Überstunden ohne Ausgleich - Teil 1
Gastartikel Westfälisches Ärzteblatt
Klaus Dercks, Ärztekammer Westfalen Lippe
Überstunden ohne Ausgleich - Teil 1
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Befragung der Ärztekammer zeigt: Gratis-Mehrarbeit ist an der Tagesordnung
„Wie klappt’s mit dem Arbeitszeitgesetz?“ wollte die Ärztekammer Westfalen-Lippe im März von ihren Mitgliedern wissen. 1103 Kolleginnen und Kollegen, das entspricht 7,3 Prozent der in Westfalen-Lippe tätigen Krankenhausärztinnen und –ärzte, haben im März und April geantwortet, sodass ein repräsentatives Bild der Arbeitszeitgestaltung an den Kliniken des Landesteils entstanden ist. Und das ist wenig schmeichelhaft: Das Arbeitszeitgesetz hat die Probleme in den Kliniken nicht gelöst. Nach wie vor gibt es an vielen Häusern Mehrarbeit in beachtlichem Umfang, die zum großen Teil nicht vergütet wird.
Freizeit, Geld - oder gar nichts

Mit gut zwei Dritteln männlichen und einem Drittel weiblichen Teilnehmern spiegelt die Befragung in etwa die Verhältnisse in Westfalens Krankenhäusern wider. 45 Prozent der Befragten arbeiten als Assistenzärzte, rund ein Viertel als Oberärzte, jeder zehnte Befragte ist Chefarzt.
Rund 90 Prozent der Krankenhausärzte arbeiten Vollzeit, etwa zehn Prozent in Teilzeit. Nur 45 Prozent gaben an, in einem unbefristeten Vertragsverhältnis zu stehen. 35 Prozent der Befragten haben einen befristeten Arbeitsvertrag, ein Fünftel aller Teilnehmer wollte sich zu diesem Punkt nicht äußern. Nach Krankenhausträgern differenziert arbeiten 45 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in freigemeinnützigen Häusern, rund 41 Prozent in Kliniken öffentlicher Trägerschaft und rund zehn Prozent in privat getragenen Häusern. Jeweils gut ein Viertel der Befragungsteilnehmer gab an, in Häusern der Größe zwischen 300 und 600 bzw. über 600 Betten zu arbeiten. Ein Fünftel ist in mittelgroßen Krankenhäusern mit 150 bis 300 Betten tätig.
Nur jeder 20. geht pünktlich nach Hause
Pünktlich nach Hause? Das erleben im Arbeitsalltag nur die wenigsten Kollegen und Kollegen. Gerade einmal 5,5 Prozent von ihnen gaben an, dass bei Ihnen „nie bis selten“ Überstunden anfallen. Das Gros bleibt länger – hier lohnt genaueres Hinsehen, zunächst differenziert nach angeordneten und nicht angeordneten Überstunden:
Ein Viertel aller Befragten gab an, angeordnete Überstunden zu leisten. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) erhält für diese Überstunden keine Vergütung. Gibt es wenigstens Freizeitausgleich? Längst nicht immer: Die Hälfte der Befragten kennt keinen Freizeitausgleich.
Überstunden, die nicht angeordnet sind, absolvieren zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte in der Befragung. Nicht einmal ein Fünftel dieser Kolleginnen und Kollegen bekommt diese Überstunden vergütet, 61 Prozent erhalten keinen Freizeitausgleich.
Geld oder Freizeit – die Kompensation von Mehrarbeit ist oft schwierig und nervenaufreibend. „Freizeitausgleich von Überstunden ist gewünscht, aber nur unregelmäßig und unplanbar“, moniert ein Arzt. „Für unsere Oberärzte gibt es Überstundenpauschalen, Abfeiern nicht möglich und nicht gewünscht“, berichtet ein anderer. „Habe bereits zweimal die Verwaltung angeschrieben, um Überstunden vergütet bzw. in Freizeit ausgeglichen zu bekommen“, klagt ein weiterer Kollege. „Diese Schreiben wurden ignoriert bzw. der Chefarzt hat mit OP-Verbot gedroht.“ Andernorts sind die Ansagen nicht so klar: „Überstundenkonto wurde vom Arbeitgeber auf zwölf Monate eingerichtet“, beschreibt eine Kollegin. „Vielleicht erfolgt Vergütung, aber erst nach zwölf Monaten.“ Und manche Krankenhausverwaltung schiebt die Problemlösung weit hinaus: „Überstunden werden bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses in Freizeit umgewandelt. Tatsächlich waren es so viele Überstunden, dass die Kollegen monatelang hätten zuhause bleiben können“, berichtet ein Befragter.