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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Famulaturbericht: Uniklinikum Göttingen, Anästhesie



katrin1
27.06.2004, 14:14
1. Allgemeine Daten zur Klinik
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- Stadt
Göttingen

- Klinik
Uniklinikum der Georg-August-Universität

- Abteilung
Anästhesiologie (Abteilung 1 und 3)

- Chefarzt
Prof. Dr. Dr. Kettler, Prof. Dr. Braun

- Ansprechpartner
Frau Ahlbrecht, Telefon: 0551/398826, E-mail: gahlbre@gwdg.de

- Postalische Adresse der Klinik
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen

- Internetadresse der Klinik
http://www.mi.med.uni-goettingen.de/zari/navigation.htm

2. Betreuung und Arbeitsklima
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- Von wem wurdest du betreut?
Am ersten Tag meldet man sich an der Leitstelle im OP-Bereich. Ruhig ein paar Minuten früher da sein, in dem Bereich mit 28 oder mehr OP's muss man sich erstmal zurechtfinden. In den OP-Trakt kommt man nur mit einer freigeschalteten Chipkarte oder eben wenn jemand einen mit hineinlässt. Die Karte kann man sich später mit Oberarztunterschrift im Kartenbüro freischalten lassen. Ansonsten muss man halt warten bis jemand kommt. Vorsicht: Im Umkleidebereich wird geklaut! Man kann seinen Rucksack ruhig mit in den OP-Trakt nehmen und in einem Anästhesieschrank lagern. Ist sicherer. Man wird dann am ersten Tag einem Assistenten zugeteilt, dem man ab dann hinterherläuft. Generell zuständig für die Studenten im OP ist soviel ich weiß Prof. Dr. Crozier, das kann sich aber geändert haben.

- Wie schätzt du die Betreuung ein?
In meinem Fall war sie super!!! Ich wurde einem sehr netten Assistenten kurz vor der Facharztprüfung zugeteilt, der mich langsam aber sicher mehr und mehr machen ließ und quasi permanent sowohl von sich aus als auch auf Fragen von mir erklärte und mir Fragen stellte.
Von Kommilitonen habe ich allerdings auch gehört, dass es passieren kann, dass man keinen festen Assistenzarzt hat (weil die am ersten Tag alle von PJlern "besetzt" waren o. a.) und sich jeden Tag einem neuen Arzt anschließen muss, der einen dann natürlich nicht kennt und entsprechend weniger zutraut.

- Gibt es Famulanten, PJler oder AiPler auf Station im Haus?
Die Anästhesie im Uniklinikum ist bei den PJlern recht beliebt, von daher sind immer welche da. Es werden mehrere Famulanten gleichzeitig genommen. Man bekommt aber voneinander nicht besonders viel mit, da eben im OP-Bereich jeder "seinen" Assistent hat, dem er folgt. AIPler gibt es ebenfalls viele.

- Wie war der Umgang im Team?
Grundsätzlich freundlich und von seiten der Anästhesieschwestern- und pfleger viel netter, als man es oft auf Station erfährt. Die Anästhesisten, die ich kennengelernt habe, waren ausnahmslos freundlich, die Operateure reagierten auf Fragen unter der OP unterschiedlich, wie das halt so ist....

3. Praktische Tätigkeiten / Aufgaben / Tagesablauf
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- Welche Vorkenntnisse hattest du?
9 Semester Medizinstudium, mehrere Famulaturen in chirurgischen Fächern, Innere Praktikum, keinerlei Vorkenntnisse in Anästhesie oder Rettungsmedizin. Ich hatte bis dahin auch immer recht viel Respekt vor den technischen Aufbauten in der Anästhesie....

- Dein Aufgabengebiet
Ich war während der Famulatur ausschließlich im OP-Bereich, zu Tätigkeiten von Famulanten auf der Intensivstation kann ich also nichts sagen. Man begleitet die Narkose eines Patienten und darf nach und nach mehr machen. Man zieht Medis auf, verabreicht sie, kann sich mit unterschiedlichen Infusionsystemen vetraut machen, macht Blutentnahmen, lernt die Überwachung der Vitalparameter und die Interpretation von BGA's, assistiert beim Legen von ZVK's und Arterien und kann täglich mehrere Braunülen legen und das wirklich gut lernen. Ich habe außerdem Maskenbeatmung gelernt, durfte nach ca. einer Woche intubieren und mit der Larynxmaske umgehen. Am Ende der OP hilft man bei Lagern und bringt den Patienten in den Aufwachraum. Ab ca. 14.00 Uhr kann man beim Prämedizieren mitlaufen (ich fand's immer nicht schlecht, die Patienten für den nächsten Tag schon zu kennen und von daher sinnvoll) und evtl. ein bisschen Anamnese erheben... Da ich hauptsächlich im HNO-OP war, habe ich leider keine Regionalanästhesien mitbekommen, außer einer PDA während eines Dienstes.

- Arbeitszeiten
7.30 Uhr bis ca. 15.30 Uhr, freiwillig Dienste bis 24.00 Uhr, dann am nächsten Tag frei.

