Arthroskopie als Operateur

9. März 2010 geschrieben von sandra

Nachdem ich letzten Dienstag neuneinhalb Stunden im OP stand, war es heute eher ein kürzerer Einsatz. Eine kleine Kreuzbandplastik, schon die Fünfte seit Januar zusammen mit meinem Chef. Und dann noch eine stinknormale, langweilige Arthroskopie. Eigentlich. Alles am Anfang noch ganz normal, aber dann sollte ich selber meinen ersten Zugang suchen. Das durfte ich schon öfter, auch noch nichts Besonderes. Aber dann bekam ich das Skalpell in die Hand gedrückt und durfte den Trokar einbringen, diesmal auch mit mehr Erfolg als beim letzten Mal. Und dann durfte ich auch die anderen Zugänge selber machen. Im Endeffekt hat mir mein Chef assistiert. Ich durfte arthroskopieren, mit einem Tasthäkchen an Kreuzbändern und Minisken ziehen, Knorpel testen und zum Schluss noch das eingerissene Miniskushinterhorn mit Schere und Saugstanze resezieren. Was für ein Tag…

Hüft-TEP aus anderer Perspektive

2. März 2010 geschrieben von sandra

Schon beginnt die zweite Woche meiner Doktorarbeits-Zeit in der Orthopädie. Der Stand ist bis jetzt nicht schlecht, 12 Patienten in 7 OP-Tagen. Außerdem bin ich jetzt nicht mehr so fürchterlich planlos. Aber auch ich hatte heute wieder eine Situation, in der ich mich einfach dumm durchfragen musste. Aber das ist ja auch halb so schlimm…

Aber was ich eigentlich erzählen wollte hat damit nur bedingt etwas zu tun. Ich sollte mich bei unserem Belegarzt melden, sobald ich wusste, ob ich auch während meiner Doktorarbeits-Zeit dienstags Zeit hätte. Nachdem mit mein Doktorarbeits-Betreuer angeboten hatte, auch mal den einen oder anderen Patienten zu übernehmen, wusste ich, dass ich Dienstag einrichten könnte. Daraufhin hatte ich Freitag während des Studieninformationstages, bei dem mich interessierte Schüler mal wieder zum Medizinstudium löchern konnten, mit unserem Belegarzt telefoniert. Leider dürfte ich Dienstag vom Chef aus nicht kommen, aber er macht irgendwann eine Hüfte oder ein Knie und meldet sich dann noch mal. Gut, dann kann ich Dienstag auch meine ganzen Patienten selbst voruntersuchen. Montagnachmittag kommt eine Email, er habe sich leider im OP-Plan geirrt und die Hüfte sei doch heute. Super, Planänderung. Am besten sollte ich überhaupt  nichts mehr planen, weil es kommt sowieso alles ganz anders. Naja, also bin ich heute morgen eher in die Orthopädie und habe den Großteil meiner Patienten schon vor 12.00 Uhr in der Patientenaufnahme abgefangen.  Dann hatte ich zwischendurch sogar noch Zeit, meinen Eltern ihr Auto wieder vor die Tür zu stellen. Zum Glück, wie sich noch rausstellen sollte.

Gegen 13.15 Uhr war ich dann in der Klinik. In Ermangelung eines Schlüssels musste ich wieder an der Pforte um Einlass bitten. Anscheinend war ich nicht die erste, so begeistern wie die Dame reagierte. Die Umkleide war gerammelt voll, wer ist das eigentlich alles? Auf Nachfrage habe ich dann schon mal rausgefunden, dass zwei Mädels als Famulantinnen da waren. Ok, soweit so gut. Da ich eigentlich nur für die Hüfte eingeplant war und ich nichts von Famulanten wusste, dachte ich, dass ich nur der Beinhalter sein werde und habe mich seelisch schon mal auf anstrengende eineinhalb Stunden eingestellt. In der Umkleide traf ich dann auch noch auf eine Assistentin von uns, die mich gleich fragte, ob ich die erste Assistenz für unseren Belegarzt sei. Keine Ahnung!?! Hast du schon mal erste Assistenz bei einer Hüft-TEP gemacht? Nö, aber es wär ja nicht das erste Mal, dass ich ins kalte Wasser geworfen werde. Und bis jetzt hat´s auch immer funktioniert. Ja, sie sind mal wieder zu wenig Leute und das wäre dann ganz gut, wenn ich das machen würde. Kein Problem, mach ich doch gerne, auch mal eine Hüfte von der anderen Seite sehen ;) Und genau so kam es dann auch: Meine erstes Mal als erste Assistenz bei einer Hüfte, super. Erstens Mal sieht man endlich mal was, dann ist assistieren immer toll und zu guter Letzt ist die ganze Sache auch nicht so anstrengend. Eine der neuen Famulanten und unser eigentlicher Hakenhalter waren dann die Beinhalter. Die neue Famulantin hielt auch gut durch, was dann unserem Belegarzt den Kommentar entlockte: „Sie sind auch so eine Willige.“ An mich wurde dann der Kommentar gerichtet, dass er sich noch an unsere erste Hüfte erinnert, die wir nur zu dritt gemacht haben (d.h. ich hatte das Bein und die ganzen Haken). Die Hüfte ging auch noch schwer und hatte dadurch wirklich lang gedauert. „Da war ich echt beeindruckt, dass sie so durchgehalten haben.“ Ok, ist ja echt witzig, wusste ich bis dahin noch nicht. Na gut, zurück zu der aktuellen Hüfte. War wirklich interessant mal die einzelnen Schritte zu sehen. Und auch mal die Prothese zu reponieren, usw. Leider haben wir den Schnitt zum Schluss getackert und nicht genäht. Doof, ich hatte mir schon ganz viel Näh-Praxis erhofft.

Als nächstes haben wir dann eine Reruptur einer Supraspinatus-Sehne offen gemacht. Da fiel dann aber endlich das erste Nähen in meine Hand, toll. „Machen Sie dann zu?“ sprach´s und ging. Danach gab es eine Ulnafraktur, die wir mit einer Plattenosteosynthese versorgt haben, wieder ein wenig Nähen ;) Dann Lipomentfernung im Sakralbereich. Das waren sogar drei richtig große Lipome, dementsprechend auch drei relativ große Schnitte. Ja, ich rieb mir schon die Hände. Mein Chef und ich haben dann einen Teil parallel genäht, den Rest durfte ich wie immer alleine machen. Und danach kamen noch zwei weitere kleine Punkte, eine Abszessspaltung und eine Weichteilinfektion an D2. Durch den geänderten OP-Plan habe ich meinen Rekord gebrochen, was die späteste Uhrzeit angeht, an die ich aus dem OP gekommen bin. Sie wurde von 20.00 Uhr auf 21.30 Uhr erhöht.

Auf jeden Fall war es ein sehr schöner, wenn auch anstrengender Nachmittag bzw. Abend. Schade ist nur, dass es mal wieder auf unbestimmte Zeit das letzte Mal war. Echt doof. Es ist wirklich immer schön, weil ich mich mit allen so gut verstehe. Auch mit meinem einzigen ungeliebten Anästhesisten freunde ich mich langsam an. Auch war es ganz nett, den neuen Famulanten noch ein paar Dinge beizubringen. Jaja, irgendwo steckt doch der Lehrer in mir. Aber das ist ja nicht wirklich was Neues.

