Betreuer und Doktorand
Kapitel 2: Wie finde ich die richtige Arbeit?
aus: Praktische Tipps für die medizinische Doktorarbeit
Was ist der Betreuer für ein Typ?
Nach den allgemeinen Fragen sind auch Details zur Person des Betreuers sehr wichtig. Ist er habilitiert oder nicht? Wenn nicht, „wer boxt die Arbeit durch", d. h. wer ist als Habilitierter für die Arbeit verantwortlich? Je nach Klinikstruktur ist das bei einem nichthabilitierten Betreuer dann meist der Sektions- oder Abteilungsleiter. Ein bereits habilitierter Betreuer ist für eine Doktorarbeit nicht unbedingt die beste Voraussetzung, da Habilitierte oft noch weniger Zeit haben und je nach ihrer Situation nicht immer motiviert sind, noch weitere Doktoranden zu betreuen.
Ein bereits habilitierter Betreuer ist für eine Doktorarbeit nicht unbedingt die beste Voraussetzung, da Habilitierte oft noch weniger Zeit haben und je nach ihrer Situation nicht immer motiviert sind, noch weitere Doktoranden zu betreuen. Andererseits benötigen Habilitierte im Gegensatz zu Habilitanden die Ergebnisse nicht mehr für ihre eigene Arbeit, sodass im Allgemeinen die Gefahr geringer ist, dass dem Doktoranden immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden. Durch den größeren Einfluss eines habilitierten Doktorvaters kann die Note evtl. besser ausfallen, vor allem, wenn er selbst Mitglied des Promotionsauschusses ist.
Welche Zukunftspläne hat in etwa der Betreuer ? Plant er die Klinik zu verlassen? Wie ist seine Stellung bzw. Funktion im Institut bzw. in der Klinik? Dies zu wissen ist natürlich für die allgemeinen Arbeitsbedingungen sehr wichtig, jedoch meist nicht direkt zu erfahren. Ein wissenschaftlicher Angestellter auf dem Abstellgleis wird dies einem zukünftigen Doktoranden sicher nicht bei der ersten Begegnung mitteilen. Hier hilft wiederum der „Buschfunk". Falls der Doktorvater einen Arbeitsplatzwechsel anstrebt, ist es nicht empfehlenswert, eine Doktorarbeit bei ihm anzunehmen. Zeitliche Angaben, auch in diesem Zusammenhang, sind wie immer mit Vorsicht zu genießen.
Wie überall, gibt es auch unter den Betreuern unterschiedliche Typen:
- Das eine Extrem sind die Chaoten. Sie residieren zwischen riesigen Papierhäufen, die bisweilen Jahre alt werden und oft auch von einer Ecke in die andere wandern. Termine sind oft schwer zu bekommen und werden manchmal auch vergessen. Ansonsten sind diese Kollegen meist sehr gutmütig und vergeben bisweilen sehr originelle Arbeiten.
- Das andere Extrem sind die Karrieristen. Sie sind bestens organisiert und feilschen um jede Minute. Ihr Umgangston ist eher arrogant und die Zusammenarbeit nicht immer einfach. Die betreuten Arbeiten kommen oft schnell zum Abschluss, da diese Doktorväter an den Ergebnissen sehr interessiert sind. Sie haben außerdem im Institut oder der Klinik meist großen Einfluss und entwickeln eine auch für den Doktoranden nützliche Dynamik.
- Dann gibt es noch die Einzelkämpfer. Sie betreuen in der Regel nur sehr wenige Doktoranden, was natürlich auch von Vorteil sein kann. Teamarbeit kann man hier allerdings nicht erlernen und bleibt eher isoliert.
Da Universitätskliniken primär Ausbildungsstätten und sozusagen Kaderschmieden für nichtuniversitäre Kliniken sind, wechseln Oberärzte und Chefs relativ häufig. Kommt ein neuer Chef, bringt er in der Regel engagierte und ihm direkt zuarbeitende Kollegen mit. Bei einem solchen Kollegen eine Doktorarbeit zu beginnen, hat viele Vorteile, da man „Mann der ersten Stunde" sein kann. Die aufzubauende Arbeitsgruppe hat noch genugend Elan und Dynamik – „neue Besen kehren gut". Nachteil ist natürlich, dass die Infrastruktur einer Arbeitsgruppe zunächst aufgebaut werden muss.
Das dauert in der Regel einige Monate. Ist man unter Zeitdruck, sollte man hier eher vorsichtig sein. Die Position des Betreuers ist oft noch nicht eindeutig definiert und hängt in entscheidendem Maße vom weiteren Wohlwollen des jeweiligen Chefs ab. Allgemeine Regeln können hier nicht angegeben werden, da in jeder Klinik eine spezielle Struktur besteht.