Auf der Suche nach einer Doktorarbeit
Tipps für die richtige Suche
Tobias Wolters
Endlich. Das ewige Lernen hat sich gelohnt, das Kreuz mit dem Kreuzen ist vorbei das Physikum ist bestanden. Nun beginnt das Klinikerleben: Weniger Druck, klinische Themen, die sich wirklich medizinisch anhören und wenigstens ab und zu mal echte Patienten. Und vor allem: endlich darf man eine Doktorarbeit anfangen. Was für alle anderen Studiengänge undenkbar ist, stellt für die Medizin die (mehr oder weniger) einzige Möglichkeit dar, einen Doktorgrad zu erwerben.
Medizinstudenten dürfen, nein müssen (asu Zeitgründen) schon während des Studiums mit Ihrer Dissertation beginnen. In allen anderen Studiengängen kann mit der Promotion erst nach dem Studienabschluß begonnen werden.Schön und gut. Aber: wie kommt man eigentlich an eine Doktorarbeit heran?In fast jedem Institut gibt es schwarze Bretter, an denen nicht nur die abgelegten Bücher der älteren Semester (Mikrobiologiebuch, 2. Auflage 1960, fast neuwertig), ultimative Fahrzeugschnäppchen (Opel Kadett, Baujahr 1984, nur 299.000 KM, nur in liebevolle Hände abzugeben) und heimeligste Appartements (50 Quadrat, keine Tiere, keine Kinder, kein Kochen, kein Damenbesuch nach 22 Uhr) angepriesen werden, sondern eben auch Doktorarbeiten. Meistens brauchen diese Aushänge in ihrer Originalität den Vergleich mit ihren literarischen, automobilen und habitatischen Kollegen nicht zu scheuen: Suchen engagierten Studenten mit Teamgeist und Interesse für Details für Studie über .....
Vorsicht: genau wie die Angebote im Reiseprospekt muß man hier erst mal zwischen den Zeilen lesen und sich einige wichtige Begriffe übersetzen: Engagiert = die Doktorarbeit geht vor, das Studium muß erst mal warten.
Teamgeist = Student
Teamgeist = Student, der neben seiner eigenen Studie auch noch in anderen Studien seines Doktorvaters aushelfen muß. Interesse für Details = Der Student ist alleine für die Arbeit zuständig, bloß nicht den Doktorvater belästigen.
Tatsächlich gibt es inzwischen jede Menge Professoren, die ihre eigene Studienzeit anscheinend komplett vergessen haben und durchaus zwei, manchmal sogar vier Freisemester von den Doktoranden verlangen. Nur welcher ernsthaft Studierende kann sich so etwas leisten? Tatsächlich findet man auch ab und zu einige interessante Angebote an den schwarzen Brettern. Dann heißt es: anrufen und sich schnellstens bewerben, denn das Angebot hängt sicherlich nicht nur einmal aus?
Eine andere Möglichkeit ist, sich aktiv in den jeweiligen Instituten vorzustellen und nach Doktorarbeiten zu fragen. Doch Vorsicht! Diese Option ist zwar äußerst ehrenwert und zeugt von Engagement, ist aber nicht ganz ohne Risiko für das Selbstbewußtsein. Vor diesen Promotionsangeboten hat der Heilgott der Medizin nämlich noch die Sekretärinnen der Profs gesetzt. Wer nun nicht unbedingt den Prof persönlich kennt oder nicht mindestens zwei Referenzschreiben aus der Tasche ziehen kann für den ist im Vorzimmer erst mal Schluß.
Aber schreiben Sie sauber ....
Wir vergeben Promotionen nur mit Tierversuchen! in einem Tonfall, daß man sich für seine Geburt zu entschuldigen beginnt, oder Setzen Sie ihren Namen auf die Liste, wir melden uns eventuell bei Ihnen. Und schreiben Sie sauber und deutlich!? das sind noch die höflichsten Sprüche, die Sekretärinnen so drauf haben. Sie haben nämlich die Macht, nein, sie sind die Macht. Sicher es gibt auch jede Menge netter Sekretärinnen. Doch in vielen Vorzimmern herrscht die Meinung vor, daß nicht die Professoren und Doktoren Dissertationen vergeben, sondern die Sekretärinnen. In diesem Fall heißt es, entweder abzuwarten oder direkt dem Prof aufzulauern.Auch das Internet stellt inzwischen eine Bereicherung für den Promotionssüchtigen dar. Nicht nur bei Medi-Learn gibt es ein virtuelles schwarzes Brett. Auch auf vielen Uni-Homepages gibt es Foren, in denen Doktoranden gesucht werden.
Man muß übrigens nicht immer hinter den Angeboten herlaufen. Manchmal kommt das Angebot auch auf einen zu, in Form eines kleinen Tips bei der Famulatur. Oder man fragt einfach mal einen Arzt, mit dem man gerade zufällig zu tun hat, ob er etwas wüßte (z.B. im U-Kurs, oder nach einer Vorlesung). Natürlich sollte man auch die Ohren offenhalten, wenn die Kommilitonen in der Mensa von ihren Arbeiten erzählen.
Oftmals gibt es nämlich Anschlußstudien.
Wichtig ist aber, daß man nicht überstürzt handelt. Das Thema muß einen wirklich interessieren, denn es wird einen die nächsten Semester beschäftigen. Und wer will schon zwei oder dreimal mit der Suche neu beginnen?