Morgen geht es weiter mit Doktorarbeit. Man darf gespannt sein…

Erster Tag Doktorarbeit

2. März 2010 geschrieben von sandra

So, heute ist mein erster offizieller Tag als Doktorandin in der Orthopädie. Die Geschichte, wie ich dazu in so kurzer Zeit gekommen bin ist doch etwas kompliziert. Also von vorne:

Bisher war ich immer zu unmotiviert mir eine Doktorarbeit zu suchen. Außerdem war bisher auch das Problem, dass ich nicht wusste, in welche Richtung ich später mal gehen will. Mittlerweile ist die Chirurgie doch sehr wahrscheinlich, weshalb ich jetzt zumindest schon mal die Themen einigermaßen eingrenzen konnte. Leider bin ich weder die geborene Laborratte noch ein ausschließliches Aktenwühler, weshalb experimentelle und retrospektive Doktorarbeiten wegfallen. Leider bieten die Chirurgen an der Uniklinik nur diese beiden Sachen an. Wobei ich auch sagen muss, dass ich mich bisher noch nicht sonderlich bemüht habe, eine passende Arbeit zu finden. Nebenbei kam aus der Orthopädie noch eine Anfrage, ob die AG Lehre sie nicht bei der Umsetzung eines“ Tages der Lehre“ unterstützen könnte. Na klar, immer doch, und so lernte ich zumindest per Email schon einmal meinen Doktorvater kennen.

Ein Projekt der AG Lehre war die Organisation einer Doktorandenbörse, an dem sich die verschiedenen Institute mit einem Ansprechpartner, den angebotenen Doktorarbeiten und am besten noch einem aktuellen oder ehemaligen Doktoranden vorstellen sollten. Das ganze sollte mit einem Poster im Foyer des Hörsaals stattfinden. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und war auch in der Form zumindest ein guter Anfang. Dort traf ich auch den Lehrbeauftragten der Orthopädie, den ich gleich nochmal wegen unseres Treffens ansprechen musste. Dabei fragte er auch, was ich überhaupt auf der Doktorandenbörse machte. Naja, auch was suchen, aber eine Doktorarbeit nach meinen Geschmack gibt´s wohl nicht. Das wäre am besten was klinisches, wo man mit im OP steht und dann ein paar Daten erhebt. Ja, da hätte er vielleicht was für mich. Er möchte zwei verschiedene Knieprothesen vergleichen, ob die Patienten mit dem einen Modell danach mehr Bewegungsausmaß haben als mit dem Standardmodell, denn bisher gibt es so eine Studie noch nicht. Ja, das hörte sich ja schon mal ganz gut an. Ok, ich überleg mir das mal und wir sehen uns sowieso in den nächsten Tagen wegen dem „Tag der Lehre“. Hmmm, da kommt man dann schon ins Grübeln. Vor allem weil mir doch langsam die Zeit davonläuft und man die Arbeit am besten noch vor dem PJ fertig bekommen sollte. Also im Sommer könnte ich mir das durchaus vorstellen.

An besagtem Freitag trafen wir uns dann wegen dem „Tag der Lehre“, zu dem die AG-Leitung der AG Lehre zwei Vorträge halten sollte. Nebenbei musste ich auch noch mal zu der Doktorarbeit nachfragen. Wann genau muss ich die Patienten vor- und nachuntersuchen, wie steht´s mit der Betreuung, darf ich auch wirklich mit in den OP, usw. Ja, alles halb so wild, aber die Studie sollte innerhalb der nächsten ein bis zwei Monate laufen. Kinnlade runter…wie meinen?!? Da gibt es aber so ein bis zwei kleine Probleme. Eigentlich hatte ich meine Semesterferien bereits verplant, und zwar mit 4 Wochen als Hiwi in der Anatomie, so wie letztes Jahr auch. Danach noch 2 Wochen Famulatur und das Geburtstagsgeschenk für meine Oma einlösen, ein Familienurlaub nach Rom. Na gut, also wieder von vorne anfangen mit Grübeln. Mittlerweile lag  mir aber JEDER in den Ohren, von unserer Oberärztin, über unseren Belegarzt bis zu unserem frisch gebackenen Anästhesie-Assistenten, ich solle das doch machen. In der Kürze der Zeit was noch Tolleres finden sein völlig utopisch und mir liefe ja schließlich doch die Zeit davon, wenn ich meine Doktorarbeit noch vor dem PJ vollenden wollte. Naja, soweit so gut. Dann habe ich mit meiner Oma telefoniert und das Ganze war überhaupt kein Problem.  Ihr ist es sowieso im Oktober lieber, weil über Ostern so viel los ist und so kurzfristig noch was zu buchen ist sowieso doof. Ok, das wäre geschafft. Dann hatte ich meinem Doktorvater schon telefonisch zugesagt und wollte am gleichen Tag im Anatomie-Sekretariat anrufen. Volltreffer, die Sekretärin ist bis einer Woche vor Kursbeginn in Urlaub.  Bravo, aber jemand anders konnte mir dann auch nicht weiterhelfen. Also konnte ich erst vor einer Woche in der Anatomie absagen, was dazu geführt hat, dass keiner meiner „Ersatzmänner“ meine SHK-Stelle übernehmen konnte. Denn zwischen Vertragsschluss und Beginn der Arbeit müssen mindestens 2 Wochen liegen. Das kann man zwar irgendwie umgehen, aber unsere Anatomie-Sekretärin ist da doch sehr genau. Eigentlich schade, denn ich hätte allen beiden Herren gerne meine Stelle überlassen.

Gut, also soweit alles geklärt. Letzten Donnerstag noch die letzte Klausur schreiben. Leider konnte ich mich bis 3 Tage vor der Klausur nicht durchringen, was dafür zu lernen. Und die Klausur war dazu auch noch richtig bescheiden. Warum muss die Klinische Chemie auch so einen Mist fragen. Die Pathologen und die Mikrobiologen bekommen es doch auch hin, nicht so abgefahrene Sachen zu fragen. Naja, wie dem auch sei. Die Klausur war rum und ich hatte das erste Treffen mit meinem Doktorvater und meinem Betreuer. Zum Glück hatte ich die Beschreibung, wo das Oberarzt-Zimmer war. Denn obwohl ich ja zum Orthopädie-Blockpraktikum schon mal in der Klinik war lässt die Orientierung noch etwas zu wünschen übrig. Aber gesucht und gefunden. Beide waren sehr nett. Es wurden  noch so ein paar Sachen geklärt, z.B. wann ich denn immer kommen sollte, wie wir die Patientenunterlagen geschalten, wie alles genau abläuft, usw. Allerdings war mir auch nach dem Gespräch noch nicht so ganz klar, wie mein Tagesablauf sein würde. Aber es war noch ein weiterer Doktorand da, der mir alles zeigen sollte. Also einfach mal überraschen lassen, was in der gleichen Nacht zu alptraumartigen Zuständen führte.

