Zumindest wird die OP ihre Beschwerden lindern. „Auch wenn es oft Situationen gibt, die mich traurig stimmen: Wenn Operationen gelingen, sind sie eine bleibende Hilfe“, sagt Dr. Houben. „Keiner kann sie den Menschen wieder nehmen, im Gegensatz zu Medikamenten, die ge¬stohlen werden können.“ Der Alltag des Chirurgen ähnelt dem in Deutschland: vormittags OP, nachmittags Visite. Die technischen Gegebenheiten sind allerdings kaum vergleichbar. Fließendes Wasser, Licht oder Strom sind nicht selbstverständlich. Man arbeite mit sehr wenigen Mitteln, erklärt Dr. Houben. „Improvisation ist hier keine Floskel, sondern ein Muss. OP-Pfleger, die Instrumente anreichen, gibt es nicht.“
Wichtige Entscheidung: Kliniker oder Projektmanager?
„Gesundheitssysteme sind unfair, ineffizient und weniger erfolgreich, als sie eigentlich sein könnten“ – der Jahresbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2008 klingt nicht ermutigend. Jedes Jahr sterben fast 10 Millionen Kinder, meist an Unterernährung, Lungenentzündung, Durchfall, Malaria oder HIV. Viele könnten überleben, hätten sie Zugang zu einer besseren medizinischen Versorgung und sauberem Trinkwasser. Täglich sterben 1.600 Frauen und über 10.000 Neugeborene an vermeidbaren Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt, meist in armen Ländern. Ärzte wie Dr. Houben versuchen das zu ändern. Wer helfen möchte, muss sich allerdings entscheiden, wie er seinen Beitrag leisten ¬möchte. „Mediziner können wählen, ob sie ,klassisch‘ als klinischer Arzt arbeiten wollen oder mehr in Bereichen des Projektmanagements und der öffentlichen Gesundheit. Beide Arbeitsbereiche finden sich sowohl in der humanitären Hilfe als auch in der eher langfristig angelegten Entwicklungshilfe“, sagt Dr. Joost Butenop, der für mehrere Hilfsorganisationen aktiv ist. „In der Nothilfe muss man belastbar sein“, erklärt er. Man arbeitet kurzfristig, wechselt oft den Standort. „Das Arbeiten ist ziemlich unstet und nicht gerade familien¬tauglich.“ Entwicklungsarbeit sei langfristiger angelegt – man sehe aber auch nicht so schnell Erfolge. Dr. Butenop arbeitete für Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) fünf Jahre lang in der Nothilfe. „Hier kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit rasch sehen“, erklärt er. Letztes Jahr half er vor Ort, als der Zyklon Birma verwüstete, beriet bei der Kaukasuskrise und unterstützte Ärzte und Gesundheitspersonal kürzlich bei der Choleraepidemie in Simbabwe.

Dr. Kai Stietenroth, freier Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), konzentriert sich eher auf die langfristige Hilfe. In Peshawar, Pakistan, kooperiert er mit dem Gesundheitsministerium. Zu seinen Aufgaben gehört es, Krankenhäuser zu besuchen, die Krankenversorgung zu optimieren und epidemiologische Daten zu analysieren. Zudem gibt er Kurse über Gesundheitssystementwicklung, spricht mit Experten und reist viel. „Ich habe die schönste Arbeit der Welt“, sagt er. „Alle meine Fähigkeiten sind gefragt, nicht nur medizinisches Fachwissen.“
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