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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Famulatur Chirurgie - St. Elisabeth Krankenhaus Zweibrücken



hassabasta
17.09.2005, 21:20
Hallo allerseits,

heute möchte ich Euch über die Erfahrungen als Famulus in der Chirurgie des St. Elisabeth Krankenhauses berichten. Mein Artikel kommt ein bißchen verspätet (die Famulatur war bereits im März/April 2005), aber wie ich hoffe noch rechtzeitig genug, um vielleicht den einen oder anderen vor einem riesigen Reinfall zu bewahren.


1. Allgemeine Daten zur Klinik
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- Stadt: 66482 Zweibrücken
- Klinik: St. Elisabeth Krankenhaus gGmbH
- Abteilung: Allgemein- und Gefäßchirurgie
- Chefarzt: Dr. Metzner
- Ansprechpartner: Sekretariat (06332 82-8370), Bewerbung formlos und unproblematisch
- Postalische Adresse der Klinik: Kaiserstr. 14, 66482 Zweibrücken
- Internetadresse der Klinik: http://www.krankenhaus-st-elisabeth.de/

2. Betreuung und Arbeitsklima
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- Von wem wurdest du betreut? eine feste Betreuung wurde nicht festgelegt, meist durch etwaige Stationsärzte
- Wie schätzt du die Betreuung ein?
recht bescheiden; es gab bei Problemen keinen wirklichen Ansprechpartner; von Seiten vieler Ärzte bestand auch kein Interesse an der Betreuung des Famulus
- Gibt es Famulanten oder PJler auf Station im Haus? in meiner letzten Woche kam eine weitere Famulantin in die Abteilung (Famulanten sind jedoch im Allgemeinen hier jedoch eher selten); keine PJs, da kein Lehrkrankenhaus
- Wie war der Umgang im Team?
so weit in Ordnung, jedoch bestand im Team unter den meisten Ärzten ein etwas distanziertes Verhältnis; deutlich ausgebildete Hierarchie

3. Praktische Tätigkeiten / Aufgaben / Tagesablauf
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- Welche Vorkenntnisse hattest du? recht gute anatomische Vorkenntnisse, sonst keine chrirurgischen Vorkenntnisse
- Dein Aufgabengebiet: Station, OP, Ambulanz (gemischt, je nach Lust und Laune)
- Arbeitszeiten: 7.30 bis 16.00 Uhr
- Beschreibe kurz deinen Tagesablauf:
7.30 Uhr: sehr zügige Visite
8.00 Uhr: Morgenbesprechung
ab 8.30 Uhr:
- Stationsarbeit (Blut abnehmen, Braunülen legen (selten, meist schon vorab in Ambulanz), Verbände machen, z.T. Aufklärungen)
- OP (Haken halten, Faden schneiden)
- Ambulanz (selten Anamnese, sonst eher zuschauende Tätigkeit)
14.30 Uhr: Röntgenbesprechung
15.30 Uhr: Erstellen des OP-Plans des nächsten Tages, anschließend Visite auf der Intensivstation

4. Drumherum
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- Verpflegung: komplettes Mittagessen wurde gestellt (meist sehr akzeptable Qualität)
- Möglichkeit der Verkehrsanbindung: sowohl gut mit dem Auto (jedoch Parkplatzmangel) als auch mit dem Bus (ab Homburg Hbf.) zu erreichen
- Arbeitskleidung: wurde nicht gestellt, Kittel war jedoch ausreichend

5. Resumee / Fazit
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- Was hat dir sehr gut gefallen?
Hier sind v.a. die Operationen zu erwähnen, die ich mir jederzeit anschauen konnte: das war rein von anatomischer Seite schon ein sehr interessanter Einblick, jedoch hätte sich bestimmt vor dieser Chirurgie-Famulatur eine entsprechende Vorlesung im Vorfeld als nützlich erwiesen. Sehr beeindruckend war auch die Mannigfaltigkeit des Spektrums dieser jedoch eher kleinen Abteilung: von laparoskopische Eingriffen (v.a. Cholezystektomie, LH) über die kleinen und großen Gefäß-Eingriffe (Bypässe, Amputationen,...) bis hin zu den Bauch- und Hals-OPs. Auch die Möglichkeiten, sich orthopädische Eingriffe anzusehen (Abteilung Unfallchirurgie) war erfreulicherweise gegeben.