Freitag früh habe ich einer Freundin, die jetzt Physikum schreibt, noch einen kleinen Situs- Anatomie-Crashkurs gegeben. Hat denke ich auf jeden Fall was gebracht. Danach musste ich gleich auf die Arbeit flitzen, denn der Blutspendedienst war mal wieder mit mir im Gepäck unterwegs. Der Termin war ziemlich heftig, denn wir waren ein Punktierer zu wenig und hatten auch noch 40 Spender mehr als geplant. Also Beine in die Hand nehmen und rennen! Naja, mehr als zwei Hände hatten wir deshalb auch nicht, so dass wir dann 45 Minuten überzogen haben, um Herr über die Schlange zu werden. Aber als „Entschädigung“ gab´s dann einen leckeren Apfelstrudel aus der Krankenhausküche in Oberviechtach. Samstag waren wir nachmittags Klettern und abends noch in der Stadt. Sonntag war ich dementsprechend müde und somit auch relativ unproduktiv, was die Vorbereitung auf meinen ersten Tag Doktorarbeit angeht. Immerhin habe ich herausgefunden, was der Unterschied zwischen den beiden Prothesen ist. Das CR150 ist eine sog. Highflex-Prothese, bei der der femorale Ersatz mehr dem normalen Femur entspricht. Denn im Kniegelenk mache ich ja nicht nur eine Drehbewegung, sondern auch eine Verschiebebewegung. Außerdem wird der Radius der Femurkondylen nach hinten kleiner. Und genau das ahmen die Highflex-Prothesen nach. Somit soll man, laut den Herstellern, das Knie später besser beugen können. Und genau das wollen wir überprüfen.

Also bin ich relativ unwissend am Montagmorgen um 7.30 Uhr in das Büro von meinen Doktorvater gestampft, um noch kurz dem Chef vor der Morgenbesprechung vorgestellt zu werden. Das hat dann auch geklappt, wenn es auch ein Gastspiel im Sekundenbereich war. In der Morgenbesprechung lernte ich auch die anderen Doktoranden kennen, sogar noch jemanden aus meinem Semester. Nach der sehr unspektakulären Morgenbesprechung hängt ich mich an die Fersen meines Mit-Doktoranden, der auch präoperativ unter anderem die gleichen Daten erhebt wie ich. Also gab es erstmal einen kleinen Rundgang, u.a. zur Sekretärin, von der ich für die Zeit meiner Doktorarbeit eine „Futterkarte“ bekam. Also kann ich wenigstens, wenn ich da schon jeden Tag 15 km rausfahren muss, umsonst Mittagessen. Dann schauten wir in der Zentralen Patientenaufnahme (ZPA) vorbei, wir uns, wenn die Patienten schon da waren, schon einmal die Datenaufkleber sichern konnten. Dort kann man dann auch rausfinden, auf welchem Zimmer die Patienten sind. Und so ab 12.00 Uhr kann man anfangen, seine Patienten auf den Zimmern zu suchen.  Gar nicht so einfach, wenn sie nach der Aufnahme auch noch zum Röntgen, z.T. in die Rheumatologie, usw. müssen. Wenn man die Patienten dann mal erwischt, muss man sie natürlich über die Studie aufklären und sie fragen, ob sie einverstanden sind. Danach mit den Patienten einen Fragebogen durchgehen und sie schließlich noch untersuchen. Das ganze dauert im Schnitt so 20 Minuten. Am ersten Tag war leider noch kein Patient für mich dabei, aber Dienstag sah vielversprechend aus. Ich hätte gedacht, dass es viele Patienten gibt, die es ablehnen, bei der Studie mitzumachen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Super.

Der erste Tag war insgesamt noch etwas planlos, aber es wird besser. Der zweite Tag brachte 4 Patienten und heute habe ich 3 weitere Patienten für mich gewinnen können. Naja, ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Eigentlich wollte ich lernen

8. Februar 2010 geschrieben von sandra

Ich muss leider etwas weiter ausholen, um meinen Tag heute im richtigen Licht darzustellen.

Leider habe ich mir letzten Mittwoch eine Mittelohrentzündung beidseits eingefangen. Wo und wie ich mir das geholt habe, wüsste ich auch gerne mal, denn ich hatte (laut meiner Mutter) nicht mal als Kind jemals eine Mittelohrentzündung. Während des zweiwöchigen Blockpraktikums Innere I (v.a. Gastroenterologie, Infektiologie und Endokrinologie) hatten wir zum Glück einen Fehltag, den ich mir dann auch nahm um gleich früh zum Arzt zu gehen. Wie erwartet hat mich der Allgemeinmediziner gleich ein Stockwerk weiter in die HNO geschickt. Der Verdacht wurde dort leider bestätigt. Also eine Woche Doxycyclin und dazu Kortison-Nasenspray zum Abschwellen. Ist schon doof, wenn man eine Penicillin-Allergie hat und deshalb immer was anderes bekommen muss. Letzten Freitag in der Mensa musste das Mittagessen leider ausfallen, denn es gab marinierten Hering oder Pfannkuchen mit Quarkfüllung. Was haben die beiden gemeinsam? Genau, da sind Milchprodukte drin. Und die durfte ich zwei Stunden vor und zwei Stunden nach der Antibiotika-Einnahme  nicht essen. Wunderbar…

Außerdem ging es mir so bescheiden, dass ich nicht fähig war, irgendwas zu lernen. Das Problem daran war allerdings, dass wir am Freitag eine Klausur in Biometrie/Epidemiologie/Medizininformatik schreiben mussten. Nach wiederholten gescheiterten Versuchen habe ich aufgegeben und mich gänzlich auf meine Kommilitonen verlassen ;) Das nächste Problem war die heutige Innere I-Klausur. Die ist bekanntermaßen schwer, weshalb ich am Wochenende trotz Krankheit und Motivationsproblemen viel gelernt habe. Das ganze wurde von dem netten Rat des HNOlers erschwert, der mir riet meine Antihistaminika mal abzusetzen und es nur mit Kortison-Spray zu versuchen. Das Ergebnis war ein Tag mit ständigem Niesen, kribbelnder und laufender Nase, wodurch auch mein Mittagsschlaf ins Wasser fiel. Auch das Lernen war so nicht angenehmer. Nach einem Telefonat mit unserer Oberärztin erfuhr ich, dass der Herr Virus, Vorname Noro, unterwegs ist und zwei Assistenten die Scheißerei haben. Nachdem ich diese Woche bis auf die Klausur keine Uni habe, sozusagen sowieso nichts Besseres zu tun habe (haha…), habe ich ihr angeboten, dass sie sich ja melden kann, wenn sie Hilfe braucht. Danach bin ich noch mal meine Aufzeichnungen durchgegangen und habe noch mal, danke für den Tipp, die Elektrolytstörungen wiederholt. Fragen und Fallbeispiele habe ich mir für den nächsten Tag aufgehoben, da die Klausur erst um 16.00 Uhr war.

