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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nottwil, CH, UA (PJ)



statuscuriosus
09.08.2004, 20:35
Nottwil
SPZ (Schweizer Paraplegiker Zentrum)
Innere
Dr. Michel

Tätigkeit PJ


Bewerte folgende Punkte mit Schulnoten: 1 2 3 4 5

1. Arbeitsklima 3

2. Weiterbildungsangebot 4

3. Forschungsaufwand/Möglichkeiten weiss nicht, aber es wird grade ein neues Forschungszentrum gebaut, das zum SPZ gehört.

4. Zeitliche Arbeitsbelastung 4

5. Bezahlung 1

6. Karrieremöglichkeiten 3


zu 1. Arbeitsklima kommt auf die Station an. Auf einigen Stationen empfinde ich es als sehr nett, auf andern einfach nur nervig. In der Schweiz haben die Schwestern wesentlich mehr Macht, als hier in D. Dort bestimmt teilweise nicht der Assistenzarzt oder OA, wann Visite läuft, sondern die Schwestern. Und wenn die grade ihr Znüni haben, d.h. ihre Frühstückspause, dann hatte ich das Gefühl, dass gar nichts läuft mal. Aus meiner Wahrnehmung auch nicht, wenn ein Patient dringend abgesaugt werden müsste, weil er schlecht Luft kriegt. Da ist die Frühstückspause dann schon wichtiger. Und wichtige Sachen werden teilweise vom Pflegepersonal nicht weitergegeben (wie z.B. Herzbeschwerden), dafür klopft aber alle paar Minuten eine Schwester an und fragt, ob die den Feigensirup bei Patient XY von 10 auf 5 ml reduzieren darf. Und ob die RR-Messungen nicht reduziert werden können auf einmal wöchentlich.
Will sagen, das Pflegepersonal ist häufig sehr konzentriert auf Nichtigkeiten, und achtet nicht auf die wichtigen Sachen. (da, wo ich in D als Schwester gearbeitet habe, wär die Hälfte der Schwestern dort schon gekündigt worden).

Was es dort noch gibt, was ich aus D nicht kenne: ein Rapport jagt den nächsten. Mehrmals täglich finden sie statt, z.B. Frührapport, Sozialrapport, Röntgenrapport, Reha-Rapport... Diskussionsrunden, in denen teilweise jeder Patient einzeln besprochen wird.

zu 2. Das Patientengut beschränkt sich auf Querschnittsgelähmte in allen Altersgruppen (ausser Kleinkinder), entweder durch Unfall oder andere Erkrankungen bedingt.
Wenn man sich für Paraplegiologie interessiert, hat man sicherlich gute Weiterbildungsmöglichkeiten. Wenn man jedoch in eine andere Fachrichtung will, bringt einem das SPZ nicht unbedingt viel weiter.

zu 3. es wird gerade ein zum SPZ gehörendes Forschungszentrum direkt nebenan gebaut.Ich denke, wer Interesse daran hat, kann sich sicherlich dort in Zukunft mit einbringen.

zu 4. schon so lange her, mal überlegen... ich glaube, wir haben so gegen 7:45 angefangen und ich glaube, um 16:45 ist immer Röntgenrapport. Und nach dem kann man gehen.


zu 5. ziemlich gut, ich glaube, die bestbezahlte PJ-Stelle, die mir bekannt ist. Exakt weiss ich es nicht mehr, aber so ca. 2200 SFr monatlich sprangen, glaube ich, raus. Auch wenn die Schweiz teuer ist, kann man von dem PJ-Gehalt dort gut leben.


zu 6. glaube schon, dass man, wenn man sich engagiert, es dort zum OA bringen kann.....


Supermodernes Zentrum in wunderschöner Gegend direkt am Sempacher See. Ca. 20 km von Luzern entfernt. Und in den Bergen ist man auch schnell.
Es ist traumhaft, nach der Arbeit im Sempacher See zu schwimmen mit Blick auf die nicht allzu weit entfernten Berge... Das SPZ hat kein eigenes Wohnheim, man muss im Wohnheim vom Spital in Sursee wohnen, oder sich privat was suchen. Ich persönlich habe sehr nett bei einer Familie in Nottwil auf einem Bauernhof gewohnt. Das Zimmer war mir auch vom SPZ vermittelt worden. Als UA hat man keine Dienste. Aber es kann sein, wenn zu wenig Assistenten da sind, dass man als UA recht schnell ne ganze Station übernehmen muss. Und ziemlich eigenverantwortlich arbeiten kann und muss. Aber man lernt viel! Und kann auch immer fragen. Und es ist auch interessant, mal die Betreuung von Paraplegikern kennenzulernen.

Die Niere
09.08.2004, 21:13
Hey super Bericht. Vielen Dank dafür...auch wenn ich Deine Erfahrungen mit den Schwestern in der Schweiz bis auf wenige Kleinigkeiten so nicht nachvollziehen kann...

Zu 5.: Es ist definitiv die best bezahlteste UA-Stelle in der Schweiz und es hat mich schon immer interessiert, wie es dort ist.

gruesse, die niere, die hofft, dass ein solcher Bericht wieder einmal Ansporn für andere ist, auch so etwas zu verfassen.

statuscuriosus
09.08.2004, 23:59
Hallo Niere,

danke für das Lob! :-blush
das mit den Schwestern ist mir speziell so in Nottwil aufgefallen. In Stans und St. Gallen war es eher das Gegenteil, da haben die Schwestern sozusagen den Laden geschmissen und warendabei ziemlich kompetent (da muss ich auch irgendwann nochmal in meiner Erinnerung kramen und was drüber schreiben).

LG status