- Was hat Dir überhaupt nicht gefallen?
Trotz des recht freundlichen Umgangs von Seiten der meisten Ärzte mir gegenüber, bin ich nicht wirklich in das Team integriert worden und hatte oft enorme Leerlaufzeiten, in denen ich absolut nichts zu tun hatte. V.a. im OP durfte ich außer Hakenhalten fast gar nichts machen, Erklärungen waren Mangelware und auf Nachfrage wirkten viele der Ärzte oft sehr genervt. Insbesondere der Umgang mit dem Arzt in der Ambulanz war katastrophal, der weder was von Famulanten noch von kollegialem Umgang untereinander hielt (überspitzt ausgedrückt: wer ihn nervte (und er war sehr rasch genervt), hat eins auf den Deckel gekriegt - das galt übrigens auch gegenüber des anderen Personals und der Patienten). Natürlich gab es auch hier löbliche Ausnahmen unter den Ärzten :-): Insbesondere J. Bruns, A. Doerr und O. Bücheler möchte ich hiermit für ihr Engagement im Klinkalltag danken.

- Wenn Du Deinen "Zustand" (emotional und in Bezug auf fachliche Kenntnisse) vor dem ersten und nach dem letzten Tag vergleichst, wie würdest Du die Entwicklung während der Famulatur einschätzen? Diese erste Famulatur war ein absoluter Reinfall (verlorene Zeit, da ich kaum was gelernt hatte: Am meisten integriert wurde ich erstaulicherweise von den Orthopäden, die ja in der unfallchirurgischen Abteilung des Hauses tätig sind.) Jedem Studenten, der erwägt in diese Abteilung zu gehen, kann ich nur raten, sich dies nochmals genau zu überlegen, da man hier weder auf Famulanten eingstellt noch an ihrer Ausbildung interessiert ist. Da ich mittlerweile eine weitere Famulatur in einem anderen KH (diesmal Innere) gemacht und dort sehr gute Erfahrungen gemacht habe, hoffe ich, dass solche Erfahrungen doch eher die Ausnahme bleiben werden.

LG hassabasta

Pünktchen
02.10.2005, 13:19
Hi Hassabasta :-)

Danke für den konstruktiven Famulaturbericht. Meine erste Famulatur war auch von der mangelnden Wissensbereicherung geprägt, da die gar nicht wussten wie sie mich als Student nach dem 5.Semester einsetzen sollten. Dafür war das Team aufmerksamer und an manchen Tagen gab es sogar teaching :-keks

Schön das es auch solche ehrlichen Beiträge gibt :-top

Gruss
pünktchen
-Moderatorin-

Werwolf
02.10.2005, 14:17
Zitat "V.a. im OP durfte ich außer Hakenhalten fast gar nichts machen"