Also bin ich um 7.45 Uhr aufgestanden. Nein, ich bin nicht wahnsinnig. Man kann im Moment aber sowieso nicht länger schlafen, weil meine geliebten Handwerker dann anfangen zu bohren. Die sind so fleißig, dass sie sogar freitags bis 16.00 Uhr arbeiten. Sehr zu meinem Leidwesen, denn ich war nach der Uni und der Klausur so am Ende, dass ich erst mal eine runde schlafen wollte. Alles wäre kein Problem, es gibt ja Oropax. Allerdings sollte man die bei Mittelohrentzündung eher meiden… Zurück zu heute morgen. Alles ganz normal: erst Bad, dann Frühstück machen. Kaum hatte ich mir mein Müsli gemacht, klingelte das Telefon. Komisch, aber meine Vermutung war, dass es die Mutter meiner Mitbewohnerin ist, denn die war schließlich auch schon wach. Oder sollte es doch jemand anders sein? Doch das Krankenhaus? Genau das war es dann auch. Unsere Oberärztin wollte gern auf das Angebot von gestern zurückkommen und ob ich denn um 10.00 Uhr im OP sein könnte für zwei Strumen. Ja, wenn ich um 16.00 meine Klausur schreiben kann. Also spontane Planänderung: Ganz schnell frühstücken, alles für OP und danach Klausur zusammenpacken, schnell noch ein wenig wiederholen und die Fragen kreuzen. Die Zeit verging leider viel schneller als geplant, so dass ich  mich mit meinen Zetteln in der Hand auf den Weg machen musste. Im OP angekommen ging es auch gleich zum Waschen. Der Chef kam auch gleich dazu und bedankte sich bei mir für´s Einspringen. „Bitte, keine Ursache“ sagte ich dazu. „Naja, Ursache schon, Scheißerei!“ war der Kommentar vom Chef. Ich hatte mich also in die „Höhle des Noro“ gewagt. Ich hoffe auch, dass die Information, dass der OP noch nicht verseucht war, richtig war. Auf Noro hab ich wirklich keine Lust.

Auf jeden Fall war es ungewohnt, mal wieder 2. Assistent zu sein. Außerdem hatte ich glaube ich verdrängt, wie langweilig Strumen in der Hakenhalter-Position sind. Dann auch noch das Dreamteam, das Schweigen der Operateure. Ich habe in Gedanken noch mal die Elektrolytstörungen rekapituliert, was sogar recht gut geklappt hat. Für die einseitige Resektion haben wir recht lange gebraucht, aber das „Zumachen“ war dann dem Assistenten und mir überlassen. Alles wunderbar. Ich durfte auch Sachen machen, die ich während meiner Famulatur nicht durfte. Auf jeden Fall war ich auch der Gewinner der Position zum draufdrücken, bis der Schnellschnitt da war. Denn alle resezierten Schilddrüsen werden während der noch laufenden OP in die Pathologie geschickt und dort in einem Schnellschnitt auf Malignität „überprüft“. Wenn der Schnellschnitt negativ ist, dann heißt das zwar nicht zu 100%, dass wirklich kein Karzinom vorliegt, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Auf jeden Fall mussten wir noch auf den Schnellschnitt warten, wobei ich noch als Einzige steril am Tisch war. Der Anruf kam irgendwann auch und der Assistent brauchte auffallend lange für das Telefonat. Kein gutes Zeichen. Und wie erwartet war es dann wirklich ein papilläres Karzinom. Also alles noch mal auf Anfang, Fäden und Redons wieder raus. Zuerst haben wir die die linke Schilddrüsenhälfte reseziert und dann die Lymphknoten rechts dissiziert. Dabei war der N. laryngeus recurrens irgendwann beleidigt, sprich trotz optischer Intaktheit hat er kein Signal mehr gegeben. Ein sog. Dehnungsschaden. Der ist in den meisten Fällen reversibel, aber eben auch nicht zu 100%. Deshalb haben wir nicht auch noch auf der anderen Seite die Lymphknoten entfernt. Ist der Recurrens einseitig gelähmt ist man heiser. Ist er aber beidseits gelähmt (innerviert ja den einzigen aktiven Stimmritzenöffner, M. cricoarithenoideus posterior) muss der Patient tracheotomiert werden. Das Risiko ist einfach zu groß, weswegen man in diesen Fällen die Lymphknoten auf der nicht-befallenen lieber drin lässt.

Um 14.00 Uhr waren wir dann fertig. Für die zweite Struma hatte ich (leider) keine Zeit mehr. Ich fuhr dann auch direkt an die Uniklinik und habe da noch mal die restlichen Fragen gekreuzt. Die Klausur war anfangs echt schwer, aber zu Schluss waren es bekannte Fragen und die Fragen mit den Freitext-Antworten waren echt ok. Bestanden habe ich denke ich, aber auf die Note bin ich dann doch gespannt. Danach war ich noch eine Freundin im Skills Lab besuchen und wir waren noch zusammen einkaufen, inklusive Chauffeur-Service bis vor die Haustür.

Ich bin ja mal gespannt, ob morgen früh das Telefon wieder klingelt. Denn auf Nachfrage hat mir der Chef noch gesagt, ich solle mich doch mal „vorsichtig drauf einstellen“, dass ich nochmal kommen könnte. Ab 13.00 Uhr bin ich auf jeden Fall am Start, 2 ASKs und eine Schulter bei unserem Belegarzt. Ich darf wieder ran, weil ja zu wenig Assistenten da sind…

TAPP, TAPP

2. Februar 2010 geschrieben von sandra

Mein vorerst letzter Dienstag als Assistent ist vorbei. Schade…

Aber nun mal von vorne. Wie immer war ich heute wieder fleißig am Arbeiten. Zuerst eine Clavicula-Fraktur bei einem 10-jährigen Jungen, versorgt durch eine intramedullären Nagel bzw. Draht. Das war vielleicht ein Gefummel, bis wir den Draht durch das mediale Fragment in das laterale gehämmert hatten. Hämmern ist übrigens toll. Vielleicht sollte ich mal ein Praktikum bei meinem Stiefvater in der Werkstatt machen, die Werkzeuge sind ja gleich ;)

Als zweites hatten wir eine Patientin mit habitueller  Patellaluxation. Als erstes haben wir eine Arthroskopie gemacht um  zu sehen, wie weit entfernt vom eigentlichen Gleitlager die Patella läuft. Dann haben wir natürlich noch geschaut, ob sonst alles in Ordnung ist. Mit der Plasmasonde haben wir dann ein laterales Release gemacht, d.h. die Kapsel an der lateralen Seite „gespalten“. Zum Schluss haben wir eine mediale Kapselraffung gemacht. Also haben wir einen schönen langen Hautschnitt gemacht, die Faszie medial der Patella gespalten und danach enger wieder zusammen genäht. Für mich gab es dann wieder viel an Hautnaht zu tun. Und es ist schön, wenn man sieht, wie man immer besser wird…

