach einem kurzen Zwischenstopp endlich am Ziel meiner Reise und konnte dann gleich Winterjacke und Pullover in die Ecke legen, selbst um Mitternacht hatte es noch angenehme 20°C und somit schönes  T-Shirt-Wetter. Da hat selbst der böige Wind, der auch den Landenanflug auf Kapstadt sehr belebt hat,  nicht viel ausgemacht.

Heute habe ich dann Kapstadt das erste Mal bei Tageslicht gesehen. Den Vormittag habe ich überwiegend damit verbracht mich hier einzurichten. Interessanterweise waren auch heute am Ostersonntag alle Geschäfte geöffnet, der Supermarkt war brechend voll, und so konnte ich bequem alles besorgen. Unter anderem habe ich jetzt auch eine südafrikanische Handynummer, wer die haben möchte, der schreibe mir bitte doch eine kurze Nachricht. Für WhatsApp gilt aber noch meine deutsche Nummer, das werde ich erstmal nicht ändern.

Tafelberg

Heute Nachmittag bin ich dann mit einem anderem aus dem Hostel zur Waterfront, dem Hafenviertel, gefahren. Das Wetter war zwischenzeitlich schwül und drückend geworden, die Sonne war nun spärlicher zu sehen.  Spannend war schon die Hinfahrt, wir haben einen der vielen Minibusse genommen um zur Waterfront zu gelangen. Dort saß man ziemlich gequetscht und eher nicht angeschnallt, aber das Fahrverhalten der Fahrer war zum Glück ganz gemäßigt, nicht so selbstmörderisch wie ich das in Tansania gelegentlich erlebt habe. Es ist eigentlich nicht meine favorisierte Art der Fortbewegung, aber so unschlagbar günstig…
Die Waterfront selber war kleiner als ich es erwartet hatte, eine relativ abgeschlossene Ecke, hinter der gleich wieder Baustellen und das “normale” Kapstadt auftauchen. Aber es war sehr schön anzusehen, ich hoffe es kommt auf den Fotos zur Geltung, die ich hier eingestellt habe. Gut Essen und Trinken gehen kann man dort auch, die Preise sind der Lage entsprechend natürlich etwas höher als sonst.

clockhouse

directions

waterfront and me

löwe

Morgen wollten wir dann eigentlich eine Tour zur Robben Island machen wo Nelson Mandela zu Zeiten der Apartheid gefangen halten wurde. Leider ist die Tour bis Mitte kommender Woche ausverkauft so dass ich es vielleicht am kommenden Wochenende in Angriff nehmen werde.

Über das Krankenhaus habe ich inzwischen auch ein wenig gehört, es scheint dort morgen kein Feiertag mehr zu sein, aber da die für mich zuständige Frau morgen im Urlaub ist und ich mich zu allererst bei ihr zwecks Abschluss der Formalitäten und Festlegung der Einteilung melden muss habe ich wohl frei :-) Da bleibt dann Zeit die Frage meiner weiteren Unterbringung hier anzugehen.

Anleitung zum Blog abonnieren

25. März 2013 geschrieben von Moritz

Wer möchte kann diesen Blog auch einfach abonnieren und so bequem auf dem Laufenden gehalten werden ohne jedes Mal extra den Link eingeben zu müssen. Ausprobiert habe ich es mit Firefox und dem Emailprogramm Thunderbird, es sollte aber auch mit dem Internet Explorer, Outlook und Co gehen.

Anleitung Firefox: Auf diesen Link klicken ( http://www.medi-learn.de/blogs/tagebuch-klinik-4/?feed=rss2 ), dann auf der sich öffnenden Seite auf “Jetzt abonnieren” klicken und dann im Pop-up-Fenster nochmal mit “Abonnieren” bestätigen. Anschließend habt ihr im Browser unterhalb der Adresszeile einen sog. “dynamischen Ordner” (genauso wie der Ordner mit den Nachrichten von tagesschau.de) mit dem Namen PJ in Südafrika in dem ihr die aktuellen Posts findet. Aktuell sind es noch drei, werden aber mehr, versprochen 😉

Für Thunderbird: Im Programm auf Datei -> Neu -> Andere Konten klicken, dann Blogs & News-Feeds auswählen und auf Weiter und Fertig stellen klicken. Daraufhin sollte sich in der Kontenübersicht (linke Spalte) eine Zeile “Blogs & Newsfeed” befinden. Hier einmal Rechtsklick und auf “abonnieren…” gehen, hier dann bei Feed-URL dann den RSS-Link ( http://www.medi-learn.de/blogs/tagebuch-klinik-4/?feed=rss2 ) einfügen und dann auf Hinzufügen gehen. Anschließend sollten euch die bisher veröffentlichten Posts heruntergeladen werden, es funktioniert also so wie sonst bei den Emails.

Wünsche euch viel Spaß bei der Lektüre, ich freue mich auch schon :)

P.S.: Fehler oder Ergänzungen jederzeit gerne an mich.

Auf Wiedersehen Göttingen

25. März 2013 geschrieben von Moritz

Gestern war es an der Zeit “die Stadt, die Wissen schafft” zu verlassen und mich in Richtung der Bundeshauptstadt, meiner Heimat,  zu begeben. Die Fahrt war bei den herrschenden Windverhältnissen etwas mühselig, aber die Autobahnen zum Glück frei und fast ohne LKWs. Jetzt habe ich hier noch ein paar Tage die letzten Dinge zu besorgen und zu entscheiden, welche meiner Besitztümer meinen Koffer wieder verlassen müssen. Bei meiner Ankunft hier habe ich nämlich der Waage die heikle Frage gestellt und feststellen müssen, dass noch 5kg abgespeckt werden sollten – im Moment bringt der Koffer noch stolze 28kg auf die Waage und abgesehen davon, dass ich die dann schleppen muss, könnte die Fluggesellschaft in dem Fall dann auch nochmal kräftig die Hand aufhalten. Der Preis für Übergepäck ist nicht ohne.