- Beschreibe kurz deinen Tagesablauf
Morgens um 7.15 Uhr da sein, umziehen den OP suchen (kann anfangs durchaus ein paar Minuten dauern), meist sind der erste Patient und der Anästhesiepfleger schon da, dann helfen beim Verkabeln und Lagern des Patienten, bei der Narkoseeinleitung, Überwachung und Ausleitung. Zwischen den OP's kann man Kaffeepause machen, zwischendurch in der Kantine Mittagessen. OP-Ende gegen 14.00 Uhr, dann Prämedikationsvisite, freitags früher Schluss. Wenn der Assistent Dienst hat, löst er einen Kollegen bei länger dauerndem Eingriff ab, bis zum OP-Ende und wird dann bei Bedarf angepiept.

4: Drumherum
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- Verpflegung
Kantine außerhalb des OP-Bereiches. Für Kaffeepausen empfielt es sich, sich etwas zu essen mitzunehmen.

- Möglichkeit der Unterkunft für Auswärtige/Verkehrsanbindung
Hm, dazu kann ich nicht viel sagen. Vielleicht am besten zur Zwischenmiete in einem Studentenwohnheim anfragen.

- Arbeitskleidung
Wird gestellt (wie überall in der OP-Umkleide zu finden).

5: Resumee / Fazit
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- Was hat dir sehr gut gefallen?
Ich war wirklich Student (nicht ausschließlich Blutabnehmer, wie auf manchen Stationen) und konnte ganz viel lernen und fragen. Meine Betreuung war super und mir hat der Platz am anderen Ende der Blut-Hirn-Schranke sehr gut gefallen. Von den OP's bekommt man auch von dieser Seite aus viel mit und kann Fragen stellen. Es war schön, viele kleine praktische Handgriffe zu lernen und zu merken, wie einem schrittweise mehr zugetraut wurde. Die Stimmung war freundlich und nicht gestresst, die Arbeitszeiten entspannt.

- Was hat Dir überhaupt nicht gefallen?
Hm, eigentlich nichts. Ich hätte gerne mal 'ne Spinale gesehen, aber das ergibt sich im PJ sicher noch.

- Wenn Du Deinen "Zustand" (emotional und in Bezug auf fachliche Kenntnisse) vor dem ersten und nach dem letzten Tag vergleichst, wie würdest Du die Entwicklung während der Famulatur einschätzen?
Ich habe die Scheu vor dem ganzen Anästhesieapparat verloren und einen kleinen Überblick über Narkoseführung bekommen. Fachlich habe ich einige Medikamente kennen gelernt, was mir jetzt bei Kreuzen fürs 2. immer mal wieder zugute kommt, mal wieder die Atmungs- und Kreislaufphysiologie rekapituliert und bin in vielen praktischen Tätigkeiten viel sicherer geworden.

- Dinge, die Dir sonst noch so spontan einfallen, sind z.B. [...]
Lohnt sich! Ich finde die Anästhesie auch als erste Famulatur geeignet. Unbedingt Dienste mitmachen, da bekommt man nochmal einen anderen Einblick.

:-)

blanko
27.06.2004, 16:22
Kann mich da nur anschließen. Habe dort auch famuliert und fand es super. Endlich mal richtig handwerklich tätig werden und die Patienten störts auch nicht, wenn man für ne Braunüle mal länger braucht....die schlafen ja :-))

:-top :-top :-top

Die Niere
27.06.2004, 16:59
Toller Bericht Katrin...hat wirklich Spass gemacht, ihn zu lesen. Würde mich freuen auch noch andere motivieren zu können so etwas zu schreiben.

liebe gruesse, die niere

Vystup
01.07.2004, 01:33
wo wir gerade bei anästhesie in göttingen sind: kann das ek weende nur wärmstens empfehlen, insbesondere wenn man ein bißchen regionalanästhesie machen möchte. man darf sehr viel machen (auch mal spinale stechen), das klima ist wirklich enorm gut und es ist etwas weniger unübersichtlich als in der uni. das op-spektrum ist sicherlich kleiner, auch die für anästhesisten interessanten hochrisiko-OPs mit katecholamin-perfusoren, etc. sind eher selten, dafür kann man die standard "diso-rapi-esmeron"-narkose hinterher im schlaf. ich find es eigentlich sinnvoller, eine sache richtig zu machen, statt überall mal reinzuschauen und nicht wirklich viel mitzunehmen.

chef ist prof. schenk und auch die oberärzte sind allesamt sehr sehr umgänglich. insbesondere von den op-pflegern kann man eine ganze menge lernen, ein gutes verhältnis zu denen ist also auch wichtig.

Kristian
06.07.2004, 13:15
Habe darüber nachgedacht in den Semesterferien ne Famulatur in Anästhesie zu machen. Bin allerdings erst im 1. klinischen und habe also noch keinen Anästhesiekurs gehabt... Macht das trotzdem Sinn, oder würdet ihr eher davon abraten? Praktische Fertigkeiten (Viggos, evtl. Intubation wenn man darf,...) kann man da doch sicher trotzdem ganz gut lernen?!

Wie läuft das mit der Bewerbung beim Klinikum bzw. beim EK Weende? Ist das unkompliziert und kurzfristig machbar? Ist ja jetzt schon recht knapp....

Schon mal Danke im voraus!
Gruß Kristian

Vystup
06.07.2004, 15:44
Sie haben Post.

katrin1
06.07.2004, 21:53
Hi :-)
wie im Bericht geschrieben einfach bei Frau Ahlbrecht (Sekretärin von Prof. Hellige glaube ich) anfragen.
Ich find' Anästhesie gut geeignet für die erste Famulatur.