Danach hätte ich eigentlich nach Hause gehen können. Aber zuerst habe ich versucht, unsere Oberärztin ans Telefon zu bekommen. Dem war natürlich nix, dafür bin ich in der Schleuse fast in sie reingerannt. Nach einer kleinen Unterhaltung wurde klar, dass die neuen Assistenten an ihrem zweiten Tag völlig alleine für die Station und die Ambulanz zuständig waren, weil sich eine andere Assistentin nicht darum kümmerte. Mein Kommentar dazu war: „Ich werde eh für den ganzen Nachmittag bezahlt, also hast du jetzt noch die Gelegenheit mich als Assistent für die zwei TAPPs zu buchen.“ Nee, eine andere Assistentin bleibt noch länger da. Naja, wer nicht will der hat schon. Dann aber doch der Sinneswandel. „ Ich klär das noch mal schnell mit dem Chef ab.“ Und nach einer Minute war ich engagiert  J Juhu, mal wieder eine OP, bei der ich noch nicht assistiert hatte. Denn unsere Oberärztin wollte mich ja während meiner Famulatur nie Kamera führen lassen.  Also war heute bei den beiden TAPPs (laparoskopische Leistenhernie) meine, zumindest visceralchirurgische, Premiere als „Kamerakind“.  Und wie prophezeit war es gar nicht so einfach, denn Knie und Bauch sind dann doch zwei verschiedene Paar Schuhe. Außerdem wird die Kamera mit der Zeit schwerer und schwerer, was nicht gerade einer ruhigen Hand förderlich ist… Also, los ging´s: Als erstes den Zugang am Nabel, Gas rein und die anderen Trokare einbringen. Dann erstmal schauen, ob es auch wirklich eine indirekte Leistenhernie ist. Peritoneum eröffnen und Bruchsack freipräparieren. Dabei bei den Männer nicht den Ductus deferens oder die Vv. testiculares kaputt machen (beides für die Familienplanung ungünstig) und bei den Frauen nicht das crashen, was durch den Leistenkanal läuft. Und was wäre das? Weiß es noch jemand? Klar, das Lig. ueres uteri , was zum einen die Anteversio und Anteflexio des Uterus bewirkt und außerdem auch insgesamt ein wichtiges Aufhängeband ist. Wie ich heute gelernt habe, bekommt man mit einem durchtrennten Ligamentum zum einen eher einen Uterusprolaps und zum anderen evtl. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Klarer Fall von wieder was gelernt. Nach der Präparation des Bruchsacks muss das Peritoneum in einer Fläche abpräpariert werden, so dass das Netz reinpasst und auch die Schwachstelle in der Bauchwand stabilisiert. Danach das Netz rein und schön ohne Falten anlegen, Firbin-Kleber drauf und das Peritoneum wieder zusammen nähen. Und tatatata… das wars auch schon. Trokare entfernen, Zunähen, fertig. Hört sich alles leichter an als getan, aber die erste Leistenhernie war wirklich schön und schnell, auch wenn wir zwischendurch immer Probleme mit einem unscharfen Bild hatten. Das lag allerdings aber nicht an mir! J Bei der zweiten Patientin hatten wir etwas Pech, denn der erste Schnitt im Bauch ging aufgrund von Sichtproblemen direkt in die V. epigastrica inferior. Da wurde es dann doch leicht hektisch im Saal, bis wir die Vene mit einigen Titan-Clips abklemmen konnten. Auch danach hat es immer wieder leicht geblutet, weil die Patientin ein extrem vulnerables Gewebe hatte. Außerdem war sie sehr schlank, weshalb zwischen Peritoneum und Gefäßen keine Schicht lag. Insgesamt hat die OP dann doppelt so lang gedauert wie die erste, also zwei Stunden. Die Erkenntnis aus dieser OP war dann, dass man schlanke Patienten nicht TAPPen sollte, sonder offen operieren sollte. Das geht schneller und bring für den Patienten weder kosmetische Nachteile noch ein schlechteres Outcome.

Auf jeden Fall war das heute ein ereignisreicher und schöner Tag. Auch wenn ich nicht für die Innere-Klausur nächsten Montag getan habe, aber gelernt habe ich auf jeden Fall wieder eine ganze Menge.

Die nächste Herausforderung steht auch schon  vor der Tür: Eine Doktorarbeit in der Orthopädie, die mich auch wieder in den OP führen wird…

ASK und ME mal zwei

26. Januar 2010 geschrieben von sandra

Und schon ist leider wieder einer meiner dienstäglichen OP-Einsätze vorbei. Auch heute gab es wieder einiges zu tun.

Als erstes haben wir wieder eine STS-Plastik, also eine Vordere Kreuzband-Plastik gemacht. Die Sehnenentnahme wir d auch immer besser, denn dieses Mal haben wir gleich beim ersten Versuch eine ausreichend lange Sehne erwischt. Während mein Chef die Sehne präpariert hat, durfte ich mich schon mal an der Hautnaht von der Sehnenentnahme zu schaffen machen. Allgemein waren wir richtig schnell. Erstens war er schon vor-arthroskopiert, das kaputte Kreuzband war bereits reseziert und die STS-Plastik vorbereitet. Zweitens hatten wir keine Sichtprobleme wie beim letzten Kreuzband. Wir haben dann noch einmal geschaut, ob die Menisken in Ordnung sind. Der Innenminiskus war in der Mitte komplett abgelöst (so eine Art Korbhenkel-Riss) und vor die Femurkondyle  geklappt. Den haben wir dann reseziert und die Bohrungsstelle noch etwas gesäubert.  Dann erst die femorale und dann die tibiale Bohrung gemacht, das Transplantat eingebracht, die Interferenzschrauben eingesetzt, und fertig. Das ganze innerhalb einer Stunde. Echt schnell… Wie immer durfte ich die Redon „einbauen“, die Annaht machen und die restlichen Schnitte nähen.

Die zweite AKS (Arthroskopie) war eine im MRT festgestellte Läsion des Innenmeniskus-Hinterhorns. Das war auch wirklich eingerissen und wir haben es reseziert. Das Beste an der OP war, dass ich so viel selbst machen durfte: Aufbauen, Schnitte setzten, Trokare einbringen, Kamera einbringen und die ganze Zeit führen, und zum Schluss natürlich alle Nähte machen. Bei beiden ASKs hat es dieses Mal auch auf Anhieb funktioniert die Redons anzuknoten.  Danach war noch eine Metallentfernung (ME) geplant. Nach einer Tibiafraktur mit Plattenosteosynthese haben zwei Schrauben die Fibula arodiert. Somit mussten wir sie unter Röntgenkontrolle (sonst weiß man ja nicht, welche der ca. 10 Schrauben man hat) entfernen. Nähen war wie immer meine Aufgabe.

Danach wäre ich eigentlich fertig gewesen, aber wie immer gibt es zu wenig Assistenten. Also habe ich noch beim Chef bei einer ME am Metacarpale 5 assistiert. Die erste Frage war gleich, ob ich denn Haut nähen kann. Ja, jetzt schon. Ich weiß nicht so ganz, ob der Chef so begeistert war. Er hat mir sichtlich ungern die Hautnaht überlassen, nachdem er die erste Einzelkopfnaht gesetzt hatte. Also habe ich mir extra viel Mühe gegeben  und mir Zeit gelassen. So ist die Naht auch richtig schön geworden.

