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Susannchen
21.08.2001, 20:52
Wie war das Präppen eigentlich bei Euch ? Hier in Hannover fand ich es Klasse, da es Themenbegleitend durch die ersten beiden Semester war, was wohl nicht überall so ist. Ich konnte auch mal mit und habe mich dann lange mit Kommilitonen meins Liebsten unterhalten, wie sie mit der Thematik umgehen. Haltet Ihr Euch für vorbereitet, mit dem Tod umzugehen ?

Ich weiss, ein heikles Thema, aber da wir herausgefunden haben, dass wir über zukünftige Themen nicht diskutieren können und ich die sonstigen Forenbeiträge überwiegend zwar hochamüsant, aber wenig produktiv finde - warum nicht über solche Dinge reden, mit denen Ihr Euch bereits auseinanderstzen musstet und die Euch noch sehr beschäftigen werden ....

neoy
21.08.2001, 21:06
Liebes Susannchen,

ich kenne keinen Medizinstudenten, der sich vor dem Präpp-Kurs ernsthaft fragt, ob er auf den Tod vorbereitet ist. Es wird einfach vorausgesetzt.
Ähnlich dürfte es doch bei Dir gelaufen sein, oder gibt es im Rahmen der Schwestern-Ausbildung einen Kurs für Sterbebegleitung?
Ich denke sogar, daß dies auch gut so ist, denn das Erleben des Todes (anderer Menschen) ist für jeden individuell verschieden.
Und wer sich für einen medizinischen Beruf entscheidet, muß sich doch auch darüber klar sein, daß zum Leben auch der Tod gehört.

neoy

Melqart
21.08.2001, 21:26
So richtig wohl habe ich mich im Präpsaal ehrlich gesagt nie gefühlt.
Da war doch irgendwie immer ein bisserl ein seltsamer Beigeschmack (oder besser -geruch) dabei...

Im Nachhinein war es aber schon wichtig, und im Vergleich zu Physio und Biochemie eher harmlos!

Freiburger
21.08.2001, 21:29
Du hast Dich im Präpsaal nie wohlgefühlt, aber ich fühle mich im Präpsaal immer noch nicht so ganz wohl. Ich freue mich schon auf nächste Woche!

Freiburger
21.08.2001, 21:30
Schadenfreude bitte hier abladen!

Melqart
21.08.2001, 22:32
ist mir Befehl!


RATATATATUM! (Das war das Geräusch, wenn man einen Riesenberg Schadenfreude ablädt, direkt vor dem Schlossberg)

Ich freue mich schon darauf, Dich zu Bodo & Gisa zu begleiten...

Freiburger
21.08.2001, 22:39
Ich hoffe mal, in dieser Schreibweise ist das nicht auf der Ausschlußliste zu finden - haha, voll ausgetrickst! :-)
Aber ohne Witz, ist wohl tatsächlich so, aber das werde ich ja morgen endgültig erfahren.

Daniel Thomas
22.08.2001, 11:13
Von Bodo ist ja nun nicht die Rede und die zwei Wochen im Praepsaal bringen wir sicher auch noch rum. Und statt hier eure Schadenfreude abzuladen, lernt ihr "in den verbleibenden zwanzig Minuten" mal schoen wieter Physio.

Freiburger
22.08.2001, 11:39
Sonst könnte es nämlich passieren Komma daß el chefo Euch in den verbleibenden 180 Minuten so ein paar essentielle Sachen fragt, die Euch noch gar nicht so kristallklar sind.
:-)) :-)) :-))

Dr Sommer
22.08.2001, 11:51
Die Evidenz Deiner Aussage wird uns unmittelbar daraus ersichtlich.
Wenn wir nun ERSTENS am Freitag den ganzen Rotz (zwei Wochen VOR EUCH!) hinter uns haben, dann macht uns ZWEITENS das Spucken auf die Foli doppelt so viel Spass!

Melqart
22.08.2001, 11:54
Dann können wir ja jetzt voll loslegen, Freiburger! Dumssau!!!

Hey! Moin Sommer! Wie geht das???

Froschkönig
22.08.2001, 19:39
so Susannchen, ich erzählö Dir mal, wie das bei uns war....
Im allgemeinen waren wir im Präppsaal zum erstenmal, als hätte man uns ins kalte Wasser geworfen...
das positive in Regensburg ist, daß es nach Ende des Kurses einen Gottesdienst gibt, bei dem alle Präp Leichen mehr oder weniger anwesend sind (in Urnen).
Die Studenten sind angehalten, daran Teilzunehmen und ich muß sagen, das hilft einem sehr, wenn man diese Leute, die die Wissenschaft über den Tot hinaus unterstützt haben, zu Grabe trägt, denn man ist gezwungen, sich gedanklich noch einmal damit auseinanderzusetzen...und man findet dabei seinen Frieden mit dieser Angelegenheit.

Susannchen
22.08.2001, 19:49
Den ersten Kontakt mit einer Leiche hatten wir bei der 3. Anatomievorlesung. Prof. Dr. Papst hatte eine Leiche zur Anschauung "mitgebracht". So hatten wir wohl nicht ein so einschneidendes Erlebnis (am ersten Präptag haben wir "unsere" Leichen dann erstmal angeschaut .... dann ging es los, einmal die Woche nach Präpskript ....).
Einen Gottesdienst gab es bei uns auch (z.T. mit Angehörigen) - kann mich Deiner Ansicht dann nur Anschliessen.
Hochachtung vor den Menschen, die sich der Wissenschaft zur Verfügung stellen.
Die Ausstellung "Körperwelten" brachte uns dem Thema auch nahe .... Wir haben Respektserweisungen da vermisst.