@hassabasta: Mal ´ne Frage- was erwartest Du eigentlich? Vorkenntnisse- abgesehen von Anatomie- gleich null. Kein Chirurgie-Kurs oder VL o.ä. Aber selber mal´n Wurm operieren als Famulus?! Oder erste Assistenz bei größeren Eingriffen (mit Ligaturen knoten, etc.), während der Assistenzarzt Haken hält?
Sorry, aber da kann ich leider nur sagen: Wer mit solchen Erwartungen in eine Chirurgie-Famulatur geht, MUSS enttäuscht werden. :-((
Das funktioniert einfach nicht. Und die "höherwertigen" Assistenzaufgaben (Ligaturen, etc.) erfordern nunmal ein bißchen Übung, die man sich erstmal außerhalb des OPs holen sollte. Das Gleiche gilt für die Hautnaht- auch eine Aufgabe, auf die Famulanten und PJs scharf sind. Aber auch hier kann ich nur sagen- wer sich vorher zu schade war, das mal ausführlich an Schaumstoff, Schweinefüßen oder anderen geeigneten Gegenständen zu üben, der sollte das dann nicht unbedingt im OP machen.
Übrigens- auch die Jungassis fangen mit "Haken- und Maulhalten" an. Ist natürlich unerfreulich, aber es geht halt nicht anders. Insofern würde es schon allein aus "Gründen der Hierarchie" ;-) , die Du ja während Deiner Famulatur auch feststellen konntest, nicht funktionieren, daß der Famulus "mehr" machen darf als ein Assistenzarzt. :-))
Du schreibst außerdem, es habe während der OPs keinerlei Erklärungen gegeben bzw. es wurde genervt reagiert. Das ist natürlich ärgerlich, aber Du sagst, Du hattest quasi null Vorkenntnisse. Wenn den Ärzten das nicht bewußt ist, reagieren sie eventuell genervt, wenn sie nach "Basics" gefragt werden, die in der ersten Chirurgie-VL erzählt werden. Und manche reagieren generell genervt, wenn sie während einer OP angesprochen werden... :-D

Das soll nur ein Versuch sein, den Gründen Deiner Enttäuschung ein bißchen von der "anderen Seite" auf die Spur zu kommen. Außerdem scheint mir Deine Enttäuschung typisch zu sein und nicht "krankenhausspezifisch". Insofern kann das vielleicht ein allgemeiner Rat oder Tip für zukünftige Chirurgie-Famulanten sein, sich nicht zu große Hoffnungen auf Heldentaten im OP zu machen. :-(( ;-) :-)) Haken- und Maul halten- wer dazu nicht bereit ist, sollte lieber woanders famulieren. :-nix Klingt *******, weiß ich. :-(( :-)) Und vorher (oder wenn während der Famulatur mal "Leerlauf" ist) nähen üben! Dann schnappt man sich mal ´ne Kopfplatzwunde in der Ambulanz, näht unter Aufsicht, es wird festgestellt "Famulus kann das!". :-top Und von da an macht das halt der Famulus. Und wenn er DAS kann, hat er auch im OP eher mal Chancen, die Haut zu nähen. :-top ;-) :-))

Zoidberg
02.10.2005, 15:54
und da wundern sich noch manche, dass es Leute gibt, die Chirurgen nicht leiden können :-)) :-)) :-))

Werwolf
02.10.2005, 19:12
:-)) :-)) Nöööö... ;-) :-))
Nicht alle Chirurgen sind ahnungslose, arrogante A***, die (mit Glück) handwerklich ganz geschickt sind, aber ansonsten von Medizin keinen Plan haben, trotzdem aber gleichzeitig so tun, als hätten sie die Weisheit gepachtet. Dieses Klischee-Denken und "In-Schubladen-Pressen" geht mir schon ein bißchen auf´n Keks. Aber wenn wir schon dabei sind: Chirurgen sind halt vielleicht einfach nur ein bißchen direkter und kommen deswegen rempelig rüber. Wenn ein Internist von einem ahnungslosen Famulus irgendeine Frage gestellt kriegt, rollt er vielleicht bloß innerlich mit den Augen, wahrt aber die Form und erklärt. :-stud Der Chirurg hingegen rollt tatsächlich mit den Augen und reagiert genervt. :-(( Und der Psychiater hat natürlich für alles Verständnis, redet umständlich um die Frage herum und endet schließlich mit einer Gegenfrage- wie man sich denn so fühlt als Famulus... ;-) :-))