So, und jetzt wird noch ein wenig Innere gelernt.

Dienstag ist OP-Tag

19. Januar 2010 geschrieben von sandra

Wie die Überschrift schon ahnen lässt war ich heute wieder mit Eifer im OP und hab fleißig assistiert. Schon angekündigt war eine Vordere-Kreuzband-Plastik, die ich vor zwei Wochen das erste Mal mitgemacht hatte. Vom Rest wusste ich leider vorher nichts, da mein Chef vergessen hatte, mir den OP-Plan zu mailen. Aber es geht ja nichts über Überraschungen. Als ich eine Leistenhernie auf dem Plan stehen sah, war ich doch reichlich erstaunt. Ich habe bisher noch nie erlebt, dass mein Chef planmäßig etwas Visceral-Chirurgisches operiert hat. Aber einmal ist immer das erste Mal (zumindest, dass ich dabei war) und bei genauerem Überlegen ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, denn mein Chef ist ja Allgemein- und Unfallchirurg. Wie dem auch sei…

Die Kreuzband-Plastik war leider nicht besonders schön. Bei der letzten war das Vordere Kreuzband schon während einer ersten Arthroskopie reseziert worden und das Knie „gesäubert“. Bei diesem war noch nichts gemacht und ein riesiger Hoffa-Fettkörper hat uns ständig die Sicht versperrt. Den zu resezieren war durchaus mühsam und einfach nur nervig. Aber die OP ging insgesamt recht schnell und ich hoffe mal, dass ich noch etwas mehr gelernt habe als beim letzten Mal.

Als Entschädigung für die Kreuzband-Plastik kam die Leistenhernie absolut gelegen. Der Patient hatte eine Spinal-Anästhesie und war nicht gerade eine Spargel-Tarzan. Eigentlich ist eine Leistenhernie langweilig, aber diese war wirklich klasse! Es war keine TAPP, sondern eine offene OP. Als erstes sollte ich sollte ich den Beckenkamm mit der Spina iliaca anterior superior und inferior, das Schambein bzw. den Pecten ossis pubis und das Leistenband tasten. Parallel zum Leistenband wurde dann der Schnitt gemacht. Als erster Assistent war es meine Aufgabe mit einer Brennpinzette die Blutungen zu stillen, während wir uns mit monopolarem Strom Richtung Externus-Faszie arbeiteten. Gar nicht so einfach mit der linken Hand die kleinen Gefäße mit der Pinzette zu fassen, vor allem wenn man zwischendurch einen kleinen Springbrunnen hat und nichts mehr sieht. Auf dem M. externus abdominis konnten wir den Funiculus spermaticus isolieren und auch noch einen kleinen aber feinen Nerven sehen. Danach haben wir rund um den Samenstrang ein Netz eingebracht, dass kaudal am Leistenband fortlaufend festgenäht wurde (Lichtenstein-OP). Zu meinem Erstaunen war danach ich an der Reihe. Ich durfte die Externus-Faszie nähen, dann die Bauchfaszie und schließlich auch noch die Hautnaht machen. Wahnsinn! Ich weiß schon, wieso mein Chef so ein guter Lehrer ist und warum mir das Assistieren so Spaß macht. Praktisches Lernen ist eben genau mein Ding. Was ich allerdings noch mal üben muss ist Redons Festknoten. Das ist immer noch eine Glückssache, ob der Schlaub wirklich fest ist. Aber das wird auch noch, denn die nächste Arthroskopie kommt bestimmt…

Nachdem wir wieder Erwarten schon um 16.30 Uhr fertig waren, habe ich mal wieder einen Sprint durch die Altstadt zum Bus hingelegt um pünktlich zur Semestersprecher-Sitzung an der Uniklinik zu sein. Was tut man nicht alles…

Ein voll-ausgenutzter Tag

19. Januar 2010 geschrieben von sandra

Bisher hatte ich leider keine Zeit mehr von diesem verrückten Tag zu erzählen, da ich das Wochenende auf dem 70. Geburtstag meiner Oma verbracht habe.

Letzten Donnerstag hieß es wie immer um 7.00 Uhr aufstehen, fertig machen, auf dem Weg zum Bus einen Großeinkauf beim Bäcker tätigen und um 7.40 Uhr mit dem Bus Richtung der Orthopädischen Klinik zu fahren. An diesem Tag hatten wir Kinderorthopädie, was wirklich sehr spannend, lehrreich und mit diesem Dozenten sehr unterhaltsam war. Wir hatten sogar einen 14-Jährigen Patienten mit einer ausgeprägten Skoliose. Um 11.30 Uhr ging es dann wieder per Auto an die Uniklinik. Nach einem schnellen Mittagessen mussten wir dann die Umweltmedizin-Klausur über uns ergehen lassen. Mein Lernaufwand beschränkte sich auf das Durchblättern einiger Vorlesungen und das Kreuzen einiger Fragen. Ich bin auch froh, dass ich nicht mehr gemacht hatte, denn ich denke ich habe auch mit minimalem Lernaufwand bestanden.

Nach der Klausur bin ich runter an die Uni gelaufen, da an diesem Tag die Medifete im Medrondell steigen sollte. Dadurch dass ich die Erste unten war begann ich mit dem Malen der Bar-Plakat  mit Angeboten und Preisen. Da konnte ich meine künstlerische Ader mal wieder so richtig ausleben ;) Danach half ich noch beim Abkleben der Wände und habe ca. 100 Kisten Bier nach drinnen geschleppt. Dabei sind mir auch einmal 4 Kästen vom Sackkarren gekippt, aber ohne dass eine einzige Flasche zu Bruch ging. Danach bin ich direkt wieder an die Uniklinik gelaufen, denn dort fand der Tape-Kurs statt. Der war auch wirklich klasse, denn wir konnten in einem Hands-on-Workshop richtig praktisch lernen, wie man tapen kann. Wir haben außerdem gelernt, wie man die Anleitungen für Tape-Verbände in Büchern richtig liest. Praktisch haben wir uns gegenseitig jeweils einen Verband bei Muskelfaserriss in der Wade und einen OSG-Verband gemacht. Das macht wirklich Spaß, auch wenn es mir selbst nicht wirklich was bringt, denn selbst tapen kann ich mich ja schlecht. Aber probieren werden wir das auf jeden Fall noch mal…

Den Tape-Kurs musste ich leider vorzeitig verlassen, denn ich war ja um 20.00 Uhr zum Klettern verabredet. Ich fuhr also nach Hause, zog mich innerhalb von 5 Minuten um und war wieder weg. Trotzdem dass ich 15 Minuten zu spät dran war, war meine Kletter-Partnerin immer noch nicht fertig. Hat aber auch nix gemacht, denn die Zeit hat uns zum Klettern trotzdem gereicht. Das Klettern war wie immer super, denn man kann sich auspowern und bekommt den Kopf frei. Nach dem Klettern war ich um 23.20 Uhr wieder zu Hause. Da bin ich kurz unter die Dusche gesprungen und war mit dem Fahrrad um 0.00 Uhr an der Uni bei der Medifete. Dort konnte ich noch eine dreiviertel Stunde feiern, bevor ich um 0.45 Uhr zu meiner 3,5-stündigen Schicht hinter der Bierbar antreten musste. Um 3.45 bin ich dann nach Hause gefahren und lag um 4.15 in meinem Bett.

