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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #36
    Registrierter Benutzer
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    Hallo,
    hab zwar hier noch nie was geschrieben, doch etwas muss ich zu dem Thema auch loswerden...

    Auf einem der Betreuungsplätze war ich als Helfer quasi an der letzten Front eingesetzt. Der große Ansturm bei uns blieb aus, doch einige Sachen sind mir doch gut in erinnerung geblieben:
    Ich habe größten Respekt vor den Leuten, die im Tunnel gerettet haben. Zu uns kamen junge, aber auch ältere, erfahrenere Helfer, die völlig fertig waren. Der eine hatte fleißig Betroffene gebracht, dann ließ er für sich selbst die Registrierung ausfüllen.
    Die wenigsten von uns hatten Erfahrung mit größeren KatSchutz-Einsätzen, so entstand auch der folgende O-Ton eines Kollegen: Das ganze sah aus wie bei einer sehr gut gelungenen Großübung. Nur "irgendetwas" war halt doch anders...
    Einer dieser kleinen Unterschiede waren der stundenlange unterschwellige Hubschrauberlärm der vielen RTHs und der Signalanlagen. Das ging von 17.00 Uhr bis ca. 22.00 Uhr wirklich ununterbrochen...

    Ich muss sagen, zum Glück war von der Rettungs-Infrastruktur doch schon recht viel gegeben. Tagsüber waren wir völlig unterbeschäftig, ich zweifelte echt schon an der Sinnhaftigkeit des Betreuungsplatzes (bis 17.00 Uhr nur von einer handvoll Leute besucht) und fand es total überflüssig, dass Notfallseelsorger anwesend waren. Um 18.00 hatten wir plötzlich nur noch ein oder zwei Notfallseelsorger für doch recht viele Betroffene, die echt fertig mit den Nerven waren. Da wünschte ich mir nichts sehnlicher... (nach einiger Zeit waren auch sehr viele da)

    Für mich selbst war das ganze zwar schwer, aber ertragbar. Es war möglich, zu extrem stark Betroffenen zu zweit zu gehen und sich ihre Geschichten anzuhören. Den ganzen Abend über war der Austausch zwischen uns Helfern sehr groß.

    Das war mein kleiner Bericht als eins der (wie in den Medien stand) über 5000 Rädchen in der Rettungsmaschinerie (die ingesamt trotz kleiner Einzelpannen doch recht gut gelaufen ist).



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  2. #37
    Registrierter Benutzer Avatar von RS-USER-Shalimah
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    @ Maria:
    zu welcher HiOrg in DU gehörst du? wenn ich so neugierig sein darf.
    Im Notfall einfach dran denken: der Patient hat angefangen.



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  3. #38
    Registrierter Benutzer Avatar von GoldariusFlorianis
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    @ Smile Angel

    Das Patienten nicht sorgfältig aussortiert wurden `kann ich definitiv vermeiden, es wurde streng sortiert.

    Maria kann ich in allen Punkten nur Zustimmen, auf einen Kollegen der sich an einem Poller eingerenkt hatte kamen gleich 2 Kit-H's gestürzt weil sie dachten er hat zuviel gekricht.

    Von meiner Seite (JUH, Bereitstellungsraum DDorf,BHP Bergisch-Land) kann ich nur berichten dass der Einsatz von der Betreuungsseite her super war. Essen war reichlich und rund um die Uhr vorhanden, süß,warm, kalt. Der Schlafplatz war großzügig und die Mitschnarcher sehr kollegial. Die Betreuung der PSU wahr allein schon unter dem Gesichtspunkt Ökumene hervorragend.

    Gefehlt hat mir eine Einsatz/Lageeinweisung bzw. Mappe mit Infos zum Thema SoSi,Wegbeschreibungen,Kanäle/Ansprechpartner. Da wir aber nicht als Fzg eingetragen waren auch kein Kritikpunkt, es war eben leicht hektisch.
    The Gospelliter -- Oh happy Day



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  4. #39
    unzerbröselbar Avatar von RS-USER-Cookie
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    Glücklich ist, wer vergißt, was nunmal nicht zu ändern ist.



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  5. #40
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    Wir waren da und unsere Helfer waren die ersten vor Ort... Wir standen mit unserer Station direkt über dem Tunnel und haben eigentlich alle Patienten abgegriffen, die über die schmale Treppe hochgezogen wurden, die ihr wahrscheinlich kennt. Erst wurden nur mehrere Reanimationen gemeldet, dann wurde klar, dass das, was wir immer geübt haben Realität geworden ist.