Spaß beiseite- ich will auch nix beschönigen. Ich glaube nur nicht, daß die Erlebnisse von Hassabasta "krankenhausspezifisch" sind. Es ist halt einfach nur so, daß viele Famulanten mit echt aberwitzigen Vorstellungen eine Chirurgie-Famulatur beginnen und dann am Ende bitter enttäuscht (und vielleicht auch auf ewig vergrault aus diesem Fach) sind. :-nix Das finde ich schade und eigentlich unnötig. Deswegen mein Erklärungsversuch. IMHO kann eine Chirurgie-Famulatur zum ganz großen Reinfall werden, wenn man null Vorkenntnisse hat oder wenn´s die erste Famulatur ist. Ein paar Gründe habe ich schon genannt, und es gibt sicherlich auch noch mehr. Wer´s dennoch versuchen will, muß einen gefestigten Charakter haben oder ein bißchen masochistisch veranlagt sein ;-) :-))
Besser ist es, mit ein paar Vorkenntnissen - am besten auch praktischer Natur- in so eine Famulatur zu gehen. (Ja, ich weiß, eigentlich sollte die Famulatur die Kenntnisse liefern. Aber...) Denn die Sachen, die sich Famulanten von der Famulatur versprechen, nämlich im OP mal ´n bißchen mehr als Haken und Fresse halten, vielleicht mal die Haut nähen oder in der Ambulanz mal ´ne Kopfplatze versorgen, die funktionieren halt meistens nur, wenn schon ein paar Basics vorhanden sind.

Was natürlich in hassabastas Famulatur offenbar wirklich sch*** gelaufen ist, ist die Tatsache, daß kein Unterricht stattgefunden hat. Dafür gibt´s zwar vielleicht auch irgendwelche Erklärungen, aber wenn man als Krankenhaus einen Famulus/PJ beschäftigt, sollte man ihn natürlich nicht bloß ausnutzen (Blut abnehmen, Haken halten, Röntgentüten suchen, :-(( :-)) ), sondern auch mal "was bieten". Z.B. Nahtkurs (praktikabler, wenn nicht bloß ein Student da ist, kann man, wenn die Herrschaften Schaumstoff amtlich vernäht haben, auch mal in die Patho verlegen..), etc. Und darunter verstehe ich nicht bloß "hochoffiziellen" Studentenunterricht, den es ja eigentlich bloß an Lehrkrankenhäusern gibt, wenn da regelmäßig Studenten rumturnen. Damit meine ich eher, daß irgendein Arzt dem Studenten mal in Ruhe irgendwas erklärt, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Lange Rede- kurzer Sinn:
- Ch-Famulatur ohne Vorkenntnisse nur zu empfehlen für absolute Hardcore-Typen. :-))
- Keine überzogenen Vorstellungen entwickeln, was für Heldentaten man im OP vollbringen darf! (Keine- Hakenhalten gilt nicht als Heldentat, auch wenn das Leben des Patienten ohne adäquat gehaltenen Haken u.U. nicht so schön hätte gerettet werden können :-)) ;-) )
- Vorkenntnisse sind ungemein hilfreich (man hat mehr von der Famulatur/dem PJ, wenn man schon weiß, worum es geht. Und praktische Kenntnisse führen vielleicht dazu, daß man mal "Hand anlegen" darf.)
- Chirurgen sind nicht grundsätzlich Ar**** :-))

Bille11
02.10.2005, 20:41
das will ich mal ganz ausdruckslos so unterschreiben..

du kannst nix erwarten, wo nix ist.

btw.. in meiner ersten famu hab ich ne weber-b "allein" versorgt.. mit cheffingern als assistenz, aber denke nicht, dass ich damit die lizenz zum eigenständig-operieren hätte.. war einfach nur verdammt viel glück und nettigkeit... ansonsten assistenz in 1. oder 2. assistenz, nie höher als der assistent. da fand ich "im op-überhaupt mit an den tisch dürfen" schon ein verdammtes glück!

und in meiner letzten famu hab ich, wenns hoch kam, 2. assistenz, seltenst mal die 1. (weil der OA so dem operierenden assistenten besser erklären konnte:-))) gemacht, aber es hat mich nicht im geringsten!!! gestört. weil es nun mal so ist. hierarchie ist einfach wichtig... und KÖNNEN tust du halt auch nix.. und wieso solltest du VOR dem, der mehr weiss&kann als du, stehen.. auch wenn der assi sich manchmal echt blöd angestellt hat, nach deinem subjektiven empfinden.

was sich - hoffentlich - geändert hat, ist die dumpfheit meiner fragen.. :-))