Um 7.15 musste ich leider wieder aufstehen, denn die Orthopädie rief. Vom Hand-Seminar konnte ich wenigstens noch ein paar Dinge mitnehmen, aber bei der Patienten-Untersuchung konnte ich meine Augen kaum noch offen halten. Nach dem Ende der Qualen fuhr ich nach Hause, nur um zu packen und dann mit meinem Eltern zu meiner Oma zu fahren. Auch die eineinhalb Stunden Schlaf im Auto hatten leider  nicht den gewünschten Effekt und der Tag ging müde zu Ende. Das Wochenende wurde leider auch nicht besser, da ich der Oma-Sitter war. Das beinhaltete sehr frühes Aufstehen, Spüldienst, Chauffiere-Service, usw. Die Feier war wirklich schön. Vor allem war es schön, die weiter weg wohnende Verwandtschaft endlich mal wieder zu sehen. Und auch unsere Geschenk, eine Familien-Reise nach Rom, am gut an.

Das Schlaf-Defizit habe ich dann am Montag darauf nachgeholt. Nach Orthopädie war ich so müde, dass ich in der Vorlesung sowieso nur eingeschlafen wäre. Also bin ich nach Hause gefahren und habe trotz Baustelle in der Nachbarwohnung (Presslufthammer, Fräse, alles was so richtig schön laut ist…) 5 Stunden geschlafen, Oropax sei Dank. Auch die Nacht hat das Schlafdefizit mit 8 Stunden noch mal verkleinert. Mal sehen wie sich diese Woche noch entwickelt.

Schon beginnt der übliche Semester-Stress

11. Januar 2010 geschrieben von sandra

Erster Tag wieder Uni nach den „Weihnachtsferien“ und schon wieder leicht gestresst. Super.

Es hat heute früh schon damit angefangen, dass ich mit Auslassen des Frühstücks (!) um 6.00 Uhr aufstehen und um 6.41 Uhr einen Bus erwischen musste. Eigentlich frühstücke ich immer einigermaßen gemütlich zu Hause, aber vor 6.00 Uhr bekommt mich keiner aus meinem Bett! Dann hab ich mir gestern auch noch gedacht, heute gehe ich eher ins Bett. Nix war´s. Nachmittags um 4 bin ich ungewollter Weise eingepennt und konnte dementsprechend natürlich nicht früh schlafen. Nachdem ich dann um 00.00 Uhr in meinem Bett lag musste ich ein ums andere Mal wieder feststellen, dass ich mit knurrendem Magen leider nicht schlafen kann. Also noch mal aufstehen und 3 Reiswaffeln futtern (ja, der Kühlschrank war leer). Bis ich dann eingeschlafen bin war es ca. 1.00 Uhr. Die Woche fängt ja schon mal großartig mit nur 5 Stunden Schlaf an…

Wie sollte es auch anders sein: Während des ganzen Wochenendes bleibt das Schneechaos hier aus und es schneit fast nicht. Aber kaum müssen wir in eine auswärtige Klinik fürs Orthopädie-Praktikum schneit es über Nacht natürlich wie die S**. Nichts desto trotz sind wir um 6.41 Uhr zu einer Kommilitonin gefahren, die uns dann von sich aus in ihrem Auto mitgenommen hat. Gefunden haben wir die Klinik relativ leicht, der Parkplatz war dann schon etwas schwieriger. Und von wegen die Morgenbesprechung beginnt um 7.30 Uhr wie es auf dem Plan steht … Montag bis Donnerstag um 7.45 Uhr und Freitag erst um 8.30 Uhr. Naja, immerhin kann ich morgen 20 Minuten länger schlafen. Mit dem eher ins Bett gehen wird es sowieso wieder nix, das sehe ich schon kommen…

Auf jeden Fall wurden wir zur Morgenbesprechung herzlich vom Chef begrüßt und haben auch was erklärt bekommen. Danach gab es ein Seminar zu den wichtigsten orthopädischen Untersuchungen bzw. Untersuchungstechniken, die wir danach auch noch mal praktisch geübt haben. Ich bin gespannt auf morgen, denn dann sollen wir auf die Patienten losgelassen werden ;)

Nach dem Blockpraktikum sind wir an die Uniklinik gefahren, erst mal Mittagessen. Jetzt gibt es zwar Mitarbeiter-Preise in der Cafeteria, dafür ist das Essen in der Kantine aber schon wieder teurer geworden! Aber meine Gebete wurden erhört: Es gab tatsächlich mal was anderes außer Joghurt zum Nachtisch, wenn man keinen Pudding mag. Es gab Kuchen, der auch richtig gut war. Den konnte ich allerdings nur zum Teil genießen, weil sich eine andere Kommilitonin bis zum letzten Moment leider nicht entscheiden konnte, ob sie oder ich das Tutorium halten sollte. Schließlich rief sie dann an und ich sollte doch das Tutorium halten. Danach ging es wieder in die Vorlesung, die sogenannte „Mittagsschiene“. Dieses Mal waren dem ARDS (acute respiratory distress syndrom) 45 Minuten der Inneren und malignen Weichteiltumoren 45 Minuten der Chirurgie gewidmet. Beide Teile waren  mit Fallbeispielen nicht schlecht, aber die Müdigkeit hatte mich doch am Ende der Inneren-Vorlesung kurzzeitig im Griff.

Danach ging es in unser neues Skills Lab-Gebäude, denn ich sollte ja das Einzelskill-Tutorium halten. Glücklicherweise hatten sich für diesen Termin keine Studenten angemeldet, so dass ich mir nicht noch kurz vorher das Kurs-Konzept aneignen musste. Stattdessen haben wir Schränke aufgebaut und ganz viele Sachen ausgepackt. Nachdem alle anderen Tutoren pünktlich da waren, habe ich dank einem Freund und seinem Auto noch einen Abstecher an die Vorklinik in die Anatomie gemacht. Meine Unterlagen für den Anatomie-Hiwi mussten bis spätestens Mittwoch bei der Sekretärin auf den Schreibtisch liegen. Ich hatte Glück, denn ich habe mit eingebildet, dass da irgendwo bestimmt ein Briefkasten für den Lehrstuhl sei. Ja von wegen! Nix da. Aber da kam mit unser Professor aus seinem Büro entgegen und er hat meine Unterlagen bei seiner Sekretärin auf den Tisch gelegt. Das war knapp. Einen zweiten Versuch, die Unterlagen vorbeizubringen, kann ich diese Woche leider nicht mehr unterbringen.