Dr Sommer
22.08.2001, 19:57
Aber den ersten Kontakt mit einer LEiche hatte ich am Einführungswochenende. Es war in meinem Bad, schuld war der Alkohol und die Leiche hieß Melqart!

Susannchen
22.08.2001, 19:59
Sommerchen Du hast wohl die Warnung vom Medi-learn-Team nicht gelesen:-)) ... ich verabschiede mich für heute und wünsche frohes Lernen und mir mehr Geduld auf´s warten für die blöde Einladung *grummel*

Schlaft schön

Froschkönig
22.08.2001, 20:11
...ist heute so umstritten, wie zum beginn der ausstellung.....
Mein Histo-Prof hatte mit Professor von Hagens zu tun....
Sein Story-Highlight war, daß Professor von Hagens bei der Geburt seines ersten Sohnes durch den Kreissaal getobt sein soll mit den Worten "Wo ist die Plazenta..ich werde sie plastinieren"
Und er verschwandt damit, ohne sich um seinen Nachkömmling zu sorgen.............. ;-)

Freiburger
23.08.2001, 02:34
... gab es so einen Gedenk-Beerdigungs-Gottesdienst nicht, und auf unsere sich selbstverständlich ergebende Frage danach wurde uns erklärt, daß die meisten Angehörigen sich gerne in Ruhe und in vertrauter Runde von ihrem (schon seit einer Weile) Toten verabschieden wollten und ihre Trauer dabei nicht mit Medizinstudenten teilen, ja am liebsten gar nicht wissen wollten, wer da mit ihrem Verwandten oder Freund anatomisch zu tun hatte. Dazu kommen ja auch noch Probleme des Datenschutzes. Hat das bei Euch keine Rolle gespielt???

Steffster
23.08.2001, 09:21
wir hatten sogar zwei (einmal auf dem friedhof und die andere im krematorium). da es sich ja um ein (mehr oder weniger) massenbegräbnis handelte, konnte man ja keine leiche weiter zuordnen. der pfarrer hat aber schon die namen und sterbedaten vorgelesen.
ich muß sagen, für mich fand ich das sehr sinnvoll und hilfreich. erstens führt einem das wieder vor augen, daß es menschen waren, die da vor einem lagen und die angehörige haben, deren trauerarbeit durch diese lange verzögerung und die ungewißheit (was machen die da) bestimmt nicht einfach ist. denn nach anfänglicher unsicherheit, ging man am ende doch recht robust mit den leichen um (ich denke ein ganz normaler abwehrmechanismus).
man konnte so nochmal einen schlußstrich ziehen, sich gedanklich nochmal verabschieden und bedanken. denn alles in allem müssen wir echt dankbar sein, daß es leute gibt, die sich für unsere ausbildung zur verfügung stellen.
was ich von den angehörigen mitbekommen habe, waren die zum größten teil sehr dankbar für diesen abschied, den wir studenten mitgestaltet haben (chor, instrumentelle stücke, reden). sie haben uns mal erlebt, unseren dank gehört. ich denke gerade für ihren abschied zeigt ihnen das, daß die studenten nicht unverantwortlich mit ihren angehörigen umgehen.
(der foramlingeruch in der kapelle war aber unumgehbar...)

naja, fazit ist ich denke es ist für beide seiten sehr hilfreich

Susannchen
23.08.2001, 09:26
Mein Liebster sagt : die Angehörigen bekamen eine Einladung und wer dann wollt, konnte teilehmen - Namen wurden dabei selbstverständlich nicht genannt.

Um diese Thema mal ein wenig aufzulockern : Nach dem Präpkurs gab es zur Übung das "Märzpräppen", wobei ich auch die Ehre hatte Herrn Dr. Thorns "in Aktion" zu sehen .... Die Leiche, die die Gruppe mit meinem Liebsten hatte, sollte irgendwo in der A. iliaca einen Tefloneinsatz haben. Nachdem es die Jungs geschafft hatten, nicht sofort nach dieser zu suchen, sondern erstmal Haut, Rücken und Beine präpariert hatten, machte man sich an die Eröffnung des Bauchraumes .... nachdem die Bauchdecke weg war .... irgendwo unterhalb der Stelle, wo Profis nach dem Appendix sehen, machte einer einen Schnitt ..... suchte .... alle suchten .... ganz vorsichtig .... und dann .... Dank der Ungeduld (oder warum auch immer) ..... suchte der Komilitone ein wenig forscher .... und wir sahen, was nach der Konservierung aus dem Darminhalt geworden war *g* .... ich waltete meines Amtes und holte schnell Tücher und tamponierte .... natürlich nicht ohne meinen Lieblingspruch :" Was wärt ihr ohne uns" los zu werden :-)) Das Teflonteil habe ich leider nie gesehen, denn an den Folgenden Tagen hatte ich Dienst und konnte nicht mehr mit ....

Susannchen
23.08.2001, 09:33
So denken wir auch. Hochachtung vor den Menschen, die sich dafür zur Verfügung stellen.

Manchmal ist es gut, dass "die Leute" nicht wissen, was so alles im Rahmen der Medizin passiert. Da ich so gerne Geschichten erzähle, auch hierzu eine :
Als wir noch keine eigene Waschmaschine hatten, brachten wir die Wäsche meines Liebsten zu seinen Eltern. Einmal holten sie ihn ab und seine Mutter fragte, was das für Wäsche ist (vermutlich hat sie in Gedanken schon in der Waschküche sortiert) .... Marc erzählte was von "Präpkittel" und musste ihr erklären, was das ist ..... Der Kittel kam mit grösster Verachtung und Ekel belegt in einer separaten Tüte in den Kofferraum .... *g*