    Ihr habt Probleme... Zu trennen wer "einfach nur so" durch Drogen oder Alkohol umfällt und wer aus der Panik kam. Wir haben mehrere hundert Personen gesichtet. Jeder, der laufen konnte wurde nicht versorgt! Nur die, die uns in die Arme gefallen sind, wurden überhaupt angeguckt. Dokumentiert wurden irgendwann nur noch die, die nicht auf eigenen Füßen das Zelt wieder verlassen konnten, sondern in ein Krankenhaus mussten.

    Ich hab keinen Überblick wieviele Patienten wir versorgt haben, bei uns gab es zwischendurch keine Dokumentation mehr... Verletztenanhängekarten sind eine gute Idee... Wieviele habt ihr auf euren Notfallrucksäcken? 5, 10 oder sogar 20? Wieviele kannst du als einzelner Helfer pro Stunde ausfüllen? Später gab es dann auch diese Karten, aber in der ersten Situation haben wir gemerkt, dass die einem nichts mehr bringen. Bei uns gab es noch 3 Kategorien, kann gehen, Ateminsuffizient und der Rest... Und die beiden Kategorien, die ins Zelt kommen, kann man sich noch merken. Ich weiß nur, dass wir etwa 200 Infusionen verbraucht haben und die meiste Zeit noch 6 Helfer im Zelt waren, da alle anderen als EVTs in den Tunnel geschickt wurden.

    Alle Ideen bei Übungen sind schön und gut, aber ich weiß nicht, wer von euch schonmal so eine Situation hatte. Da war es mir ehrlich gesagt völlig egal, ob jemand, der irgendwann wieder geht eine Dokumentation hat oder nicht. Der wird seine Familie auch selbst wieder finden... Und nur für die Statistik? Da gab es ganz andere Sorgen.

    Trotzdem wäre ich in der Situation an keinem Ort der Welt lieber gewesen als in meiner Sanitätsstation mit meinen Helfern auf die ich mich 100% verlassen konnte... Plötzlich wusste ich warum ein Einsatzsanitäter auch Zugänge anreichen und alles außer dem pieksen können muss. Für mehr als den Zugang reinzupieksen, Medikamente anzusagen und dabei den Überblick zu behalten hatte ich zumindest keine Zeit mehr. Wir waren am Ende noch 2 RA, 1 RS und 3 ES, wovon 1 RA vor dem Zelt gesichtet hat...

    Der Standardpatient war bewusstlos, hypoglycaemisch, dehydratisiert und gequetscht worden. Das war alles noch SK2... Zwischendurch Krampfanfälle, Asthma mit 40er Sättigung, beatmungspflichtige Ateminsuffizienz, Brüche, starke Blutungen, hoher Querschnitt, SHT mit einer weiten Pupille, randalierende Patienten, psychische Ausnahmezustände... Da geht es einfach nicht mehr um schöne Medizin sondern um überleben und jeder, der das nicht verstanden hat, konnte nur noch untergehen...

    Wir hatten das Glück, dass wir ein kleines bisschen vor der Lage waren. Wir hatten bereits wenige Minuten vor der Massenpanik unser Aufenthaltszelt geräumt um weitere Behandlungsplätze zu schaffen, Sichter eingeteilt und alle kleinen Versorgungen ausgesetzt, da bereits die normalen Patienten überhand nahmen. Dadurch waren wir bereits vor der Meldung im Ausnahmezustand. Schwierig war es für die nachrückenden Kräfte, die seit Jahren im Rettungsdienst und als Notarzt Individualtherapie gewohnt waren. Davon musste ich einige wieder aus dem Zelt werfen, weil sie einfach nicht in die Lage reingekommen sind. Wer sich da noch eine Infusion selbst vorbereitet, weil er einem Einsatzsanitäter nicht vertraut, dass dieser steril arbeiten kann, fliegt einfach raus.

    Ich bin froh, dass ich nicht im Tunnel war, aber bin froh, dass ich da war. Zu Hause vor dem Fernseher oder als RTW hätte ich glaub ich die Krise bekommen, wenn ich gewusst hätte, dass meine Einheit da gerade sind... Wenn die nicht dagewesen wären, ist das was anderes.

    Wir haben genauso wie alle anderen Einsatzkräfte, die vor Ort waren alles menschenmögliche getan um zu helfen... Ich weiß jetzt, dass auch die schönste Übung nicht das simulieren kann, was da passiert und plötzlich ganz viele Dinge , über die man sich sonst noch Gedanken macht, einfach egal werden...
    Ich wünsche keinem von euch und mir auch nicht irgendwann nochmal in so eine Situation zu kommen. Aber eins hab ich gelernt: Vergesst all das, was ihr sonst macht... Nur wenn ihr es schafft umzuschalten, könnt ihr die Lage noch beherrschen.



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