Danach ging durch ein paar Zentimeter Schnee zu Fuß wieder rauf an die Uniklinik, denn schließlich war ja Fakultätsrats-Sitzung. Nur gut, dass ich tendenziell eher zu früh dran bin, denn die Sitzung wurde kurzfristig in einen anderen Raum verlegt. Irgendwann verlange ich Kilometergeld!!! Naja, diese Sitzung war doch ganz interessant. Man lernt so ziemlich alle Professoren kennen und kann die eine oder andere Entscheidung beeinflussen und mitentscheiden, so zum Beispiel die Besetzung von Professuren usw. Leider war von den anderen Humanmedizin-Vertretern keine Spur…

So, jetzt bin ich zu Hause, habe natürlich noch absolut nichts gelernt (wird auch nicht mehr passieren, es ist schon nach 23.00 Uhr). Die Woche wird nicht besser. Morgen früh wieder Orthopädie, dann ab 13.00 Uhr zum Arbeiten in den OP, um 17.30 Uhr wieder an der Uniklinik sein für ein Gespräch mit dem Dekan. Mittwoch Fachschafts-Sitzung. Donnerstag Umweltmedizin-Klausur (wann soll ich denn da noch was für tun???), Tape-Kurs und Medifete (mit einer Schicht von 1.00-3.15 Uhr hinter der Bar). Am Freitag natürlich um 8.30 wieder Orthopädie und danach direkt zu meiner Oma fahren, weil die am Samstag ihren 70. Geburtstag hat. Das wird noch spaßig…

Aufstieg zum PJler

9. Januar 2010 geschrieben von sandra

Nun habe ich mein „Nach-Dienen“ für das Blockpraktikum Chirurgie auch hinter mir. So nett hat es einer unserer Assistenten formuliert. Aber alles halb so schlimm.

Der zweite Tag startete mit der Morgenbesprechung so wie immer, außer dass der Beamer kaputt war und wir so keine Röntgenbilder hatten. Ich wurde vom Chef sogar mit Namen begrüßt, dafür aber mehr oder weniger vergessen. Ja, man muss sich da eben Arbeit suchen. Das hab ich dann auch auf Station. Zusammen mit einer PJlerin hab ich dann Blut abgenommen.  Während sie gerade am stechen war klingelte das PJ-Telefon. Ich durfte notgedrungener Maßen ran gehen. Der Saal 1 brauchte Hilfe. Also war meine PJlerin schnell verschwunden. Dann bin ich erstmal zu unserer Assistentin und wollte wissen, wo denn der Rest der PJler ist um ihnen das Telefon zu bringen. „Nee, brauchst du doch nicht. Behalt doch einfach mal das Telefon.“ Ok, das Ding heißt zwar nicht umsonst PJ-Telefon aber na gut… „Könntest du auf Zimmer 11 bitte beim Herrn im ersten Bett die Fäden ziehen?“ Ähhhm, ok, so war der Tag nicht geplant. Ist nur gut, dass ich im Sommer schon 4 Wochen in der Chirurgie famuliert habe. Da war ich zwar auch fast nur im OP, aber Verbinden, Redons und Fäden ziehen kann ich dann doch. Also, her mit dem Verbandswagen und los geht’s. Hat auch relativ lange gedauert, weil der Patient einen medianen Schnitt vom Rippenbogen bis zum Schambein hatte, dazu noch eine Port-Anlage. Die Bauch-Naht war fortlaufen, die Port-Naht waren Einzelknopfnähte. Also, kurz überlegen, wie war das schnell wieder? Erstmal Sterilgut im Verbandswagen suchen. Gar nicht so schwer, denn es ist ja alles beschriftet. Also auf die Suche nach einer chirurgischen Pinzette und Fadenmesser. Die waren auch schnell gefunden. Dann Handschuhe anziehen, Tupfer suchen und erst einmal desinfizieren. Und dann geht das Gefiesel los. Immer jeden dritten Faden durchschneiden und den Faden dann mit der Pinzette rausziehen. Danach noch mal desinfizieren und neues, steriles Pflaster drauf. Nach diesem Patienten durfte ich dann noch ein wenig Blut abnehmen, bis schließlich das Telefon klingelte und eine weitere PJlerin wissen wollte, wo ich bin. Nach ca. 1 Stunde war ich das Telefon wieder los, ohne das es ständig geklingelt hat. Danach war der Tag eher langweilig. Hier und da noch ein wenig Blut abnehmen, die ein oder andere Braunüle legen und noch einige Verbände. Nachdem ich in der Notaufnahme vorbeigeschaut hatte, wo ich auch den Kommentar bekommen habe „Und du musst jetzt hier Nach-Dienen, oder wie? Wer ist denn auf die Idee gekommen?“ Im Aufzug habe ich dann eine Kommilitonin aus dem 3. Semester getroffen, die ihre alte Station vom Pflegepraktikum besuchen wollte. Schon lustig, auf der gleichen Station habe ich vor über 2 Jahren auch 60 Tage Pflegepraktikum gemacht. Wie sollte es auch anders sein, der Stationsleiter kannte mich auch noch. Ich hatte dementsprechend gegenüber den PJlern auch einen gewissen Vorteil, denn ich wusste wo manche Sachen sind. Der Rest des Tages war aber wirklich langweilig, so dass ich dann um 11.30 Uhr wirklich nach Hause gegangen bin.

Der dritte Tag war dann umso besser. Früh wieder Morgenbesprechung, wobei ich mich dieses Mal gleich an die PJler gehängt habe. Noch schnell einen Kaffee trinken und dann in den OP, nach Absprache natürlich, denn die andere PJlerin war vom OP sowieso nicht so begeistert. Ich war bei allen OPs im Saal 2 die einzige Assistenz. Als erstes haben wir eine Ileostoma-Rückverlagerung gemacht. Das war recht interessant, denn die Dame hatte auch noch dazu eine parastomale Hernie durch die sich eine Dünndarmschlinge gemogelt hatte. Also erst einmal das Stoma zunähen, dann freipräparieren (nicht so ganz einfach durch die Hernie), Anastomose nähen und wieder zumachen. Beim Zunähen meinte der Chirurg so zu mir Und knoten müssen Sie jetzt. Hmmm, ist ja echt witzig, dass man da noch nicht mal gefragt wird, ob man das auch kann. Ich kann das dank mittlerweile einiger OP-Erfahrung schon, aber ich glaube nicht, dass das jeder Student im 3. klin. Semester gut kann. Wie auch immer… Danach waren noch 3 laparoskopische Cholezystektomien an der Reihe. Jeder Operateur macht das anders. Hier waren es  nur der Operateur und ich. Wo ich Famulatur gemacht habe mussten es immer Operateur und ein Assistent zum Kamera führen sein. Auf jeden Fall waren die 3 Gallen ruck zuck draußen. Und ich konnte nach einem leckeren Mittagessen um 14.00 Uhr nach Hause.

Der nächste OP-Termin steht auch schon fest. Nächsten Dienstag stehen bei unserem Belegarzt bis jetzt 2 Arthroskopien und eine Schulter-Arthroskopie mit Verdacht auf Rotatorenmanschetten-Ruptur und evtl. Refixation  auf dem Plan. Ich bin gespannt, denn ich habe noch nie eine Schulter-OP gesehen. Auch die nächsten zwei Wochen in der Uni werden bestimmt super, denn wir haben Orthopädie und davon hört man nur Gutes.